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Spannungs-Konstanter der Firma SHR

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Dietmar Rudolph † 6.1.22
Dietmar Rudolph † 6.1.22
 
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24.Sep.08 14:13

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Kennt jemand die Firma SHR? Ist diese Firma eventuell unter ihrem kompletten Namen bereits angelegt? SHR ist im "search" nicht zu finden.

Ist das Gerät vom "Meßgeräte- u. Armaturenwerk Magdeburg, VEB (Ostd.)"? bzw. hier?

Dies ist das Typenschild eines Spannungsgleichhalters (magnetischer Spannungs-Stabilisator für Wechselspannungen) "Konstanze". Das Gehäuse dazu stammt von der "Radiogehäuse-Industrie Hainichen" und ist mit 3. Feb. 1961 datiert.

Hier ist ein Bild des geöffneten Gerätes. (Der Staub der Jahrzehnte ist noch nicht komplett beseitigt.) Handelt es sich um "Konstanze 1", nachdem Konstanze 2 & 3 bereits angelegt sind?

Hat jemand ein entsprechendes Gerät und kann nachmessen, wie groß der Leerlaufstrom ist? Bei diesem Exemplar steigt der Strom bereits bei 10V auf über 2A. Der Kondensator hat keinen Kurzschluß und die Trafos sind nicht verschmort.

MfG DR

Dieser Beitrag wurde am 28.Sep.08 20:12 von Dietmar Rudolph † 6.1.22 editiert.

Daniel Consales
Daniel Consales
 
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24.Sep.08 14:48

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Hallo Herr Rudolph,

nach dem Typenschild sollte es ein "Konstanze V" (5) sein - auch beim Konstanze III (3) wurde ja die römische Ziffer verwendet.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Daniel Consales

Joachim Glüder
Joachim Glüder
 
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24.Sep.08 15:49

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Hallo Herr Rudolph,

die Firma "ossikult.de" bietet ein Konstanze IV an. Das abgebildete Typenschild zeigt ebenfalls die Abkürzung SHR, aber mit einem anderen Logo. Dieses gehört ziemlich sicher zum früheren VEB "Schwermaschinenbau Heinrich Rau". Das klingt merkwürdig, aber es war wohl in der DDR nicht ungewöhnlich, dass Firmen neben ihrem Produktionsauftrag auch Nischenprodukte fertigten.

mfg

J.G.

Lutwin Berndt † 5.10.14
Lutwin Berndt † 5.10.14
 
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24.Sep.08 18:30

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SHR 

Es handelt sich um die Firma "Schwermaschinenbau Heinrich Rau". Habe von SHR einen Spannungsgleichhalter "SgH 200" mit den gleichen Kenndaten wie dieses Konstanze-Modell: Regelbereich 154-242 V, etc. Typ und Kenndaten sind in das Bakelit?-Gehäuse eingeprägt, ferner noch der Hinweis "Nur für Rundfunk- u. Fernsehgeräte. Nur für trockene Räume." Gerät hat Tragegriff und wiegt etwa 10  kg.

Mfg Lutwin Berndt

Dietmar Rudolph † 6.1.22
Dietmar Rudolph † 6.1.22
 
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25.Sep.08 11:53

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Vielen Dank für die schnelle Hilfe bei der Bestimmung der Firma. Ich werde die Firma anlegen, auch wenn es sich bei der "Konsatnze V" hierbei nur um ein Nischenprodukt handelt.

Sehr geehrter Herr Berndt,

aus Ihrer Antwort entnehme ich, daß Sie auch einen entsprechenden Konstanter besitzen. Wäre es Ihnen möglich, die Stromaufnahme Ihres Gerätes zu messen?
Ich habe versucht, die Stromaufnahme meines Gerätes in Abhängigkeit der angelegten Spannung zu messen und komme dabei auf abenteuerliche Werte.

Nun arbeitet ein magnetischer Konstanter mit der Netzfrequenz in Resonanz. Hier könnte das Problem liegen, weil die Induktivität durch (gewollte) Sättigung des Eisens (für höhere Spannungen) sich verändert und so die Resonanz bei niederen Spannungen wo anders liegt.
Brutal könnte ich sicher den Stecker einfach in die Steckdose stecken, bloß im Keller sitze ich dann ggf. im Dunkeln, wenn die Netzsicherung auslöst.

MfG DR

Dietmar Rudolph † 6.1.22
Dietmar Rudolph † 6.1.22
 
D  Beiträge: 2492
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27.Sep.08 20:11

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Ein Kollege hat zunächst seine Konstanze ii gemessen, s. Anlage. Daraus geht hervor, daß der Strom für kleine Spannungen tatsächlich sehr hoch ist, aber andererseits eben kein Kurzschluß besteht.

