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Berliner Radiowerke etc. heute

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Eilert Menke
 
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28.Apr.05 16:30

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Anläßlich eines verlängerten Wochenendes in Berlin habe ich mich auf ein wenig Spurensuche begeben und ein paar Rundfunk-/Röhren- sowie fernmeldetechnisch bedeutsame Stätten besucht. Alle Bilder sind sozusagen im Rahmen meines Besuches in der Zeit vom 23. bis 25. April 2005 "am Wegesrand aufgesammelt" worden - ich habe mich somit nicht auf eine spezielle "Expedition" begeben. Die Bilder möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

Fernmeldeamt Winterfeldtstraße, Schöneberg:



Hier zog nach Kriegsende kurzfristig der DIAS/RIAS ein, da das "Haus des Rundfunks" (Masurenallee, Nähe Messeglände bzw. Funkturm) vom ostdeutschen "Berliner Rundfunk" okkupiert war. Siehe auch GFGF FG 112, Seiten 55ff. Heute ist dort eine Dependance der Telekom beheimatet. Das Haus macht einen gepflegten, originalen Eindruck, kurzum es erscheint wie zur Zeit seines Aufbaus in den zwanziger Jahren.


Reichspostzentralamt an der Ringbahnstraße (Tempelhof):



Leider gelang es mir mangels Fluggerät nicht, den gesamten Gebäudekomplex zu fotografieren, deshalb hier nur das Hauptportal. Früher war die Funküberwachung in den zwei Türmen rechts- und linksseitig vom Eingang untergebracht. Heute befindet sich im Hause eine Abrechnungsstelle der Telekom und DHL. Die mehrflügelige Anlage präsentiert sich wie zur Fertigstellung im Jahre 1928. Nur die Sprossenfenster sind inzwischen leider ausgetauscht. Im Hof ist ein sehr imposanter, gemauerter Übergang zu einem Gebäudekomplex aus der Kaiserzeit zu besichtigen.
 

AEG/Oberspreewerk/WF etc. (Architekt Peter Behrens, 1916), Ecke Wilhelminenhofstraße/Ostend-Straße, Oberschönweide:



In der Nähe befand sich mein Hotel. Das Foto habe ich aus der Straßenbahn Richtung FEZ/Wuhlheide aufgenommen. Auf dem Dach ist jetzt eine Samsung-Werbung installiert. Früher befand sich dort die Antenne des ersten DDR-Fernsehsenders. Was sich jetzt in diesem und den benachbarten, historischen AEG/KWO-Gebäuden befindet, vermag ich nicht zu sagen. Weitere Worte spare ich mir, denn unser Mitglied H.T. Schmidt hat auf seiner URL eine detailierte Chronologie aufbereitet:

http://www.hts-homepage.de/DDR/OSW.html


Lorenz-Werke, Tempelhof:



Auch hier war ich zu einem Kurzbesuch. Die Stichstraße führt direkt zum Hauptgebäude. Es wurde im Krieg stark beschädigt, aber bereits 1946/47 unverändert wieder hergestellt. Hier wurden früher hauptsächlich Radioapparate etc. fabriziert.



Abschließend noch ein Blick auf das Lorenz-Gebäude von der Stubenrauchbrücke über den Teltowkanal Richtung Ullsteinhaus (ebenfalls ein architektonisches Glanzstück aus den 20er Jahren! - siehe auch Post 4):





Anläßlich einer Seen- bzw. Havelrundfahrt (sehr empfehlenswert!) bekam ich auch die Sacrower Heilandskirche vor das Objektiv - leider streikte just in diesem Moment meine Digitalkamera. Deshalb hier leider kein Foto. Im Sommer 1897 diente sie Adolf Slaby und seinem Assistenten Georg Graf von Arco umfangreichen experimentellen Signalübertragungen zur 1,6 Kilometer entfernten kaiserlichen Matrosenstation am gegenüberliegenden Ufer des Jungfernsees (Schwanenallee) in Potsdam. Am Kirchturm war die "erste deutsche Antenne für drahtlosen Verkehr" verspannt. Die 1928 aufgrund dieses Ereignisses am freistehenden Turm angebrachte Gedenktafel ist vom Schiff aus gut erkennbar. Heute zählen Kirche und umgebende Parkanlagen zum Unesco-Weltkulturerbe. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die Glienicker Brücke.

This article was edited 08.Jul.05 22:35 by Eilert Menke .

