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Fernsehturm Löbau / Schafberg / Ostsachsen/Oberlausitz

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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05.Oct.19 15:56

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Das Fernsehen wird auch in Löbau und Umgebung erwartet. Auch hier gibt es örtliche Initiativen zum Empfang des Deutschen Fernsehfunks. 

Foto Peter Emrich , Löbau

Auf die noch im Vordergund zu sehende Stahlkonstruktion in der Nähe des Gasthofes "Zum Berghaus" war Ende der 50iger Jahre eine Holzkonstruktion aufgesetzt. An dieser war ein Umsetzer angebaut. Er sendete auf Kanal 7 in horizontaler Position. Das Fernsehbild wurde vom Sender "Landeskrone Görlitz" ,  Kanal 6 übernommen. Durch den Umsetzer konnten die Ebersdorfer, die sonst im Schattenbereich dieses Senders lagen, ebenfalls das Adlershofer Fernsehen empfangen.

Foto; Wolfgang Lill, 12.09.2019

Günstiger wäre natürlich der oben auf den Berg im Jahre 1854 errichtete 28m hohe " gußeiserne " Turm gewesen. Aber er stand damals in der DDR schon unter Denkmalschutz und wurde deshalb von den Fernsehpionieren "verschont". Übrigens wenn Sie den Schafberg in Löbau besuchen, da lohnt sich die Besichtigung des Turmes, es ist der einzige in Europa noch zu findende gußeiserne Turm!

Errichtet wurde ein etwa gleich hoher Stahlgittermast

Foto: Peter Emrich, Löbau

im Jahre 1966. Zunächst für die Übertragung von DDR1 noch im VHF- Bereich auf Kanal 7, geplant ist der Mast auch für das zweite Fernsehprogramm, was dann offiziell ab 3.Oktober  1969 ausgestrahlt wird.

Das zweite DDR- Programm wird auf Kanal 39 und das erste auf Kanal 27 gesendet. Damit umgeht man Störungen durch osteuropäische Sender, die im VHF- Bereich senden. 

Im Oktober 1987 beginnen Baumaßnahmen an der "Rundfunksendestelle Löbau" auf dem Schafberg. Ziel ist die entscheidende Verbesserung der Hör- und Fernsehrundfunkversorgung der Bevölkerung im Ostsächsischen Raum. Abgeschlossen werden sollen diese Arbeiten bis 1991.

Der geplante Stahlbetonturm wird 165 m hoch und damit sind aufgrund der territorialen Geländestruktur bessere Empfangsmöglichkeiten zu erwarten und noch vorhandene Versorgungslücken beim 2. Programm, durch fehlende Fernsehfüllsender, werden wegfallen.

Bis Ende November 1987 wurde der 100 m hohe Stahlbetonschaft errichtet. Darauf wurde dann der 65 m hohe stählerne Antennenträger aufgebaut.  Auch wurde die Rundfunkversorgung im Ukw- Bereich kritisiert.   Mit Baubeginn waren in Löbau fünf Ukw- Programme in Stereoübertragung aktiv:

Radio DDR1 , DDRII, Stimme der DDR, Berliner Rundfunk und das Jugendradio Dt64.  

Kritisiert wurde hier immer wieder, daß ein hochwertiger Stereoempfang im Versorgungebiet "Ostsachsen"nicht durchgängig gewährleistet ist. 

Hubschraubereinsatz beim Bau des Fernsehturms, Foto von Peter Stache erschienen in der Sächsischen Zeitung am 14.6.1988 , Stadtverwaltung Löbau Hauptamt Stadtarchiv oben und unten

Die Kollegen der Interflug leisten hier erfolgreiche Arbeit und die Hubschraubermontage ist gegenüber einem Riesenkran sogar kostengünstiger.

Über den Bau bricht die politische Wende in der DDR herein. Ursprünglich war die Eröffnung im Jahre 1991 geplant. Infolge geänderter Zulieferungen und Ausstattungen, zum Beispiel waren die Fernsehsender im SECAM IIIB System geplant, diese werden jetzt in PAL eingebaut oder auch der Rundfunkstrukturen, entstand ein ungeplanter Rückstand. Im Jahre 1992 werden die Sendeanlagen so nach und nach übergeben. Ein offizieller Einweihungstermin ist nirgendwo zu erlesen. Auch die geplante Höhe von 165m wurde nicht erreicht. Der fertige Turm war damals 162 m hoch.

Hier stehen beide noch friedlich nebeneinander, das Foto dürfte 1990 entstanden sein.                    Straße zum Fernsehturm, Urheber: Helmut Plewa, Rechte beim Stadtarchiv Löbau, ohne Datierung

Die Stahlkonstruktion des alten Mastes ( Titelbild der FF- Dabei von 1973)  wurde im Herbst 1992 abgerissen, man hat diesmal nicht geprengt, sondern mit einem Kran Stück für Stück demontiert.

Auch der erste private Rundfunksender "Radio Lausitz", damals noch mit Studio in Görlitz, jedoch inzwischen umgezogen nach Bautzen, ist stolz auf diesen Sendestandort. Mit 30 KW ERP kann man schon sehr viele Hörer erreichen.....

