loewe-opta: Bildröhre defekt?

ID: 718297
Dieser Artikel betrifft das Modell: Irisette 660 (Loewe-(Opta); Deutschland)

? loewe-opta: Bildröhre defekt? 
30.Mar.26 14:25
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Das Gerät ist fertig restauriert. Alle Elkos und verdächtige andere Kondensatoren sind getauscht. Die Bildröhre AW43-88 hatte einen Glasbruch und wurde ersetzt. Die neue Bildröhre ist gemäss Müter BMR-95 gut. Spannungen an den (neuen) Netzteil-Elkos stimmen, Kanalwahl und Ton funktionieren normal. Jedoch habe ich kein Bild.

 

1. Hochspannung (gemessen am Innenleiter des Schnullers direkt an der Bildröhre) = 15.6 kV Gleichspannung.

 

2. Am Pin 7 (Kathode) messe ich ein positiv polarisiertes Videosignal von 49.5 Vss (Kontrast minimum) bis 141 Vss (Kontrast maximum).

 

3. Am Pin 7 (Kathode) messe ich eine Gleichspannung von 100.5 V (Helligkeit minimum) bis 29.5 V (Helligkeit maximum).

 

4. An den Pins 2 oder 6 (g1, Wehnelt) messe ich ein Zeilen-Austastsignal in Höhe von 135 Vss und ein Bild-Austastsignal in Höhe von 94.5 Vss.

 

5. An den Pins 2 oder 6 (g1, Wehnelt) messe ich eine Gleichspannung von 1.5 V. 

 

6. Am Pin 3 (g2) messe ich eine Gleichspannung von 296.5 V.

 

7. Am Pin 4 (g4) messe ich eine Gleichspannung von 351.5 V.

 

8. Kurzzeitiges Verbinden von Kathode und g1 ändert nichts, das Bild bleibt dunkel.

 

Bei abgesteckter Bildröhrenfassung habe ich L,C,R an den Pins der Bildröhre gemessen:

a. Pin 1 gegen Pin 8 (Heizung) = 1.4 Ohm

b. Misst man Pin 1 (oder Pin 8) gegen alle übrigen Pins, ergeben sich Resultate im einstelligen Picofarad-Bereich.

Bis jetzt habe ich mit der neuen Bildröhre noch nie ein helles Raster gesehen. Ist sie defekt? Andere Ideen?

 

Nicolin Salis

 

Edit: Kaum hatte ich og. Post abgesetzt, kam mir die Idee, (endlich) die Heizspannung an der Bildröhre zu messen. 1.9 Volt anstatt 6.3 Volt! Ich hängte die Röhre vom Heizkreis ab, überbrückte den Heizkreis und versorgte die Röhre mit potentialfreien 6.3 V Gleichspannung. Und siehe da: Einwandfreies Bild. Zu denken gibt mir jedoch, dass die Röhre 589 mA Heizstrom zieht (anstatt 300 mA gemäss Datenblatt AW43-88) ... 

Edit 2: Probehalber habe ich den Heizfaden einer AW43-88 eines anderen Gerätes (17TCH291A/00) anstelle der neuen Bildröhre im Irisette 660 angeschlossen. Mit der Röhre des anderen Gerätes stellen sich am Heizfaden 6.7 Volt ein. Somit sind die nicht normgerechten Daten der neuen Bildröhre das Problem. Die neue Bildröhre ist insofern seltsam, als sie neu aussieht, die Typenbezeichnung AW43-88 aber mit weissfarbenem Pinselstift von Hand aufgetragen wurde. Der typische Aufkleber mit der Typenbezeichnung fehlt. Ich fragte mich, ob es sich z.B. um die britische C17AF handeln könnte (ähnliche Röhre wie AW43-88 aber mit 4-Volt-Heizung) und prüfte die "AW43-88" mit Heizspannung 4 Volt. Es stellte sich ein Heizstrom von 456 mA anstatt 300 mA ein. Ist also auch keine C17AF. Nun frage ich mich, ob ich den hohen Heizstrom einfach ignorieren und einen sep. 230/6.3 Trafo für die "AW43-88" einbauen soll...

Nicolin Salis

 

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Heizfaden-Teilschluss der Bildröhre 
31.Mar.26 21:37
129 from 1170

Bernhard Nagel (D)
Ratsmitglied
Beiträge: 1735
Bernhard Nagel

In meiner Praxis kamen bei s/w Bildröhren Teilschlüsse des Heizfadens vor, das bedeutet eine effektive Verkürzung des noch intakten und wirksamen Teils vom Faden. Dies betrifft vor allem 70° Röhren wie die MW43-64 und -69, auch z.B. eine AW43-80 hatte ich schon mit diesem Fehler gehabt.

Da so geschädigte Heizer im 0,3 A Serienheizkreis nicht auf die erforderliche Heizleistung von etwa 1,9 W kommen, reicht die Kathodentemperatur nicht für ausreichende Emission, die einen hinreichenden Strahlstrom für ein gutes Bild erfordert.

