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philips: Reparatur Philips BX998A

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Klaus Menningen
Klaus Menningen
 
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22.Apr.21 11:41
 
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Kurzbeschreibung:

Das Gerät hat rechts und links neben der Skala je 5 Drucktasten. Rechts die weiße ist der Ein-Aus Schalter, die anderen dienen der Bereichsumschaltung. Der eigentliche Bereichsumschalter Sk1-6 wird von einem 12V Motor mit Getriebe betätigt. Der Motor hat nur eine Drehrichtung, man kann also nicht vor und zurück. Wenn der Motor dreht werden die NF Stufen stummgeschaltet.

Der kleine Drehknopf links unten ist die Kurzwellenlupe für den Bereich KW1 + KW2 mit einem extra Sichtfenster und Skalenzeiger.

Der kleine Drehknopf rechts unten ist für den LOCAL MW Bereich, ebenfalls mit einem extra Sichtfenster und Skalenzeiger. Der hier eingestellte Sender wird dann durch Druck auf die LOCAL-Taste angewählt.

Das Gerät besitzt 2 getrennte NF-Endstufen. Die Basseendstufe arbeitet mit 2xPL81 und einem hochohmigen 10 Watt Lautsprecher also ohne Ausgangsübertrager.

Die Hochtonendstufe arbeitet mit einer EL84 und Ausgangsübertrager mit niederohmigem    3 Watt Lautsprecher.

Für UKW gibt es 2 Schalter. FM1 hat eine Stummschaltung so da es zwischen den Stationen kein rauschen gibt, also nur starke Sender empfangen werden.

FM 2 empfängt ganz normal mit rauschen zwischen den Stationen, somit können dann auch schwache Sender eingestellt werden.

Für beide UKW Bereiche ist eine automatische Scharfabstimmung eingebaut. Der FM Bereich geht bis 100MHz. Es gab auch eine Exportversion die bis 108 MHz reichte. Zu erkennen ist das an der Skala die nicht in Holländisch, sondern in Englisch beschriftet ist.

Das Gerät hat 16 Röhren und ist bei 220V mit 120 Watt Leistung angegeben.

Das Gerät verfügt über 16 unterschiedliche Stahl bzw. Textilseile !

 

So kam das Gerät zu mir. Auf den ersten Blick sieht es gar nicht so übel aus.

 

Wenn man näher heran kommt sieht man aber das der Lack zum Teil stark beschädigt und rissig ist.

Die beiden Abdeckungen rechts und links der Skala waren zudem auch noch gebrochen.

Das Chassis mit samt seitlichem Netz-Trafo sitzt auf einer stabilen Holzplatte und wird zusammen mit der Lautsprecherfront aus dem Gehäuse genommen. Der UKW Skalenzeiger muss beim Aus und Einbau am Skalenhintergrund mit Klebeband befestigt werden, ansonsten verbiegt man den Zeiger oder er bricht ab, da das Chassis gekippt, also hinten angehoben werden muss.

Ich habe die Lautsprecherfront und die Skala demontiert und das Chassis zu Reparatur auf meinen Montageständer montiert.

Dann ging es ans austauschen vieler Kondensatoren und Kohlemassewiderstände. Ein Netzteilelko war ausgelaufen, ich habe beide durch neue von Jan Wüsten ersetzt.

Die Umschaltleiste Sk7 für AM-FM-Phono habe ich komplett ausgebaut um sie gründlich Reinigen zu können. Da hat man richtig Arbeit mit, da die Bauteildrähte nicht einfach an den Ösen festgelötet sind, sondern vor dem Löten noch verdrillt wurden.

 

Im Gerät gibt es unterschiedliche Lämpchen. Diese haben eine Bajonettfassung. Irgendwer hat es jedoch fertig gebracht in diese Bajonettfassungen Birnchen mit E10 Schraubsockel hereinzudrehen. Die dann auch noch mit langen Glaskolben sodass dort alles verbogen wurde.

Es gehören dort Birnchen herein die ringsherum schwarz sind und nur vorne eine Öffnung haben. Auf der rechten Seite waren die noch vorhanden, sodass ich ein Muster hatte.

