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philips: Ersatz für NTC 220 Ohm

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Wolfgang Steeger
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24.Jan.20 14:03

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Hallo liebe Radiofreunde,

Bei meiner über ebay erworbenen Philetta fehlte leider (neben anderen Teilen) der NTC R 5. Kann mir jemand sagen, mit welchem modernen Bauteil ich diesen ersetzen kann und wo dieses erhältlich ist? Habe bei meiner Suche nichts passendes gefunden. Wie belastbar muss das Bauteil sein? Vorab schn besten Dank!

Achim Dassow
 
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24.Oct.20 11:33

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Hallo Wolfgang,

die Belastung des NTC hängt von zwei Faktoren ab:
1. der Widerstand im "heissen" Zustand
2. der Strom, den das Gerät im betriebswarmen Zustand aufnimmt
im Falle des Philips sind das bei 48W Stromaufnahme (I = P/U):

48W / 220V = ca. 0.21A

Das bedeutet für einen Heisswiderstand von z.B. 4.4 Ohm (I2 * R = P)

0.212A * 4.4Ohm = 0.0441 * 4.4 = 0.19404W

Ein Heisswiderstand von 4.4 Ohm hätte also eine Verlustleistung von knapp 0.2W zur Folge,
was prinzipiell in Ordnung wäre.
Also geht es auch um das Verhältnis (Verhältniszahl=XXXXK), mit dem der Innenwiderstand relativ zur Betriebstemperatur des NTC sinkt.
Jedoch sind nicht alle NTC's automatisch für den Einsatz als Strombegrenzer (Inrush Current Limiter) geeignet, die meisten dienen lediglich zur Temperaturmessung bzw. Regelung z.B. in Transistorendstufen und vertragen keine hohen Einschaltströme.
Die Type B57234S0221M000 von EPCOS ist speziell für den Einsatz als Inrush Current Limiter (zu deutsch: Einschaltstrom-Begrenzer) geeignet und verkraftet Spitzenleistungen von 3.2W und im Einschaltmoment aufgrund seiner thermischen Kapazität ein mehrfaches davon.
Das spielt besonders dann eine Rolle, wenn z.B. Kondensatoren im Netzteil auf Betriebsspannung aufzuladen sind und dabei einen hohen Einschaltstromstoss verursachen können.

Dieser EPCOS NTC hat die Verhältniszahl 3900K für ein Temperaturverhältnis von 25° zu 100°, genannt B25/100.
Aus der nebenstehenden Abbildung kann man leicht das Verhältnis der Widerstandsänderung relativ zur Temperaturveränderung in Kurven für unterschiedliche K-Werte ablesen.
Bei der strichpunktierten Linie, die dem Typ B57234S0221M000 am nächsten kommt (hat 3900K), fällt der Innenwiderstand von 1/1 (220Ohm bei 25°C) auf 1/10 bei ca. 90° Bauteiltemperatur und auf ca. 1/25 (=8.8 Ohm) bei 120°C.
Der Widerstand muss sich also im Betrieb stark erwärmen, um seiner Funktion gerecht werden zu können.
Daher sollte man diesen nicht in die Nähe temperaturempfindlicher Bauteile montieren.
Das Verhältnis von "verbratener" zu durch Kühlung (Luftstrom) "abgebender" Leistung bestimmt letztlich die Temperatur, auf welche sich der NTC erhitzen wird. Es ist daher nicht sinnvoll, diesen zu kühlen, da er sonst relativ hochohmig bleiben wird. Er sollte idealerweise frei hängend oder stehend mit nicht zu kurzen Anschlussdrähten montiert werden.
Den B57234S0221M000 bekommt man z.B. bei Digikey, andere Anbieter wie Farnell oder Conrad könnten diesen oder vergleichbare Typen ebenfalls haben.

Ich hoffe, ich konnte behilflich sein.

Gruss
Achim

Linteraturhinweis:
1) EPCOS Application Note 2013 "NTC Thermistors for Inrush Current Limiting" bei tdk-electronics im Web zu finden.
2) Datenblatt, ebenfalls mit der Suche "B57234S0xxxM000.pdf filetype:pdf" im Web zu finden.

