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Funke W17 / W17A Unklarheiten

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Wolfgang Eckardt
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09.Aug.20 12:57
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Funke RPG W17 / W17A Widersprüche

Seit kurzer Zeit ist das Modell Funke-Röhrenprüfgerät W17 durch Herrn Seefried neu angelegt und mit guten Bildern bestückt. Bisher war nur das Modell W17A angelegt. 
Sofort taucht nun die Frage auf: Worin unterscheiden sich denn beide? – Und diese Frage konnte bisher meiner Meinung nach nicht ausreichend beantwortet werden, vor allem deshalb, weil sich die Bilder in vielen Details, auch bezüglich Röhrenbestückung gleichen. Da tun sich Unklarheiten und Widersprüche auf!

Ich habe mal versucht, mit meinen vorhandenen Unterlagen bestehende Fakten anhand vorhandener Bilder und Dokumente darzulegen.

1. Ein Messgeräte-Kennblatt zum W17, das einige wichtige Daten enthält. Die Röhrenbestückung wird angegeben mit AZ12 und GR150A für das W17 und für das W17A mit AZ12 und STV280/30-74A.

Bild 1: Messgeräte-Kennblatt W17 (GFGF-Archiv)

2. »Funke Patent-Röhrenprüfer DRP / Liste 1938/39«  und  ».... Liste 1939/40«, jede 6 Seiten DIN-A5. Da befindet sich jeweils auf Seite 4 das Kennliniengerät W17, aber –  
                                      1938/39 das W17   und   1939/40 das W17A.
Beide Bilder habe ich zusammengestellt. Daraus ersieht man gleiche Daten, auch für die beiden Röhren! Ein Widerspruch zu Bild 1.

Bild 2: Original Funke-Listen 1938/39 und 1939/40, Seiten 4

3. Wolfgang Scharschmidt führt in seinem Buch „Röhrenhistorie“ Band 3 (2009) auf den Seiten 11-12 einige Fakten zum W17 und W17A auf, schreibt auch, dass das W17 weitgehend der Schaltung (Röhrenfassungen) des W16 entspricht bis auf einige zusätzliche Erweiterungen.
In einer bereits im Jahr 2000 erschienenen Edition von Scharschmidt sind einige Angaben anders, aber als Röhren sind in beiden Literaturstellen für W17 AZ12 und GR150 und für W17A die AZ12 und STV280/80 angegeben (Bild 3).

Bild 3: Textauszug „Röhrenhistorie“ Band 3, S. 12 + Edition 2000 S. 7

Alle drei (fünf) Quellen geben also keine eindeutige Antwort auf die Unterschiede der beiden Modelle, auch nicht der Röhrenbestückung. 

Betrachtet man in RM.org vorhandene Bilder, so ist bei keinem der beiden Modelle W17 / W17A eine GR150 als Stabilisator eingesetzt. Alle Modellbilder zeigen STV280/80. Auch mir vorliegende weitere Bilder, z.T. aus dem GFGF-Archiv, lassen nirgends eine GR150 erkennen!

Wenn man nun noch Überlegungen ansetzt, dass das Modell W17 auch als „Kennliniengerät W17“ benannt wird mit besonderen Forderungen an die Konstanz aller Spannungen und zieht frühere Modelle mit dieser Bezeichnung zum Vergleich heran (W7, W11, W13, W15), so muss man feststellen, dass diese Modelle alle STV280/80 als Stabilisator enthalten. (W13 und W15 sind noch nicht gelistet in RM.org.)

Nun sei die Frage erlaubt: Warum soll ein als Kennliniengerät benanntes Modell mit drei Messinstrumenten und zusätzlichen Forderungen an die Messungen eine nur einstufige Stabilisatorröhre GR150 enthalten?

Gibt es vielleicht Übertragungsfehler auf Dokumenten (Bild 1, eine Quelle, die auch W. Scharschmidt in seinem Buch nutzt),  oder hat man ganz am Anfang bei den ersten Geräten des W17 versucht mit der wesentlich preiswerteren GR150 zu arbeiten und hat dann wieder auf STV280/80 umgestellt?

Aus diesen Überlegungen heraus könnte man die Behauptung aufstellen, der einzige Unterschied zwischen W17 (1938/39) und W17A (1939/40) ist die Jahreszahl des Erscheinens und vielleicht einiger Details in der Ausführung. Das ist aber mit dem vorliegenden Material nicht zu beweisen. Vielleicht besitzt noch ein Sammler ein W17 mit GR150 oder weitere Dokumente als Quellen? (In meinem Beitrag Post 2  vom 27. 12. 2012 waren mir die beiden Quellen aus Bild 2 noch nicht bekannt!) 

