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Warum hatten die Spitzenmodelle 2 Mittelwellen- Bereiche?

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Papers » Principles of schematics etc. » Warum hatten die Spitzenmodelle 2 Mittelwellen- Bereiche?
           
Hans M. Knoll
Hans M. Knoll
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17.Jul.04 20:40
 
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Warum hatten bei den Rundfunkgeräten die Spitzenmodelle,  u. a. die von GRUNDIG, in den fünfziger Jahren zwei Mittelwellen -Bereiche?

Hier wird aufgezeigt was es damit auf sich hat

Gleichlaufwerte  (Abweichungen) im Vergleich beim Superhet,  bei einem durchgehenden  Bereich bei MW (510 - 1620 kHz)  und der Version mit zwei aufgeteilten Bereichen bei MW (510-950) und (900- 1620kHz) 
Ausgangspunkt. Bis 1955 waren 2 Mittelwellenbereiche  bei Grundig Spitzengeräten ( und vielen anderen Herstellern) die Norm.  Mit der zunehmenden Bedeutung von FM trat der MW Bereich immer mehr in den Hintergrund. Der Aufwand für zwei Mittelwellen Bereiche wurde nicht mehr bezahlt.   Hier zwei fiktive Beispiele:  "A" Bei dieser Kurve wurde ein Drehko angenommen mit einem Ca = 20pF  und einem Ce = 520pF. Die Vorkreisgüte bei 510 kHz = 150 und bei 1620 = 100 . Das sind noch Werte wie sie ohne Ferrit Antenne, also mit Hochantenne üblich waren. Keine Superwerte ! Bei FA,  muss wegen  der geringeren Aufnahmefähigkeit dieser Antenne, mit einer Güte bis zu 300 gearbeitet werden!  
Die Fehler werden dabei doppelt so gross.  Die Bandbreite des  Vorkreises ergibt sich = Fres. / Q = kHz. z.B.  600 kHz / 150 = 4kHz.  Das NF -Signal wird dabei schon mit - 3dB (= 0,707) abgesenkt! Für die NF gilt die ½ HF- Bandbreite. 
 "A" hier mit einer Mittelwelle.

 



Die rote Kurve zeigt den Abfall der Verstärkung / Frequenz ( 4 x bis zu 6dB= 0,5), die grüne die Ablage des Vorkreises zur Idealkurve ( Um diesen Betrag steht hier der Vorkreis daneben. (max. +4,-8 kHz )   

"B"  Hier mit zwei Mittelwellen.

Bei dieser Kurve hier, wurde ein Drehko angenommen mit einem Ca = 15pF und einem Ce = 230pF. Die Vorkreisgüte bei 510 kHz = 150 und bei 950 = 125. Das sind noch Werte wie sie ohne Ferrit Antenne, also mit Hochantenne üblich waren. Keinesfalls  Superwerte ! Bei FA,  muss wegen  der geringeren Aufnahmefähigkeit dieser Antenne, mit einer Güte bis zu 300 gearbeitet werden!  Die Fehler werden dabei doppelt so gross.  Die Bandbreite des  Vorkreises ergibt sich = Fres. / Q = kHz. z.B.  600 kHz / 150 = 4kHz.  Das NF -Signal wird dabei schon mit - 3dB (=0,707) abgesenkt! Für die NF gilt die ½ HF- Bandbreite.

Die rote Kurve zeigt den Abfall der Verstärkung / Frequenz ( 4 x bis zu 0,5 dB= 0,95), die grüne die Ablage des Vorkreises zur Idealkurve ( Um diesen Betrag steht der Vorkreis daneben. (hier max. +0,8 -1,0 kHz )  

Der sich ergebende Gewinn ist offensichtlich.

Was diese Kurven nicht zeigen, ist das, wenn der Vorkreis nicht auf der Trägerfrequenz steht, wird ein Seitenband abgeschwächt, was aber genau besehen Verzerrungen verursacht! Daher wurden früher ( 30er) bei den Spitzengeräten am Eingang Bandfilter benutzt. Die sind breiter und alle Probleme sind damit wesentlich geringer.