Ich habe die neuen Birnchen entsprechend abgeklebt und mit hitzebeständigem Lack eingefärbt.

Original und Nachbau

Die Birnchen für die 4 Sichtfenster in der Skala sind nach hinten weiß lackiert, sodass sie nur nach vorne strahlen. Hier habe ich hitzebeständigen Heizkörperlack verwendet.

Die 3 Birnchen für den Skalenhintergrund sollen matt sein. Die habe ich nirgends gefunden. Mit glasklar Birnen sieht das nicht schön aus. Die Heizfäden erzeugen Schatten auf der Diffusionsscheibe.

Ich habe deshalb die Birnchen mit Frost Effekt Farbe lackiert. Im ersten Versuch nach vorne offen, das ist auch nicht gut, man muss sie rundherum matt machen.

Dann leuchtet es am Besten.

 

Die Diffusionscheibe war gerissen und der linke Winkel war falsch herum angeschraubt worden. Ich habe die Scheiben durch 0,2mm weiße PET Folie ersetzt.

Die Fassungen der beiden PL81 (NF Bass-Endstufe) sowie der EL84 (NF Hochton-Endstufe) habe ich durch neue Pressstofffassungen ersetzt, da die originalen durch die starke Hitze schon sehr schwarz geworden waren.

 

Den 8µF Kondensator vor dem 700 Ohm Bass-Lautsprecher habe ich durch einen MKP- Kondensator ersetzt der nach Auswahl den besten Verlustfaktor (gemessen 0,001 bei 1kHz) hatte.

Beim Netzschalter muss man aufpassen, da zwischen das Schaltergehäuse und der Befestigung eine Unterlagscheibe gehört. Ohne diese Scheibe funktioniert das Umschalten nicht.

 

Die Skalenseile der Bass + Höhensteuerung, der Ortssendereinstellung, der Kurzwellenlupe sowie das Seil der Ferritantenne habe ich erneuern müssen.

Basssteuerung

Höhensteuerung

KW-Lupe

Das robuste Einstellrad der Ferritantenne durch die das magische Auge gesteckt wird.

Oben auf dem Netztrafo sind zwei 150 Ohm Lastwiderstände montiert. Dies werden im Betrieb sehr heiß. Da ich kein Freund von heißen Widerständen bin habe ich zwei 50W Widerstände auf einen abgewinkelten Aluwinkel geschraubt und zusätzlich noch 2 kleine Kühlkörper aufgeklebt. Das habe ich dann am Befestigungswinkel der Schallwand montiert. Diese Widerstände bleiben im Betrieb kalt.

Da der originale Netztrafo bei 230V zu hohe Spannungen (besonders die Heizspannung der Röhren) lieferte habe ich da einen zusätzlichen 12V Trafo eingebaut und so verschaltet, das die 12V subtrahiert werden. Damit stimmen die Spannungen jetzt exakt.

Für den zusätzlichen Trafo habe ich einen Halter aus 2 dünnen abgewinkelten Blechteilen die ich zusammengeklebt habe angefertigt. Das passte dann prima mit auf die hölzerne Grundplatte auf dem das Chassis befestigt ist.

Dann bemerkte ich das die linke Schalterreihe schief stand. Erst nachdem ich die ganze Einheit ausgebaut hatte erkannte man die Ursache.

Die Halterung war krumm. Eventuell ist das Chassis mal abgestürzt, das würde auch erklären warum die beiden Holzblenden rechts und links gebrochen waren.

Nachdem ich alle nötigen Widerstände und Kondensatoren getauscht habe sieht es jetzt unter dem Chassis so aus:

 

Die Schallwand habe ich gewaschen und zum Trocknen auf einen stabiles Lochblech geschraubt, sodass sie sich nicht verziehen konnte.

 

Rechts und links in der Schallwand sind je zwei M3 Schrauben befestigt voran die Halterungen zur Bodenplatte geschraubt sind. Bei einer Schraube war das Gewinde defekt. Ich habe daher vorsichtig den Stoff auf der Frontseite aufgeschnitten (dieser Bereich ist nach der Montage nicht sichtbar) Dann konnte ich die Schraube nach vorne heraustreiben. Damit diese Schraube sich nicht löst ist von vorne zusätzlich ein Nagel eingeschlagen.