Erwähnenswert ist noch die Aussage von W. Scharschmidt in seinem Band 3, dass Funke nach dem Krieg Modernisierungsumrüstungen werksmäßig anbietet und sogar noch W17A hergestellt haben soll (Bild 3). Selbst als VEB, also nachdem Funke in Adenau seinen Betrieb neu aufbaute, soll das später noch angeboten worden sein. Das kann ich aber nicht belegen. Fest steht zweifelsfrei, dass Funke Umbauanleitungen an Werkstätten und interessierte Amateure versendet sowie werksmäßige Modernisierungen in Werbeanzeigen und Rundschreiben angeboten und auf Kundenwunsch durchgeführt hat, sodass es gängige Praxis war, die älteren Modelle mit moderneren Röhrenfassungen aufzurüsten und die neuen Prüfkarten dazu zu liefern - siehe Bild 4, Auszug eines solchen Schreibens an eine Radiowerkstatt. Ein komplett im Originalzustand erhaltenes RPG aus den 1930er Jahren dürfte heute eine Rarität sein.

Schließlich waren diese Geräte teuer und Röhrenprüfen war „in“. Von vielen Fachgeschäften und Werkstätten wurde es als Kundendienstleistung angeboten. Und wer von den Lesern dieses Textes im Radiomuseum hat sich daran nicht auch beteiligt oder gar selbst durchgeführt?

Bei der Modellseite des W17A ist noch ein Bild besonders auffällig (Bild-ID=528533), da es eine zweite Reihe von Röhrenfassungen (wahrscheinlich WM-Röhren) oberhalb der Steckerplatte besitzt. Das scheint eine Sonderausführung zu sein (Export?). Leider ist kein Typschild zu sehen.

Vielleicht gibt es Meldungen zu meinem Beitrag, die entweder bestätigen, ergänzen oder sogar berichtigen. Dann könnten wir auch diese beiden Modellseiten Funke W17 und W17A vervollständigen.

Wolfgang Eckardt

 

This article was edited 09.Aug.20 16:21 by Wolfgang Eckardt .

Thomas Nickel
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15.Aug.20 23:11
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Hallo Herr Eckardt,
danke für die übersichtliche Gegenüberstellung der sich widersprechenden Dokumente.
Man sollte annehmen, daß die originalen Funke-Dokumente die höchste Aussagekraft haben. Laut Prospekt 38/39 und der Bedienungsanleitung von 11/38 wird im W17 die STV280/80-74A verwendet. Dies deckt sich mit den mir vorliegenden Innenaufnahmen der Geräte W17 Nr. 606 und 656 sowie weiteren im Internet verfügbaren Bildern. Die Verwendung dieser Röhre zumindest in der W17-Standardversion dürfte hiermit als gesichert gelten und sollte auf der RM.org-Modellseite eingespeist werden.
Da in den Funke-Prospekten zwischen W17 und W17A kein Unterschied erkennbar ist und 1940 für beide Versionen eine gemeinsame Röhrentabelle herauskam, bin ich ebenfalls der Meinung, daß nur marginale Unterschiede vorhanden sein können.

Zum Gerätekennblatt: abgebildet ist eine 7 cm tiefere Gehäuseversion mit 8 zusätzlichen Wehrmachtsgerätefassungen. Im Kennblatt sind die Gehäuseabmessungen korrekt angegeben, eine Bildverwechselung damit wohl ausgeschlossen. 
Aber warum sollte in der W17-Wehrmachtsausführung statt der STV280/80 eine GR150A eingesetzt worden sein? Die STV280/80 wurde in vielen Wehrmachtsgeräten verwendet und war kaum ein Engpaßteil. Noch heute sind diese Röhren in NOS-Qualität sehr preiswert zu bekommen. Außerdem: eine STV280-Glimmstecke wird zur Erzeugung der neg. UG1-Spannung von 0...-50V verwendet. Wie soll das bei GR150A-Verwendung gehen? Eine 50V-Batterie wird kaum eingebaut gewesen sein. Wahrscheinlicher ist hier eine Verwechslung mit den ebenfalls bei der Wehrmacht eingesetzten W16 oder RPG4 und daß Scharschmidt die GR150A-Angabe aus dem Kennblatt in seine Übersichtstabelle übernommen hat.
Übrigens: die Prüflings-Anodenspannung ist bei W17 und W17A nur in Stufen 75/150/225V umschaltbar. Die Scharschmidt-Angabe "regelbar" ist hier eindeutig falsch. Das gilt auch für die Geräte W7, W11 und W15.