This article was edited 24.Oct.20 11:48 by Achim Dassow .

Bernhard Nagel
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1. Der NTC R5 wird lediglich vom Heizstrom der in Serie geschalteten U-Röhren (0,1 A) durchflossen, nicht vom Gesamtstrom des Gerätes. Er soll den Einschaltstrom der noch kalten und damit niederohmigen Heizfäden begrenzen, schont also die Röhren.

2. Die im Schaltplan gemachte Angabe von 220 Ω ist der Warmwiderstand, bei Zimmertemperatur liegt der Wert mit 2,1 kΩ etwa um den Faktor 10 höher. Daher wird die höchste Belastung von R5 direkt nach dem Einschalten während des Anheizens der trägeren Röhrenfäden stattfinden, wobei die Skalenlampen gerade zu leuchten anfangen. Sie kann ca. 15 W betragen, allerdings nur für kurze Zeit. Der NTC ist dafür ausgelegt, denn die schnelle Erwärmung reduziert seinen Widerstandswert (und die damit anfallende Leistung) rasch.

Die Dauerbelastung des NTC nach Durchheizen der Röhren wird also etwa 2,2 W betragen. Spannungsabfall über R5 dann 22 V.

Für 220 V Betrieb liegen sämtliche Heizfäden in Reihe (ein Heizkreis), für 110/127 V sind dagegen 2 Heizkreise geschaltet.

Als Kompromiss wirkt der NTC hier nur bei der Kombination UF89, UY85 und den Skalenlampen, die 4 restlichen Röhren UABC80, UCH81, UCC85 und UL41 werden ohne Vorwiderstand direkt an die Netzspannung gelegt!

Als Ersatz würde ich unbeding den Originaltyp des NTC empfehlen, bei der weiten Verbreitung der Allstrom-Philetta-Serie wird sich sicher ein Ersatz aus einem Teilespender finden lassen.

This article was edited 24.Oct.20 15:44 by Bernhard Nagel .

Rüdiger Walz
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24.Oct.20 15:47

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Entschuldigung, falls ich ein Verständnisproblem habe.

Ich sehe im Schaltbild, dass der NTC R5 nur im Heizkreis/Beleuchtung des Gerätes liegt. Durch ihn fließen also 0,1 A im warmen Zustand der Röhren.

Addiert man die Heizspannungen der Röhren, der Beleuchtungslämpchen und des 50 Ohm Vorwiderstandes bei der 220 V Einstellung des Spannungswählers kommt man auf einen Spannungsabfall am NTC von 22,4 V und damit zu einem notwendigen Betriebswiderstand im warmen Zustand von 224 Ohm, damit korrekt 0,1 A durch den Heizkreis fließen. D.h. der NTC muß kalt einen wesentlich höheren Widerstand haben um zu vermeiden, dass die Röhren oder Beleuchtungslämpchen durch den Stromstoß Schaden erleiden.

Geht man davon aus, dass im Augenblick des Einschaltens kein wesentlich höherer Strom durch den Heizkeis fließen soll als im warmen Zustand, also ca. 0,1 A, müßte der NTC kalt einen Widerstand von ca. 2200 Ohm haben. Dieser muß mit Aufheizen des Widerstandes auf 220 Ohm absinken.

Geht man davon aus, dass die Konstrukteure aus Sicherheitsgründen in der Philetta kein Bauteil haben wollten, dass heisser als eine Endröhre wird, also keine Rotglut oder sowas, dann solllte der NTC im Bereich 70-90 °C seinen Endwiderstand von 220 Ohm erreichen. 

Jetzt gelten wieder die Berechnungen von Achim Dassow, allerdings ist das vorgeschlagene Bauteil meines Erachtens nicht brauchbar, da wie er schreibt sein Kaltwiderstand bei 220 Ohm liegt.

