Nordmende Cosima Stereo: Not-Stereo

ID: 506257
Nordmende Cosima Stereo: Not-Stereo 
30.Dec.18 19:47
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Klaus Feth (D)
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Bei dieser Truhe handelt es sich um ein sehr frühes Stereo-Modell und sie wurde äußerlich identisch auch in einer Mono-Version angeboten. Basis für beide Ausführungen ist das Mono-Radiochassis. Für diese Stereo-Version wurde ein zusätzlicher Mono-Verstärker eingebaut, der jedoch im Aufbau stark vom Verstärker des Radios abweicht. Der Zusatzverstärker hat eine Pentode als Vorstufe (EF86) und keine Gegenkopplung, so dass seine Verstärkung wesentlich höher ausfällt, als die des Verstärkers im Radio. Zur Anpassung seiner Lautstärke gibt es einen zusätzlichen Pegel-Regler im Plattenspieler-Raum. Er hat auch mehr Ausgangsleistung, da der Arbeitspunkt der EL84 ist hier höher gewählt ist, und der nur scheinbar identische Ausgangsübertrager hat, passend dazu, eine geringere Primärimpedanz und einen größeren Drahtquerschnitt.

Die Klangregler im Radiochassis sind als Mono-Potentiometer ausgeführt und wirken immer nur auf den Verstärker des Radios. Die Klangtasten hingegen wirken auf beide Kanäle, sind aber nicht identisch für beide Kanäle. Die fehlende Gegenkopplung des Zusatzverstärkers hat in Verbindung mit den weit entfernt montierten Klangtasten eine fatale Nebenwirkung: Die Klangtasten wirken nicht wie beim Radio auf die Gegenkopplung, sondern hier ausschließlich im (hochohmigen) Signalweg, und dazu sind lange abgeschirmte Leitungen zwischen Klangtasten und dem Zusatzverstärker verbaut. Leider summiert sich die Kapazität dieser Leitungen auf ca. 1600pF und damit entsteht ein perfekter Tiefpass. Der Zusatzverstärker gibt praktisch keine Höhen wieder! Konsequenterweise sind auch die links und rechts verbauten Elektrostaten gemeinsam nur am Verstärker des Radios, also in mono, angeschlossen. Für die Wiedergabe des zweiten Kanals muss allein der rechts auf der Schallwand montierte, kleine Ovallautsprecher genügen, während dem linken Kanal ein wesentlich größerer Ovallautsprecher und die beiden Elektrostaten zur Verfügung stehen. Die ohnehin schon stark abweichenden Klangeigenschaften beider Verstärker werden durch diese ungleiche Lautsprecherbestückung nur noch verstärkt. Hier macht die hohe Verstärkung des Zusatzverstärkers plötzlich Sinn: Durch seinen starken Höhenverlust in Verbindung mit dem kleinen Ovallautsprecher wäre der rechte Kanal, bei gleicher Verstärkung wie beim Radio, eigentlich unhörbar, aber mit dem Pegelsteller kann durch seine hohe Verstärkung die Lautstärke so stark angehoben werden, dass er doch noch heraushörbar ist.

Allein schon durch die intensive Klang-Differenz beider Kanäle entsteht so etwas wie ein statischer Stereo-Effekt und bei ganz alten Stereo-Aufnahmen ("Ping-Pong-Stereo") ist sogar ein bischen lebendiges Stereo herauszuhören, aber bei komplexen modernen Stereo-Aufnahmen ist beim Umschalten von "Mono" auf "Stereo" kein Unterschied wahrnehmbar. Der Aufwand ist enorm für diese geringe Wirkung, aber zu damaligen Zeitpunkt gab es ja noch keinen wirklichen Standard und man wollte offensichtlich beim neuen Thema "Stereo" auch etwas anbieten, ohne ein vollkommen eigenständiges Gerät zu produzieren zu müssen. Diese (Not-) Lösung ist gerade wegen ihrer versteckten Unvollkommenheit ein tolles Stück Geschichte aus den Anfängen der Stereo-Technik!

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