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schneidero: Restauration Schneider-Opel Teledyn

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Rüdiger Walz
Rüdiger Walz
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27.Jan.17 20:22
 
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Teledyn aus der Asche

Nun ja, verbrannt war er glücklicherweise nicht, aber es war nicht viel von dem äußerst seltenen Super aus den 20 Jahren von Schneider-Opel „Teledyn“ übrig.

Von einem Sammlerkollegen bekam ich ein gut erhaltenes Gehäuse und originale Bauteile und Repliken angeboten. Er hatte das Gerät doppelt, wollte den Zweiten eigentlich mal komplettieren, aber scheute dann doch den Aufwand.

Da deutsche Superhets aus den 20er Jahren äußerst selten sind, und das Angebot wirklich ein Freundschaftspreis war, griff ich zu.

Bilder 1 bis 3 zeigen den Zustand. Ein früherer Vorbesitzer wollte das Gehäuse mit der Herstellnummer 103 wohl zu anderen „Projekten“ verwenden und hatte im Holzgehäuse und leider auch in der Frontplatte zusätzliche Löcher angebracht.

Mein Sammlerfreund lieferte einen Drehkondensator, eine hervorragende Replik des zweiten Drehkondensators (ein wirkliches Kunstwerk, nicht vom Original zu unterscheiden) Heizregler, Knöpfe, Schalter, Buchsen, Replik der Röhrenplatten, zwei Glimmerkondensator, die Trägerplatte eines dritten Kondensators, Langwellenspulen, eine Mittelwellenspule und besonders wichtig: den Zf-Spulensatz „Tropaformer“, der in dieses Gerät gehört und laut Katalogen von Ehrenfeld hergestellt wurde. Außerdem konnte ich mir das Originalgerät Nr. 115 als Vorlage ausleihen.

- Das Ziel

Das Originalgerät ist ein Superhet mit selbstschwingender Eingangsstufe. Das Signal kommt über einen Vorkreis und wird mit 500 cm (ca. 550 pF, Umrechnung siehe hier )  an den Oszillatorkreis angekoppelt. Die erste Röhre wirkt als Oszillator und Mischer. Es folgen 3 ZF-Kreise in einem separaten Gehäuse und dann eine Röhre in Audionschaltung. Das demodulierte Signal wird in einem zweistufigen Nf Verstärker verstärkt. Im Nf Verstärker kann eine Röhre optional abgeschaltet werden.

Als Stromversorgung dient eine Batterie mit 100V Anodenspannung für die Endstufe und 50 V für die anderen Stufen. Am Eingang befindet sich zusätzlich eine Klinken-Schaltbuche für den Anschluß einer Rahmenantenne. Oszillatorröhre, 3 Zf-Röhren, Audion und Nf-Verstärker haben separate Heizregler. Zudem wird die Rückkopplung und gleichzeitig die Verstärkung der Zf-Röhren über ein Potentiometer 450 Ohm eingestellt. Die drei Zf-Röhren sollen daher nach Kennlinie ausgesucht werden. Anweisung dazu siehe Gebrauchsanweisung. Das Gerät ist der „low-loss“ Philosophie jener Jahre entsprechend mit versilbertem Vierkantdraht verdrahtet. (siehe Schaltplan)

Vom SO TE „Teledyn“ mit 7 Röhren sind mindestens zwei Versionen bekannt. Eine Version hat die Anschlüsse seitlich. Zu dieser Version gibt es einen Schalt-Aufbauplan (siehe im RM.org dort). Die andere Version hat wie hier gezeigt die Anschlüsse vorne. Die Schaltung ist identisch bis auf einen fehlenden Antennenkondensator im Eingang. Beide Geräte wurden wohl auch als Bausatz geliefert. Die Version mit den seitlichen Anschlüssen scheint später auf den Markt gekommen zu sein, ihre Röhrenbestückung in der Gebrauchsanweisung ist bereits RE 144, RE 064 und RE 154, wohingegen bei der Version mit den Buchsen vorne noch RE89, RE 79 und RE 209 in der Gebrauchsanweisung angegeben werden.