Leider kenne ich auch keine Typennummer eines passenden Bauteils. In früheren Jahren habe ich entsprechende NTC einfach ausprobiert ob sie bei 0,1 A im Gleichgewicht zwischen Heizung ( 0,1 A x 22,4 V = 2,24 Watt) und Abstrahlung ca. 220 Ohm erreichten ohne in Rotglut zu geraten.

Rüdiger Walz

Achim Dassow
 
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28.Oct.20 19:58

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Liebe Mitglieder, Besucher des RM,

zunächst geht mein Dank an Bernhard Nagel und an Rüdiger Walz, die sich intensiver als ich mit der Philips Schaltung auseinandergesetzt haben. Ich bin bei meinem Post einfach vom Kaltwiderstand des NTC ausgegegangen, da dies heutzutage die Referenzgrösse für NTC ist.
Sicherlich ist der Rat sinnvoll, sich mit Original-Ersatzteilen zu versorgen, ebenso sinnvoll wie evtl. einfach. Was aber, wenn kein Original-Ersatzteil mehr aufzutreiben ist?
Deswegen würde ich noch einen Versuch machen, einen Alternativvorschlag zu bringen.
Dazu brauche ich aber die Hilfe der Leser:

Ich habe hier eine vorhandene UCC85 bei kalter Heizung ausgemessen, der Widerstandswert der Heizung beträgt dabei 43 Ohm. Das ist um den Faktor 6.04 weniger als im heißen Zustand der Heizung.
Ausgehend davon, dass Serienheizungen so konstruiert sind, dass keine der Heizungen beim Anheizen überlastet wird, würde das bedeuten, dass jede der beteiligten Heizungen einen Kaltwiderstand besitzt, der um etwa den gleichen Faktor kleiner als der Heißwiderstand ist.
Wer die Kaltwiderstände der übrigen Röhren jedoch ausmessen kann, möge gern die Werte ergänzen, ich gehe aber im Moment einmal davon aus, dass diese nicht allzu sehr von den angenommenen Werten abweichen.
Unter der genannten Voraussetzung beträgt also der Kaltwiderstand aller Heizungen in Serie zusammen etwa 279Ω im Gegensatz zum Heißwiderstand von 1686Ω.

Mit einem NTC von 2200 Ohm kalt und dem Vorwiderstand R aus der Schaltung würde so ein “Anlaufstrom“ von 87mA entstehen. Dabei sind die Skalenlampen nicht berücksichtigt, die i.d.R einen Kaltwiderstand von 1/10 des Warmwiderstands haben, also etwa 24Ω.
Da NTC nicht unbedingt ein Warm:Kalt Widerstandsverhältnis von 1:10 haben müssen, weil das ja auch von ihrer gewählten Betriebstemperatur abhängt, könnte der Kaltwiderstand also auch kleiner als 2200Ω gewesen sein, was dann einen Anlaufstrom näher am Sollwert 100mA erzeugt hätte.

Dann, wiederum vorausgesetzt, könnte der Kaltwiderstand des NTC auch 2200Ω – 329Ω (Vorwiderstand 50 Ω plus Kaltwiderstand der Heizungen von 279Ohm) = 1871 Ohm betragen haben, was auch besser zu einer niedrigen Arbeitstemperatur passen würde (niedrigere NTC-Arbeitstemperatur ≈ kleineres Widerstandsverhältnis). Dabei entstünde ein annähernd konstanter Strom von 0.1A bis zum Erreichen der Betriebswerte.
Zum Vergleich habe ich ein altes Thema wieder aufgegriffen: Kondensator im Heizkreis
Um für klare Verhältnisse zu sorgen, habe ich für den warmen Heizkreis einen passenden Vorschaltkondensator ermittelt, in diesem Fall ein 3.3uF Kondensator.
Abgesehen davon, dass dieser deutlich grösser als ein NTC für die gleiche Funktion ist, hat er noch einen nicht zu unterschätzenden Nachteil, wie die Simulation mit der nebenstehenden Schaltung zeigen soll:
Wie in den Ergebnissen der Simulation weiter unten zu erkennen, ist der Anfangsstrom I(C2) = türkis durch diesen Kondensator bei kalten Röhrenheizungen doppelt so hoch als wie bei der NTC-Lösung I(R14) = rot oder dem Kondensatorstrom I(C1) = grün bei warmer Heizung. Mit dem angegebenen Widerstandsverhältnis wären NTC Kalt- I(R14) und Warmstrom I(R13) gleich gross, wie der Kondensatorstrom I(C1) bei warmer Heizung.

