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Spitzen Super 177W

Spitzen Super 177W; Graetz, Altena (ID = 158122) Radio
 
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Graetz, Altena: Spitzen Super 177W [Radio] ID = 1641412 933x670
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For model Spitzen Super 177W, Graetz, Altena (Westfalen)
 
Country:  Germany
Manufacturer / Brand:  Graetz, Altena (Westfalen)
Year: 1954/1955 Category: Broadcast Receiver - or past WW2 Tuner
Valves / Tubes 10: EC92 EC92 EF41 ECH81 EM34 EF41 EABC80 EC92 EL84 EL84
Main principle Superhet with RF-stage; ZF/IF 460/10700 kHz
Tuned circuits 9 AM circuit(s)     12 FM circuit(s)
Wave bands Wave Bands given in the notes.
Details
Power type and voltage Alternating Current supply (AC) / 110; 127; 150; 220; 240 Volt
Loudspeaker 3 Loudspeakers
Power out 15 W (unknown quality)
from Radiomuseum.org Model: Spitzen Super 177W - Graetz, Altena Westfalen
Material Wooden case
Shape Tablemodel with Push Buttons.
Dimensions (WHD) 685 x 420 x 325 mm / 27 x 16.5 x 12.8 inch
Notes Der Graetz Spitzensuper 177W hat 5 Wellenbereiche: LW, 2× MW, KW, UKW. Mittelwelle gespreizt in zwei Bereichen, wahlweise entweder drehbare Ferritantenne für MW und LW oder externe Antenne. ZF-Bandbreite für AM-Bereiche in 2 Stufen schaltbar; mit Höhenregler gekoppelt. UKW-Antenne eingebaut.
Net weight (2.2 lb = 1 kg) 18 kg / 39 lb 10.4 oz (39.648 lb)
Price in first year of sale 539.00 DM
Source of data Rundfunk- und Fernseh-Katalog 1954/55 / Radiokatalog Band 1, Ernst Erb
Literature/Schematics (1) -- Original-techn. papers.


All listed radios etc. from Graetz, Altena (Westfalen)
Here you find 756 models, 670 with images and 583 with schematics for wireless sets etc. In French: TSF for Télégraphie sans fil.



 


Forum contributions about this model
Graetz, Altena: Spitzen Super 177W
Threads: 4 | Posts: 13
Hits: 858     Replies: 1
graetz: Zweck des 5nF Kondensators 189 von Primärseite gegen Chassis
Armin Ohrem
08.Dec.17
  1

Guten Tag,

was ist eigentlich der genaue Zweck von diesem Kondensator? Ist die Wirkung nicht abhängig davon, wie der Netzstecker gesteckt wird, das heisst ob Nullleiter oder Phase an diesem Kondensator anliegt? Muss man dann den Netzstecker nicht besser markieren ? Wäre es aus heutiger Sicht nicht besser, diesen Kondensator zu entfernen, und nur den  5nF 188 zu erneuern, welcher zwischen Phase und Nullleiter geschaltet ist? Weil ich gerade dabei bin.

Ich vermute, der Kondensator hatte die Aufgabe, die Empfangsleistung bei Anschluss einer langen Aussenantenne zu verbessern, indem man das Chassis wechselstrommäßig erdet. Jedoch, wenn man nur  die eingebaute Ferrit-Antenne und die eingebaute Dipol-Antenne verwendet, so dürfte der C 189 keinen Einfluss auf den Empfang haben. Oder doch?

beste Grüße, Armin Ohrem, Zülpich

 

 

 