Das hier vorgestellte Gerät hat ein Typenschild mit der Nummer 103, das original erhaltene Vergleichsgerät die Nummer 115 und ist absolut unberührt. Jedoch scheint das Gerät an der Grenze zwischen RE xx und RE 0xx Röhren hergestellt worden zu sein, da in der Gebrauchsanweisung die Bestückung händisch auf RE064, RE114 und RE 154 geändert wurde, jedoch anders als im Nachfolgegerät. Es ist leider nicht feststellbar, ob diese Angaben schon in der Fabrik hinzugefügt wurden. Auch lässt sich schwer beurteilen, ob es sich um einen Irrtum handelt. Siehe auch Kommentar von Konrad Birkner†. Es scheint sich zwar um die gleiche Tinte und Feder zu handeln, die bei den Angaben zu den Tropaformer Einstellungen verwendet wurde, daher ist eine Korrektur bereits bei der Herstellung denkbar, aber nicht belegtbar.

Das Ziel war es das ausgeschlachtete Gerät so originalgetreu wie möglich wieder funktionsfähig aufzubauen.

 Erstes Problem war der Vierkantdraht 1 x 1 mm, der heute nur schwer zu bekommen ist. Zwar gibt es  im Elektronik- und Modellbauhandel 1 x 1 mm Messingprofile, die man zur Not hätte nehmen können, aber besser ist natürlich versilberter Kupferdraht. In meinem Fundus hatte ich reichlich 1 x 2 mm und 2 x 2 mm Draht aber nur wenig 1 x 1 mm Draht. Ein freundlicher Sammlerkollege half mir mit einem Bündel 14 cm langer 1 x 1 mm Drahtstücke, die aus unbekannten Gründen mal früher zugeschnitten worden waren. Damit konnte ich einen Großteil der Verbindungen herstellen.

Die Einzelteile

  • Der Tropaformer

Der sogenannte Tropaformer enthält vier abstimmbare Zf-Kreise. Es gab ihn auch separat für Bastelzwecke zu kaufen, sogar als Einzelkreis für das Nachfolgegrät, und er wurde im Katalog der Fa. Ehrenfeld, Frankfurt/M angeboten.

Er war zum Glück bei dem Gerät dabei, da er sehr selten ist. Ich habe ihn aus Neugier und zur Reparatur geöffnet. Eine Lötstelle hatte sich gelöst, was ich zum Glück bemerkte, ansonsten hätte ich später lange nach dem Fehler suchen können.

Das Gehäuse ist aus Pappe, die Drehkondensatoren relativ einfach mit Pertinaxisolation. Mich interessierte der Frequenzbereich, daher untersuchte ich den Tropaformer mit einem Frequenzanalysator. Um die Kreise möglichst wenig zu beeinflussen verwendete ich noch einen Messverstärker von Philips. Das Bild zeigt die Durchlasskurve eines einzelnen Kreises, die recht gut aussieht. Alle Kreise zeigten den gleichen Frequenzbereich 40 kHz – 60 kHz und das bei synchroner Einstellung der Regelknöpfe. Ein gutes Ergebnis nach 90 Jahren!

  • Die Kondensatoren

Das Gerät enthält fünf Glimmerkondensatoren im pF-Bereich und einen Wickelkondensator 0,5 µF zur Abblockung der Anodenbatterie. Anodenbatterien können vor allem, wenn ihre Lebensdauer dem Ende zugeht Hf-Störungen erzeugen. Ein Kondensator parallel zur Batterie verhindert das. Hier wurde ein typischer Kondensator aus der Telefontechnik verwendet, er ist rechts an der Seitenwand festgeschraubt. (siehe Innenaufnahmen unten) Ein passender zeitgemäßer Kondensator war in meinem Fundus, allerdings mit Isolationsfehler. Er wurde innen mit einem modernen Kondensator erneuert.

