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lorenz: Ordensmeister 2 - Spulen-Umschaltung

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Wolfgang Eckardt
Wolfgang Eckardt
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08.Jan.10 22:17

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Beim der Restauration dieses Gerätes mit der Gerätenummer 30775 und dem Vergleich mit dem im RM hinterlegten Schaltbild (Arpad Roth) stellte ich bei den einzelnen Röhrenstufen und den dazugehörigen Bauelementen fast vollständige Übereinstimmung fest - aber auch einige Unterschiede, die vor allem die Spulen und deren Umschaltung für die beiden Wellenbereiche betreffen.

Im vorhandenen Schaltbild wird im Bereich I (MW) einfach die Anzapfung zwischen MW- und LW- Spule an Masse gelegt, wie es in den meisten Geräten dieser Bauart geschieht. Die LW-Spule ist dann also ohne Funktion. Der Bereich II (LW) wird durch die Reihenschaltung der beiden Spulenteile erzielt. Ich bezeichne das einmal als „normale“ Bereichsumschaltung, die einen gewissen Standard darstellt.
 
Lorenz schaltet die Bereiche aber anders um, zumindest bei diesem Modell.
Mit fiel auf, dass der Wellenschalter mehr als die drei einfachen Umschaltkontakte besitzt und die Spule im Gitterkreis aus mehreren Teilspulen besteht.
Drei Scheibenspulen sind miteinander vernietet und tragen jeweils zwei Anschlüsse, also insgesamt sechs Anschlüsse an der Gitterspule. Drei wären eigentlich nach „Standard“ nur erforderlich. Antennenkreis und Rückkopplungsspulen sind „normal“ als Scheibenspulen aufgebaut mit den üblichen drei Anschlüssen: Anfang (MW-Spule) - Ende (LW-Spule)- Mitte (Anzapfung) zwischen LW- und MW-Spule.
Antennen- und Rückkopplungsspule sind jeweils schwenkbar angeordnet, so dass die Kopplung zur Gitterspule verändert werden kann.
Hier Abbildungen der Spulen:
1.) von der Antennenspule aus,
 
 
2.) von der Rückkopplungsspule aus gesehen:
 
 
Die Analyse der jeweiligen Anschlüsse und Kontaktbelegungen war nicht ganz einfach, da ich ja die Spulen nicht zerlegen wollte. Ich hoffe, dass das aufgenommenen Schaltbild mit den Umschalt-vorgängen zwischen Bereich I und II keine Fehler mehr enthält.
 
Schaltbild des Spulensatzes
 
Aus diesem Schaltbild ergibt sich die Tatsache, dass im Bereich I (Mittelwelle) alle drei Spulenteile der Gitterspule parallel (geringe Induktivität) und im Bereich II (Langwelle) diese drei Spulenteile in Reihe geschaltet sind (hohe Induktivität).
Im Gegensatz dazu erfolgt die Umschaltung des Antennen- und des Rückkopplungs-Kreises in „normaler“ Art und Weise, so wie oben beschrieben.
 
Betrachtet man das gesamte von mir aufgenommene Schaltbild (siehe beim Modell), so fällt noch ein Unterschied zu dem im RM vorhandenen Schaltbild auf: Die eingezeichnete Drossel, die bei der Umschaltung der Heizung von Gleich- auf Wechselstrom wirksam würde, ist nicht vorhanden. Sie ist auch auf dem Chassis-Bild des im RM angelegten Modells nicht zu sehen. Es ist eine einfache Drahtverbindung eingelötet.
 
Aus dieser Tatsache stellt sich auch die Frage, wozu es überhaupt diese Umschaltmöglichkeit zwischen Gleich- und Wechselstrom bei einem als Batteriegerät erscheinenden Radio gibt?
 
Da der Empfänger Röhrenfassungen für die 5-stiftigen Europa-Sockel besitzt, deren Mittelstift mit Masse (Erde) verbunden sind, könnten z.B. die ab 1927/28 als Wechselstromröhren propagierten Röhren REN1004 oder REN1104 mit indirekt geheizter Katode eingesetzt werden. Der Mittelstift dieser Röhren ist mit der Katode verbunden. Dazu müsste dann ein Netzgerät verwendet werden, welches die entsprechende 4-V-Heizspannung mit ca. 3 A liefert, dazu auch die entsprechenden Gitter- und Anodenspannungen. Ein entsprechend modifiziertes Schaltbild habe ich hoch geladen. 
So ein Netzgerät stand ja mit dem  Modell N102 von Lorenz zur Verfügung. Damit ist ein Betrieb des Empfängers völlig ohne Heiz-Akku und Anodenbatterie möglich.
Die Umschaltung =/~ erfolgt einfach durch versetzen einer Schraube auf einem Messingblech-Streifen. Dadurch wird der im Gerät vorhandene Ein-/Aus-Schalter wirkungslos und die Verbindung zwischen Gitterspannung (-4,5 V) und einem Heizfadenende der Batterieröhren (= Katode) wird unterbrochen. Das Gerät ist nun mittels Netzschalter an dem Netzgerät N102 ein- und auszuschalten.
 
Da dieses Lorenz Netzgerät N102 außerdem eine Heizspannung von 1 V liefert, können auch die so genannten Kurzfaden-Röhren, also REN501 und REN 601, in den „Ordensmeister 2“ eingesetzt und genau so wie die Batterieröhren betrieben werden, aber mit Wechselstrom-Heizung ohne Akku.
 
Übrig bleibt eine Frage, die ich mir noch nicht beantworten kann. Die Röhre 1 wird nicht wie üblicherweise beim Audion mit der RC-Gitterkombination betrieben, im vorliegenden Falle 2 MΩ / 300 pF. Das Gitter liegt abweichend von der „Standard-Schaltung“ über den Gitterableit-widerstand 2MΩ an + 6 V, ist also gegenüber der „Masse“, die an + 4,5 V der Anodenbatterie (bzw. des Netzgerätes) angeschlossen wird, um 1,5 V positiv angehoben.
Was ist hier der tiefere Sinn? Welcher Schaltungs-Fachmann kann diese Tatsache erklären?
 
Im Heft „Telefunkenröhren 1928-29“ findet man zur REN1004 den Hinweis, „... daß längs der Kathode kein Spannungsabfall stattfindet, und es aus diesem Grunde vorteilhaft sein kann, den Gitterableitungswiderstand nicht an die Kathode zu legen, sondern der Röhre eine besondere Vorspannung von 1,5 V zu erteilen.“
Im beschriebenen Modell bleibt das aber auch so erhalten, wenn Batterieröhren (z.B. RE054) eingesetzt sind. Wie kann das gut gehen? Wer weiß eine Erklärung dazu?
 
Es wäre gut, wenn Besitzer des Modells die etwas ungewöhnliche Spulenumschaltung entweder bestätigen oder auch widersprechen könnten.
 
Wolfgang Eckardt

This article was edited 08.Jan.10 23:21 by Wolfgang Eckardt .

  
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