Armin Ohrem
14.Dec.17
  2

Hallo,

ich versuche die Frage selber zu beantworten. Der C188 sollte als Entstörkondensator dienen, um evtl. AM Störungen auf der Netzleitung kurzzuschliessen, früher hatte man ja meistens die Netzleitungen  in der Luft verlegt. Der C189 erdet HF seitig das Chassis, als Gegenpol für eine lange Aussenantenne. Jedoch kann dieser Kondensator , je nachdem wie herrum der Netzstecker gesteckt wird, zu einem unangenehmen "brizzeln" führen, wenn man das Chassis oder Anschlüsse die damit verbunden sind, anfasst. Daher werde ich diesen Kondensator entfernen, und nur den C188 erneuern, der C188 schadet ja auch nicht. Ich habe auch nicht vor, eine Aussenantenne anzuschliessen. Wenn man eine Aussenantenne anschliessen will, könnte man das Chassis ja auch ganz normal mit einem Kabel erden indem man das Chassis mit der Erde verbindet.

Grüße, Armin Ohrem

 

 
Hits: 1708     Replies: 2
graetz: 177W; Spitzen Super, Reparaturbericht
Martin Steyer
09.Dec.15
  1

Innerhalb von einer Woche bin ich stolzer Besitzer zweier Graetz-Spitzensuper 176W und 177W geworden. Beide waren im absoluten Originalzustand, keinerlei getauschte Bauteile und nach Angaben der Vorbesitzer spielbereit. Schon länger war ich auf der Suche nach diesen Geräten, weil ich keine verbastelten oder reparierten Exemplare haben wollte.

Offensichtlich sind die beiden Modelle bezüglich der Beschaltung und auch der Verdrahtung identisch, ich habe keine Unterschiede feststellen können.

Bei der kurzen Inbetriebnahme des 177W am Trenntrafo mit Strommessung schien die Leistungsaufnahme in Ordnung, der Klang war nicht schlecht. Auf allen Wellenbereichen war Empfang zu verzeichnen. Was auffiel, war eine mit 75% Leuchtkraft untypisch helle EM34, offensichtlich noch die Originalbestückung, die aber keinerlei Reaktion der Schattenwinkel zeigte.

Beim Ausbau des Chassis stellte ich fest, daß eine EL84 offensichtlich durch Überhitzung einen Glasbruch erlitten hatte. Das Überprüfen der Isolationswiderstände der braunen ERO-Papier-Teerkondensatoren ergab erschreckende Werte, vor allem im NF-Teil der Phasenumkehrstufe. Kein Wunder, daß die eine EL84 den Geist aufgegeben hat. Nachdem sich mehr als die Hälfte der Kondensatoren als unbrauchbar erwiesen hat, habe ich vorsichtshalber alle getauscht.

Da die Gleichspannungswerte im Empfangsteil nun stimmten, habe ich mir die EM34 vorgenommen. Zunächst habe ich vermutet, daß der Gitterkondensator nach Masse der Störenfried für die nicht funktionierende Abstimmanzeige war. Allerdings war die aussteuerungsabhängige, wechselnde negative Gitterspannung vorhanden und ein Austausch des 10nF-Kondensators bewirkte nichts.

Dann habe ich die Spannungen an den anderen Anschlüssen gemessen. Am Leuchtschirm war logischerweise die volle Gleichspannung anliegend, aber an beiden Steueranoden, die über 1 MOhm-Widerstände mit der Betriebsspannung verbunden sind, lagen jeweils 0 Volt. Ursache war eine absolute Unterbrechung in beiden Hochohm-Widerständen.

Dieser Effekt, daß Hochohmwiderstände an den Gitteranschlüssen der Röhren praktisch intakt bleiben, aber an Hochvoltanschlüssen Ausfälle zeigen, scheint kein Einzelfall zu sein. Daß aber alle beide Ausfälle hatten, ist schon merkwürdig.

Mit geringfügigem Abgleich funktioniert der 177W nun mit einer überzeugenden Empfangsleistung auf allen Wellenbereichen und einem richtigen Bums in der NF-Wiedergabe. Hier noch die defekten Teile:

 

 

Hans M. Knoll
09.Dec.15
  2

Hallo Herr Steyer.

Dass beide 1Meg ausgefallen sind belegt, dass mein Bericht hier wahr ist.