Qualitative Aussagen sind dazu nur bei genauer Kenntnis der Werte zu machen! 

Im übrigen hatten die GRUNDIG Spitzen -Modelle, deshalb fast alle am Eingang ein  Bandfilter. 

"C"  Resümee:  Nachdem der Skalenweg doppelt solang ist, zeigen sich mal einfach betrachtet die Fehler auch doppelt so gross. Das kann es also nicht sein es zu tun.  Weil aber der Drehko stark verkürzt ist, ( er macht nur die 1/2 Variation)  ist sein Einfluss auf die Eichung auch um ca. 50 % geringer. 

Der Hauptgrund ist der, dass es statt drei, jetzt sechs Abgleichpunkte  mit je einem 0 -Durchgang gibt.  (2x Dreipunkt  = 2x L-Seite, 2x C-Seite  und 2x die Mitte die sich automatisch ergibt wenn alles stimmt.

Das wurde bei einem Spitzengerät einfach so erwartet!  6dB ( also statt 10uV, deshalb 20uV  und mehr) als Empfindlichkeitsschwankung und mehr, waren damals indiskutabel!

Auch wenn das jetzt nicht jeden so sehr interessiert, es ist ja eine Beantwortung einer Frage im Forum,  es ist Technik -Geschichte und deshalb unter "TEXTE" verewigt!

Weitere Texte dazu unter: http://www.radiomuseum.org/dsp_forum_post.cfm?thread_id=27928

Autor:  Hans M. Knoll

Nachsatz:  Dieser Aufsatz ist meinem langjährigen Freund und Grundig -Kollegen, Fritz Schmidt ( gest.2004) gewidmet. Das  Rechen -Programm mit dem ich hier arbeite, hat er privat geschrieben und mir gewidmet. 

This article was edited 30.Jul.04 22:24 by Hans M. Knoll .

Ernst Erb
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25.Jul.04 11:54

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Grüezi Herr Knoll
Danke für die zusätzliche Aufklärungsarbeit im Thread
http://www.radiomuseum.org/dsp_forum_post.cfm?thread_id=27928

Diesen Thread verbinde ich hiermit, denn Ihre Ausführungen zeigen nochmals anschaulich, wie man schliesslich durch eine Konstruktionsänderung des Drehkos sie unterschiedlichen Verläufe in den Griff bekam - wenn es um besondere Qualität zu günstigem Preis ging.
Hans M. Knoll
Hans M. Knoll
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25.Jul.04 12:06

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3 Hallo Herr Erb,

dass mich das mit Freude erfuellt, ist sicher nicht die Frage. 
Ich werde das Thema Gleichlauf und Drehko deshalb im Detail noch vertiefen weil es damit stets mit "TEXTE" verbunden bleibt und nicht abtaucht!

Gruesse von Hans M. Knoll

This article was edited 26.Jul.04 19:55 by Hans M. Knoll .

Herbert Odermatt † 26.Nov.05
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23.Oct.04 18:58

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4 Lieber Herr Knoll

Ihr einmal mehr anschaulicher und ausführlich beschriebener Vortrag mit den zusätzlichen Bildern, finde ich sehr eindrucksvoll und einmalig. Man (ich) lernt nie aus. Zwar habe ich, obwohl ich als "normal Sterblicher" diesen Beruf mal vor zig Jahren gelernt hatte, etwas Mühe alles so ohne weiters zu verstehen. Weder damals in der Berufsschule noch in irgend welchen Fachbüchern wird/wurde so eingehend auf dieses Thema eingegangen. Wahrscheinlich ist dies Stoff für höhere Schulen und Institutionen.
Ich bin sehr froh, schreiben Sie solche nicht alltäglichen Beiträge, um versäumtes Wissen wenigstens jetzt nachzuholen. Schade, dass alle Ihre Beiträge nicht in Buchform als Nachschlagewerk oder techn. Lexikon erhältlich sind. Aber vielleicht sind Sie im geheimen schon dran ;-)
Jedenfalls danke ich herzlich für Ihre grosse Arbeit und freue mich auf einen weiteren Vortrag/Beitrag von Ihnen.
Viele Grüsse, H. Odermatt
  
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