Nicht wirklich gut für die Röhren, aber wahrscheinlich noch schlechter für die Skalenlampen, die würden im Falle des Kondensators bei kalter Heizung I(C2) wahrscheinlich durchbrennen, da ihre thermische Zeitkonstante im Vergleich zum parallel liegenden NTC sehr kurz ist. Der parallel zu den Skalenlampen liegende NTC mit 240Ohm Warmwiderstand sollte diese gegen zu hohe Spannungen zu schützen, ist aber eben träge im Vergleich zu den Glühfäden.
Daher scheint die Kondensatorlösung nicht unbedingt empfehlenswert zu sein.
Übrigens die Angabe 312 bei der Spannungsquelle bezieht sich auf den Spitzenwert in einer Richtung, der Effektivwert ist dabei 220V.

 

Hier noch die errechneten Ergebnisse der Simulation:

Direct Newton iteration for .op point succeeded.

i_kalt_r14: RMS(i(r14))=0.0988163 FROM 0 TO 0.1

i_warm_r13: RMS(i(r13))=0.100031 FROM 0 TO 0.1

i_kalt_c2: RMS(i(c2))=0.210732 FROM 0 TO 0.1

i_warm_c1: RMS(i(c1))=0.0980345 FROM 0 TO 0.1

Date: Wed Oct 28 16:56:38 2020

Total elapsed time: 0.030 seconds.


Aus diesem Grund versuche ich, tatsächlich noch eine echte NTC Lösung zu finden. Bei Erfolg (=Erhalt der Bauteile) komme ich auf das Thema noch einmal zurück.

Gruß
Achim

 

 

This article was edited 28.Oct.20 20:08 by Achim Dassow .

Rüdiger Walz
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29.Oct.20 11:24

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Hallo Herr Dassow,

es wäre prima, wenn Sie mit Ihrem Wissen ein modernes Bauteil auftreiben könnten, was als Ersatz für die Philips NTC geeignet wäre.

Wolfgang Bauer machte mich noch per mail darauf aufmerksam, dass der originale NTC einen Kaltwiderstand von 1800 Ohm hat. 

Ich denke aber der Kaltwiderstand ist nicht so kritisch, da man Serienröhren auch mit einem normalem Vorwiderstand betreiben könnte. Der Einschaltstromstoß ist allerdings auf die Dauer schädlich. 

Die Schätzung von Bernhard und mir von 2000 - 2200 Ohm kaltwiderstand ist, wie Sie ja überschlägig berechnet haben zu hoch und würde ein zu lange Anheizzeit des Radios bewirken. Ein Einschaltstromstoß von 150 % sollte die Röhren aber auch nicht umbringen. Grob geschätzt sollte der Ersatz NTC einen Kaltwiderstand von 1500 - 1800 Ohm haben, aber sich auf jeden Fall bei dem gewünschten Heißwiderstand von ca. 220 - 230 Ohm einpendelt.

Ich wünsche viel Glück bei der Suche nach einem Ersatz und bin gespannt, hier wieder darüber zu lesen.

Rüdiger Walz
Rüdiger Walz
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03.Nov.20 12:29

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Hier bekam ich noch einen weiteren Hinweis von Wolfgang Bauer:

 

"Ich habe ein sehr ähnlich aufgebautes Philips Modell, den BA323U als Demonstrationsgerät verwendet, um praktisch darzustellen, wie sich das Gerät mit einem Vorschaltkondensator bei 230 Volt verhält. 