Eilert Menke
 
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29.Apr.05 12:43

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Hier, genau an dieser Stelle an der jetzt "Alte Potsdamer" genannten Straße befand sich das legendäre Bürohaus des VOX-Konzerns, aus dem 1923 die ersten regelmäßigen Rundfunkübertragungen stattfanden:



In diesem nach der Wende an der Stelle des VOX-Hauses neu entstandenen Gebäudekomplexes befinden sich Wohnungen, Büros und mehrere Kinos. Die Abzweigung in Bildmitte (links vom "Parken"-Schild) heißt "VOX-Straße". Sie war früher nicht vorhanden. Im Hintergrund ist eines der Hochhäuser des Potsdamer Platzes erkennbar (Hans-Kollhoff-Turm). Während der Zeit der Berliner Teilung bis 1989 war dieses Areal einödes Niemandsland und Grenzgebiet.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat sich die Weinhandlung Huth erhalten, in der sich heute auch eine gehobene Gastronomie befindet:



Ansonsten werden Sie in der unmittelbaren Umgebung des Standortes des ehemaligen VOX-Hauses keine weiteren Gebäude aus der Anfangszeit des Rundfunks finden.

This article was edited 24.Jun.07 21:44 by Eilert Menke .

Detlef Boeder
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30.Apr.05 20:15

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3 Hallo Eilert,

mir ist gleich das Gebäude mit dem Kesselhaus+Kamin aufgefallen. Hier habe ich noch ein Bild von 1955 angehängt. Es zeigt eben dieses Werkgebäude mit dem Lorenz Schriftzug. Wie sah es rechts des Kanals aus? Stehen die anderen Gebäude auch noch? Da müsste immernoch Acatel drinnen sein.
Gruss
DeBo

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Eilert Menke
 
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01.May.05 20:39

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4 Hallo Detlef,

vielen Dank für Deine Ergänzung. Dein Bild ist vom Turm des Ullsteinhauses aufgenommen worden, auch der Schornstein im Vordergrund ist noch vorhanden und gehört zum Ullsteinkomplex, hier links im Bild:
 


Jedenfalls hatte ich letztes Wochenende nur wenig Zeit und keinen so schönen Panoramablick. Die freien Flächen rechtsseitig des Teltowkanals sind heute mit Neubauten "zugestellt" (auf diesem Bild ebenfalls links erkennbar. Ob sich dahinter die in Deinem Bild sichtbaren Fabrikgebäude befinden, vermag ich nicht zu sagen. Sie waren aus meiner Pespektive von der Stubenrauchbrücke aus durch die Neubauten verdeckt.

Vielleicht kann ein Berliner Sammlerkollege hierzu nähere Auskünfte  (und evtl. weitere Bilder, auch zu anderen Berliner Firmen) liefern?

Im Jahre 1932 unternahm die C. Lorenz AG vom Turm des Ullstein-Hauses erste erfolgreiche Richtfunkversuche im Frequenzbereich 500 - 537,5 MHz. Die Sendeleistung betrug 0,1 Watt HF, als Empfänger diente ein Pendelaudion. Die Gegenstation befand sich in Fürstenwalde, ca. 60 km entfernt (Vgl. auch F. Trenkle, Die deutschen Funknachrichtenanlagen, Band 2, Seite 109/110).

This article was edited 08.Jul.05 22:31 by Eilert Menke .

Dietmar Rudolph
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28.Aug.07 18:56

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5 Im Gebäude Berlin Tempelhof, Ringbahnstrasse 130, war seit 1928 das RPZ (Reichs-Post-Zentralamt) untergebracht. Nach dem Krieg, etwa ab 1954, war dort eine Technikerausbildung der Post angesiedelt, aus der später die Fachhochschule der Deutschen Bundespost (FHDBP) entstand, die schließlich zur Telekom Fachhochschule Berlin umgewandelt und 1996 geschlossen wurde. Die FH befand sich in den beiden oberen Geschossen des Gebäudes (D & E Geschoß). Im Gebäude befand sich ebenfalls die Außenstelle Berlin des Fernmeldetechnischen Zentralamtes (FTZ). Diese ist ebenfalls nicht mehr in diesem Gebäude, soweit sie überhaupt noch existiert.

Aus der Zeit des RPZ gibt es Bilder. Zunächst eine Gesamtansicht des Gebäudekomplexes.

Direkt an der Ringbahnstraße ist der 1928 erstellte Gebäudekomplex zu sehen. Dahinter sind weitere Gebäude, die zuvor vom Militär genutzt wurden (Lagergebäude 1 & 2).
Die Front des RPZ ist durch die Klinkerbauweise recht eindrucksvoll, wie das nachfolgende Bild zeigt.

Zu erkennen auf dem Foto sind die beiden Türme rechts und links des Haupteingangs mit den darauf befindlichen Antennenträgern.

Wie aus der Bildunterschrift erkenntlich wird, ist die Forschungsanstalt 1938 nach Kleinmachnow in das Areal um die Hakeburg umgezogen. Dort wurden dann vor allem militärisch relevante Projekte bearbeitet.

MfG DR

This article was edited 28.Aug.07 18:57 by Dietmar Rudolph .

  
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