Und auch hier.

Gruss Knoll

 

Martin Steyer
09.Dec.15
  3

Hallo Herr Knoll,

ja, das stimmt offensichtlich! Das zunächst Verblüffende ist ja, daß die Widerstände von außen absolut normal aussehen. Als typische Überlastung läßt sich das nicht deuten, deswegen habe ich auch das Foto angehängt.

Die Vorgänge spielen sich offensichtlich "im Verborgenen", also unter der Lackierung ab. Ich hatte das schon verschiedentlich bei hochohmigen Anodenwiderständen. Allerdings entgegen der Statements anderer Betroffener bezüglich der magischen Augen und dieser Widerstände war dies mein erster Fall, obwohl ich schon jede Menge Reparaturen durchgeführt habe. Immerhin kommt man durch systematisches Messen solchen Phänomenen recht schnell auf die Schliche.

Gruß,

Martin Steyer

 
Hits: 3546     Replies: 2
graetz: 177W: Reparaturbericht
H. P.
01.Dec.05
  1

Hallo Forum,

vor einigen Tagen kaufte ich über ebay für lachhafte 4,99 Euro ein Gerät dieses Typs. Daran zeigt sich wieder einmal, wie wichtig es bei ebay ist, eine fundierte Beschreibung und gute Fotos einzustellen. Beides war hier …naja ! Immerhin handelt es sich bei diesem Gerät um einen "Solitär", es hat keinen Vorgänger und keinen Nachfolger, der Aufwand an Technik und Gehäusegröße wurde von Graetz nie wieder derart betrieben.

 

Wie das bei Postversand immer so ist, hatte ich reichlich Angst, das Gerät könne beschädigt hier einlangen, oder auch "nur" mit gebrochener Skalenscheibe. Aber ich hatte Glück, obwohl die Verpackung meinen eigenen Ansprüchen nicht genügt hätte.

 

Eine erste Inaugenscheinnahme zeigte mir, daß schon einmal eine Restauration des Gehäuses versucht worden war, im Grundsatz mit ordentlichem Ergebnis.

 

Ein sogleich veranstalteter Probelauf  (der Verkäufer hatte es auch getan), zeigte mir, daß die Endstufe heftige Probleme machte. Ein lautes Quietschen ergab sich im unteren Drittel des Lautstärkereglers, darüber kam etwas, aber stark verzerrt. Also schnell wieder aus damit.

 

Beim Ausbau fielen mir ein Holzklötzchen zur Versteifung des Gehäuses und die LW-Vorkreisspule in die Finger. Auweia ! Den Klotz hatte ich schnell wieder eingeleimt, die Spule mit ihren haarfeinen Drähten war schon ein anderes Problem.

 

Weiter auffällig waren verbogene Rotorlamellen an dem AM-3fach-Drehko, hier war ein Schluß zu erkennen. Außerdem schaltete der Netzschalter nicht auf AUS, der Schalter wie sich zeigte, ist an sich in Ordnung die Tastatur nimmt den Betätigungshebel aber nicht mehr mit. Dazu später mehr.

 

Dann habe ich alle Röhren geprüft und bin zu recht dürftigen Ergebnissen gekommen, keine Röhre lag mehr über 50%, die dritte EC92 (Phasendrehstufe) hatte gar nur noch 5 (in Worten: fünf) Prozent. Also raus mit der und eine neue rein.

 

Irgendein Vorbesitzer hatte in puncto Kondensatoren schon ganze Arbeit geleistet: alle alten Teerbomben waren raus und axiale Wimas aus den 80ern eingebaut worden. Gut so, dann mußte ich das schon nicht mehr machen ! Bei genauer Inspektion fiel mir eine enorme aber heilbare Verbastelung auf: die schlappe EC92 war umgangen worden, indem ihr Koppelkondensator abgelötet und direkt an die Gitter1 beider EL84 angelegt worden war. Kein Wunder, daß die Endstufe nicht wollte ! So ergab sich praktisch ein Parallelbetrieb beider EL84, und das mit dem Gegentaktübertrager. Neee, diese Bastler !