Wie schon Herr Roschy in seinem Beitrag Kondensatoren für Serienheizkreise im Post 1 erwähnt:
Ein weiterer enormer Vorteil ist, dass wegen der Phasenverschiebung, die durch den steten Umladevorgang im Kondensator verursacht wird, der Heizstrom bei kalten Heizfäden nur minimal höher als ist im Betrieb. So wäre im obigem Fall der Strom gerade nur 10,3 % höher, wenn die Heizfäden im Einschaltmoment 0 Ohm Widerstand hätten. Tatsächlich ist der Kaltwiderstand deutlich höher, so dass selbst diese 10,3 % nie erreicht werden. Daher sind Urdox-, NTC- und Eisen-Wasserstoffwiderstände, etc. zur Strombegrenzung bei kalten Heizfäden nicht mehr erforderlich ! Für die Skalenlampen sind keine Sondermaßnahmen gegen Überstrom erforderlich. Bei ganz normaler Einschleifung in den Heizkreis ist mit bloßem Augen praktisch kein Helligkeitsunterschie zwischen kalten und warmen Heizfäden erkennbar.

Im Post 3 des gleichen Artikels finden Sie auch noch den maximalen Einschaltstrom.
Ich habe zwei Videos über das Verhalten des Lämpchens mit NTK bzw. mit Vorschaltkondensator 2,6µF ohne den NTK aufgenommen und man bemerkt nur eine unbedenkliche kurze Helligkeitsspitze beim Einschalten. (Anmerk. R.Walz: waren beim E-mail dabei)

Noch ein Hinweis zum Aufsatz von Herrn Dassow in Post 5: Der parallel zu den Skalenlampen liegende NTC mit 240Ohm Warmwiderstand sollte diese gegen zu hohe Spannungen zu schützen, ist aber eben träge im Vergleich zu den Glühfäden.
Der NTK TPII parallel zum Lämpchen hat im Normalbetrieb keine Funktion.
Dieser dient nur im Falle eines defekten Lämpchens zur Überbrückung und der weiteren Funktion des Gerätes ohne Lämpchen.
Dieser NTK hat bei Raumtemperatur von 23 Grad einen gemessenen Widerstand von 12kOhm.
Daher gibt es auch keinen Schutz vor zu hohen Spannungen.

Herzliche Grüße
Wolfgang Bauer"

Hans-Jürgen Neuhaus
Hans-Jürgen Neuhaus
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22.Nov.20 16:51

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Wie oben gesehen: Es gibt verschiede Lösungen, einen NTC in Röhren-Serien-Heizkreisen zu ersetzen, bis (vielleicht) aus einem Ersatzteilträger ein Original-Ersatzteil verfügbar ist.

Ich werde mich im Weiteren auf eine Ersatzlösung durch eine elektronischen Einschaltstrombegrenzung beschränken - mit wenigen Bauelementen (kleiner Bauraum) und geringer Wärmeentwicklung (kleine Verlustleistung).

Zur Erinnerung: Die Widerstandsänderung eines NTC - also eine Heißleiters - hat eine wesentlich andere Kennlinie als die Kaltleiter-Kennlinie einer Röhren-Serien-Heizung. Die Verringerung des Widerstandes auf den Heiß-Sollwert ist sehr träge, bei der Philetta ca. 30 Sekunden. Im Gegensatz dazu ist die Erhöhung des Glühfaden-Kaltwiderstandes von U-Röhren flink, im einstelligen Sekundenbereich. Diese Zeiten hängen natürlich auch von der Höhe des Stromflusses ab.
Nebenbei: Die Trägheit des Heißleiters verzögert die gesamte Hochlaufzeit eine Gerätes deutlich.

Zu Röhrenzeiten war ein Heißleiter in Allstromgeräten - also Serienheizung - eine lästige aber kostengünstige Lösung. Mit heute zur Verfügung stehenden elektronischen Mitteln kann man das einfacher machen.

Nebenbei: Schon in den 1960er-Jahren gab es "mutige" Firmen: So verzichtete Philips in SW-Fernsehgeräten (Sereinheizung mit P-Röhren) auf den üblichen NTC. Alle Röhren leuchteten nach dem Einschalten des Gerätes kurz hell, fast wie Glühlampen auf. Über negative Folgen ist mir nichts bekannt.