Von Funke gab es jedoch ein RPG mit Kennlinienaufnahmemöglichkein und stufenlos einstellbarer Anodenspannung, in dem eine GR150A steckte - das 1939 für die Reichspost entwickelte RFE. Hier wurde eine 15V-Gitterbatterie zur UG1-Spannungserzeugung eingesetzt.

MfG

Thomas Nickel

Hans RODT
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23.Aug.20 23:07

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Hallo,

ich habe Dokumente gefunden, die vielleicht zur Aufklärung der Bestückungsfrage beitragen können.

Entscheidend für eine Beurteilung der Sachlage ist immer die Verlässlichkeit der Quellen. In ersten Bericht von Herrn Eckard ist ein Messgeräte-Kennblatt abgebildet, das aus dem GfGf-Archiv entstammt. Diesem Kennblatt, zu dem keine weitergehende Quelle angegeben ist, kommt vermutlich doch eine größere Bedeutung zu.

Ich bitte um Nachsicht, wenn ich etwas weiter ausholen muss, um die Wertigkeit der Quellen zu dokumentieren.

Die Geräte RPG W17 / 17a sowie das RPG 4 in verschiedenen Ausführungen wurden bei der Wehrmacht im Rahmen von Prüf- und Reparaturzwecken eingesetzt. Meine vorliegenden Informationen betreffen die Kriegsmarine.

Im April 1941 wurde ein Kommando der Marinenachrichtenschulen in Flensburg-Mürwik gebildet. Dieses neue Kommando übernahm die technische und disziplinarische Leitung der bisher der Marinenachrichteninspektion unterstellten Einheiten und Kommandos. Im Laufe der Zeit kamen weitere Schulen und Dienststellen hinzu und aus diesem Grund wurde eine neue Nachrichtentechnische Inspektion der Kriegsmarine gebildet (1). Dem Kommando waren u.a. mehrere Marinearsenale unterstellt:

Marinenachrichtenarsenal Elmshorn

Marinenachrichtenarsenal Gotenhafen

Marinenachrichtenarsenal Hamburg

Marinenachrichtenarsenal Rathenow

Marinenachrichtenarsenal Thale

Ein Arsenal war eine militärische Einrichtung, in dem Waffensysteme oder andere Geräte, Maschinen und Anlagen der Kriegsmarine gelagert, gewartet und repariert wurden.

Die nachfolgenden Unterlagen beziehen sich auf Marinenachrichtenarsenal Hamburg.

Das Arsenal in Hamburg erstellte für alle Prüfmittel Messgeräte-Kennblätter (2). In diesen Kennblättern wurden alle Messgeräte angeführt, mit denen die MNArs-Prüffelder ausgerüstet wurden (Bild 1). Die Unterlagen stammen aus dem Jahr 1944.

Bild 2 zeigt das Messgeräte-Kennblatt des Röhrenprüfgeräts W17 (3). Hier ist in der Röhrenbestückung der Stabilisator GR 150 A aufgeführt. Als Ersatzgerät wird das Röhrenprüfgerät 4 aufgeführt, dass ebenfalls mit dem Stabilisator GR 150 A ausgestattet ist. Das Kennblatt ähnelt  weitgehend dem Kennblatt, das Herr Eckard gezeigt hat, so dass man annehmen kann, dass es auch von einen der Arsenale erstellt wurde.

 

 

Bild 3 zeigt das Messgerätekennblatt des Röhrenprüfgeräts RPG II 38 (3).  Hier ist in der Röhrenbestückung die Stabilisierungsröhre STV 280/80 aufgeführt. Als Ersatzgeräte werden das Röhrenprüfgerät W17a und das Röhrenprüfgerät RPG 4/2 aufgeführt. Leider existiert kein Messgerätekennblatt des Röhrenprüfgeräts W17a.

Aus diesen Unterlagen ergibt sich in der Zusammenschau:

1. Die Messgerätekennblätter stammen aus einer Quelle, von der man annehmen kann, dass sie mit ausreichender Genauigkeit abgefasst wurden.