 

Ich habe die neue Schraube mit 2 Komponentenkleber eingeklebt.

 

Die Ferritantenne (Philips nennt die Ferroceptor) besteht aus 2 Ferritstäben mit je 2 Spulen rechts und links. Bei Mittelwelle sind die beiden Stäbe parallelgeschaltet und bei Langewelle in Reihe geschaltet. Der Mittelwellenempfang ist damit extrem gut. Am Abend sind Sender mit vollem Ausschlag der EM34 zu empfangen. Die Qualität der Sender ist ebenfalls hervorragend und angenehm beim Zuhören.

 

Beim UKW Empfang stellten sich leichte Verzerrungen heraus. Nach dem Abgleich des Diskriminatorfilters war alles im Lot.

Das Gehäuse hat „Plastik-Franz“ aus dem SABA-Forum für mich gemacht.

Die beiden gebrochenen seitlichen Abdeckungen an der Skala wurden neu furniert und somit stabilisiert.

Mein Dank geht an Franz Josef für diese tolle Arbeit.

 

Das Gerät besitzt 2 unterschiedliche Lautsprecher, einmal 700 Ohm und dann noch 5 Ohm. An die rückseitigen Buchsen kann ein zusätzlicher 4-8 Ohm angeschlossen werden.

Philps hat deshalb einen eigenen separaten Ausgangstransformator (S61-S62) eingebaut. Wenn ein Lautsprecherstecker rückseitig eingesteckt ist, verbindet der Steckerschalter die Unterseite des S61 (Primärseite) mit Masse. S61 liegt jetzt parallel zum 700 Ohm Bass-Lautsprecher. S62 (Sekundärseite) ist in Reihe mit S59 (Sekundär-Hochton-Übertrager) geschaltet. Der gesamte Frequenzbereich wird daher an den zusätzlichen externen Lautsprecher (4-8 Ohm) geliefert.

 

Grüße vom Westerwald,

Klaus Menningen

Georg Beckmann
Georg Beckmann
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23.Apr.21 10:45

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Hallo Herr Menningen,

Gratulation zu dem tollen Bericht !
Das ist schon einbesonders Gerät.

Was mich wundert, ist die Idee, die hinter den beiden Endstufen steckt.

- Einmal die für Philips bekannte eisenlsose Endstufe und dann zusätzlich

- die Endstufe mit der EL 84.

Da der Aufwand insgesamt sehr hoch ist,muss es dafür einen triftigen Grund gegeben haben.

 

Gruß

 

Georg Beckmann

Achim Dassow
 
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25.Apr.21 16:23

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Hallo Herr Beckmann,

die hohe Impedanz des Basslautsprechers konnte m.E. zusammen mit der Ausgangsimpedanz der PL81-Endstufe Eigenresonanzen des Basslautsprechers relativ gut bedämpfen.
Das dürfte zusammen mit der relativ niedrigen unteren Grenzfrequenz der PL81-Endstufe (30Hz -3dB) für einen relativ knackigen Bass mit gutem Wirkungsgrad gesorgt haben.
Wegen der vergleichsweise hohen Induktivität im Basslautsprecher war dieser für Hochtöne dann nicht mehr gut geeignet.
Deswegen wurde die Übernahmefrequenz zwischen Tiefton- und Hochtonteil (anhand der verwendeten Bauteile erkennbar) auf nur ca. 1kHz gelegt.
Ein weiterer Grund für dieses Konzept dürfte sein, dass die PL81 Endstufe bei gutem Wirkungsgrad mit einer relativ geringen Anodenspannung betrieben werden konnte. Ausserdem hat man sich damit einen voluminösen Ausgangsübertrager für tiefe Frequenzen einsparen können, also auch noch ein ökonomischer Grund.
Das Gerät dürfte also einen Bass-starken "guten Sound" auch noch mit mehr als Zimmerlautstärke gebracht haben.

Gruss
Achim Dassow

This article was edited 25.Apr.21 16:28 by Achim Dassow .

  
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