Hier bleibt als Lösung nur die separate Heizung aus einem kleinen Heiztrafo. Bei der Wahl der Heizspannung soll eine Leistung von 1,9 ... 2 W im restlichen Faden umgesetzt werden. Das ist dann auch an der typischen Farbtemperatur des Kathodenröhrchens erkennbar, es sollte eine mittelrote bis dunkelorangene Glühfarbe annehmen. Meist lässt sich die Kathode im Hals gut beobachten.

Eine Fremdheizung mit 4 V passt schon fast, mit den gemessenen 0,456 A ergibt sich die Leistung zu 1,84 W. Wenn damit ein gutes Bild erreicht wird, passt das hier.

Mit 6,3 V wäre der Heizer mit fast der doppelten Leistung von 3,7 W ziemlich "überversorgt" und wird bald komplett versagen.

Noch ein Tipp: Der Einschaltstrom bedeutet für den vorgeschädigten kalten Faden zusätzlichen Stress. Im originalen Serienheizkreis ist zur Abmilderung ein NTC geschaltet. Bei der Trafoheizung entfällt das. Hier empfiehlt es sich, die Spannung etwas höher zu wählen und mit einem niederohmigen Widerstand den Betriebsstrom für diesen Fall von etwa 0,46 A einzustellen.

Siehe auch ein gleicher Fall mit der Bildröhre AW53-80 mit Heizung-Windungsschluss. Andreas Steinmetz hat hier die Hintergründe anschaulich analysiert und beschrieben.

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Heizfaden-Teilschluss der Bildröhre 
01.Apr.26 07:32
185 from 1170


Bevor ich den Beitrag von Bernhard Nagel sah, war ich zum Schluss gekommen, dass es sich bei der nur von Hand beschrifteten AW43-88 in Wirklichkeit um eine 17DSP4 handelt. Letztere hat gleiche Dimensionen wie die AW43-88, jedoch einen Heizfaden für 6.3 Volt/ 600 mA. Ich baute einen Trafo 230V/ 6.3V ein. Als Ersatz für die fehlende Bildröhre fügte ich in den Heizkreis einen Widerstand 20 Ohm/ 8 Watt ein. Ich liess das Gerät ein paar Stunden laufen, was mit gutem Bild funktionierte.

Zum Post von Bernhard Nagel:

  1. Dass bei Direktanschluss des Heizfadens an die niederohmige Sekundärwicklung eines Trafos ein grosser Einschaltstrom fliesst, der durch zusätzliche Mittel (z.B. NTC) gemildert werden sollte, leuchtet mir ein.
     
  2. Auf die Idee eines Heizfaden-Teilschlusses war ich nicht gekommen. Nun bin ich unsicher, ob ich eine intakte, falsch angeschriebene 17DSP4 oder eine heizfadendefekte AW43-88 habe. Ich versuchte, durch weitere Messungen eine Antwort zu finden:
     
    1. Der Gleichstromwiderstand der Bildröhre im kalten Zustand ist 1.389 Ohm (Messschnur-Widerstand 0.065 Ohm bereits abgezogen).
    2. Bei einer Heizspannung von 1 Volt fliesst ein Strom von 280 mA.
    3. Bei einer Heizspannung von 2 Volt fliesst ein Strom von 360 mA.
    4. Bei einer Heizspannung von 3 Volt fliesst ein Strom von 430 mA.
    5. Bei einer Heizspannung von 4 Volt fliesst ein Strom von 480 mA.
    6. Bei einer Heizspannung von 5 Volt fliesst ein Strom von 537 mA.
    7. Bei einer Heizspannung von 6 Volt fliesst ein Strom von 585 mA.
    8. Bei einer Heizspannung von 6.3 Volt fliesst ein Strom von 598 mA.
       
  3. Um zu vergleichen, welchen Einfluss die Heizspannung auf die Helligkeit des Bildes hat, hielt ich die Sonde eines Luxmeters direkt auf das Schutzglas. Das TV-Gerät zeigte ein Weissbild, wobei der Helligkeits-Einsteller auf der Position belassen wurde, bei der das Gerät mit einer Heizspannung von 6.3 Volt ein bewegtes Videobild vernünftig wiedergibt. Dabei ergab sich
     
    1. Bei 4 Volt Heizspannung eine Beleuchtungsstärke von 170 Lux.
    2. Bei 6.3 Volt Heizspannung eine Beleuchtungsstärke von 275 Lux.
       
  4. Das Gerät läuft mit 4 Volt Bildröhren-Heizspannung während längerer Zeit normal, d.h., es ist ein akzeptables Videobild sichtbar. Mit 6.3 Volt Bildröhren-Heizspannug ist das Bild natürlich brillanter.
     
  5. Da die Röhre bei 6.3 Volt Heizspannung fast exakt den für die 17DSP4 spezifizierten Heizstrom hat, frage ich mich nun: Ist es eine 17DSP4, so dass man gefahrlos die jetzige Lösung mit dem 6.3-Volt-Trafo belassen kann? Oder ist es eine AW43-88 mit Heizfaden-Teilkurzschluss, die man mit der von Nagel empfohlenen 4 Volt betreiben sollte?

