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blaupunkt: 2330; Granada de Luxe, EC92 in ZF

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Martin Steyer
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04.Sep.14 18:02

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Durch die Problematik, daß auch Körting eine neutralisierte EC 92 in der ZF verwendet hat (Syntektor 55), habe ich mich gefragt, was wohl Blaupunkt bewogen hat, hier die EC92 zu benutzen.

Die Blaupunkt-Radios dieser Epoche sind eigentlich recht reparaturfreundlich, weil verhältnismäßig wenig Kondensatoren gewechselt werden müssen und gegenüber anderen Marken (z.B. SABA oder Loewe-Opta) überproportional viele noch gute Eigenschaften aufweisen.

Die anderen Blaupunkt-Modelle (z.B. Riviera) in dieser Periode hatten zwischen der ECC85 und dem Heptodensystem der ECH81 eine EF89 als zusätzlichen ZF-Verstärker eingesetzt. Bei AM wird diese EF89 als aperiodischer HF-Verstärker benutzt, obwohl nur ein 6-Kreis-Super vorliegt. Der Vorkreis geht an G1 der EF89, das H-System der Mischröhre wird ohne Zwischenkreis angesteuert. Das gibt bei AM mehr Empfindlichkeit, führt aber an einer guten Hochantenne zu Trennschärfe- und Intermodulationsproblemen. Aber die dürften zu diesem Zeitpunkt die allerwenigsten Hörer noch benutzt haben. Insofern kam mir dieses Blaupunkt-Konzept eigentlich immer als durchaus pfiffig vor. Es gibt keine Gleichlaufprobleme, aber eine sehr gute Empfindlichkeit, wenn man nur die Ferritantenne oder die eingebaute UKW-Antenne auch für den AM-Empfang nutzt.

Nun hat Blaupunkt beim Granada de Luxe zwar im Prinzip den zusätzlichen FM-ZF-Verstärker beibehalten, aber dazu eine neutralisierte EC92 eingesetzt. Bei AM geht das Signal nun direkt auf die ECH81.

Diese Stufe mit der EC92 hat mich bei der Reparatur des Granada de Luxe länger beschäftigt. Zum einen gab es Kontaktprobleme mit der einfachen Pertinax-Röhrenfassung, zum anderen setzte beim Umschalten des Tastensatzes ab und zu ein Schwingen der EC92 ein, die den ZF-Verstärker zustopfte. Eine Abgleichmöglichkeit für die Neutralisation gibt es nicht. Ich habe dann eine ganze Reihe EC92 aus dem Vorrat durchprobiert, bis ich eine gefunden habe, die sauber arbeitet. Der Einsatz einer "müden" EC92 verhindert zwar das Schwingen, hat gleichzeitig auch mangelnde Empfindlichkeit bei UKW zur Folge. Jetzt läuft nach Neuabgleich (da war relativ wenig zu machen, nur der Ratiodetektor war etwas daneben) und ausgemessenen, bzw. neuen Röhren das Gerät mit hervorragenden Empfangseigenschaften und einem ausgewogenen Klangbild bei mir am Abend.

Mich würde interessieren, ob nur der Rotstift eines Kaufmanns den Einsatz der EC92 anstelle einer "anständigen" ZF-Röhre verursacht hat oder ob es dafür vielleicht noch andere Gründe gab.

Martin Steyer

Hans M. Knoll
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05.Sep.14 10:11

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Hallo Herr Steyer.

Ihre Annahme, ob es nur der Rotstift war, trifft zu 100% zu. Aber siehe vorletzte Zeile unten !

Als diese Technik bei unserem Laborchef bekannt wurde, (die Chefs kannten sich alle aus den diversen Fachgremien) bekamen wir  die Entwickler, sofort das Schaltbild vorgelegt.  „Da seht mal“  Der beste Mann in der Vorwentwicklung, musste das untersuchen und kalkulieren.

Ergebnis: die EC92 mir Fassung ist zwar um einiges billiger als die EF89 , aber mit den Risiken wenn  ohne indivituelle Neutralisation gearbeitet wird, wie sie bei Transistoren lange Zeit üblich war, lehnen die Entwickler und die Arbeitsplanung diese Version mit der EC92, technisch und auch kalkulatorisch ab. Reparaturerwartungen mussten auch in die Kalkulation eingebaut sein. Sonst gab es Äerger von der Produktionsseite, wer bezahlt uns die Reparaturen?   Was aber auch zeigt:

 1+1 ist nicht in jeder Firma =2.

GRUNDIG blieb bei der Version EF89 als dritte ZF-Stufe neben ECH81 und eine weiteren EF89 (80 oder EBF89)

Gruss Knoll

 

Noch ein Nachschlag:

Mit der Einführung der HF-Stereophonie 1963 wurde an die ZF-Technik wesentlich höhere Ansprüche an die Signalqualität am Decodereingang gestellt.  Dazu wurde unter anderem auf gleiche Art vor die ECH81 eine ZF-Stufe mit einem Transistor  eingebaut. Die Technik die dazu nötig war um Stabilität zu garantieren, war dann aber längst erarbeitet.  Beispiele bei SABA in der u.A. auch  Meersburg Stereo Linie

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This article was edited 05.Sep.14 12:29 by Hans M. Knoll .

Martin Steyer
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05.Sep.14 18:51

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Danke Herr Knoll,

für die Stellungnahme eines Entwicklers aus eigenem Erleben. Ich hatte sowas beinahe schon befürchtet. Heute ist der Sparzwang wahrscheinlich noch viel schlimmer....

Es ist gut, wenn das RM noch einiges der Wege der Entwicklungen von damals aus erster Hand dank der noch vorhandenen Insider bewahren kann.

Mit Grüßen,

Martin Steyer

 

 

  
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