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korting: 830W; Dynamic: Erfahrungsbericht

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Günther Stabe † 19.8.20
Günther Stabe † 19.8.20
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18.Sep.06 17:21

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Erfahrungsbericht KÖRTING Dynamic 830W:

Der Erwerb dieses Gerätes war mir wichtig, weil ich die mir bisher unbekannten Features  ausprobieren wollte; nicht zuletzt im Vergleich mit späteren Produkten, wie z.B. Braun regie 520 mit entsprechenden Boxen aus ca. 1973 (dieser Typ ist bei mir wegen des guten Sounds, der Technik und Servicefreundlichkeit dreimal vorhanden...). Das Chassis des 830W ist mir vor vielen Jahren bereits als Imperial 831 (Kuba) untergekommen, aber wegen fehlender Kenntnisse und Unterlagen als Teilelieferant missbraucht worden.
Nach dem Erhalt des Gerätes stellte sich heraus, dass der - getauschte - Netztrafo von einem Grundig-Radio stammte und die erforderliche Leistung nie erbringen konnte. Die EZ 81 fehlte auch, dafür war ein zu schwacher Selen-Brückengleichter B250C75 vorhanden. Die Rückwand fehlte ebenso, und das Gehäuse hatte diverse z.T. schwerwiegende "Macken". Zum Glück schien das Chassis, abgesehen von den Netzteil-Basteleien, im Original-Zustand zu sein; auch die vier Lautsprecher waren vorhanden.
Der Netztrafo kann gar nicht gross genug sein (falls das Original fehlt); nach einigen Fehlversuchen musste ich schon einen EI96 aus einem Braun TS3-81 bemühen, denn die zu erbringende Heizleistung sollte 1.) eine stabile Vollversorgung sein und 2.) keine Wärme über ca. 35°C bei Dauerbetrieb erzeugen.
Die  26 ERO-Rollkondensatoren erbrachten bei Stichproben eine 1,5- bis 2-fache Kapazität, also wurden sie getauscht; wichtig u.a. für den -subjektiven- Klangvergleich!
Bei dem Vergleich mit dem Schema fielen mir einige Punkte auf, die der Erklärung bedürfen; insbesondere bei Vandalismus oder Teiletausch bzw. -entnahme durch Vorbesitzer:

o  Schalter "F": ist gekoppelt mit dem Peilantennen-Trieb und wird durch eine angespritzte Nocke an der 360°-Orientierungsskala bei 0°- bzw. 360°-Stellung (je nachdem, ob man durch Links- oder Rechts-Drehung dorthin gelangt) geöffnet. Dadurch gelangt das Antennensignal von der Buchse an alle Koppelspulen L/M/K. In den Positionen 10...350° ist der Schalter geschlossen, d.h. es wird kein Antennensignal für L/M eingekoppelt; der Empfang erfolgt daher ausschliesslich durch die Ferritantenne mit Peilmöglichkeit.

o  Peilantenne: ist ein Ferritstab von 140 mm Länge und einem Durchmesser von 10 mm mit ca. 35 Windungen HF-Litze = 100 µH; diese Induktivität wird jeweils in Reihe mit der MW- bzw. LW-Spule für den Eingangskreis geschaltet. Ansonsten: s. "Schalter F"

o  AM-Drehko: die Kapazitäten betragen 525 pF (E) bzw. 470 pF (O). Normalerweise ist ein halbkreisförmiges Abschirmblech ("Baggerschaufel") darauf geklemmt. Dieses fehlte in meinem Gerät, aber ich besaß noch dieses Teil aus dem Kuba 831-Chassis.

o  Lautsprecher: als Hochtöner wurden zwei Elektrostaten vom Typ LSP 75 verwendet; als Mitteltöner dient ein Chassis von DEW Dortmund mit 160/175 mm Durchmesser, und als Breitbandlautsprecher (auch als Tieftöner gut geeignet) ein Chassis von DNH Norway (kupferfarben lackiert) und 180/200 mm Durchmesser. Die Lautsprecher haben ca. 5 Ohm Impedanz.

o  Klangregister: verbunden durch einen Kabelbaum mit Noval-Stecker (Stifte 1...9 = Anschlüsse 1...9) mit der zugehörigen Chassisfassung unterhalb der Peilantenne. Es gibt weitere Lötanschlüsse (Leitungen "a" und "b" nebst 4 Masseleitungen), die bei Bedarf (Testbetrieb etc.) als Steckverbindungen ausgeführt werden sollten.

o  Magische Fächer EM 85: diese beiden Systeme sind über einen Kabelbaum mit gemeinsamen Noval-Stecker (Stifte 1...9 = Anschlüsse 10...18) mit der Chassisfassung verbunden (Position: Nähe Skala). Die Anschlüsse 11 und 12 sind im Schema etwas versteckt gezeichnet: 11 ist Heizung und 12 das Steuergitter am Schaltkontakt U1 6/7. Eines der Systeme könnte durch eine EM 80 ersetzt werden (EM85 neu= Euro 40,- und mehr!); allerdings müssen 3 Leitungen an der Fassung getauscht werden! Der andere magische Fächer nicht, da die EM 85 getrennte Anschlüsse für Leuchtschirm und Steuergitter hat und diese im Gerät auch getrennt geschaltet werden.

o  Drossel am Ausgangsübertrager: diese hat eine Induktivität von 0,5 mH und ist mit ca. 50 (?) Windungen 0.7 Cul auf einen EI 30-Trafo ohne (erkennbaren) Luftspalt gewickelt. In der Stellung "normal" ist die Drossel überbrückt und in der Stellung "stereo" (eigentlich: "Raumklang"), zusammen mit dem Elko 100 µF und Kopplung auf die Katodenleitungen für einen verblüffenden Effekt verantwortlich.