Die sicherste Lösung ist wohl, eine Lösung mit stabilisierter, einstellbarer Gleichspannung 4 Volt ... 6.3 Volt am Ausgang einzubauen. Damit wäre auch das Anlaufstrom-Problem erschlagen. Nur stellt sich dann immer noch die Frage, ob man auf 4 Volt oder auf 6.3 Volt einstellen soll, bevor man das Gerät als revidiert zurück ins Gestell tut.
 

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Bildröhre 17DSP4 
01.Apr.26 13:14
229 from 1170

Bernhard Nagel (D)
Ratsmitglied
Beiträge: 1735
Bernhard Nagel

Die Daten der amerikanischen Bildröhre 17DSP4 würden Sinn ergeben, diese hat in der Tat die doppelte Heizleistung einer AW43-88. Ein Vergleich der Farbtemperatur der emittierenden Kathode mit einer anderen bekannt intakten Bildröhre würde Sicherheit geben, dass die Heizdaten 6,3 V bei 0,6 A stimmen.

Also bleibt als Lösung nur die separate Heizung aus einem extra Trafo.

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Bildröhre 17DSP4 
01.Apr.26 13:46
237 from 1170


Ich habe die Ersatz-Bildröhre und eine als gut bekannte AW43-88 (seltsamerweise auch ohne Aufkleber, aber Original-Bestückung in einem 17TCH291A/00, also vermutlich Valvo) miteinander wie folgt verglichen:

Ersatz-Bildröhre vs. AW43-88:

4 VDC, 466 mA vs. 4 VDC, 238 mA = Leuchtfäden haben identische Intensität und Farbe
6.3 VDC, 594 mA vs. 6.3 VDC, 308 mA = Leuchtfäden haben identische Intensität und Farbe

Somit wage ich es nun, die Ersatz-Bildröhre (angeblich AW43-88) als 17DSP4 zu identifizieren und sie mit 6.3 Volt zu betreiben.

Ich werde die Transformatorlösung mit einem NTC ergänzen, damit der Anlaufstrom-Schock unterbleibt.

P.S.1: Ich hatte die Bildröhre testhalber mit einem Trafo 230 Volt / 12 Volt und daran angeschlossenem Gleichrichter- und Stabilisier-Print (max. 25 VAC Eingang, DC-Ausgang mit einstellbarer Spannung für max. 1 A Stromaufnahme; Conrad-Bestell-Nr. 130312) betreiben wollen. Die 1 A hätten vorig reichen sollen für die 600 mA der Bildröhren-Heizung. Aber an der Bildröhre erschienen nur 0 Volt. Sobald man die Bildröhren-Last wegnahm, erschien die Ausgangsspannung, und man konnte sie mit dem Potentiometer einstellen. Wenn man einen 20-Ohm-Widerstand (entspricht dem warmen Zustand des Bildröhren-Heizfadens 6.3VDC / 600 mA) an den Printausgang schaltete, konnte der Print diese Last problemlos treiben. Erst nach einigem Überlegen wurde mir klar, dass der Kaltwiderstand der Röhre ja nur 1.4 Ohm beträgt, so dass der Print sich beim Einschalten schützt und den Ausgang abriegelt. Man müsste also entweder eine leistungsstärkere Stabilisierschaltung anwenden, die die Anfangslast von 1.4 Ohm akzeptieren kann oder einen NTC zwischen Ausgang des Prints und Heizfaden schalten.

P.S.2: Das Datenblatt (11 Seiten) der Bildröhre RCA 17DSP4 habe ich im RMorg hochgeladen.

Nicolin Salis
 

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Bildröhre 17DSP4 
23.Apr.26 14:05
577 from 1170


Die definitive Lösung zur Heizung der Bildröhre 17DSP4 sieht nun so aus:

Transformator Triad VPL12-400: Dieser hat zwei Primärwicklungen à 115 VAC, die seriegeschaltet für 230 VAC geeignet sind. Ebenso hat er zwei Sekundärwicklungen à 6.3 VAC, die parallelgeschaltet mit einem Strom von 0.78 A belastet werden dürfen.

Zur Einschaltstrom-Unterdrückung dient ein EQ3 ESB1 Einschaltstrombegrenzer. Dies ist kleines quadratisches (30 mm x 30 mm x 10 mm) Teil, welches für den Einbau in Schalterdosen gedacht ist. Es hat zwei angewachsene Litzen, die ich zwischen die beiden Primärwicklungen des Transformators schaltete. 

Beim Einschalten mass ich während des Anheizens einen Strom vom 1.1 A bei einer Spannung von 6.4 VAC. Wenn der Heizfaden warm ist, fallen die Spannung auf 6.2 VAC und der Strom auf 590 mA.

Als Ersatz für den weggefallenen Heizfaden der AW43-88 im Heizkreis setzte ich zwei seriegeschaltete Widerstände 10 Ohm/ 5 Watt ein, da ein 20-Ohm-Widerstand nicht zur Hand war.

Ein paar Stunden Testbetrieb zeigte keine Besonderheiten. Ich freue mich am ausserordentlich scharfen und hellen Bild dieser Röhre mit ihrer etwas unklaren Vergangenheit (siehe weiter oben). 

Nicolin Salis

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