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E311: Heizung der 100-kHz-Quarz-Rasterbaugruppe deaktivieren

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Eilert Menke
 
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04.Feb.19 02:57

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Im meinem Shack benutze ich unregelmäßig einen Siemens E311b. Nach längerer Zeit hörte ich nun wieder einmal die KW-Bereiche damit ab. Vorab muß ich erwähnen, daß ich bereits vor langer Zeit den Thermostaten für den Interpolator durch Umdrehen des Steuerrelais, wie im Beitrag von Sepp Juster beschrieben, außer Betrieb setzte. Für den 100-kHz-Thermostaten in der Rasterbaugruppe habe ich das Stillsetzen - wohl auch aus Bequemlichkeit - jedoch bisher nie in Erwägung gezogen. Heute wurde ich nun daran erinnert: Verlöschte nach etwa 10 Minuten wie gewohnt die grüne Aufheiz-Kontrolllampe, jedoch nach etwa 20 Minuten leuchtete plötzlich die rote Übertemperatur-Warnleuchte unerwartet auf. Auch das regelmäßige Klacken des zuständigen Heizelement-Steuerrelais war verstummt. Was war geschehen?

Nach Demontage der Rasterbaugruppe zeigte sich, daß nicht etwa der Thermostat im Quarzofen einen Defekt hatte, sondern die Kontakte des zugehörigen Steuerrelais „K“ miteinander verklebt waren und somit durchgängig, unabhängig vom Thermostaten im 100-kHz-Quarzofen, das Heizelement darin mit Strom versorgten, was schließlich zur Übertemperatur führte. Auch leichte Schmauchspuren waren um die Relaiskontakte zu erkennen. Nach etwas feinmechanischem Fingerspitzengefühl meinerseits war das Relais wieder gangbar und sauber.

Da es sowieso für gelegentlichen Betrieb unsinnig ist den 100-kHz-Quarz ständig aufzuheizen, zumal das auch nicht unbedingt materialschonend ist, wie auch Hans-Dieter Haase feststellt, entschloß ich mich nun endlich dazu, nach Studium der Schaltungsunterlagen auch den Heizkreis des 100-kHz-Quarzofens nach der Reparatur reversibel wie folgt außer Betrieb zu nehmen:

An der Fassung des Quarzofens liegt über den Mittelstift und Pin 8 eine Verbindung zu einer Masseöse am Chassis der Rasterbaugruppe, siehe Bild. Diese Verbindung ist bei der Öse zu trennen. Dadurch wird der gesamte Heiz- und Steuerkreis unterbrochen und die Heizung deaktiviert. Dachte ich zumindest.

 

Fassung im Originalzustand:

 

Fassung nach Trennen der Masseleitung (oben links):

 

Nach Zusammenbau und Wiederinbetriebnahme des E311b wunderte ich mich jedoch über die immer noch grün leuchtende Aufheiz-Kontrolllampe. Wie konnte das sein?

Kontrolllampen und Heizkreis benutzen im Quarzofen eine gemeinsame Masse. Wird nun die Zuleitung zum Chassis unterbrochen, sucht sich der Lampenstrom einen anderen Weg, nämlich über das Heizelement zum normalerweise geschlossenen Kontakt des Steuerrelais zum 24-Volt-Kreis. Hier wird irgendwo im Gerät eine Verbindung zum Kontrollleuchtenkreis bestehen. Man nennt das auch „verschleppte Masse“. Ich habe das nicht weiter untersucht und stattdessen einen dünnen, kleinen Isolierschlauch über den Relaiskontakt des Heizkreis-Steuerrelais geschoben. Allein dieser Isolierschlauch würde ausreichen, um die Heizung stillzulegen, jedoch würde dann weiterhin die grüne Kontrolllampe fortwährend leuchten, was ich unbedingt vermeiden wollte. Deshalb habe ich die Masseunterbrechung an der Fassung beibehalten. Außerdem war es mir wichtig, die Modifikationen allein auf die Rasterbaugruppe zu beschränken. Daher kam für mich z.B. ein - simpler - Ausbau der Kontrolleuchtenglühbirne hinter der Frontplatte nicht infrage.

 

Relais mit Isolierschlauch:

 

Natürlich gibt es auch andere Wege, den Quarzofen stillzulegen. Jedoch bin ich kein Freund von einseitig abgelöteten dünnen Drähten, die dann irgendwo im Gerät totlaufen, was später wiederum zu Irritationen und möglichen Fehlerquellen führen würde.

Selbstverständlich kommt in die so modifizierte Baugruppe ein Zettel mit der genauen Beschreibung der Änderungen inkl. Datum, damit man auch nach Jahren noch nachvollziehen kann, was seinerzeit gemacht wurde.

 

Zum Abschluß noch zwei Bilder der geöffneten Rasterbaugruppe und ein Schaltplanausschnitt:

So, das war es – viel geschrieben für wenig Aufwand. Gute Unterhaltung und Erfolg beim etwaigen Nachmachen wünscht

EM

This article was edited 04.Feb.19 03:55 by Eilert Menke .

Eilert Menke
 
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06.Feb.19 22:30

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Vielleicht ist noch von Interesse, welche Frequenzdrift sich mit abgeschalteter 100-kHz-Quarzheizung ergibt. Ich habe dazu meinen E311b auf mehrere Rundfunkstationen im 19- und 25-Meterband eingestellt, wobei ich davon ausging, daß die Frequenzen dieser Stationen hinreichend genau sind. Wobei es heutzutage allerdings gar nicht so einfach ist, noch ein entsprechendes Stationsangebot mit brauchbaren und mehrstündigen Aussendungen vorzufinden.

Messung unter folgenden Bedingungen: Zimmertemperatur etwa 21 Grad C. Rastung ein, Betriebsart SSB, wobei ich immer wieder zwischen USB und OSB auf Schwebungsnull umgeschaltet habe und dann die Frequenz notierte. Bei Einschalten angezeigte Frequenz etwa 450 Hz oberhalb Sollfrequenz. Die angezeigte Frequenz nahm dann kontinuierlich ab. Nach gut zwei Stunden wurde Sollfrequenz erreicht. Danach keine merkliche Drift mehr, es stellte sich ein stabiler Zustand ein. Ergebnis siehe Diagramm:

 

Auch vor dem Stillsetzen des Quarzofens hatte ich den Eindruck, daß nach Aufheizen die Sollfrequenz errreicht wird. Also das, was Empfangen wird auch richtig angezeigt wird. Nun dauert es nur länger. Das Gerät wurde nach Deaktivierung der 100-kHz-Heizung (bzw. auch der Heizung des Interpolators) nicht neu abgeglichen. Deshalb bin ich etwas erstaunt, daß die Temperaturunterschiede in diesem Falle so wenig Einfluß auf den 100-kHz-Quarz ausüben, obwohl die Quarztemperatur nun viel geringer ist. Die Messungen wurden mehrfach vorgenommen und verifiziert.

  
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