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Laboratorium Kappelmayer Berlin-Dahlem (LKB) 1920er Jahre

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Wolfgang Eckardt
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22.Apr.20 20:26

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Der Name Otto Kappelmayer ist sicher allen gut als Fachautor bekannt, sind doch unter seiner Federführung zahlreiche Bücher, Hefte und Baupläne in den 1920er bis 1940er Jahren erschienen, sowohl für den Funk-Fachmann als auch für die Hand der Bastler. Wenn man im Literaturfinder den Namen Kappelmayer eingibt, so erscheinen momentan 26 Titel, teilweise bis zur 18. Auflage und auch als Reprint, die aber noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Werke Kappelmayers ergeben. Anfangs erschienen seine Werke im August-Scherl-Verlag, größtenteils aber im Verlag Deutsch Literarisches Institut Berlin, dessen Leiter damals, Jacob Schneider, gleichzeitig als sachkundiger Herausgeber zahlreicher Funk-Literatur bekannt iist

Was mir aber bisher neu war, dass der fleißige Buchautor, Konstrukteur und Tüftler bereits vor 1920 in Berlin ein eigenes Labor für seine Funk-Experimente eingerichtet hat und diese Ergebnisse für seine vielfältigen Veröffentlichungen nutzte.

Zufällige Umstände bescherten mir ein Buch, das aus dem Nachlass von Otto Kappelmayer stammt und einen eigenhändigen Eigentumsvermerk von ihm auf dem Vorsatzblatt trägt:

Der Titel des Buches:

Rundfunk-Praktikum.
Ein Lehr- und Bastelbuch.
Unter Mitwirkung hervorragender Fachleute,
herausgegeben von J. Schneider.
3. gänzlich umgearbeitete Auflage 1926.

So steht es auf der Innentitel-Seite, und Otto Kappelmayer hat natürlich als einer der  "hervorragenden  Fachleute" auch am Inhalt mitgewirkt.

Das ist ja erst einmal nicht besonders aufregend, aber die inliegenden „Papiere“, die erregten schon meine Aufmerksamkeit:

  1.  Ein unbenutzter Geschäfts-Briefbogen DIN-A4 (Kopf siehe Bild oben),
  2.  drei Fotos mit Röhrengeräten aus dem Kappelmayer-Labor von 1921 (!) mit handschriftlichen Bemerkungen auf den Rückseiten.

Und diese Bilder möchte ich gern hier vorstellen, wobei der handschriftliche Text der Rückseiten von mir wörtlich unter das Bild gesetzt wurde.

Als erstes Foto ein

Warum 5 Röhren zu sehen sind bei einem Vierfach-HF-Verstärker muss sicher mit der Schaltung zu tun haben und ist hier kein Schreibfehler.

Als nächstes Foto der

Und als drittes Foto

Das dürften sicher drei Bausteine sein, um einen sogenannten Superregenerativ-Empfänger aufzubauen, wie auch Armstrong damit experimentierte,  und das 1921! Es ist ja belegt, dass Kappelmayer Empfangsversuche des frühen Rundfunks im Zusammenhang mit dem Scherl-Verlag in Berlin Kochstraße durchgeführt hat.

Leider ist aus der Vita Otto Kappelmayers, geboren 1894, nur wenig zu finden. Doch ist immerhin interessant zu wissen, dass er gemeinsam im März 1923 mit Siegmund Loewe, Manfred von Ardenne und Eugen Nesper vor zahlreichen Mitgliedern des Reichskabinetts und dem Reichspräsidenten Friedrich Ebert eine Vorführung englischer Rundfunksendungen improvisierte, um politische Unterstützung für ein Zustandekommen des Unterhaltungs-Rundfunks auch in Deutschland zu gewinnen

Noch 1949 war er mit Prof. Meißner, Dr. Sigmund Loewe sowie Dr. Eugen Nesper gemeinsam auf der Funkschau in Berlin zu sehen.

Bildquelle: Nesper "Ein Leben für den Funk" Verlag von R. Oldenbourg, München 1950 

Ich würde mich freuen, wenn ich von Kennern dieses Teils der Funk-Geschichte weitere Hinweise zur Vita von Otto Kappelmayer erfahren könnte.

Wolfgang Eckardt

 

 

This article was edited 23.Apr.20 17:33 by Wolfgang Eckardt .

Hans-Thomas Schmidt
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Hallo Wolfgang,

Ing. Otto Kappelmayer wohnte 1930 in Berlin Charlottenburg, Leibnizstraße 55, III. Stock, Tel. Bism. 8971.