o  Ausgangsübertrager: ist mit "BV 1013" (Körting) bzw. "BV 1013/I" (Kuba Imperial) gekennzeichnet, Kern EI 60 wechselsinnig geschichtet. Da aus dem Schema nicht die geschachtelten Wicklungen hervorgehen, und auch nicht die farbigen Anschlussdrähte entsprechend vermerkt sind, führe ich diese nachstehend auf. Dieser Übertrager kann nicht (ohne weiteres) für andere Gegentaktendstufen verwendet werden (und umgekehrt: andere Übertrager nicht für dieses Gerät!); das weiss ich aber auch erst seit wenigen Monaten... Die hier verwendete Push-Pull-Schaltung ist sehr interessant und ist ausführlich von Herrn Hans M. Knoll beschrieben worden! Daher füge ich zu den Farbkennungen auch die von mir errechneten Wickel (Irrtum vorbehalten!) zwecks Nachfertigung hinzu. Ein Beispiel für einen Verstärker nach diesem Schema (ECL 86, EL 84) mit Lautstärke-Poti, 5 Widerständen, 4 Kondensatoren plus Netzteil ist im RMorg unter "Eigenbau/NF-Verstärker" zu finden.

Legende:
A: = Anfang der Wicklung, E:  = Ende der Wicklung
(xx) = Farbe (ws=weiss, bl=blau, rt=rot, gb=gelb, gn=grn, sw=schwarz)
  = Anode,   g2 = Gitter 2/Bremsgitter
+1 = Anodenspannung am 1. Elko, +2 = dto. am 2. Elko
EL84 I   = obere Endpentode im Schema (Katodenbasisschaltung)
EL84 II  = untere Endpentode im Schema (Gitterbasisschaltung)

I:   2600 Wdg. 0.13 CuL  (465 Ohm)   A: (ws) a EL84 I,    E: (bl) +1
II:    400 Wdg. 0.13 CuL    (25 Ohm)    A: (gb) g2 EL84 I,  E: (sw) +2
III:   400 Wdg. 0.13 CuL    (26 Ohm)    A: (sw) +2,              E: (gn) g2 EL84 II
IV:  40 + 50 + 15 Wdg. 0.7 CuL (Windungszahl geschätzt!)
                   A: (bl) 200 Ohm Kat.-R,
                   1. Anzapfung (gb) Masse
                   2. Anzapfung (gn) Drossel Dr. 0.5mH
                   E: (rt) MT-Ltspr. / ext. Lautsprecherbuchse
V:  2600 Wdg. 0.13 CuL  (635 Ohm)  A: (bl) +1,                E: (rt) a EL84 II

Bei Testbetrieb wäre auch hier das Einfügen von Steckkontakten für die 4 Kabel zu den Lautsprechern sinnvoll: (gb), (gn), abgeschirmte Leitung (2 x LSP75 par.), Masseleitung (gleichzeitig auch Masseleitung für die beiden anderen Lautsprecher).

Der erste - subjektive - Klangeindruck im Vergleich zu Braun regie 520 mit Boxen L480:
   - Klangregler (Höhen, Tiefen) zu etwa 80 % aufgedreht
   - Klangtaste "Tanz", Expander "mittel" oder "stark"
=> gewaltig! Durchaus ebenbürtig und damit eine gute Alternative für das "Lieblingsgerät"!
     Anmerkung: gilt für normale bis mittlere Lautstärken (regie 520 bringt 2 x 60 W Dauerleistung...)
Die Klangkombination habe ich aus früheren Zeiten mit Nordmende Carmen 57 durch "Solo" und "Jazz" ähnlich erreichen können.
Es fällt die überaus transparente und kräftige Wiedergabe in allen Tonbereichen und aus allen Lautsprechersystemen auf; die in Importgeräten übliche Taste "Loudness" ist hier durch den Expander mehr als gut vertreten; zusätzliche Piezohörner erübrigen sich ebenfalls!
Aber nun kommt es erst: drückt man die Taste "stereo" (was ja irreführend ist), erweitert sich deutlich die Raumbasis; man hat das Gefühl, dass die Ohren jeweils mindestens um einen halben Meter auseinander driften! Etwa so wie in einem guten Stereogerät von der Umschaltung "Mono" auf "Stereo mit erweiterter Basisbreite"! Und das ganze nicht verwaschen, verschwommen oder dumpf/breiig, sondern immer noch so transparent und sauber wie zuvor!
Ich habe noch nicht alle Medien (FM-Tuner fremd, Platte, Kassette, CD etc.) über die TB-Buchse getestet, bin aber bis jetzt schon euphorisch und denke, dass es ähnlich gute Ergebnisse bringt. Da die Expanderschaltung in Stellung "stark" auch laute Passagen noch lauter macht (Kontrolle über die zugehörige EM 85, dort sieht man das "Atmen"), sollte man bei bestimmten Musikstücken bzw. Interpretationen auf "mittel" zurückgehen.
Das Abschalten bzw. Zurückgehen auf die "normale" Wiedergabe wäre "Orch." und Expander "schwach"; Stellung "Sprache" arbeitet wie erwartet. Ansonsten ist es wie immer eine Frage der persönliche Einstellung und Geschmacks, der bevorzugten Musikart, Position des Gerätes im Raum und Art der Raumausstattung. In jedem Fall sehr gut geeignet für den modernen Einrichtungsstil, im Plüsch der 50er (Gelsenkirchener Barock) geht auch der beste Sound "baden" (oder man dreht bis zum Anschlag auf...).

Günther Stabe

  
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