Gebaut nach DDR- Projekt. Der Pförtnerbereich ladet regelrecht zum Besuch ein. Eigentümer bis zum 02.Oktober 1990 war offiziell die Deutsche Post der DDR, dann erfolgte die symbolische Übergabe an die Deutsche Bundespost, diese widerum übergab das Ganze an die Deutsche Telekom...da wurden die Grundstücke und Baulichkeiten ausgegliedert, diese gehören heute der Deutschen Funkturm GmbH, die Media Broadcast zeichnete für die Technik verantwortlich, bis dahin noch überschaubar.

Bei meinem Besuch Mitte September 2019 war gerade Entsorgung angesagt. Welche Anlagen erneuert werden, das habe ich noch nicht erfahren....

Foto: Peter Emrich, Löbau

Am 11.06.2007 ist ein Hubschraubereinsatz zu beobachten.Der Löbauer Sendeturm startet am 23.Juli 2007 als einer der ersten Stationen in Deutschland mit dem digital- terristischem ( DVB-T) Fernsehen           ( inzwischen umgestellt auf DVB-T2Norm. Stand : Oktober 2019 )

Bis dahin sendete man  analog auf dem

Kanal 27  das ARD- Programm mit ERP 500 KW

Kanal 39  das MDR- Fernsehen mit ERP 500 KW     und

Kanal 56  das ZDF- Fernsehen   mit ERP 180 KW.

Digital gibt es nun die drei Pakete:

PaketFernsehprogrammeKanalERPPolarisation  
ARD regional (MDR) 3450 kWvertikal  
ZDFmobil 3650 kWvertikal  
ARD Digital (MDR) 3950 kWvertikal  

Die Ausstrahlung erfolgt im Gleichwellennetz mit Dresden - Wachwitz. 

 

Am 16.März 2013, wieder strahlend blauer Himmel und ruhiges Wetter. Ein tschechischer Hubschrauber bringt die 230 Kg schwere DAB+ Antenne, welche dann oben montiert wird.

Auf Kanal 5c sendet der Multiplex das zentrale deutschlandweite Programmpaket der Media- Broadcast mit ERP 10 KW und auf Kanal  9A wird das Programmpaket des Mitteldeutschen Rundfunks ausgestrahlt, hier ist ERP 6,8 KW.  

Weiterhin wird auf UKW analog gesendet. Aktuell sind das

auf 91,8 MHz, ERP 5 KW

MDR- Kultur  auf 96,2 MHz ERP 5 KW,  

MDR- Sachsen auf 98,2 MHZ  EPR 5 KW

Deutschlandfunk auf 99,5 MHz mit ERP 5 KW

auf 101,00 MHz mit 30 KW ERP

-Deutschlandfunk Kultur auf 103,00 MHz mit ERP 2 KW 

-Hitradio RTL- Sachsen  auf 105,6 MHz mit ERP 30 KW und als achter Sender:

-Radio Lausitz auf 107,6 MHz mit ERP 30 KW

Der Turm dürfte durch das Aufsetzen der DAB+ Antenne noch etwas "gewachsen" sein. Eine Möglichkeit zum Nachmessen hatte ich jedoch noch nicht. 

Es gibt einige offene Fragen, die ich im Artikel gerne beantwortet hätte, Ich bleibe dran. Wenn jemand etwas weiß, bitte bei mir melden, damit wir noch Ergänzungen einarbeiten können.

Dieser Beitrag wurde am 06.Oct.19 20:37 von Wolfgang Lill editiert.

Wolfgang Lill
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17.Jan.21 15:35

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Das Foto stammt von mir und ist von 1990.

Bei der ersten Möglichkeit, zu fliegen, sind wir in Bischdorf mit einem Agrarflugzeug nach Löbau. Dabei entstand auch dieses Foto.

Die Negative sind leider nicht mehr da, nur noch die Fotos an sich. Die anderen sind leider teilweise verwackelt, aber zur Info für Sie.

Viele Grüße Frieder Schönlebe

Erst mal vielen Dank für die Bilder, da ist der Neue Fernsehturm noch nicht bis zur Spitze fertig, er ist ja auch erst später in Betrieb gegangen. Der alte Gittermast ist auch noch parallel vorhanden und wurde noch betrieben.

Und Herr Schönlebe ist der Luftfahrt auch als Senior treu geblieben und so können wir auch noch zwei Fotos aus dem Jahre 2018 hier einstellen.

Ich kann nur sagen; Vielen Dank für die schönen Fotos ! 

Dieser Beitrag wurde am 18.Jan.21 01:44 von Wolfgang Lill editiert.

Wolfgang Lill
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26.May.21 17:47

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Ein aktuelles Foto vom Mai 2021 schickte mir Herr Frieder Schönlebe aus Löbau.Nach wie vor sendet der zweite Nationale Multiplex mit seinen Privatsenderprogrammen nicht in Ostsachsen, die Betreiber meinen, der Aufwand in dieser strukturschwachen Gegend lohnt sich nicht .  Ein Trost, man kann im Dreiländereck sowohl polnische als auch tschechische DAB+ Sender empfangen. 

 

Dieser Beitrag wurde am 26.May.21 18:30 von Wolfgang Lill editiert.

  
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