Die Glimmerkondensatoren sind eine spezielle Schneider-Opel (SO) Bauform. Der Vorbesitzer hatte schon Jahre nach ihnen gesucht. Auch Anzeigen im RM.org halfen nicht. Ein Kondensator ist an der Frontplatte befestigt (2000 cm parallel zum Lautsprecher), er hatte im Gegensatz zum weiteren einzigen komplett erhaltenen originalem Exemplar keine eingeschlagenen Zahlen und war nicht vernickelt. Bei der Demontage entdeckte ich die Kapazitätsangabe auf der Rückseite des Abdeckplättchens und habe es bei der Gelegenheit gereinigt, vernickelt und umgedreht. Die Zinnfolienbeläge des erhaltenen 300 cm Kondensators waren leider von den Anschlüssen abgerissen. Von einem weiteren Kondensator war nur die Grundplatte vorhanden. Ein Kondensator ist Bestandteil der Oszillatorröhrenfassung (siehe unten) und einer musste komplett  nachgebaut werden. Natürlich waren alle Schrauben M 2,5 und Rundkopf, Maße, die kaum zu bekommen sind. Als Gipfel werden die Anschlüsse mit Rändelschrauben hergestellt, die man zwar noch bekommt, aber leider nicht mehr in schöner alter geschwungener Ausführung.

Es mussten Andruckplatten (23,5 x 25 mm) und Anschlussplättchen (6,3x 19 mm) aus 1 mm starkem Messingblech hergestellt werden. Hier half mir ein Sammlerkollege, da ich nicht über die entsprechenden Werkzeuge verfüge präzise solchen Plättchen zu schneiden. Diese Plättchen mussten gebohrt und mit Gewinden versehen werden. Außerdem enthalten die Anschlussplättchen noch einen ca. 1 mm starken Stift, der sie gegen Verdrehen sichert.

Zudem mussten sie vernickelt werden. Hier half Vernickelungslösung von Selva. Einfach Lösung in ein kleines Gefäß geben und die Plättchen mit einer an ein Netzteil ( 3 V ) angeschlossenen Metallpinzette in die Lösung halten. Die positive Gegenelektrode war ein Stück Nickelblech. Innerhalb weniger Minuten sind die Plättchen schön glanzvernickelt. Das Bild zeigt die Kondensatoren vor dem Vernickeln im Vergleich. Rundkopfschrauben M 2,5 hatte ich noch einige in meinem Fundus, leider allerdings keine Rändelschauben. Ich behalf mir mit Rändelschrauben von alten Widerständen aus den 20er Jahren, die aber M 3 Gewinde haben. Man sieht es natürlich nicht, aber wenn schon originalgetreu, dann richtig, oder?

Von den beiden original erhaltenen Kondensatoren war leider einer defekt. Für den komplett neu herzustellenden Kondensator habe ich auch den Hartgummiträger zuschneiden müssen. Mein Träger ist ca. 1mm stärker als das Original, was aber nicht auffällt. Die originalen Träger und Plättchen dienten als Bohrschablone. Die Kondensatorbeläge habe ich nicht aus Zinnfolie machen können, obwohl es in der Nähe in Eppstein die letzte Zinnfolienfabrik in Deutschland gibt. Zinnfolie ist nicht einfach zu handhaben und man kann leider nicht eben mal ein Muster aus der Fabrikation bekommen. Alufolie tut es aber auch. Den Glimmer bekam ich von einer Rolle Glimmerpapier, ich musste die Stücke mit Azeton vorsichtig vom Papier ablösen. (Ich habe noch eine ganze Rolle, falls jemand bedarf hat) Das Zuschneiden und Positionieren der Beläge und Isolationen war eine ziemliche „Fitzelarbeit“, vor allem, da sich Alufolie gerne aufrollt und sich nicht so schön anschmiegt wie Zinnfolie. Ich brauchte für 300 cm nur drei ineinandergreifende Stücke 9 x 20 mm mit original Glimmerzwischenlagen und für 2000 cm nur 4 Stk., da mein Glimmer offensichtlich dünner war als der des originalen Kondensators. Da die Kondensatoren aber keine hohen Spannungen (max. 100 V) ausgesetzt sind, spielt das keine Rolle.

Die Bildserie zeigt den Aufbau des Kondensators. Die ersten drei Bilder den originalen Kondensator mit Zinnfolie. Das letzte Bild zeigt den Zusammenbau der Replik. Schlagzahlen habe ich angebracht und sehen dem Original ähnlich. Beim Zusammenmontieren und Ausmessen zeigte sich, dass die Kondensatoren wenig überraschend druckempfindlich sind. Die Kapazität ändert sich je nach Anziehen der Schrauben etwas. Die letzte rot gefärbte Isolierscheibe aus Pappe wurde aus entsprechenden Karteikarten ausgeschnitten.