Quelle: Berliner Telephonbuch 1930

Das originale Gebäude steht möglicherweise noch.

Viele Grüße und bleib gesund,  Hans-Thomas

Wolfgang Eckardt
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27.Apr.20 22:02

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Vielen Dank Thomas,

deine Mitteilung ist wenigstens ein kleines Bausteinchen zu Otto Kappelmayer - aber es ist mir wirklich nicht gelungen, außer seinem Geburtstag, 27.  Mai 1894, weitere Informationen über diesen sehr aktiven Funk-Ingenieur zu finden, dessen Leben ganz dem Rundfunk gewidmet war.

In einer Zeitschrift "radio-fernseh-händler" Nr. 4 aus 1971 fand ich im Impressum den Eintrag

Mitbegründer und ständiger M;itarbeiter: Otto Kappelmayer, 

aber in einer Heftnummer aus 1972 diese Zeilen nicht mehr, so schlussfolgerte ich, dass er in dem Zeitraum gestorben sein könnte. Immerhin - mit 77 Jahren noch aktiv an seiner nach 1945 wieder neugegründeten Zeitschrift "Radiohändler" tätig sein, das nötigt Hochachtung.

Und so fand ich dann sowohl in der "Funkschau" 1971 Heft 17 als auch in der "Funktechnik" 1971 Heft 18 je  einen Nachruf, dass er nach kurzer Krankheit am 4. August 1971 verstorben ist.  

Ich werde aber immer noch auf der Suche sein, noch mehr über ihn zu erfahren, vielleicht auch eine Biografie über ihn.

Wolfgang Eckardt

This article was edited 28.Apr.20 14:05 by Wolfgang Eckardt .

Nikolaus Löwe
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Sehr geehrter Herr Eckardt,

zu dem Foto des fünfröhrigen 4-fach-Hochfrequenzverstärkers habe ich eine Anmerkung, sowie eine Frage.

Ich besitze ein ähnliches Gerät hier im Museum. Vier der Röhren sind als (aperiodischer) Verstärker geschaltet, die fünfte als Audion. So kommt man zu der Zählweise.

Könnten Sie vielleicht einen hochaufgelösten Scan von Ihrem Photo bringen, wo man die steckbaren Elemente neben den Röhren besser sieht? Es könnte sich vielleicht um ähnliche Teile handeln wie bei meinem Hochfrequenzverstärker. Da sind es Drosseln, die scheinbar aus Widerstandsdraht gewickelt wurden. Vielleicht gibt es ja eine Verwandtschaft?

Mit freundlichem Gruß,

Nikolaus Löwe

Wolfgang Eckardt
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14.Jun.20 21:20

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Inzwischen wurde weiter recherchiert zur Vita von Otto Kappelmayer. Besonderer Dank gilt Herrn Gerhard Eisenbarth, der sehr viele Fakten, auch zu Kappelmayers Veröffentlichungen,  zusammengetragen hat.

Zufällig fand ich nun auch den bisher nicht bekannten Geburtsort Kappelmayers in einem Buch von ihm:
 Druisheim, ein Dorf bei Mertingen im Donau-Ries-Kreis. 



Spannend liest sich auch in dem Buch "Die Entstehung des Rundfunks in Deutschland" von W.B. Lerg, wie Kappelmayer bereits um 1920/1923 in der "Vor-Rundfunkzeit" mit den polizeilichen Behörden und der Post in Konflikte kam, da er mehrere Funkanlagen (Sender und Empfänger) - damals illegal und strafbar - für einige Berliner Verlage baute, damit diese schneller über den "Eildienst" an "streng geheime" und nur der Posthoheit unterliegende Funk-Nachrichten kamen.  

In einem Katalog 1928 von Radio-WEB fand ich auch ein jüngeres Bild von Kappelmayer, ca 33...34 Jahre alt.

Nach wie vor fehlt es an verlässlichen Fakten über die Entwicklung des Buches von der  8. Auflage "Das Radio-Bastelbuch" (Wrona) bis zur 12. Auflage "Das neue Radio-Bastelbuch und Rundfunk-Praktikum" (Kappelmayer/ Schneider). Siehe auch diesen Beitrag.

Bisher ist noch keines dieser Titel mit der 9. bis 12. Auflage bekannt geworden, auch nicht zur sogenannten "Jubiläumsausgabe".

Für ein gründliches Nachschauen in den eigenen Bücherschätzen wären dankbar

Wolfgang Eckardt
(und sicher mancher Leser im RM.org)

 

 

This article was edited 16.Jun.20 22:42 by Wolfgang Eckardt .

  
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