2. Das Marinearsenal Hamburg hat offensichtlich Röhrenprüfgeräte besessen die entweder mit dem Stabilisator GR 150 A oder mit der Stabilisierungsröhre STV 280/80 ausgerüstet waren. Somit musste die Lagerhaltung zur Reparatur dieser Prüfmittel beide Stabilisator-Typen umfassen.

3. Es ist daher plausibel, dass zumindest eine militärische Ausführung des RPG W 17 mit dem Stabilisator GR 150 A ausgestattet war.

Referenzen:

(1) axishistory.com/various/374-germany-kriegsmarine/kriegsmarine-ersatztruppenteile-und-schulen/7669-hoeherer-kommandeur-der-marinenachrichtenschulen-h-k-n

(2)  cdvandtext2.org/Messgr-Index.pdf

(3)  cdvandtext2.org/Messgr-Kennblatt6.pdf

Für einen Internetaufruf entsprechend ergänzen.

 

Mit freundlichem Gruß

Hans Rodt

This article was edited 24.Aug.20 14:27 by Hans RODT .

Wolfgang Eckardt
Wolfgang Eckardt
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24.Aug.20 14:34
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Da sind nun doch ein paar interessante Fakten dazu gekommen - danke Herr Nickel und Herr Rodt. So umfangreich nun auch die Daten- und Bildmenge ist, eine endgültige exakte Beantwortung zu den Unterschieden der Modelle lässt sich meiner Meinung nach noch nicht geben. Es bleiben Widersprüche und Unklarheiten, neue Widersprüche tun sich auf.

1.):  Das von mir in Post 1 gezeigte Bild 1 (Meßgeräte-Kennblatt zum W17) ist auch in Scharschmidt's "Röhrenhistorie" Band 3, S. 84 zu finden (links im Bild 4), mit der gleichen Nr. 234915, aber anders gestaltet als das Kennblatt, das Herr Rodt zeigt (rechts im Bild 4). Zur Verwirrung trägt nun noch bei, dass das erstere Dokument den bewussten Unterschied zwischen W17 und W17A macht mit unterschiedlicher Röhrenbestückung, das zweite Dokument nennt das Modell W17A gar nicht, bestückt aber das W17 mit einer GR150 A. 
Beide Kennblätter zeigen eine Ausführung mit zwei Reihen von Fassungen über dem Steckerfeld  (oberste Reihe mit zusätzlichen WM-Röhrenfassungen).

Bild 4: Messgeräte-Kennblatt 234915 in unterschiedlicher Ausführung 

2.): Betrachtet man die Bedienplatten verschiedener W17-Modelle, so gibt es eine Ausführung mit nur einer Fassungsreihe über dem Steckerfeld (links im Bild 5) - so wie es auch in den Original-Funke-Listen (siehe Bild 2 in Post 1)  zu sehen ist. Diese Fassungsanordnung entspricht auch dem W16-Modell, aus dem ja das W17 hervorgegangen ist. Es gibt aber auch eine Ausführung mit der zweiten Fassungs-Reihe (rechts im Bild 5). Das entspricht exakt der Darstellung auf den Kennblättern Bild 4.  Eine Wehrmachts-Ausführung?

Bild 5: Bedienplatte von W17-Modellen  mit unterschiedlicher Fassungs-Bestückung

3.): In Scharschmidt's Buch ist aber auch eine Zeichnung der Deckplatte von unten (innen) zu sehen, die der Ausführung mit zwei Fassungsreihen entspricht, also der rechts im Bild 5 gezeigten Ausführung, und als W17 benannt wird.

Bild 6: Deckplatte einer W17-Version von innen gesehen (aus "Röhrenhistorie" B.3)

Damit haben wir zwar festgestellt, dass es zwei verschiedene Ausführungen des W17 gibt (mit einer und mit zwei Fassungsreihen), können aber keine Aussage machen zum Unterschied W17 und W17A. Zur unterschiedlichen Stabi-Röhrenbestückung findet man hier auch keine Angaben.

So bleiben also noch zu klärende Fragen offen. Dabei möchte ich aber das Fazit von Herrn Rodt gern annehmen, wenn er zum Schluss unter 3. vermerkt:
"Es ist daher plausibel, dass zumindest eine militärische Ausführung des RPG W 17 mit dem Stabilisator GR 150 A ausgestattet war."

Wir suchen weiter und finden hoffentlich einmal ein endgültige Klärung.

Wolfgang Eckardt

 

 

 

 

 

This article was edited 24.Aug.20 16:03 by Wolfgang Eckardt .

  
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