- Übertrager

Es standen ein originaler Übertrager mit Schraubanschlüssen zu Verfügung und eine Version mit Lötfahnen. Ich habe es dabei belassen, da ich nicht riskieren wollte, dass beim Umbau auf Schraubanschlüsse möglicherweise Anschlußdrähte abbrechen und der Übertrager unbrauchbar würde. Ich glaube, er passt sich trotzdem gut in das Allgemeinbild ein (siehe Innenaufnahme unten).

- Frontplatte und Gehäuse

Frontplatte und Gehäuse sind besonders wichtig, da sie das „Gesicht“ des Gerätes später in der Sammlung bestimmen. Einerseits sollten die Fehler beseitigt werden, andererseits sollte es aber nicht neu aussehen, immerhin ist es inzwischen 91 Jahre alt!

Das Holz ist schwarz gebeizt und mit Lack nur anpoliert. Durch die Jahre abgeblätterter Lack und durch Feuchtigkeit entstandene Ungleichmäßigkeiten ließen sich leicht entfernen. Der alte Lack wurde leicht mit 320 Schleifpapier angeschliffen und schwarze Beize aufgetragen. Nach dem Trocknen wurde Schellack mit dem Ballen aufgetragen und nicht nachpoliert. Dadurch bekommt das Gerät genau die Erscheinung, die es original hatte.

In der Hartgummi-Frontplatte waren mehrere Löcher zusätzlich angebracht worden. Zuerst war ich der irrigen Meinung überflüssigen Befestigungslöcher bei den Kondensatoren stammten ebenfalls von dem Bastler der Vorzeit, aber es stellte sich heraus, dass Schneider Opel standardmäßig 2 x 3 Löcher pro Kondensator angebracht hat. Es wurden zwei verschiedene Typen verbaut, die um 180 verdreht sind. (siehe Bild oben)

Unangenehmer war, dass einer der Vorbesitzer mittig ein großes Loch ca. 10 mm direkt neben dem Markennamen „Teledyn“ gebohrt hatte und dazu noch dilettantisch versucht hatte den eingravierten Namen wegzuschleifen. Die Frontplatte wurde komplett abgeräumt und nass mit Wasser und Petroleum mit Schleifpapier bearbeitet 340, 600, 900, 1200er Körnung. Die schlimmsten Kratzer verschwanden und die beiden Löcher wurden mit schwarz gefärbtem Epoxidharz zugegossen. Dazu nehme ich die Oberflächen Struktur mit in wenig Silikongießharz von einer intakten Stelle ab und benutze das Silikonstück zum Abdecken des Loches. Das Harz wird von hinten in das Loch gegossen, da sich andersherum Bläschen im Harz unangenehm bemerkbar machen könnten.

Der Teledyn Schriftzug war noch gut erkennbar, ich hätte ihn gerne nachgravieren lassen. Der örtliche Graveur für Schilder arbeitet aber mit einem Computer, der natürlich nicht den gleichen Schrifttyp zur Verfügung hat und die Buchstaben auch nicht an genau der gleichen Stelle platziert. Man müsste den Schriftzug freihändig gravieren, was der Mann nicht riskieren wollte. Ich habe die verbliebene Gravur so gut wie möglich eingefärbt, das Ergebnis ist für ein 90 Jahre altes Gerät adäquat.

Die Knöpfe unterscheiden sich vom Gerät Nr. 115, aber die Gravur der Eichstrichs auf der Frontplatte zeigt, dass diese größeren Knöpfe nicht beim Gerät 103 passen würden. Gerät 115 hat auch keinen „Teledyn“ Schriftzug auf der Frontplatte. Das Firmenschild ist aus Blech aufgenietet, bei Gerät 103 ist es in die Frontplatte eingeprägt.