 

Nachdem ich dieses Sakrileg entfernt und korrekt neu beschaltet hatte, habe ich das Gerät wieder mal ans Netz genommen, leider war der Klang genau so, wie man es erwartet, wenn eine EL84 in einer Gegentaktendstufe nicht arbeitet. Jetzt mußten Spannungen gemessen werden und es ergab sich, daß die EC92 keine Anodenspannung bekam, der 20 Kiloohm davor war durch. Also habe ich den erneuert und dann erstmals einen Eindruck davon bekommen, was das Gerät kann.

 

Es brummte aber noch vernehmlich, was mich dazu brachte, die Sieb-/Ladeelkos zu tauschen, das half aber überhaupt nichts ! Beim Messen aller Spannungen fiel mir dann die nächste Verbastelung auf. Die beiden Hauptspeiseleitungen B und C im Wiesmüller-Schaltbild hatte der geniale Mensch verkehrt herum angeklemmt, d.h. die Spannungen aller Röhren außer den EL84 waren entweder zu hoch oder zu niedrig. Der 5Kiloohm-Siebwiderstand war durch einen 150 Ohm ersetzt und wirkte auch noch auf die falsche Leitung. Nachdem beides richtiggestellt war, waren alle Spannungen im grünen Bereich und das Brummen weg. Und ich stöhnte wieder: neee, diese Bastler !

 

Ich hatte irgendwann mal eine nagelneue EM34 von Hoges erstanden, die hatte ich mir für ein Superradio zurückbehalten, und hier steht es nun. Nach dem Einbau merkte ich, daß die gar nicht reagierte, obwohl die Empfindlichkeit nach dem subjektiven Eindruck in Ordnung war. Die beiden 1Megaohm an den Anoden der EM waren unterbrochen, hier brachten neue Widerstände ein sattes Leuchten !

 

Da der Klang noch nicht ganz so toll war, habe ich ihm noch ein gematchtes Pärchen gebrauchter EL84 von Telefunken verpaßt und den Kathodenwiderstand 125 Ohm ersetzt, der alte hatte sich bis auf 170 Ohm "verbessert": AHA !

 

Der Klang ist entschieden anders als beim kleineren Bruder 176W, irgendwie präziser in Mitten und Höhen, dafür aber mit wahren Bumsbässen ausgestattet. Wer hat eine Idee, wie ich den Baßregler manipulieren könnte, um das auszugleichen ? Es hängt wohl am Hub der heutigen FM-Sender, Herr Knoll hatte das letztens mal am Beispiel der Grundig 3165 exerziert.

 

So ist mein jetziger Stand, am Netzschalter und am AM-Drehko sowie Gehäuse muß ich noch was machen, es gibt hier also demnächst eine Fortsetzung.

 

Ich hoffe, mein Beitrag hat etwas zur Erheiterung der Mitleser beigetragen

 

Holger Pflug


H. P.
06.Dec.05
  2

Nachdem ich durch ein freundliches Hilfsangebot eines prominenten Graetz-Sammlers in den Besitz eines Satzes nahezu neuer Knöpfe für das Gerät gekommen bin (es fehlte der komplette rechte Knopf), habe ich die Restarbeiten an dem Radio in Angriff genommen. Auf dessen Hinweis hin habe ich auch das gesamte Klangregelnetzwerk einer Prüfung unterzogen und dabei festgestellt, daß der planmäßige Kondensator 25n zwischen Anode der EABC80 vom Verbastler durch 10n ersetzt worden war, der Einsatz des originalen Wertes milderte auch das Problem mit den Bumsbässen ein wenig.