Basis der folgenden Schaltung ist der Ersatz des NTCs durch die Sereinschaltung von 2 normalen Widerständen:

  • Der 1. Widerstand hat den Wert und die Leistung des NTC im Heißzustand (Heißleiter) - in unserem Philetta-Fall: 220Ω/2W
  • Der 2. Widerstand hat den Wert und die Leistung des NTCs im Kaltzustand: ca. 2,2k.  

 Funktion: Der 2. Widerstand (2,2k) wird nach dem Einschalten zeitverzögert mittels eines diskret aufgebauten Thyristors gebrückt.

Schaltung:

Die 4 Dioden des Brückengleichrichters sorgen für Polungsunabhängigkeit. So ist die Schaltung für Wechsel- und Gleich-Spannung geeignet. Beliebt ist ein Typ B250C800, obwohl strommäßig überdimendioniert. Es kann jeder Brückengleichrichter (oder 4 Einzeldioden 1N4004) verendet werden, der 250V Sperrspannung (eff.) und Ströme > 200mA verarbeiten kann.

Die Transistoren MPSA92 uns MPSA42 arbeiten als eine komplementäre, mitgekoppelte Schaltungsanordnung. Sie bilden eine diskret aufgebaute Thyristorfunktion nach, die über die Basis des MPSA92 gezündet wird. Diese Zündung wird über den 470k-Widerstand - verzögert über des Zeitglied 470k/4700µF - eingeleitet.
Anmerkung: Das RC-Glied stellt hier erst mal mit 470k/4700µF nur einen oberen Wert als Platzhalter dar (siehe unten).
Der 100k-Widerstand sorgt für eine (langsame) Entladung im Ruhezustand.

Der Spannungsabfall an der gesamten Schaltungsanordnung (einschließlich Brückengleichrichter) ist im eingeschalteten Zustand ca.2,5V.
Damit ist bei Verwendung eines 200Ω-Widerstandes (NTC Heißwiderstand) wieder der geforderte Spannungsabfall von 22,5V bei 100mA durch die gesamte Erstzschaltung erreicht.

Die Transistoren MPSA92 und MPSA42 müssen Hochvolt-Typen sein:
Uce > 300V, Ic > 200mA, Ib > 200mA.
Beide Transistoren sind preisgünstig und leicht beschaffbar (Ebay, Conrad & Co).

Aufbau

Beim Aufbau der NTC-Ersatzschaltung - beispielsweise auf einer kleinen Lochrasterplatte - können schnell Fehler entstehen:
Eine Fehlerquelle ist die unterschiedliche Pinbelegung des MPSA42 und MPSA92 gegenüber Niedervolt-Universal-Transistoren: Emitter und Kollektor sind vertauscht.

Die Schaltung kann vor Einbau in ein reales Radio getestet werden.

Testschaltung

Der Heizkreis der Philetta wird durch eine 230V/25W Glühlampe simuliert.

Nach Einschalten zeigt das mA-Meter ca. 60mA - die Lampe glimmt.
Nach einer kurzen Verzögerungszeit (siehe unten) springt der Strom auf ca. 100mA - die Lampe leuchtet hell.

Halbwellenvorheizung

Zur Verringerung der Verlustleistung in der Kaltstartphase kann der 2,2k-Widerstand (siehe oben) durch eine Serienschaltung von 470Ω und einer Hochvoltdiode (1N40004) ersetzt werden - eine sogenannte Halbwellenheizung.

Testschaltung (wie oben)
Nach Einschalten ca.65mA - Lampe glimmt
Nach Verzögerungszeit: Lampe leuchtet hell (100mA)
Achtung: Zur korrekten Stromerfassung wäre ein Effektivwert-Strom-Messgerät (True RMS) erforderlich (kein Drehspul-Instrument).

Der Testschaltung ist aus Sicherheitsgründen (Netztrennung) ein Trenntrafo vorzuschalten! 
Dies ist besonders bei der Fehlersuche wichtig, wenn die Ersatzschaltung in der Testschaltung nicht richtig funktioniert.
Als Trenntrafo kann ein Röhren-Radio-Trafo aus der Bastelkiste oder aus einem (alten) Radio dienen, der bei 230V-Netzspannung eine Anodenspannung von ca. 250V > 50mA bereitstellen kann.

