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EAW Firmen-Geschichte

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Hans Jürgen Heider
Hans Jürgen Heider
 
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01.Oct.11 20:53
 
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Das Kabelwerk der A.E.G. in Oberschöneweide, hier wurde die Lieben-Röhre in Betrieb genommen, kann man als Ursprung des Apparatewerkes in Treptow ansehen. Hier waren es die ungesteuerten und gesteuerten Gleichrichter, Ignitrons  deren Entwicklung und Produktion im AT angesiedelt wurden. In dieser Technik war das AT wohl das führende Werk im Deutschen Reich.  Diese Technik benötigte eine relativ umfangreiche Steuerungs- und Schutztechnik, wie Gs-Schnellschalter, neutrale und Schutzrelais, Messgeräte zur Überwachung des Betriebszustandes usw..

1945 wurden alle im sowjetischen Sektor von Groß-Berlin und in der SBZ gelegenen Großbetriebe in das Staatseigentum der UdSSR überführt, demontiert oder als Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) nach deutschen Recht weitergeführt. So produzierte das AT vornehmlich Stromrichteranlagen für Walzwerksantriebe zum Aufbau der sozialistischen Volkswirtschaft in de UdSSR, also Reparationsleistungen. Das AT war eine SAG mit den Fabriken Grf, Sgf, Ms, Rs und Raf (Gleichrichter, Schaltgeräte, Messgeräte, Relais und Radio). Zur Jahreswende 1953/54 wurde die SAG in DDR-Staatseigentum überführt und firmierte fortan mit VEB Elektroapparatewerke „J. W. Stalin“ Berlin-Treptow. Bedeutungslos war das Warenzeichen VEM (Volkseigner Elektromaschinenbau). Der Betrieb wurde durch das Ministerium für Elektrotechnik über die VVB Elektroapparate geführt. 1958 erfolgte eine Umstrukturierung durch das MfE (später MfEE). Projektierung und Vertrieb von Stromrichteranlagen und anderen Elektroanlagen wurden dem 1958 gegründeten Betrieb VEB Elektroprojekt Berlin (VVB Elektroprojektierung und Anlagenbau) zugeordnet, der sich auch in den Räumen der Raf in der Hirschberger Str. 4 (VEB Berliner Bremsenwerk vorm. Kunze-Knorr, heute Rentenversicherung Bund) etablierte. Die Raf wurde gegen den Willen der Mitarbeiter aufgelöst. Die angearbeitete Produktion des Radios „UndineII“ wurde in Staßfurt fertig gestellt. Der Verbleib der Mitarbeiter ist mir unbekannt.

Den EAW ging auch der Ehrenname „J. W. Stalin“ verloren. (Ironische Anmerkung: ein großer aber auch sehr leicht zu verschmerzender Verlust. Die EAW kamen die meiste Zeit ihrer Existenz ohne Ehrennamen aus; allerdings in der Zeit ohne Radioproduktion).

Da ich bisher kein AT –Radio in Russland ausfindig machen konnte, kann man annehmen, dass die gesamte Produktion im Inland verblieb oder in andere Staaten exportiert wurde. Ich verfüge über einen sog. Exportrücklauf. Es war dennoch begehrt und wurde mit dem leichten Gehäuseschaden zu einem Preis von 730 DM (Ost) durch die staatliche HO verkauft

Erst nach der Umstrukturierung der Volkswirtschaft der DDR unter Günter Mittag erlangten die EAW mit der Firmierung VEB Kombinat Elektro-Apparate-Werke „Friedrich Ebert“ Berlin-Treptow wieder eine Ehrennamen (hier ist keineswegs der frühere Reichspräsident gemeint, sondern der SED Ober-Bürgermeister vom ehemaligen Sowjetischen Sektor in Groß-Berlin, später demokratischer Sektor, dann Hauptstadt der DDR).

Mitte der achtziger Jahre folgte das Forschungs- und Entwicklungszentrum des KEAW (Institut für Regelungstechnik, nach Auflösung der VVB Reglungsgeräte und Optik, RGO dem KEAW zugeordnet) dem Aufruf von Partei und Regierung mehr Güter für den Bevölkerungsbedarf  herzustellen und begann mit der Entwicklung von tragbaren Rundfunkempfängern auf Transistor- und Schaltkreisbasis unter kollegialer Hilfe des VEB Stern-Radio Berlin in Berlin-Weißensee. Die Produktion dieser Geräte erfolgte in de Schaltgerätefabrik, Hoffmannstrasse. Diese Produktion wurde mit der Wende eingestellt. Die staatliche Lenkung wurde durch dem Bund unterstellten Treuhandgesellschaft realisiert. 1993 wurden die EAW privatisiert bzw. abgewickelt. Nur der innovativste Betrieb, die Relaisfabrik, überlebte und ist heute noch erfolgreich am Markt.

Hans Jürgen Heider

  
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