 

Das Zurechtbiegen der Rotorlamellen was eine wahre Geduldsprüfung, mit bloßem Auge sind oft nur noch minimale Abstandsdifferenzen zu erkennen, die aber trotzdem für einen Schluß ausreichen. Ich habe schließlich eine dünne, aber steife Plastikfolie (von einer Bonbontüte) genommen, um die Abstände durchzuziehen, und in einem Fall blieb die schließlich hängen. Diese Lamelle habe ich dann zurechtgebogen und es funktionierte wieder. Über das Thema Gleichlauf wollen wir lieber nicht nachdenken, aber dank der gesonderten Vorstufe ist auch nach dieser Aktion reichlich Empfindlich-keit vorhanden. Die Beschädigung dürfte übrigens durch die beim Transport in dem Gerät herumfliegende Abschirmung der Ferritantenne herbeigeführt worden sein, deren Gummis gerissen waren und die sich daher von der Antenne gelöst hatte.

 

Es zeigte sich noch ein irritierendes Knackgeräusch beim UKW-Empfang, welches sich beim Bewegen der EC92 im UKW-Tuner verstärkte. Es war aber weder die Röhre noch die sehr solide Fassung, es war der an der Anode hängende Kondensator mit 15pF, der erschütterungsempfindlich war und außerdem seinen Wert auf 72 pF vergrößert hatte (wenn mein Meßgerät mich bei diesen winzigen Werten nicht narrt). Löten in diesen UKW-Kästchen ist nur mit einer laaaangen Lötspitze zu machen und eigentlich was für den Neurochirurgen.

 

Danach habe ich noch einige Spuren der nur teilweise gelungenen Gehäuserestauration des Vorbesitzers zu mildern versucht, der hatte an den Innenseiten der Gehäusebacken die Ablösung des Furniers durch den Auftrag einer Holzbeize zu verdecken gehofft, hatte dabei aber die falsche Farbe gewählt. Eigentlich ist das Radio in Eiche mittel, er hatte was rötliches aufgetragen. Also abschleifen und neu beizen und lackieren.

 

Schließlich habe ich noch eine neue Netzleitung eingezogen, da die alte mehrfach unsachgemäß geflickt war.

 

Den Netzschalter (siehe oben) konnte ich nicht reparieren, da dafür wohl das Tastenaggregat auseinander müßte, das traue ich mich nicht.

 

Nach dem Zusammenbau hatte sich auch das Problem der dumpfen Bässe erledigt. Igendwie war wohl durch das Fehlen der Chassisschrauben das ganze Gerät in Schwingungen geraten und dadurch auch die darunter befindliche Tischplatte. Klingt unwahrscheinlich, war aber so.

 

Jetzt ist das Gerät fertig und läßt eine Beurteilung des Klanges zu. Die meisten Röhrenradios aus dieser Zeit haben ja einen für unsere Ohren subjektiv angenehmen Klang, bei Geräten mit Gegentaktendstufe kommt oft noch eine Kraft hinzu, die man so einer alten Kiste nicht zutraut und die auch in die Nähe dessen kommt, was man den Lautsprechern zumuten kann. (Mir hat mal ein Sammler erzählt, daß solche Superradios oft für den Einsatz in Kneipen erworben wurden, vielleicht hat ja eine angeheiterte Thekenrunde das Berner Endspiel 1954 auf dem eben neu gekauften Graetz des Wirtes gehört. Das war dann auch bei Kneipenlärm noch bis in die letzte Ecke vernehmbar. Wenn nur die alten Kisten erzählen könnten….!)

 

Die Wirkung der gehörrichtigen Lautstärkeregelung ist hier sehr deutlich. Im unteren Lautstärkebereich zeichnet sich das Radio durch eine enorme Durchzeichnung und Präsenz der Höhen und Mitten aus, was wohl auf den herstellerseitigen Verzicht auf verzerrungsfreudige und alterungsanfällige Elektrostaten zurückgeführt werden kann. Auch die Bässe klingen jetzt sehr straff, so daß man dem Radio stundenlang zuhören kann, ohne die Lust zu verlieren. Bis zu dem Punkt, an dem die Lautstärkeregelung ihre Charakteristik ändert, kann man eigentlich sowieso nicht drehen, dann wird es schon viel zu laut.