-  Röhrenfassungen und Verdrahtung

Das Gerät hat 7 Röhren: 1 Oszillator, 3 Zf, 1 Audion und 2 Nf . Die Oszillatorröhre hat eine separate Fassung, auf der auch ein Kondensator integriert ist. Alle Fassungen mussten nachgebildet werden. Sie bestehen aus einem Hartgummistreifen, in den 3 mm Buchsen eingeschraubt sind. Der Vorgänger hatte beide Fassungen schon professionell hergestellt und Buchsen eingeschraubt. Ich habe sie lediglich gegen 28 gleiche ausgetauscht um das Gesamtbild zu verschönern.

Die Verdrahtung ist fast ausschließlich verschraubt. Im Falle der Röhrenfassung muss man den oben erwähnten Vierkantdraht entsprechend biegen und von unten an den Buchsen verschrauben. Ist die Fassung einmal montiert, kommt man ja nicht mehr heran. Also Kontakte sorgfältig reinigen und verschrauben.

Wie damals üblich ist der Vierkantdraht schön im rechten Winkel verlegt, von Hf-günstiger Verlegung hielt man wohl nicht viel. Da der Draht bei mir knapp war, wollte ich Fehlbiegungen vermeiden. Ohne Mustergerät wäre ich aufgeschmissen gewesen. Aber trotz Bindfaden zum Nachmessen passierte es hin und wieder, dass der Draht nicht passte. Die Verschraubungsaugen waren auch nicht immer rechtsherum gebogen, es ist manchmal schwierig bei der Montage von unten die Perspektive zu wechseln. Es war eine erstaunlich anstrengende Arbeit, da sie hohe Konzentration erforderte. Die Bilder zeigen die Verdrahtung vom Tropaformer zur Röhrenfassung und das nächste Bild zeigt die Röhrenfassung fertig verdrahtet zum Einbau.

 

Bei der Verdrahtung bemerkte ich auch etliche Unterschiede in der Platzierung der Bauteile. So ist die Röhrenfassung beim Gerät 115 einige cm weiter vom Tropaformer entfernt als im Gerät 103. In meinem Gerät 103 bemerkte ich bei der Bestückung mit RE 144, wie in der Gebrauchsanweisung korrigiert, dass die Röhren fast an die Drähte anstoßen. Mit der ursprünglich empfohlenen Bestückung RE89 wäre das nicht passiert, da die Röhrenkolben nicht Birnenförmig, sondern gerade sind. Hat man sich der geänderten Röhren-Dimensionen angepasst? Die Geräte machen auch nicht den Eindruck einer rationellen Serienfertigung, sondern scheinen eher einzeln per Hand gefertigt zu sein. Unterschiedliche Bauteilplatzierungen erlauben jedenfalls nicht das serienmäßige Vorbiegen der Drahtverbindungen für mehrere Geräte.

An der großen Röhrenfassung und der Oszillatorfassung sind noch die Halterungen für drei Steckwiderstände. 2 x 100 K und einmal 3 MOhm. Diese fehlten teilweise, aber ein Sammlerkollege halft hier aus.

Nach Fertigstellen der inneren Verdrahtung kann man die Frontplatte mit den teilweise verdrahteten Heizreglern, Schaltern und Drehkondensatoren einsetzen. Die Verbindung zur inneren Verdrahtung erfolgt teilweise durch Lötstellen oder durch Verschrauben. Hier muß man darauf achten die Drähte nicht zuviel hin und her zu biegen, sonst können sich Schrauben lösen. Das Ausmessen und Zurechtbiegen von Verbindungen bei eingebauter Frontplatte ist sehr unbequem, die Konstruktion des Gerätes ist nicht servicefreundlich. Ich gebe zu, zwei oder drei Lötstellen mehr eingebaut zu haben, um die Montage zu erleichtern. Das nächste Bild zeigt das Gerät ohne Röhren mit freiem Blick auf die Verdrahtung.

- Wellenbereichsspulen

Die Wellenbereiche KW, MW und LW werden durch zwei Steckspulen (Oszillator und Eingangsspule) links im Gerät bestimmt. Es standen Langwellenspule und die senkrecht stehende Mittelwellenspule zur Verfügung. Die Spulenkörper bestehen aus einem unbekannten Kunststoff, Außendurchmesser 80 mm, der Spulendraht ist textilisoliert.

