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Kottmar , der geheimnisvolle Berg in der Oberlausitz

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Forum » Radio- and technical History » Picture and tone processing / recording » Kottmar , der geheimnisvolle Berg in der Oberlausitz
           
Wolfgang Lill
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24.Feb.16 20:59
 
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Der KOTTMAR- Berg im Oberlausitzer Bergland, südlich von Löbau ist ein erloschener Vulkan. Dort befindet sich die Spreequelle, es gibt viele Sagen u.a vom Einsiedler, Pan Dittrich , von der Mittagsgöttin Mara, um nur einige zu nennen.

 

Auf seinem Gipfel  befindet sich ein 15,50 m hoher Aussichtsturm , der zur seit 2009 geschlossenen Kottmarbaude gehört.

und eine königlich- sächsische Triangulationssäule ( Vermessungspunkt) aus dem Jahre  1864

Der Berg hat mehrere Funksende- und Empfangsanlagen, aber schauen wir uns das erst mal von oben an ; 

2 Luftaufnahmen; Thomas Rösch, Eibau - danke -

s-w Bilder Museumsbestand Eibau - dankeschön -

Hier sieht man die Kottmarbaude und links den 46 m hohen Funkmast. In den Anfangsjahren des Fernsehens gab es in der Region Oberlausitz nur den Fernsehsender auf der Landeskrone bei Görlitz. Er sendete auf Kanal 6 vertikal des Programm des Deutschen Fernsehfunks ( DDR) . Das Signal wurde über Ballempfang mit einer Antenne auf dem Aussichtsturm empfangen und auf Kanal 11 vertikal umgesetzt. 

Solche Umsetzer bzw Fernsehfüllsender wurden Anfang der 60iger Jahre  viel gebaut, damit das terristische Fernsehen landesweit ohne erheblichen Antennenaufwand empfangen werden konnte. Dazu sagte mir auch der Museumsleiter des Faktorenhofes in Eibau, Herr Heinrich, das sein Vater in der Stube eine kleine Empfangsantenne bastelte und damit das Fernsehen nun gut empfangen konnte.

Wie der Turm damit verschandelt wurde, sei dahingestellt, aber es war eben erst einmal eine technische Lösung. 

Am 31.08.1982 werden die drei Schüsse des neuen Stahlfachwerkturmes mittels Hubschrauber auf das Fundament montiert,

In den nächsten Wochen wird dieser Mast mit der notwendigen Technik bestückt und der alte Turm von den Antennen erlöst.

DDR 1  (ehemals Deutscher Fernsehfunk) wird nun auf Kanal 41 ausgestrahlt. Später wird dieser Kanal zur Ausstrahlung von ARD genutzt.  Alle Programme werden über den Empfangskanal, inzwischen, vom Schafberg aus Löbau bezogen.

Das Programm DDR 2 auf Kanal 25 startet ebenfalls mit der inbetriebnahme des Mastes 1982 (ab 1992 dann MDR).

Am 04.05.1994 kommt ein Sender im Band V auf Kanal 58 dazu, der das Programm ZDF umsetzt. 

Alle drei analogen Sender vom Typ UEE600 , Fabrikat Plisch mit 50 Watt Nennleistung, werden mit Einführung des dvbt im Juni 2007 abgeschaltet.

Der Besitzer des Baudenkomplexes, die Kottmarbergbaude GmbH, und die Deutsche Funkturm GmbH als Eigentümer und noch Betreiber des Mastes, haben sich auf Abriss des Funkturmes  bis Ende Juni 2017 geeinigt.

Der  Kottmaraussichtsturm mit seinen roten Backsteinen soll vom Eigentümer noch um 8,50 m erhöht werden, damit den Besuchern ein ungestörter Blick auf das Umland möglich ist.

Bevor jedoch die Bergpension wieder Gäste einladen kann, ist eine Menge an Investitionsaufwand erforderlich. Wenden wir uns einer weiteren Attraktion des Gipfels zu:

Zweifelsohne ist die Sprungschanze ein sehenswerte Sportanlage, jedes Jahr werden im Mai internationale Mattensprungwettkämpfe ausgetragen. Die erste Sprungschanze existierte schon in den 30iger Jahren, Mitte der 60iger entstand diese Anlage .

Ummittelbar daneben der nächste Funkmast:

Der Betreiber ist Eplus.... sowie Behördenfunk und der Mobilfunkanbieter sucht noch neue Kunden, die diesen Mast nutzen.

Ob es die Kollegen von der Deutschen Funkturm GmbH schon gelesen haben ?

Aber jetzt wird es wirklich interessant, auch diese Anlage steht auf dem Kottmar

Ein quadratischer Fernmeldeturm ( A - Turm )steht ebenfalls auf dem Gipfel des Kottmar, errichtet anfangs der 60iger Jahre. 