 

Die Empfangsleistung ist auf allen Bändern sehr gut, die Wirkung der drehbaren Ferritantenne ist so gut, daß es mir am Abend fast gelingt, den hiesigen Ortssender AFN Mönchengladbach auf 1143 Khz herauszudrehen !

 

Ein Photo des fertigen Gerätes stelle ich in diesen Tagen zum Modell.

Holger Pflug

Jens Dehne
06.Dec.05
  3

Hallo Radiofreunde, hallo Holger,

ich möchte kurz auf die Funktion des "Ausschalters" in diesem Gerät eingehen.

Die "AUS" - Taste löst mechanisch 2 Funktionen aus, einerseits entriegelt das direkte Hebelende der "AUS" - Taste die Rastung einer gedrückten anderen Taste des Tastensatzes. Diese "andere" Taste federt in Ausgangslage "ungedrückt" zurück.





Außerdem betätigt die im Foto (gelb) gekennzeichnete etwa 5mm lange Lasche am Tastenhebel der "AUS" - Taste einen weiteren Hebelarm, welcher parallel zum Tastenhebel montiert ist.

Dieser an selber Stelle gelagerte zweite Hebelarm ist am anderen Ende durch ein Loch mit dem als kurzen Stift ausgeführten Schaltarm des Netzschalters verbunden.

Beim Ausschalten wird also auf diese Weise der Netzschalter in die zweite Position gebracht und unterbricht die Stromzufuhr der Netzleitung einphasig.

 

Nun also viel Spaß beim Prüfen der Mechanik!

Viele Grüße
Jens Dehne

 
Hits: 3583     Replies: 4
graetz: 177W; Kathodenwiderstand
Jens Dehne
14.Jan.04
  1 Hallo Radiofreunde,

beim Erfassen meiner Graetz-Sammlung bin ich beim Modell 177W auf eine recht selten realisierte Schaltungstechnik der Gegentaktendstufe gestoßen. Im diesem Falle wird ein gemeinsamer Kathodenwiderstand R149 / 125 Ohm eingesetzt. Ein in anderen Schaltungen häufig verwendeter Kathodenelko ist nicht vorgesehen.

Dieser Wiederstand wirkt so auch für den Wechselstrom als Gegenkopplung. Sicherlich wirkt sich das günstig auf den Klirrfaktor aus, erhöht aber auch den Ausgangswiderstand der Röhre.

Meine Frage : Worin lag der Sinn dieser Schaltung und welche Vor- und Nachteile hatte diese Version gegenüber den häufiger realisierten Gegentaktschaltungen mit Kathoden R + C ?

Vielen Dank und Grüße

Jens Dehne

Attachments

Bernd Freytag
15.Jan.04
  2 Hallo Herr Dehne,

dieses Schaltungs-Prinzip wird häufig bei Gegentakt-Endstufen eingesetzt.

Wenn die zu verstärkende Wechselspannung in ihrer Größe schwankt,vergrößert oder verkleinert sich auch der Anodenstrom und mit ihm die über den Kathodenwiderstand abfallende Gittervorspannung. Das muß aber vermieden werden. Die Vorspannung muß immer gleich bleiben. Deshalb darf nur der Gleichstromanteil des Anodenstromes über den Widerstand fließen,für den Wechselstromanteil wird eine Umleitung mit geringem Widerstandes geschaffen,indem man zu Kathodenwiderstand einen Kondensator parallel schaltet.
In Ihrer Schaltung treten die Tonspannungen gegenphasig auf und kompensieren sich gegenseitig und es können die sonst erforderlichen Kondensatoren gegen Masse entfallen.

