7 Transistor TR-7350L

Sony Ireland, Shannon

  • Year
  • 1960 ??
  • Category
  • Broadcast Receiver - or past WW2 Tuner
  • Radiomuseum.org ID
  • 249315

 Technical Specifications

  • Number of Transistors
  • 7
  • Main principle
  • Superheterodyne (common); ZF/IF 470 kHz
  • Wave bands
  • Broadcast (MW) and Long Wave.
  • Power type and voltage
  • Dry Batteries / 6 x 1,5 Volt
  • Loudspeaker
  • Permanent Magnet Dynamic (PDyn) Loudspeaker (moving coil)
  • Material
  • Wooden case
  • from Radiomuseum.org
  • Model: 7 Transistor TR-7350L - Sony Ireland, Shannon
  • Shape
  • Portable set > 8 inch (also usable without mains)
  • Author
  • Model page created by Aldo Andreani. See "Data change" for further contributors.

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Einmal mehr: das Sprichwort hat unrecht. Denn was spielt eifrig, wie am ersten Tag? – das Gold! Und was schweigt, wie ein Radio ohne Strom? – das Silber!

Seit Jahr und Tag steht ein Sony TR-7350L hier. Er glänzt goldig. Es hat gespielt, ab dem ersten Tag, da er mir ins Haus gekommen ist.

Gestern hat er Gesellschaft bekommen. Es ist ein Sony TR-7350L, Silber. Er soll nicht funktionieren. Ein Blick ins Innere, alles altbekannt, auch die beschädigten Batteriehalterungen. Es gibt einen Drahtwirrwarr… zum Schluss geht  das Radio vielleicht sogar, wenn alles richtig zusammengeschaltet ist?

Geht es? – Es geht nicht. Während Gold redet die ganze Zeit, schweigt Silber störrisch. Das Radio zeigt normalen Stromverbrauch. Es scheint auch still vor sich hin zu oszillieren. Der Heimsender knallt sein volles Signal auf die Antenne. Das Ohr kriecht förmlich hinein ins Gehäuse. Da, ganz, ganz schwach ist etwas. Das Radio läuft doch, teilweise, sehr teilweise aber nur. Der HF-Teil scheint in Ordnung zu sein.

Es gibt zwei Transistoren 2SD65. Im goldenen Gerät sind die ganz verpilzt, äusserliche Zinnfasern, das Radio aber läuft unbeirrt. Hier im silbernen keine Verpilzung, aber der zweite fühlt sich gar nicht wohl. Beim Schlagen auf die Birne verhält er sich ganz wie ein schadhafter AF115. Bei diesen Geräten ist der Wurm im HF-Teil; man könnte den Hut des Transistors abhängen, dem Transistor ein paar Mal auf den Kopf schlagen, schon liefe das Radio vermutlich. Der 2SD65 hat keinen Hutanschluss. Das Schlagen ermutigt den Transistor nicht zum Laufen. Ausbau des Chassis!

Wie macht man es? 4 Schrauben halten das Chassis, einen Metallrahmen, von oben, 2 die Platine von unten. Unten entfernt man einfach die Muttern. Aber oben? – Wo ist der Zugang? Man erblickt natürlich sofort die schönen Zierschrauben auf der Stirnseite. Die Chassisschrauben sind aber nicht am gleichen Ort, sondern weiter innen. Die Skalenplatte, die über die ganze Stirnseite läuft, sie muss ab. Nach dem Lösen der 4 Zierschrauben will sie nicht. Das ist kein Wunder, denn in der Mitte des Metallstreifens verläuft ein doppeltes doppelseitiges Klebeband. Das muss gelöst werden. Jetzt werden die Chassisschrauben sichtbar, man kann das Chassis entfernen.

Was sagt der Treiber-Transistor im Messgerät? – Völlig in Ordnung, NPN, alle Anschlüsse gut, alles picobello! – Weint der Radioreparateur da? Er lacht, denn er sieht den hfe. Der hfe ist… zwei! – Kein Wunder, muss das Ohr in den Lautsprecher! – Hat man Ersatz? Gibt es einen Germanium-Transistor NPN in der Sammlung, der in dieser Position funktionieren könnte? – Nein, denn die einst unerschöpflich gewähnten Vorräte gehen langsam zur Neige. Es hilft Silizium, ein BC549B kommt mir gerade recht. Aha, es gibt Empfang, sauber und klar. Aber leise, zu leise zum normalen Betrieb. Die Vorspannung wird angepasst, das Radio wird lauter. Noch besser geht es, sobald die 3 kleinen Elektrolyten ersetzt sind. Das Radio ist von Sony Irland. Vieles ist Irisch. Japanisch aber sind die Werte der zwei Kondensatoren: 30uF.

Dann hebt ein grosses Gepützel an. Ein halbes Jahrhundert an Schmutz wird weggeputzt, bis ein heller Silberglanz erscheint. Ein paar Lackspritzer gehen nicht ab – man verbringt nicht ungestraft sein halbes Leben in einer Garage. Am Batteriefach ändert der Fachmann vorläufig auch nichts. Ob er 6 D-Zellen einlegen wird, oder baut er doch einen Batteriehalter für 6 AA-Batterien ein?

Ist die Arbeit zu Ende, kann man Radio hören? – Die Mittelwelle läuft ganz passabel. Die Langwelle aber nicht. Die Trimmer einen Bruchteil nachstellen, schon kommt Algerien mit einem Bombensignal, und die Tschechei ist ebenfalls laut und deutlich da. Es sind die beiden letzten Langwellen-Stationen, die hier zu hören sind, möge ihnen ein langes Leben beschert sein, ‚So Gott es will!‘ und ‚Inschallah‘! ‚Si Dieu le veut!‘       

Was haben wir gelernt? Gold spielt auf Anhieb, das Silber muss das Reden erst vom Radioreparateur lernen. Nein, auf Sprichwörter ist auch nur bedingt Verlass…

Bruce Cohen, 12.Jul.26

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