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graetz: 177W; Kathodenwiderstand

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Jens Dehne
 
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14.Jan.04 14:57

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Hallo Radiofreunde,

beim Erfassen meiner Graetz-Sammlung bin ich beim Modell 177W auf eine recht selten realisierte Schaltungstechnik der Gegentaktendstufe gestoßen. Im diesem Falle wird ein gemeinsamer Kathodenwiderstand R149 / 125 Ohm eingesetzt. Ein in anderen Schaltungen häufig verwendeter Kathodenelko ist nicht vorgesehen.

Dieser Wiederstand wirkt so auch für den Wechselstrom als Gegenkopplung. Sicherlich wirkt sich das günstig auf den Klirrfaktor aus, erhöht aber auch den Ausgangswiderstand der Röhre.

Meine Frage : Worin lag der Sinn dieser Schaltung und welche Vor- und Nachteile hatte diese Version gegenüber den häufiger realisierten Gegentaktschaltungen mit Kathoden R + C ?

Vielen Dank und Grüße

Jens Dehne

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Bernd Freytag
Bernd Freytag
 
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15.Jan.04 15:11

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Hallo Herr Dehne,

dieses Schaltungs-Prinzip wird häufig bei Gegentakt-Endstufen eingesetzt.

Wenn die zu verstärkende Wechselspannung in ihrer Größe schwankt,vergrößert oder verkleinert sich auch der Anodenstrom und mit ihm die über den Kathodenwiderstand abfallende Gittervorspannung. Das muß aber vermieden werden. Die Vorspannung muß immer gleich bleiben. Deshalb darf nur der Gleichstromanteil des Anodenstromes über den Widerstand fließen,für den Wechselstromanteil wird eine Umleitung mit geringem Widerstandes geschaffen,indem man zu Kathodenwiderstand einen Kondensator parallel schaltet.
In Ihrer Schaltung treten die Tonspannungen gegenphasig auf und kompensieren sich gegenseitig und es können die sonst erforderlichen Kondensatoren gegen Masse entfallen.

Mit freundliche Gruß
Bernd
Jens Dehne
 
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05.Feb.04 10:38

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Hallo Radiofreunde,

Hallo Herr Freytag (Grüße nach Rudolstadt - ist ja um die Ecke!),

 

Ich habe mich noch mal mit der Sache befasst und möchte meine Frage zum Teil selbst beantworten.

Vielleicht ist es auch allgemein interessant.

 

Die Gegentaktendstufe mit gemeinsamen Kathoden - Widerstand arbeitet im AB - Betrieb. Bei größerer Aussteuerung / Pegel  geht die Arbeitsweise zunehmend in den B - Betrieb über, jetzt kommen auch zunehmend Verzerrungen durch den nichtlinearen Kennlinienverlauf und Röhrentoleranzen hinzu.

 

Ein höherer Gleichstrom / Spannungsabfall über dem Kathodenwiderstand verschiebt den Arbeitspunkt in Richtung B - Betrieb.

Der Wechselstrom über dem Kathodenwiderstand wirkt mit seinem Spannungsabfall als Gegenkopplung der Verstärkung entgegen und vermindert so die nichtlinearen Verzerrungen - der Klirrfaktor wird verringert.

Der Verstärkungsverlust wird durch die Verstärkungsreserven ausgeglichen, der höher werdende Innenwiederstand ist vernachlässigbar.

 

Ein in anderen Schaltungen realisiert parallel geschalteter Kathoden - Kondensator ist für den Wechselstrom niederohmig und verhindert so eine Gegenkopplung.

 

In einigen anderen Schaltungen wird die Gegenkopplung über das Schirmgitter / Anzapfung der Primärwicklung des Ausgangsübertragers realisiert - die sogenannte Ultralinearschaltung.

 

Meine Frage die bleibt : Wenn das so gut funktioniert, weshalb wurde diese Schaltung so selten realisiert ?

 

Radiospaß wünscht

Jens Dehne

 

Johann Stadler
Johann Stadler
 
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05.Feb.04 22:07

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Zur zuletzt gestellten Frage: Warum wird die so gut funktionierende Schaltung sowenig realisiert? Nun, soo gut funktioniert sie auch wieder nicht! Die Vorteile dieses Prinzips sind der Entfall einer eigenen Gittervorspannungserzeugung und -einstellung sowie ein sehr niedriger Klirrfaktor bei kleiner Aussteuerung (bis ca. 1/4 der Nennleistung). Aber bei größerer Aussteuerung (Übergang in den B-Betrieb) bewirkt der Kathodenwiderstand eine weitere Verstärkungsminderung - zusätzlich zum Verstärkungsrückgang, der dadurch gegeben ist, dass hier nur noch eine Endröhre an der Erzeugung der Ausgangsleistung arbeitet. Der Kathodenwiderstand verursacht in diesem Fall also durch sein Wirksamwerden nur in einem Teil des Aussteuerbereichs entgegen allgemeinem Brauch zusätzliche Verzerrungen! Dies bedingt konstruktiv eine kräftige Überalles-Gegenkopplung des NF-Teiles mit entsprechendem Verstärkungsverlust. Übrigens gelten für den nicht abgeblockten Schirmgittervorwiderstand tendenziell ähnliche Überlegungen wie für den Kathodenwiderstand.

Johann Stadler

Jens Dehne
 
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07.Feb.04 13:16

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Vielen Dank Herr Stadler,

so ist es, auch in der Welt der Groß- und Spitzensuper der 50er Jahre leben die Kompromisse !

Der Aufwand sollte überschaubar und das Gerät bezahlbar bleiben.

Ein "guten Klang" wird außerdem noch entscheidend durch Qualität und Dimensionierung der Bauteile beeinflusst. Es gibt also damals wie heute Unterschiede.

Und dann ist Radio und HiFi aus heutiger Sicht etwas anderes.

Noch viel Spaß beim Radiohören !

Jens Dehne

  
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