Eigenbauradio Nr.2

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Eigenbauradio Nr.2 
24.Apr.14 10:11
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Gerhard Heigl (A)
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Gerhard Heigl

Eigenbauradio Vorwort

Vor längerer Zeit habe ich ein ähnliches Radio mit der PCL86 und PY88 gebaut. Das Radio hat mir praktisch keinen Cent gekostet weil alle benötigten Bauteile aus der Bastelkiste stammen. Schon bald habe ich mir überlegt, ob es nicht möglich wäre ein einfaches Radio mit handelsüblichen Bauteilen zu bauen. Dabei müssen 4 wichtige Kriterien berücksichtigt werden:
1. Sicherheit
2. Verfügbarkeit der Bauteile
3. Preis
4. Einfacher Nachbau
Zur Sicherheit. Das oben genannte Radio ohne Netztrennung kommt schon nicht in Frage. Da es ein Röhrenradio sein soll, ist auch Batteriebetrieb in Ermangelung von Anodenbatterien  ausgeschlossen. Es bleibt der Netztrafo zur Bereitstellung von Anoden- und Heizspannung. Insgeheim habe ich auch an den jugendlichen Nachwuchs gedacht, der sich eventuell noch für die „antike“ Röhrentechnik interessiert. Oder an die nicht so versierten Bastler die so ein Projekt realisieren möchten.
Verfügbarkeit der Bauteile. Stöbert man bei den bekannten Firmen um zum Beispiel Röhren, Filter, Netztrafos oder Ausgangstrafos zu finden, ist das Angebot rar oder nicht vorhanden. Natürlich findet man Anbieter im Internet wo all das erhältlich ist, aber das ist eine
Preisfrage. Im Internet fand ich einen Anbieter bei dem der günstigste Netztrafo ca. 30 € und ein passender Ausgangstrafo ca. 25 € kostet. Meiner Meinung ist das für ein einfaches Eigenbauradio viel zu teuer. Bei meinem vorgeschlagenen Projekt liegen die Materialkosten für das fertige Radiochassis ohne Gehäuse bei ca. 50 €. Werden Bauteile aus der Bastelkiste verwendet, kann noch ordentlich gespart werden. Um so ein Projekt einigermassen kostengünstig zu verwirklichen, müssen aber Kompromisse geschlossen werden.
Einfacher Nachbau. Das geht eigentlich nur bei einem Einkreisempfänger. Das Ergebnis wäre ein Mittel- oder Kurzwellenempfänger. Auf Mittelwelle gibt es kaum interessante oder hörenswerte Stationen, aber viele Störungen. Eine grössere Anzahl von Sendern ist nur mit einem Super zu empfangen, dieser ist jedoch nicht einfach zu bauen. Das gleiche gilt für einen UKW-Empfänger. Daher der Kompromiss – es wird ein Hybridradio. Der UKW-Empfangsteil ist ein preisgünstiges Scanradio und der Rest ein 2stufiger Röhrenverstärker.

Schaltungsbeschreibung
Beginnend mit dem Netzteil. Verwendet wird ein 3poliges Netzkabel mit Schukostecker. Der Schutzleiter (SL, gelbgrün) wird im Radio über den 47pF-Kondensator auf den Anschluss NF3 gelegt, der Schutzleiter ist die Antenne. Mit 2  Printtrafos Tr1 und Tr2 werden Heiz- und Anodenspannung erzeugt (Kompromiss weil billig). Von der Heizspannung wird auch die Versorgungsspannung für das Scanradio abgezweigt. Die 12V werden mit dem Spannungsregler 7805 auf 5V reduziert. Die rote LED reduziert weiter auf ca. 3V. Damit wird das Scanradio versorgt. Tr2 transformiert die Anodenspannung hoch, gleichgerichtet mit dem Brückengleichrichter und gut gesiebt durch die beiden 47µF-Elkos. Der Gesamtanodenstrom liegt unter 10mA.
Der Empfangsteil: Der Print aus einem beliebigen Scanradio für Kopfhörerempfang muss etwas modifiziert werden. Hier kann es zu möglichen Problemen kommen. Es gibt unzählige Modelle und Typen von Scanradios, daher ist es unmöglich genaue Umbauanleitungen zu liefern. Auf meiner Homepage > Neue Technik für alte Radios > Scan-Radio < finden Sie die Schaltung und vielleicht auch Hilfe.
Für die manuelle Abstimmung (Sendersuche) ist das Pot A und die Trimmpotis P1, P2 zur Skaleneichung zuständig. Das Ausgangssignal NF3 wird direkt an der Kopfhörerbuchse abgenommen und dem Gitter der ECC81 zugeführt. An der Anode wird das verstärkte Signal über den 0,1µF-Kondensator mit einer geschirmten Leitung dem Lautstärkeregler L (mit Netzschalter S1) zugeführt. Vom Schleifer LS führt eine ebenfalls geschirmte Leitung zum Gitter des 2. Triodensystems. An die zugehörige Anode ist der Ausgangstrafo -  auch ein Printtrafo, angeschlossen. Eine der Sekundärwicklungen speist den Lautsprecher, die 2. Wicklung bewirkt eine Gegenkopplung die mit P3 einstellbar ist. Die Wirkung der Gegenkopplung ist leider unbefriedigend und kann daher entfallen. Mit oder ohne Gegenkopplung (GK) kann mit einer Drahtbrücke gewählt werden. Warum wurde eine ECC81 verwendet? Auch das ist ein Kompromiss, eine richtige Endröhre ECL.. würde zu viel Strom verbrauchen (Heizung, Anodenstrom). Die Ausgangsleistung der ECC81 ist zwar gering aber völlig ausreichend, mehr als Zimmerlautstärke wird erzielt. HiFi kann man von dieser einfachen Schaltung ohnedies nicht erwarten. Der Klang ist auch vom verwendeten Lautsprecher abhängig, dieser sollte so gross wie möglich gewählt werden, Kleinlautsprecher mit 50mm Durchmesser sind nicht empfehlenswert.


Das Gehäuse wurde aus 5mm starkem Plexiglas gefertigt.
Wenn Interesse an diesem Eigenbaugerät besteht, kann ich Bilder, Aufbaupläne, Layout, Materialliste und Bauanleitungen hier einstellen.

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.