bush: Lautstärkeproblem beim DAC90A

ID: 45685
Dieser Artikel betrifft das Modell: DAC 90 A walnut (Bush Radio; London)

bush: Lautstärkeproblem beim DAC90A 
11.Mar.05 17:52
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Wolfgang Holtmann (NL)
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Wolfgang Holtmann

 

Dieses Modell leidet an einem öfters auftretenden Schwachpunkt: Bei stärkerem Eingangssignal lässt sich die Lautstärke nur ungenügend zurückregeln.

Einfache Abhilfe scheint ein Vorschlag zu versprechen, bei dem der Pot.-Schleifer direkt mit dem Triodengitter verbunden wird, während der Fußpunkt auf der Katode verbleibt.
Die Lautstärke lässt sich nun zwar auf Null stellen, aber um den Preis gravierender Nachteile: Durch den (fast) Kurzschluss G-K verschiebt sich der Arbeitspunkt in einen sehr ungünstigen Bereich, wodurch erheblicher Klirrfaktor entsteht. Zudem können Kratzgeräusche beim Bedienen des Pots auftreten,

Von dieser Modifikation ist dringend abzuraten! , zumal die eigentliche Ursache nicht behoben wird!

Die Gründe wurden bereits in den Postings 27, 40 und 41 von Thread:http://www.radiomuseum.org/dsp_forum_post.cfm?thread_id=43396 erwähnt.

MESSERGEBNISSE

Um mit ein paar Messungen die Diskussion zu ergänzen, habe ich die NF-Vorstufe BUSH DAC90A in der Originalschaltung und in der Modifikation mit Hilfe einer Brettschaltung nachgebaut. Damit so real wie mögliche Bedingungen gegeben sind, wurde der Katodenstrom der UF41 durch einen 47k Widerstand nach +Ub simuliert.

Ausgangspunkt sind die Philips Daten unter: http://www.mif.pg.gda.pl/homepages/frank/sheets/046/u/UBC41.pdf

Ich bin (wie Philips) von einer Ausgangswechselspannung von 3 Volt rms der U(B)C41 ausgegangen! Dann spielt das Gerätchen schon recht laut, denke ich.

In der Tabelle mit den herkömmlichen Einstellungen, findet man bei einer Ub von 100V einen Klirrgrad von max. 2% zugeordnet. Ich messe mit dem hp-331A Distortion Analyzer 3%. Der Eigenklirrgrad meines NF-Generators ist um die 1%. Das Poti (500k log) steht dann in Mittelstellung, wobei über(!) dem Poti (erdfrei) die Eingangswechselspannung von 340 mV anliegt.

Dann habe ich die Modifikation angebracht und (bei gleicher Stellung des Potis) die Eingangswechselspannung auf  900 mV erhöhen müssen, um wieder die gleiche Ausgangswechselspannung von 3 Vrms zu erhalten. Die geringere Verstärkung von über 8 dB ist genau der erzielte Abschwächungseffekt, jedoch bei viel höherem Klirrgrad von jetzt 15% !! Dieser ist stark von der Aussteuerung der Triode abhängig. Erst wenn man diese so weit reduziert, dass nur noch 0,43 Vrms an der Anode anliegen, ist der gemessene Gesamtklirrgrad auf 3% gesunken. Siehe oben.

Ich bin mir sicher, dass ich hiermit keine Neuigkeiten vortrage. Wollte das nur an dieser Stelle anschaulich darstellen.

Fazit:

Der Arbeitspunkt der Triode UBC41 ist in der Modifikation abhängig von der Stellung des Lautstärkepotis. Die Ug1 schwankt von 0 V bis -0,7 V, was in meinem Testaufbau einer Ua von 18 V bis 50 V entspricht. Nur bei kleiner Lautstärke sind die Verzerrungen tragbar, wobei der Begriff 'tragbar' für jeden anders definiert ist!

Fortsetzung folgt nach Vorliegen weiterer Untersuchungsergebnisse (in Arbeit)!  

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.

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Lösung des Lautstärkeproblems beim Bush DAC 90A 
28.Mar.05 14:09

Konrad Birkner † 12.08.2014 (D)
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Konrad Birkner † 12.08.2014

1) Untersuchungsmethode:

1.1) Vorbereitung:

Ein Originalgerät stand zur Verfügung. Um reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen, wurde zunächst der Oszillator stillgelegt (22nF von der Triodenanode auf Masse). Von einem Prüfsender über 330pF auf G1 der Hexode eingespeist, zunächst ein ZF-Abgleich.

Austausch beider NF-Koppelkondensatoren (C15, C18) sowie der beiden Siebkondensatoren für die Regelspannung (C1, C9). Sind letztere nicht mehr einwandfrei, wird die Abregelung bei starkem Eingangssignal nicht ausreichend wirksam und das ZF-Signal wird zu stark und damit auch die Lautstärke!

1.2) Messung:

Alle Messungen erfolgten oszillografisch.
Der vorhandene Prüfsender brachte maximal nur -2V Regelspannung. Deshalb wurde die Regelung der UF41 kurzgeschlossen, wodurch sich die Regelspannung auf -8V erhöhte.
Bei unmoduliertem Signal und geschlossenem Lautstärkeregler waren dann noch ca 8mVeff an der Kathode zu messen,was sich bei aktivierter Regelung auf ca 2mVeff verringerte.
Am Gitter der Triode standen ca 20mV, am Pot.-schleifer aber nur etwa 5mV.

Bei eingeschalteter Modulation war auch ein leiser Ton zu hören, der bei leichter Drehung des Pots verschwand, um bei weiterer Drehung (ordnungsgemäß) anzusteigen.
Das ließ nur einen Schluss zu: Einstreuung aufs Gitter über den Widerstand R9. Quelle:die Leitung zur Diode D1 auf der ca 6Veff stehen.

2) Abhilfe:

2.1) Wegbiegen des besagten Drahtes möglichst weit von der Fassung weg.
2.2) Ersetzen des (mechanisch) zu großen R9 (100k) durch eine kleinere Bauform.
2.3) Neu hinzufügen: 330pF keram. zwischen G und K der UBC41.

                                     
links und unterhalb des keram.Kond. die dunkelgrüne Leitung zu D1, die näher am ursprünglich dickeren und längeren 100k Widerstand verlief 

3) Fehlerursache:

Ein "vergessener" HF-Abblockkondensator, der sich erst richtig bemerkbar macht
-bei starkem Signal und
-fehlerhafter Regelung und
-gut abgeglichener HF und ZF (hohe Verstärkung)

4) Resultat:

Die Lautstärke lässt sich einwandfrei herunterregeln, auch bei stark einfallendem Sender.
Die maximal zwischen G und K anstehende HF-Spg. beträgt noch ca 2mVeff.


q.e.d.

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.

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