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Lacke und Farben

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Hans Kamann
Hans Kamann
 
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04.Sep.03 22:10

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Bei der Restauration von Gehäusen stehe ich immer wieder vor dem Problem den richtigen Farbton zu treffen, besonders, wenn das Gehäuse nicht lasiert sondern lackiert worden ist. Leider findet man nicht wie z.B. bei Autos eine RAL Bezeichnung. Oftmals sind Gehäuse dazu noch "maseriert" lackiert um eine Holzstruktur zu imitieren. Es bleibt dann nur das Herantasten an den Farbton.

Gibt es vielleicht genauere, einfachere Verfahren ?

Georg Schön
 
 
D  Beiträge: 268
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05.Sep.03 15:44

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Hallo Hr. Kamann,
mit lackiert meinen Sie vermutlich deckend lackiert?
Zunächst noch einige Klarstellungen.Die Farbton-Nummern bei Autos sind keine RAL-Nummern.Diese Nummern sind "Privatsache" der jeweiligen Autohersteller.Das System der RAL-Nummern rührt von den staatlichen Standardisierungsbemühungen der 30er Jahre her, ist sehr "grob", und existiert nur für deckende Lacke.Wo die öffentliche Hand Auftraggeber ist, fragt man noch nach RAL-Tönen, sonst kaum.RAL-Ton sind zum Beispiel die Tarnfarben der Bundeswehr, die Farbe auf einer Stahlbrücke, evtl. das "Siemens-Grau" (und ähnliches von anderen Firmen) für Schalttafeln, Meß/Regelgeräte, Trafohäuschen, Strommasten usw.
Wo immer "Designer" mit am Werk waren und sind, kümmert sich niemand um RAL-Töne.
Aber selbst wenn Sie bei einem Radio den RAL-Ton kennen würden und Sie würden sich den beschaffen können, würde dieser neue Lack vom alten "abstechen". (zum einen ist das RAL-System recht ungenau, andererseits ist die alte Lackierung inzwischen "vergilbt", das bedeutet, selbst wenn Sie theoretisch eine Dose des Original-Lackes hätten, Sie müssten den Radio vollständig neu Lackieren )

Was meinen sie mit "maseriert"? Der Begriff ist mir nicht bekannt. Sollten Sie "masuriert" meinen, diese ausgestorbene Technik des Malerhandwerkshabe ich noch an keinem Radio gesehen, sie wäre auch, weil zeitraubend, für Serie zu aufwendig gewesen.

Was ist die Lösung?
Es gibt Anbieter von "Mischsystemen". Man sieht die in Baumärkten und manchen Farbenläden. Dazu gibt es Farbtonkarten, die man an die alte Lackierung halten kann, nach der Nummer der Farbtonkarte bekommt man dann seinen Lack gemischt. Ich selber habe damit nur einmal Erfahrung gehabt, und das vor ca. 30 Jahren.Das Ergebnis war etwas enttäuschend.Meist kranken diese Systeme daran, daß die Dosiersysteme zu ungenau sind,und an dem geringen Durchsatz. Die Komponenten werden zu alt, und setzen sich ab, oder verderben sonstwie.

Recht genau sind die Mischsysteme für Autoreparaturlack, aber da gibt es die Farbtonkarten nicht oder fast nicht, matte Toene sind nicht vorgesehen.In diesem Gebiet orientiert man sich an den Farbnummern der Autohersteller.Außerdem sind das dann 2-K Lacke, die man spritzen muß, und sie sind nicht gerade wohlfeil.

Insgesamt möchte ich davon abraten, allzuviel Zeit/ Energie in den "Original"-Farbton zu investieren. Das ist eine Chimäre. Könnte man zwei Exemplare desselben Radio-Modells, im Abstand eines Jahres produziert, nebeneinanderstellen, dann würde man oft feststellen, daß der Farbton leicht unterschiedlich ist.

Zusammenfassung:
den exakt gleichen Farbton bei Lacken gibt es nur, wenn er aus derselben Charge stammt. Den fast exakten Ton kann man erzielen, aber das ist sehr teuer und wird nur im Bereich der Automobil-Lackierung ernsthaft angestrebt (und bezahlt).
Grüße,
Georg Schön

Dieser Beitrag wurde am 05.Sep.03 17:06 von Georg Schön editiert.

Hans Kamann
Hans Kamann
 
D  Beiträge: 438
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05.Sep.03 20:32

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Hallo Herr Schön,

vielen Dank für die umfangreiche Antwort, ich antworte mal stichwortbezogen.

Ich meine tatsächlich das "Maserieren", da geht man mit einem kammähnlichen Gummiteil über die Oberfläche. zuerst wird ein "hellerer" Ton aufgetragen und getrocknet. Erst nach völliger aushärtung wird ein dunklerer Ton aufgetragen und der Kamm eingesetzt. Das soll Linien ähnlich der Maserung erzeugen. Ich habe es versucht und es entäuscht sein gelassen.

Jedenfalls macht mir Ihre Ausführung Mut, ich brauche demnach nicht unbedingt Angst zu haben doch einen leicht anderen Farbton erwischt zu haben. Ich habe mir die Farbe nach einem Foto in einem Baumarkt mischen lassen, sie wurde aber doch zur "braun". Jetzt habe ich mit einer Dickschichtlasur, Farbton ähnlich "Palisander" übergestrichen. Ich bin mal gespannt wie das nach der Trocknung aussieht. "Gestrichen" heißt bei mir immer "gerollt".

Ja, ich meine hier die deckend gestrichenen Modelle.

Ich dokumentiere meine Erfahrungen Schritt für Schritt, wenn ich zu einem zufriedenstellenden Ergebnis komme stelle ich das Erfahrungsbericht ins RM.

Viele Grüße.

Dieser Beitrag wurde am 05.Sep.03 20:34 von Hans Kamann editiert.

Manfred Kröll † 2.9.2013
Manfred Kröll † 2.9.2013
 
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07.Sep.03 15:49

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hallo hans,

radio auf einen (guten) scanner stellen, und einen teil der gewünschten farbe einscannen. danach diese datei in CMYK farben zerlegen, dann hat man die genauen mischanteile von cyan, magenta, gelb und schwarz in prozenten. aus diesen 4 farben werden lacke (wunschfarben) gemischt.

ich hab das schon mal probiert, es hat auch recht gut funktioniert - aber grundvoraussetzung ist ein wirklich guter scanner ohne farbverfälschungen.

viele grüsse,

fred

 

 

  
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