Die DDR- Staatsführung hatte nach den Ereignissen des Jahres 17.Juni 1953 ( Aufstand in der DDR)  beschlossen, die Instrumente der Macht sicher zu machen. Sowohl die Sozialistische Einheitspartei als auch später die Nationale Volksarmee wurden an ein Richtfunknetz angeschlossen.

Ich versuche mal mit nachfolgender Skizze die eigentliche strategische Bedeutung des Kottmar hervorzuheben;

Da wurden die SED Kreisleitungen über diesen Knotenpunkt angeschlossen : Löbau, Niesky, Görlitz, Zittau. Es gab Verbindungen zwischen den Offiziershochschulen in Löbau und Zittau, später wurde das Wehrbezirkskommando Dresden mit den Wehrkreiskommandos in den vorgenannten Kreisstädten vernetzt.

Die Fernsehstrecke ist übrigens interessant. Der Sender Görlitz wurde vom Lugstein !!! versorgt.

Errichtet wurde der etwa 20 m hohe viereckige Turm von der "Fundament" GmbH. Das war eine parteieigene Firma, die von der Planung bis zur baulichen Fertigstellung alle Leistungen erbrachte.

Die Parabolanennen sicherten die in dem Falle quasioptische Übertragung in einem Schmalbandnetz im 1,9 GHz Bereich. Die dafür notwendigen Richtfunkgeräte vom TYP RVG ...(924 war vermutlich dort eingesetzt) wurden von den RAFENA Werken in Radeberg geliefert.

Hier erfolgte die Übertragung in der 2. Netzebene , zwischen Bezirksleitung und SED - Kreisleitungen, später kamen dann die Verbindungen zwischen den Offiziershochschulen"Ernst Thälmann" in Löbau (Jägerkaserne) und Zittau ( Mandaukaserne) sowie zwischen dem Wehrbezirkskommando Dresden und den Wehrkreiskommandos dazu.

Auch die Flugüberwachung hatte dort seinen Platz, der Flugplatz Rothenburg war Hauptschwerpunkt.  Die Volkspolizei bewachte diese strategisch wichtige Übertragungsanlage, denn auch die Fernmeldeaufklärung der Bundeswehr bemühte sich um Informationen aus diesem Netz.

Im Jahre 1984 wurde das Netz komplett in die Verantwortung der Deutschen Post übergeben. Sicherlich, weil auch inzwischen westliche Geheimdienste fleißig mithörten. Die SED führte nun keinen Nachrichtenaustausch über Gesprächsthemen durch, die Geheimnisschutz hatten. 

Mit der friedlichen Revolution in der DDR und dem Ende der SED- Herrschaft wurde das Netz dann mehr oder weniger aufgegeben. Die Türme waren teilweise sogar zugänglich und so mancher bediente sich vorhandener Technik und es wurde zerstört. Auf dem Kottmar sind allerdings solche Aktionen nicht bekannt.

Hier ein aktuelles Foto vom Turm , Februar 2016. Er ist ordentlich eingefriedet, eine bauliche Instandsetzung täte Not, aber er hat noch zumindestens einen Zweck; Der FM- Sprechfunk hat auf dem Turm eine Relaisstation R1 Frequenz 145,625. 

Inzwischen wurde eine neue Trafostation gebaut

Ein gutes Ohmen dafür, das der Turm auch eine Zukunft hat !

 

This article was edited 27.Feb.16 16:54 by Wolfgang Lill .

Wolfgang Lill
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03.Feb.20 14:10

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Inzwischen ist das Buch von Patrick Wagner , Im Auftrag der SED erschienen. Auf Seite 377 und folgenden ist das Richtfunknetz in Ostsachsen näher erläutert.

Dazu wurden Originaldokumente aus dem Bundesarchiv ( GVS ) studiert.

Hier der Netzplan von 1981 (GVS Nr: A 511332 ) des Bezirkes Nr. 12, Dresden.

Der Kottmar hat die Nummer 268 und versorgte laut diesem Plan die Kreisleitungen Zittau ( 265) und Löbau (259) . Die Offiziershochschulen Löbau und Zittau waren über die Wehrkreiskommandos in das Netz eingebunden.

Bei Gesprächsbeginn kam immer der Hinweis; sie sprechen über Richtfunk, unverschlüsselt.

Die Kreisleitungen Niesky und Görlitz wurden, entgegen meiner damaligen Aussage, vom Picho  Standort 267 versorgt.

Interessant ist an diesem Plan, das hier auch die Kreisleitung Sebnitz (264) über den Ungerberg (271)  angeschlossen war.

 

This article was edited 04.Feb.20 08:15 by Wolfgang Lill .

  
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