Die Kontakte sind halbkreisförmig angeordnet, daher musste die Ersatzspule den gleichen Durchmesser haben. Ich hatte Papprollen im entsprechenden Durchmesser, wollte aber eine Spule aus Kunststoff herstellen. Im Baumarkt fand ich eine PVC Schiebmuffe mit genau dem richtigen Durchmesser, die ich schwarz lackierte. Da die Oberfläche der Originalspulen nicht glatt ist, lackierte ich per Hand und überstrich die Wicklungen anschließen mit Schellack, das ergab ein originales Aussehen. Leider ist mein textilisolierter Draht etwas zu dick oder hat eine rosa Färbung, sodass die Anordnung der Wicklungen nicht genau den Originalspulen entspricht. Die Einfärbung mit Batikfarbe glückte nicht ganz, da die Isolierung nicht aus Baumwolle besteht. Die MW-Spule links im Bild ist original.

Für die Anschlussstecker konnte ich die Stecker defekter Schneider-Opel Steckspulen verwenden. Die Nieten mussten nur aufgebohrt werden und an der Spule wieder erneuert werden.

- Inbetriebnahme

Leider fehlt ein Heizreglerknopf mit der weißen Celluloidskala und zwei Skalen sind durch Lichteinfluss verfärbt. Ich werde später versuchen sie nachzugießen. Die Gebrauchsanweisung und die Tropaformereinstellungen wurden vom Originalgerät gescannt und auf gelblichem Karton ausgedruckt.

Nach Einbau der Frontplatte erfolgte die erste Inbetriebnahme. Natürlich hatte ich noch zwei Verbindungen vergessen, das war schnell behoben. Schwieriger war die Röhrenbestückung. Die Gebrauchsanweisung verlangt für den Zf Verstärker drei Röhren mit möglichst ähnlicher Kennlinie, da über den Regler „K“, der alle drei Röhren beeinflusst die Verstärkung des Zf-Verstärkers geregelt wird.

Ich wählte für Zf-Verstärker und Audion RE 144, damit hatte ich bei einem Isaria Super gute Erfahrungen gemacht. Da ich für die Bestückung möglichst alte Versionen von Röhren verwenden wollte, und es nicht immer Telefunken sein muss, setzte ich als 1. Nf eine Valvo H406 und als Endröhre eine RE 154. Als beste Oszillatorröhre stellte sich später eine B 425 von Philips heraus, alles Versionen aus den 20er Jahren.

Am Anfang nur schreckliches Pfeifen und kein Sender. Zwei Verbindungen hatte ich wie gesagt übersehen, und es mussten in einigen Buchsen noch Wackelkontakte beseitigt werden und dann ertönte mit Rahmenantenne der erste Sender, natürlich abends, tagsüber ist die Mittelwelle leider tot.

Das Gerät ist knifflig in der Bedienung. Der Feintrieb an jedem Kondensator ist nicht von ungefähr montiert. Die Drehkondensatoren laufen gut parallel, aber man kann Sender auch mit 20 Teilstrichen Differenz einstellen. Ein Superhet ist eben auch zweideutig. Erstaunlich ist die Trennschärfe auch des ersten Kreises. Geringe Verstimmung macht das Gerät stumm. Gleichzeitig muss man die Verstärkung einstellen, die sich sonst in einem Rückkopplungspfeifen bemerkbar macht. Ggf. bei Übersteuerung muss noch die Heizung des Oszillators und / oder der Audionröhre gedrosselt werden. Es erfordert einiges Fingerspitzengefühl einen Sender einigermaßen unverzerrt zu empfangen.

Das Gerät kann bei guter Empfangslage auch nur mit seinen internen Spulen betrieben werden. Beim Einstöpseln der Rahmenantenne wird die interne Spule abgeschaltet (siehe Schaltung) und die Empfangsempfindlichkeit steigt signifikant. Auf Langwellen zeigt mein Gerät aus bisher unbekannten Gründen keine gute Leistung.

Im Vergleich zu einem Dreikreiser der gleichen Zeit (z.B. Tefag 1235) ist die Einstellung weniger knifflig, aber die Verzerrungen sind bei einem Geradeausempfänger geringer.

Das letzte Bild zeigt den auferstandenen Teledyn.

This article was edited 28.Jan.17 16:23 by Rüdiger Walz .

  
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