Mit freundliche Gruß
Bernd
Jens Dehne
05.Feb.04
  3

Hallo Radiofreunde,

Hallo Herr Freytag (Grüße nach Rudolstadt - ist ja um die Ecke!),

 

Ich habe mich noch mal mit der Sache befasst und möchte meine Frage zum Teil selbst beantworten.

Vielleicht ist es auch allgemein interessant.

 

Die Gegentaktendstufe mit gemeinsamen Kathoden - Widerstand arbeitet im AB - Betrieb. Bei größerer Aussteuerung / Pegel  geht die Arbeitsweise zunehmend in den B - Betrieb über, jetzt kommen auch zunehmend Verzerrungen durch den nichtlinearen Kennlinienverlauf und Röhrentoleranzen hinzu.

 

Ein höherer Gleichstrom / Spannungsabfall über dem Kathodenwiderstand verschiebt den Arbeitspunkt in Richtung B - Betrieb.

Der Wechselstrom über dem Kathodenwiderstand wirkt mit seinem Spannungsabfall als Gegenkopplung der Verstärkung entgegen und vermindert so die nichtlinearen Verzerrungen - der Klirrfaktor wird verringert.

Der Verstärkungsverlust wird durch die Verstärkungsreserven ausgeglichen, der höher werdende Innenwiederstand ist vernachlässigbar.

 

Ein in anderen Schaltungen realisiert parallel geschalteter Kathoden - Kondensator ist für den Wechselstrom niederohmig und verhindert so eine Gegenkopplung.

 

In einigen anderen Schaltungen wird die Gegenkopplung über das Schirmgitter / Anzapfung der Primärwicklung des Ausgangsübertragers realisiert - die sogenannte Ultralinearschaltung.

 

Meine Frage die bleibt : Wenn das so gut funktioniert, weshalb wurde diese Schaltung so selten realisiert ?

 

Radiospaß wünscht

Jens Dehne

 

Johann Stadler
05.Feb.04
  4

Zur zuletzt gestellten Frage: Warum wird die so gut funktionierende Schaltung sowenig realisiert? Nun, soo gut funktioniert sie auch wieder nicht! Die Vorteile dieses Prinzips sind der Entfall einer eigenen Gittervorspannungserzeugung und -einstellung sowie ein sehr niedriger Klirrfaktor bei kleiner Aussteuerung (bis ca. 1/4 der Nennleistung). Aber bei größerer Aussteuerung (Übergang in den B-Betrieb) bewirkt der Kathodenwiderstand eine weitere Verstärkungsminderung - zusätzlich zum Verstärkungsrückgang, der dadurch gegeben ist, dass hier nur noch eine Endröhre an der Erzeugung der Ausgangsleistung arbeitet. Der Kathodenwiderstand verursacht in diesem Fall also durch sein Wirksamwerden nur in einem Teil des Aussteuerbereichs entgegen allgemeinem Brauch zusätzliche Verzerrungen! Dies bedingt konstruktiv eine kräftige Überalles-Gegenkopplung des NF-Teiles mit entsprechendem Verstärkungsverlust. Übrigens gelten für den nicht abgeblockten Schirmgittervorwiderstand tendenziell ähnliche Überlegungen wie für den Kathodenwiderstand.

Johann Stadler

Jens Dehne
07.Feb.04
  5  

Vielen Dank Herr Stadler,

so ist es, auch in der Welt der Groß- und Spitzensuper der 50er Jahre leben die Kompromisse !

Der Aufwand sollte überschaubar und das Gerät bezahlbar bleiben.

Ein "guten Klang" wird außerdem noch entscheidend durch Qualität und Dimensionierung der Bauteile beeinflusst. Es gibt also damals wie heute Unterschiede.

Und dann ist Radio und HiFi aus heutiger Sicht etwas anderes.

Noch viel Spaß beim Radiohören !

Jens Dehne

 
Graetz, Altena: Spitzen Super 177W
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