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Europe1 auf 183 kHz schaltet für immer ab

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Wolfgang Holtmann
Wolfgang Holtmann
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23.Dec.19 22:21

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Diese Information lese ich gerade bei
Ydun's Medium Wave Info:

"As listening habits are changing and the use of digital media is increasing, Europe 1 will no longer broadcast on the long wave from midnight on December 31, 2019.

A choice assumed by the station which has always shown innovation in its way of thinking and conceiving the listening of its programs. The environmental approach also motivated this decision. Leaving the big waves is also protecting the environment. Happy holidays to you.

Constance BENQUÉ, Managing Director Lagardère News, (Europe 1 / Paris Match / JDD) CEO ELLE

Bruce Cohen
 
 
NL  Beiträge: 137
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24.Dec.19 09:53

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Noch eine Saure Pille.

Trotzdem danke für die Meldung.

Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
Redakteur
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24.Dec.19 10:45

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Da sich die Hörgewohnheiten ändern und die Nutzung digitaler Medien zunimmt, wird   Europa 1 am 31. Dezember 2019 ab Mitternacht nicht mehr auf der Langwelle           ausgestrahlt.

Eine Wahl, die der Sender getroffen hat und die stets innovativ im Denken und Hören seiner Programme war. Der Umweltansatz hat auch diese Entscheidung motiviert. Das Verlassen der großen Wellen schont auch die Umwelt.

Übrigens eine tolle Begründung... Digitalradio schont vermutlich die Umwelt und G5 auch???

Dieser Beitrag wurde am 24.Dec.19 10:52 von Wolfgang Lill editiert.

Michael John
Michael John
 
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29.Dec.19 22:42

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Die letzten 50 Stunden sind angebrochen!

Jetzt verschwinden immer mehr Masten aus meiner Sichtweite, Heusweiler konnte ich vom Esszimmer aus sehen, Europa 1 von meiner Galerie unterm Dach aus.
Naja bleibt noch Schocksberg und Göttelborner Höhe hier im Saarland, die beide DVB-T2 und Radio (SR und Private Radiosender) ausstrahlen und daher sicher noch länger in Betrieb sind.
Der Sender Schocksberg hat mit seinem Mast das höchste Bauwerk im Saarland mit seinen 287 m.

Somit verschwindet dann übermorgen ein Stück Geschichte, der erste private Radiosender auf deutschem Boden (franz. Hoheitsgebiet).

Vor 20 Jahren bin ich mal über einen Feldweg zum Sender hingefahren. Da kam gleich die Gendarmerie mit einem Armee-Jeep angefahren und hat mich ziemlich bestimmt gebeten, wieder zurückzufahren und mich nicht weiter dem Sender zu nähern. Mein Kennzeichen wurde notiert und bei einem weiteren "Vergehen" würden Konsequenzen folgen.
Das nur mal noch kurz am Rande erwähnt.

Als Kind war ich oft mit meinem Vater in der Gegend, da wir dort Bekannte hatten.
Das war schon ein imposanter Anblick, wenn man Richtung Unterfelsberg auf den Sauberg zu gefahren ist und hat die 4 riesigen Masten und die 2 Reservemasten gesehen. Leider werden sie bald auch Geschichte sein und mit einem Knall im Acker landen...

Jacob Roschy
Jacob Roschy
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30.Dec.19 10:11

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Da sich das Sendergelände von Europe 1 auf deutschem Boden befindet, kann hier unmöglich die französische Gendarmerie eingeschritten sein. Es kann sich nur um Mitarbeiter des Senders gehandelt haben und diese können sich nur die Benutzung eines nicht für den öffentlichen Verkehr zulässigen Feldwegs verbeten haben.

Der Betrieb des Senders Europe 1 auf saarländischem Boden wurde absichtlich gewählt, weil zur Zeit seiner Gründung (und lange danach) Privatfunk in Frankreich verboten war.

M. f. G.
J. R.

Michael John
Michael John
 
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30.Dec.19 11:01

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Das habe ich so auch geschrieben, daß er auf Deutschem Boden steht, aber es handelt sich dabei um Französisches Hoheitsgebiet.

Damals war an der Umzäunung auch ein zweisprachiges Warnschild angebracht, daß man sich dem Sender nicht nähern darf und daß er zu Französischem Hoheitsgebiet (nicht zu verwechseln mit Staatsgebiet, denn er stand auf Saarländischem Boden, bzw. heute Deutschem Boden) gehört.

Der Jeep war eindeutig mit Gendarmerie gekennzeichnet und der Mitarbeiter hatte auch eine entsprechende Uniform an.

 

 

 

 

Ingo Heidinger
 
 
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31.Dec.19 00:28

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Das Ganze hat aber auch eine positive Seite.

