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Gerätevorstellung: Selbstbaufernsehempfänger aus den 1950ern

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Wolfgang Scheida
Wolfgang Scheida
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04.Oct.11 17:43

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Gerätevorstellung: Selbstbaufernsehempfänger

Ein Sammlerkollege, Herr G. Poetschke stellt uns dankenswerterweise diese Bilder eines augenscheinlichen Selbstbaufernsehempfängers nach 1945 zu Verfügung.

Als Herkunft wird ein Nachlaßkauf aus einem Abbruchhaus in Berlin genannt wo der ursprüngliche Gerätebesitzer aus Stralsund kommend letztlich wohnhaft wurde.

Zum mechanischen Aufbau:

Vom Design her erinnert er sowohl an den Deutschen Einheitsfernseher E1 von 1939 wie auch dem Aufbau des Tschechischen Tesla 4001A oder des Sowjetischen Leningrad T1 (T2) vom dort verwendeten Rundfunkteil einmal abgesehen.

Vom Aufbau her könnte es ein Selbstbau sein, denn viele Bauteile und Lötstellen sind mit Bleistift gekennzeichnet.

Das Gerät (siehe Fotos) ist arg lädiert, das Holz teilweise aufgequollen, die Rückwand fehlt und das Furnier hat sich großflächig gelöst.

Dieser Apparat trägt leider keinen Hinweis auf den Hersteller.

Die Fakten:

Der Fernseher ist 755 mm breit, 510 mm hoch, und 468 mm tief (mit Bedienknöpfen 523 mm). 

Das dreigeteilte Chassis weist als grobe Einteilung die Baustufen:

  1. Ablenkung,
  2. ZF & Signalaufbereitung sowie das
  3. Netzteil kombiniert verm. mit Ton ZF und Endstufe auf.

Die Technik:

Die (Westdeutsche) Valvo MW36-22 Bildröhre mit der  mit der mmmmmmmmKenn-Nummer 03756 (wurde etwa um 1950 entwickelt und 1951-1953 in westdeutschen Fernsehgeräten eingesetzt) ist rechteckig, ca. 28 x 21 cm groß (d.h. 4:3 bei rund 34 cm Diagonale) und stammt von der "ELEKTROSPEZIAL G.m.b.H. Hamburg", einer Tochterfirma der  Dachgesellschaft der deutschen Philips UnterIndustrie GmbH (Alldephi), in Hamburg. Sie besitzt weiters eine damals übliche per Seilzugspindel einstellbare Fokusregelung.

Die Bildröhre ist mit einer von vorn abnehmbaren Scheibe geschützt. Damit ist mit diesem Schlüsselbauteil der Westdeutsche Einfluß nachgewiesen. Ebenso ist die symmetrische Antennenzuleitung eher "westlich", denn im Osten sind zumeist Koaxialzuleitungen bekannt.  

Es sind leider keine weiteren Röhren mehr vorhanden. Die Röhrenfassungen lassen aber auf ehemals 16 Stück schließen (13x für 9 Stifte rund, 1x für 9 Stifte "halbrund" und 2x für 8 Stifte). (Nachtrag: 23 Fassungen sind zu sehen, davon einmal für die Ablenkspule und einmal für den Lautsprecher)

Insgesamt sind 10 Trafos bzw. Drosseln verbaut.

Weitere Bauteile von S&H, Bosch, W&B, Philips, Hydra, Rosenthal, Dralowid, Hoges oder Frolyt sind zu finden, von denen einige DRP-Nummern tragen. In der Mehrzahl handelt es sich um S&H bzw. Philips-Bauteile. Die Kondensatoren von Bosch und S&H tragen die höchsten Volt-Angaben (Bosch: 550/1300V, S&H 1000/2000V).

Auf dem Lautsprecher ist "IGO W" zu lesen.

Die Hydra Elkos weisen auszugsweise "7.38" (Juli 1938?) als Stempelung auf.

Die ZF Filter sollen mit Oktober bzw. November 1934 gestempelt sein, was etwas ungewöhnlich wäre.

Zum elektrischen Aufbau:

Die Versorgungsspannung ist mehrfach abgesichert. Ob es ein (mehrere?) Spartrafo ist oder tatsächlich eine galvanische Trennung vorliegt ist noch nicht bekannt.

Das Antennensignal wird symmetrisch dem vorne rechts (von hinten gesehen) augenscheinlich verwendeten Industrie gefertigten VHF Tuner zugeführt. Dieser hat 2 Novalröhrenfassungen mit Laschen versehen für Röhrenbecher zwecks Abschirmung.

Die unterhalb des Chassis erkennbaren Seilzüge und Umlenkrollen, wohl aus einem Rundfunkausschlachtgerät stammend, lassen eine kontinuierliche Tunerabstimmung anstelle eines Trommelwählers möglich erscheinen. (z.B. Induktionsabstimmung)/ Nachtrag: Es ist ein Trommeltuner mit drei Rasterungen (Kanäle) über ein Umlenkkegelbetriebe zu bedienen. Die Feinabstimmung erfolgt über den Seilzug.

Die vielen Trafos können ein Indiz dafür sein die Hochspannung ebenso aus dem Netz heraus zu erzeugen und nicht per Zeilentrafo. Ob die 2000 V Spannungsfestigkeit der Elkos tatsächlich auch gleich dann einer sehr bescheidenen Anodenspannung entspricht? Nachtrag: Das Gerät besitzt einen augenscheinlich industriell gefertigten Zeilentransformator, die Hochspannungserzeugung erfolgt gemäß Anodenanschlußkabel der Bildröhre ebenso aus diesem. 

Die oben angebrachten sechs Stück ZF Filter zeigen gemäß Aufdruck noch die „alte“ ~22 MHz ZF, was das Gerät einmal mehr als Superhet klassifiziert.

Vorläufiges Fazit:

Ein Selbstbaugerät mit gefälligem Gehäuse, fachmännischem mechanisch gefertigten und durchdachten Aufbau mit einer Seilzugabstimmung anstelle direkter Frontbedienung wohl um eine einheitliche Anordnung der Bedienorgane zu erreichen.

Die verhältnismäßig „große Bildröhre“ lassen das Gerät trotz verwendeter Vorkriegsware bei diversen Bauteilen etwa auf 1955, also rund drei Jahre nach dem Start des Deutschen Nachkriegsfernsehens mit Ende 1952 datieren.

Wenn Sie die Schaltung kennen oder mehr über diese Bauart wissen dann informieren Sie uns bitte mit einer Email -Danke.

Bilder und Gerätedaten zur Verfügung gestellt von Herrn G. Poetschke 10/2011.

© W. Scheida Fernsehhistoriker 10/2011/ Nachträge in 26.10.2011

Bildanlagen:

Chassiseinblicke

Tuner/Netzteil/ZF

 

Hochspannungselkos, Seilzug, Hydra Elkos

 

 

This article was edited 26.Oct.11 15:08 by Wolfgang Scheida .

  
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