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Mittelwellensender Dresden

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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10.Apr.21 10:15

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Der Mittelwellensender Dresden startete offiziell am 22.Februar 1925. Die erste Frequenz war 941 KHz    ( 339 m) . Vertraglich gesehen ein Nebensender der MIRAG Leipzig. Der Sender in Leipzig begann  als zweiter Deutscher Sender nach Königswusterhausen am 1.März 1924 seine Programme auf Welle 666 KHz (450 m) .

Interessant in Dresden ist die Technische Lösung der Antenne. Foto : Museumsstiftung für Post und Telekommunikation

Foto : Museumsstiftung für Post und Telekommunikation

Diese ist zwischen dem Rathausturm und dem Turm der Kreuzkirche aufgehangen. In der Zeitung "Funk" erscheint dazu  am 22.02.1925 : Der Sender und die Technik sind in einigen Räumen des Rathauses untergekommen, genutzt wird auch ein Besprechungsraum im ehemaligen Hotel "Reichspost". Die Antennenkonstruktion löste auch bei nicht wenigen Dresdnern Bedenken aus, schließlich passen Gotteshaus und Technik nicht gut zueinander. Mitte Dezember 1924 hatte man sich jedoch geeinigt und so wurde die Antenne zwischen einem Rathausfenster und dem Turm der Kreuzkirche gespannt. 

Im Januar 1925, gab es einen großen Sturm, und die ganze Antennenanlage wurde zerrissen, hing traurig vom Rathausturm herab wie eine Fahne auf Halbmast, und dann kam eines Tages gegen Ende Januar die Nachricht, daß nun die Maschinen da seien, und daß nun bald, in den ersten Tagen des Februar, die Versuche beginnen sollten. Und sie begannen. Er ist in 2 bis 3 km Entfernung vom Rathaus ohne jede große Anlage zu hören, ohne Antenne, ohne Wasserleitung, ohne Erde; so gut geht der Sender.
Zuweilen sprechen Künstler auf das Mikrophon; man hört ab und zu auch Grammophonmusik, und abends überträgt der Leipziger Sender sein Programm versuchsweise auch auf den Dresdner Sender.
Foto : Museumsstiftung für Post und Telekommunikation

Der erste Sender der Deutschen Reichspost im Dresdner Rathaus , Endstufenleistung 700 Watt              Foto : Museumsstiftung für Post und Telekommunikation

Rückansicht des Senders

 Foto : Museumsstiftung für Post und Telekommunikation

Verstärker- und Fernmeldeanlage des Rundfunksenders der Deutschen Reichspost in Dresden

Natürlich überschlug sich die Presse in diesen spannenden Wochen des Starts des Dresdner Senders, einen Artikel, der aus meiner heutigen Sicht vieles richtig prognostiziert hat, möchte ich hier vorstellen...

 

Foto; altesdresden.de, gemeinfrei

Im Grand-Hotel "Reichspost" war ein sogenannter "Besprechungsraum" eingerichtet, welchen man heute mit einen "Rundfunkstudio" vergleichen könnte. Hierzu eine Foto aus dem Jahre 1924, als von Dresden aus bereits für die MIRAG Leipzig produziert wurde. 

Foto: rundfunkschätze.de gemeinfrei 

Am 13./14. Februar 1945 wurden die gesamten Anlagen bei den anglo-amerikanischen Luftangriffen auf Dresden zerstört.

Herr Hajo Böhme, der ehemalige Leiter des Funkamtes Dresden hat recherchiert und hier die weitere Entwicklung in Dresden:

Die damalige Reichspostdirektion Dresden beantragt am 22. Februar 1945 einen Ersatzsender. Aus Wehrmachtsbeständen werden zwei transportable Langwellensender Typ 1500/III für den Frequenzbereich von 500-3000 Meter (100-599 kHz) aus der Wehrmachtsfunkstelle Dingelstedt bei Halberstadt/Halle zur Verfügung gestellt. Einer davon soll in Dresden, der zweite Sender in Würzburg als Ersatz für zerstörte Rundfunksender eingesetzt werden.

Der Aufbau des Senders in Dresden beginnt sofort nach Eintreffen auf der Räcknitzhöhe in der Gegend von Leubnitz-Neuostra. Die Arbeiten zur Inbetriebnahme können bis 7. Mai 1945 nicht abgeschlossen werden. Infolge des Näherrückens der Front baut man die Anlage wieder ab und verlegt sie in den Raum Dippoldiswalde. Der Befehl des Wehrmachtsnachrichtenkommandos, beide Sender bei Feindbesetzung zu zerstören, wird nicht ausgeführt.

Als neuer Standort für den Dresdner Sender wird jetzt ein Nebengebäude der ehemaligen Leitfunkstelle der Gendarmerie Bereitschaft und Polizeischule (ehemaliges Krankenhaus) in Dresden-Trachau am Wilden Mann (Dresden-N 23, Neuländer Straße 60) zur Verfügung gestellt.

Foto: Sammlung Gerhard Steinke , Rundfunkschätze, Landessender Dresden 1945

Nachdem noch Hindernisse in der Versorgung mit der Modulation behoben sind und die Sendegenehmigung durch die damalige SMAD vorliegt, wird der Sendebetrieb zunächst versuchsweise im Oktober und endgültig im November 1945 wieder aufgenommen. Der Lorenz-Behelfssender geht mit einer Leistung von 300 W auf der Frequenz 564 kHz am 1. Dezember 1945 als „Landessender Dresden“ in Betrieb.

 

This article was edited 13.Apr.21 20:16 by Wolfgang Lill .

  
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