Viel Erfolg!

Achtung: Die Schaltung ist nur mittels obiger Testschaltung getestet, da ich keine Philetta besitze.

Mein Freund und RMorg-Mitglied Karl-Heinz (Kalle) Kornath bestzt eine typische Philetta (BD283U) mit NTC und U-Röhren. Er hat an diesem Beitrag mit gearbeitet und sich bereit erklärt, reale Tests an seinem Gerät mit obiger elektronischen Ersatzschaltung durchzuführen.
Er wird auch einen konkreten Vorschlag zur Dimensionierung der verzögernden RC-Gliedes machen.

Er wird hier demnächst berichten!

Steffen Thies
 
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23.Nov.20 18:51

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Hallo Herr Neuhaus,

so mutig war Philips auch wieder nicht. Der Verzicht auf den NTC wurde bei den späteren Modellen möglich,  weil die Aufheiz-Zeitkonstante bei den neuen Röhrensätzen angeglichen war. Die Vorstufen heizten absichtlich langsamer, so daß die Endstufen gleichzeitig warm wurden. Dadurch konnten sie nicht mehr überlastet werden und gleichzeitig war das Gerät schneller betriebsbereit.

Herzliche Grüße,

Steffen Thies

Karl-Heinz Kornath
Karl-Heinz Kornath
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05.Dec.20 16:24

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Wie mein Freund und RM.org-Mitglied Hans-Jürgen Neuhaus im Post 8 angekündigt hat, habe ich den NTC-Ersatz an einer Philetta BD283U getestet. Die Ersatzschaltung läuft zufriedenstellend. Folgende Bauteile kamen zum Einsatz:

     R1 = 220 Ohm / 3 W
     R2 = 1 Kohm / 2W
     R3 = 560 Kohm
     R4 = 100 Kohm
     C1 = 4700 uF / 6,3V

     Transistoren wie in der Schaltung:
     MPSA92 und MPSA42

     Brückengleichrichter:
     B250C800 oder 4 x Einzeldiode ( 1N4004 bis 1N4007 )


           
Als Vergleich stand mir noch eine Philetta BD263U zur Verfügung. Beide Philettas ( BD283U und BD263U ) sind in der Röhrenbestückung identisch. Hier konnte ich den Einschaltstrom der Heizung und dessen Verlauf, bis sich ein Strom von 100mA einstellte, gut verfolgen.

Für den Kalt-Widerstand, bestehend aus R1 und R2, ist der Wert von 1,22 Kohm optimal. Nach
ca. 8 Sek. schaltete der Thyristor, bestehend aus MPSA92 und MPSA42 durch. Jetzt kommt nur der Heiß-Widerstand zum Einsatz. Kein Aufblitzen der Röhrenheizfäden. Nach einer kurzen Zeit arbeitete
die Philetta.

Eine Kühlung der Ersatzschaltung ist nicht notwendig. R1 wird zwar warm, aber muss nicht gekühlt werden. R2 ist mit 2 Watt für die kurze Einschaltphase ausreichend. Allerdings sollte er, solange der NTC-Ersatz sich noch im Testaufbau befindet ( siehe Post 8 ), 5 Watt betragen.

Die Thyristor-Ersatzschaltung benötigt auch keine Kühlung. Ein Aufbau der Schaltung auf einer Lochrasterplatine ist von Vorteil. Die Nachbildung kann dann mit 2 Anschlussdrähten direkt in der alten NTC-Position eingebaut werden.

Hinweis für andere Allstromgeräte mit defektem NTC:
Diese vorläufige NTC-Ersatzschaltung kann auch für andere Radios benutzt werden. Man benötigt nur den Kalt- und Warm-Widerstand des defekten NTC um die Werte für R1 und R2 zu ermitteln. R1 + R2 sind der Kalt-Widerstand des NTC, der R1 ist der Warm-Widerstand.
 

  
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