An einem magnetischen Konstanter kann eigentlich nichts defekt werden (außer eventuell der MP Kondensator). An einer unabhängigen Steckdose in Betrieb genommen, führte das auch  nur zu einem kurzen Knurren (des Konstanters), ohne daß eine Sicherung auslöste. Also ist er in Ordnung. Mit Hilfe eines Stelltrafos und 2 digitalen und einem analogen Vielfachinstrument wurden die Strom-Spannungskennlinie und die Ausgangsspannung aufgenommen und die Werte mit Matlab® geplottet.

An der Strom-Spannungs-Kennlinie sieht man, daß der Strom für kleine Spannungen zunächst sehr stark ansteigt. Bei einem "normalen" Gerät (z.B. Radio) würde dies auf einen Kurzschluß (z.B. im Trafo) hindeuten.  Hier jedoch ist es anders. Ein solcher Konstanter hat einen Resonanzkreis (Parallelkreis) für die Netzfrequenz, wobei die entsprechende Induktivität (bei Nennspannung) sehr weit in die Sättigung getrieben wird und dabei den Wert der Induktivität verringert. Bei kleinen Spannungen ist dieser  Parallelkreis nicht in Resonanz, weshalb dann ein größerer Strom aufgenommen wird.

Im Prinzip besteht ein solcher Netzkonstanter aus einem Spannungsteiler, bestehend aus einer nicht gesättigten Drossel in Serienschaltung mit dem Parallelschwingkreis mit der gesättigten Drossel.  Die stabilisierte Spannung wird parallel zur gesättigten Drossel entnommen. Die gesättigte Drossel hat die Eigenschaft, daß die Spannung an ihr nur relativ wenig vom Strom abhängt (solange die Sättigung besteht). Da eine gesättigte Drossel sich nichtlinear verhält, ist der Ausgangsstrom nicht länger ein sauberer Sinus, sondern enthält Oberschwingungen.

MfG DR

Anlagen:

Dietmar Rudolph † 6.1.22
Dietmar Rudolph † 6.1.22
 
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28.Sep.08 12:58

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Zum Prinzip des magnetischen Spannungskonstanthalters findet sich eine kurze Beschreibung in: "Baehr, Hugo: Regeln und Steuern durch magnetische Verstärker, Vieweg, 1960" pp. 123 & 124.

A. Magnetische Spannungskonstanthalter

Ein viel verwendetes Gerät zur Versorgung von Verbrauchern mit konstanter Spannung ist der magnetische Spannungskonstanthalter. Er besteht im wesentlichen aus zwei in Reihe geschalteten Drosseln Dr1 und Dr2, (Bild131). Die Drossel Dr1 ist im normalen Betriebsbereich ungesättigt. Die am Ausgang des Gerätes liegende Drossel Dr2 ist dagegen hochgesättigt, so daß die an dieser Drossel auftretenden geringen Spannungsschwankungen große Stromänderungen verursachen, die noch durch einen entsprechend ausgelegten Kondensator C verstärkt werden. Schwankungen der Eingangsspannung wirken sich demnach bis zu einem gewissen Grade stets nur an der ungesättigten Drossel aus, während die Spannung an der gesättigten Drossel bei Spannungsschwankungen nahezu konstant bleibt.


Magnetische Spannungskonstanthalter werden in der Normalausführung für eine Eingangsspannungsänderung von ±15% hergestellt. Sie halten innerhalb dieser Grenzen bei Wirkbelastung und Laständerungen zwischen Leerlauf und Nennlast die Ausgangsspannung auf etwa ± 0,6 % konstant. Die Restschwankung der Ausgangsspannung erhöht sich auf etwa ±2,3%, wenn die Spannungskonstanthalter bei einem Leistungsfaktor zwischen 1 und 0,8 betrieben werden.

 

Die Drossel Dr2 wirkt auf Grund der starken Übersättigung wie ein Oberwellenerzeuger, d. h. die Konstanthalter liefern eine Ausgangsspannung, deren Kurvenform von der Kurvenform der Eingangsspannung stark abweicht. Durch zusätzliche Siebmittel (z. B. Entzerrdrosseln) läßt sich die Verzerrung der Kurvenform auf ein Minimum reduzieren.

Gemessener Verlauf der Ausgangsspannung: stark verzerrte Form (Sinus mit Oberschwingungen)

Die Ausgangsspannung der magnetischen Spannungskonstanthalter ist naturgemäß frequenzabhängig. Bei 1% Frequenzänderung beträgt die Spannungsabweichung jedoch nicht mehr als etwa 1,1 %

Die magnetischen Spannungskonstanthalter enthalten keine beweglichen Teile. Sie arbeiten daher geräuschlos, sind rundfunkstörungsfrei und bedürfen keiner Wartung. Diese einfachen und billigen Geräte eignen sich zur Versorgung von Verbrauchern mit Leistungen bis zu etwa 3 kVA.

MfG DR

  
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