Die 183 kHz passen ja nicht in das 9-KHz-Raster - richtig wäre ja 180 kHz gewesen. Was bekanntlich historische Gründe hat: Der Sender Berlin mit 177 KHz war damit "so gerade noch" koordinierbar. Die anderen Sender in dem Teilbereich (171 und 189 kHz) waren weiter entfernt und konnten so mit der entsprechenden Sendeleistung "überschrieen" werden.

Das wird dann in Kürze nicht mehr der Fall sein, und so kann man auch in Mitteleuropa abends und nachts wieder besser Rás 1 o. 2 aus Island hören. Denn auch die Langwelle breitet sich via Raumwelle aus. Das ist ja über den WebSDR Twente schön zu beobachten.

Leider auch, daß sich BBC Radio 4 auf 198 KHz etwas zu breit im Spektrum macht...

Dann wäre der Empfang noch besser und man müßte nicht immer das zur BBC zeigende Seitenband "runterdrehen".

Das spätabendliche und nächtliche Musikprogramm aus Island ist mitunter durchaus ambitioniert und lohnt das Reinhören.

 

Jacob Roschy
Jacob Roschy
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31.Dec.19 10:01

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Nach dem verlorenen Krieg wurde vom Kopenhagener Wellenplan für Deutschland keine Langwellenfrequenz mehr zugesprochen.

Trotzdem wurde in der DDR der „Deutschlandsender“ auf dem damaligen Frequenzkanal 182 kHz in Betrieb genommen.

Ebenfalls nach dem Krieg wurde das Saarland als teilautonomer Staat als eine Art französisches Protektorat etabliert und war von der Bundesrepublik Deutschland unabhängig.

Der private Langwellensender Europe 1 wurde im Saarland errichtet, um ein kommerzielles Programm nach Frankreich zu senden, da nach dem Krieg privater Rundfunk in Frankreich verboten wurde.

Nach Versuchen auf verschiedenen Langwellenfrequenzen, die zu Störungen anderer Sender führten, entschlossen sich die Betreiber von Europe 1, ab dem Jahr 1955 ebenfalls auf der Frequenz 182 kHz zu senden, da der DDR- Deutschlandsender diese Frequenz ohne Zuteilung nutzte.

Um sich nicht zu sehr gegenseitig zu stören, wurde beide Sendefrequenzen leicht gegeneinander verschoben. Um 1960 sendete Europe 1 auf 180 kHz, der „Deutschlandsender“ auf 185 kHz. Als in den 1970er Jahren der neue Genfer Wellenplan in Kraft trat, änderte sich der Frequenzkanal von 182 auf 180 kHz. Daraufhin wechselte Europe 1 auf 183 kHz und der dann „Stimme der DDR“ genannte Sender der DDR ging auf 177 kHz.

Das Sendegelände von Europe 1 ist ein Privatgrundstück eines Privatbetriebs auf saarländischem Boden. Europe 1 sendet(e) vom Saarland aus, um sich dem Zugriff des französischen Staates zu entziehen. Daher ist die Annahme geradezu grotesk, das Europe 1- Sendegelände wäre französisches Hoheitsgebiet. Wäre dem so, dann wäre der Sender sofort stillgelegt worden, da damals privater Rundfunk auf französischem Hoheitsgebiet verboten war.

Da aber das Gelände direkt an der französischen Grenze liegt, ist nicht sehr verwunderlich, dass man Besuch von der französischen Gendarmerie bekommt, wenn man sich verdächtig in dieser Gegend aufhält.

Mehr über den Sender Europe 1 auf Saar_Nostalgie, dort [Radio-TV] wählen, dann [LW-Sender Europe № 1] und [Antennen von Eur.1]

 

Jacob Roschy
Jacob Roschy
Redakteur
D  Beiträge: 1631
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02.Jan.20 10:33

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Der Sender wurde mitten im laufenden Programm am 31. 12. 2019 um 23:29 MEZ abgeschaltet, nach 65 Jahren Betrieb seit 1955, ohne vorherige Ankündigung, ohne Ansage oder gar einer Abschiedsmelodie, irgendwie schäbig und unanständig.

Ich hatte mich auf die Abschaltung kurz vor Mitternacht verlassen und wollte das historische Ereignis beobachten, wie sich das Magische Auge eines meiner Röhrenradios vom letzten Vollausschlag auf 183 kHz für immer öffnet, aber als ich um 23:45 einschaltete, war das Signal schon weg.

Durch die Abschaltung wird Europe 1 sehr viele Hörer verlieren. Das UKW- Sendernetz, das sie in Frankreich unterhalten, besteht nur aus vielen schwachen Sendern in der Nähe von größeren Städten mit großen Lücken außerhalb der Ballungszentren. Die Stammhörer in Belgien und der Schweiz sind komplett verloren, weil es dort für Europe 1 keine UKW- Sender gibt.

Europe 1 wird den Verlust des LW- Senders wohl noch sehr bereuen und sich eine flächendeckende Versorgung zurück wünschen.

M. f. G. J. R.

 

  
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