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grundig: Austausch des Messwerks

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Ralph Oppelt
Ralph Oppelt
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11.Jun.20 19:54

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Mittlerweile habe ich schon zwei Tubatest L3 aber in beiden Fällen war das Messwerk defekt, einmal wegen der "Zinkpest", beim zweiten Mal war die Spule durchgebrannt. Im ersten Fall hatte ich Glück, denn es fand sich in meinem Keller ein älteres Messwerk mit passenden elektrischen Daten und nahezu identischen mechanischen Daten, was die Befestigung betrifft. Untenstehendes Foto zeigt, wie leicht der Austausch mit zwei Gewindebolzen möglich war, doch hierfür wäre ein Forumsbeitrag gar nicht nötig (Der Zeiger war bei der Fotoerstellung noch nicht gekürzt).

                                   

Im zweiten Fall musste ich erst das in einem vorhergehenden Forumsbeitrag empfohlene 1 mA Wisometer-Messwerk kaufen, was aber über Ebay recht unkompliziert ging. Hier war die mechanische Kompatibilität leider nicht gegeben. Im Folgenden wird gezeigt, wie man doch ganz gut ans Ziel kommt.

1. Das neue Messwerk ist standardmäßig in einem runden Kunststofftopf beherbergt, welcher oben den üblichen quadratischen Flansch mit den dazugehörigen vier M3 Gewindestutzen hat. Nun als erstes die Plexiglasabdeckung abnehmen. Dazu am besten mit zwei Schraubendrehern an gegenüberliegenden Seiten mittig einhebeln. Sollte die Plexiglasabdeckung springen, so ist das egal, denn sie wird ja nicht mehr benötigt.

2. Dann die zwei Schrauben der Skala lösen um diese zu entfernen und die beiden Anschlussdrähte ablöten oder durchzwicken. Ab jetzt erhöhte Vorsicht, denn der Zeiger ragt ins Leere. Nun die zwei von hinten kommenden Schrauben lösen, die das Messwerk halten und dieses an einem sicheren Ort aufbewahren.

3. Jetzt kommen Säge und Feile zum Einsatz: Die zwei Ecken des Vierkantflansches absägen, welche „unten“, also messwerkseitig sind. Mit der Feile wenn möglich soweit verfeinern, dass das einigermaßen bündig zum Kunststofftopf wird (s. gelbe Pfeile im Bild unten). Die zwei Ecken auf der Seite der elektrischen Anschlussbolzen bleiben dran, dafür aber diese beiden Anschlussbolzen möglichst plan zum Boden des Kunststofftopfes absägen. An diese Stummel dann möglichst flach zwei ca. 8 cm lange dünne Spulendrähte löten.

4. Nun muss die Skala des Tubatest L3 angebracht werden, deren Befestigungslöcher leider ganz und gar nicht mit der vorher entfernten Skala übereinstimmen. Hierzu letztere etwas nach hinten knicken (s. rote Pfeile) und die alte Skala mit dünnem doppelseitigem Klebeband passend darauf kleben. Da das Ganze naturgemäß dicker ausfällt als die Originalskala, muss diese eben vorher etwas nach hinten geknickt werden sonst schleift der Zeiger an. Am besten knickt man soweit, dass diese Konstrukt etwas abschüssig ausfällt, d.h. beim Auflegen auf den Topf liegt die Skala am oberen Topfrand auf während sonst ein kleiner Luftspalt entsteht. Nun wird das Messwerk aus dem „Sicherheitsdepot“ geholt und diese „Mogelskala“ angeschraubt.

                                

5. Das Messwerk nun wieder von hinten mit den zwei Schrauben im Topf befestigen. Dann sollte alles plan auf dem Topfrand anliegen. Falls wegen dem Abknicken nach hinten die Skala zu fest an den Topfrand gedrückt werden sollte, müssen bei den beiden Schräubchen noch entsprechend Beilagscheiben unterfüttert werden, die man evtl. vorher auf die Haltestutzen klebt. Am Ende der Aktion auf jeden Fall prüfen, ob der Zeiger auch wirklich nirgends anschleift.

6. Das größte Problem ist nun, das alles in dem alten Messwerkgehäuse in richtiger Position zu befestigen, weil man vorher schlecht sieht, wie das hinterher zu liegen kommt. Eine Lösung sieht man in untenstehendem Bild: Am Ende der zwei noch vorhandenen M3-Schraubstutzen befestigt man zwei Langlötösen (rote Pfeile), die man nach unten abbiegt, sodass man sie direkt mit den beiden Lötösen (grüne Pfeile) verlöten kann, die im alten Gehäuseboden für die Durchführung der zwei Anschlussdrähte da sind. Nun kann man das alte Gehäuse mit dem Glasdeckel vorsichtig darüber setzen und kontrollieren ob alles optisch passt. Wenn nicht, dann hat man im Prinzip beliebig viele Versuche frei, durch Nachlöten an den Lötösen die nötigen Feinkorrekturen vorzunehmen.

                            

7. Wenn alles fertig optimiert ist, müssen noch die beiden Spulendrähtchen angelötet werden. In meinem Fall mussten sie über Kreuz gelötet werden, damit die Polarität zu dem Aufdruck auf dem alten Gehäuseboden passt (wie man sieht, hatte ich nicht damit gerechnet und sie prompt zu kurz bemessen, d.h. ich musste anstückeln. Aber man sieht das ja nicht). Wer Bedenken hat, das alles würde nicht gut halten, kann in den Spalt zwischen dem alten und neuen Gehäuseboden Klebstoff rein laufen lassen. Ich habe davon abgesehen, es hält auch so ganz gut, es ist ja so gut wie keine mechanische Belastung im Spiel. Wer keine Langlötösen hat, kann auch normale verwenden und mit dickem Kupferdraht den Weg überbrücken.

 

Nun muss noch die elektrische Angleichung an das Originalmesswerk mit 1,2 mA Vollausschlag und 164 Ω Innenwiderstand erledigt werden, welche aber Herr Kreuz in seiner Mail schon sehr ausführlich beschrieben hat. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es auch noch eine andere Variante gibt: Erst einen Widerstand Rv in Serie zum Messwerk und dann einen Parallelwiderstand Rp über diese Serienanordnung schalten (frei nach dem Motto „Stern-Dreieck-Umwandlung“). Am Originalmesswerk fielen bei Vollausschlag 1,2mA x 164 Ω = 196,8 mV ab. Nun muss der Parallelwiderstand die überflüssigen 0,2 mA übernehmen, d.h. Rp = 196,8/0,2 Ω = 984  Ω . Das neue Messwerk mit 104 Ω Innenwiderstand lässt bei Vollausschlag 104 mV abfallen. Somit muss der Vorwiderstand bei 1 mA noch 92,8 mV abfallen lassen, d.h. Rv = 92,8 Ω. Zur Kontrolle kann man den Gesamtwiderstand berechnen: 104 + 92,8 = 196,8 Ω. Dazu parallel die 984 Ω ergibt die erforderlichen 164 Ω. Naja, auch diese so ermittelten Werte sind nicht gerade üblich aber mit der E24-er Reihe kommt man mit 91 Ω und 1 kΩ schon recht gut ran. Ansonsten eben mit mehreren Widerständen zusammensetzen.

  
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