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Richtfunkstelle Holzhausen (Leipzig)

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Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » Richtfunkstelle Holzhausen (Leipzig)
           
Wolfgang Lill
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29.Apr.17 15:17

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Herr Römer aus Radeberg schreibt von einem seiner kompliziertesten Arbeiten am

 TF-Standort Holzhausen (Leipzig) .

Dieser Standort hat uns lange Zeit in Atem gehalten. Beginnend mit dem - -. Eine 4GHz-Strecke für TF, Funkfeld Roitzsch - Holzhausen, nur für die Leipziger Frühjahrsmesse 1972 geplant. Obwohl wir x-mal dort waren und es mit allem Möglichen Probleme gab, haben wir natürlich, wie so üblich damals, kein einziges Foto machen können. Und wie ich erst vor kurzem von den alten Postlern vom Collmberg erfahren habe, wäre uns das damals auch schlecht bekommen. Denn in einer Baracke a.d. Gelände war auch eine Abhörbrigade der Stasi untergebracht. …

Die Strecke war sehr lange mit RVG 960 in Betrieb, dort haben wir auch den ersten Flexwell-Hohlleiter von Firma Hackethal, BRD, montiert und in Betrieb genommen. Den allerersten Flexwell habe ich so ~ 1970 in Erfurt bei der DP gesehen. Wir mußten dorthin, weil keiner der bewährten Genossen der DP eine Gesprächserlaubnis mit den Spezis vom Weschede, BRD, bekam, denn für die 2 Trommeln mit Flexwell mußten uns die Wessis die Anpassung vormessen. Der blanke Neid auf unseren Gesichtern ob der aufgefahrenen Meßtechnik! Und tatsächlich kamen keine nachträglichen Querschüsse zustande, als uns die Herren von Hackethal noch zum Abendessen überredeten. Na gut, später haben wir diese Flexwell-HL a.d. Turm Berlin wieder gesehen. Der FFAB hat sie dort um tausend Ecken in der Kugel bis zu den Antennen vergewohltätigt. Das Ergebnis waren dann unbrauchbare Streckenmessungen und der Rückbau auf die bisherigen starren HL von Radeberg. Da war dann alles wieder in Butter!

Holzhausen: haben Sie da was? Ich habe den Mastkopf (siehe Bild ) Holzhausen nachempfunden. Der Mast war schon eine Rarität!

Er sollte ja nur ein Provisorium sein, die Mastschüsse von irgendeiner mobilen Technik entliehen, zu einem 72m hohen Gebilde zusammen geschraubt. Abgespannt mit Seilen, die man - in der DDR war ja wirklich alles Mangelware - a.d. Baustelle aus einzelnen Drähten in langen Holzkästen ausgelegt, dann gebündelt und als etliche Stücke je Abspannung verwendete. Und der Mast hatte keinen Rückenschutz, nur eine Schiene an der Seite, an der man alle 2m den Gurt aus- und darüber wieder einhängen mußte. Geklettert mußte auf der schrägen Vergitterung werden! Als wir das erste Mal wieder vom Mast nach unten kamen nahm uns der Investbauleiter erleichtert in Empfang. Seine Worte: ich bin ja so froh, daß alles gut gegangen ist, denn beim Aufbau ist uns der Mast schon einmal umgestürzt! Und wir mußten noch so oft dort hoch! Ja wir waren schon ganz schön lustig. 

Noch etwas zur RVG 960 aus Radeberg:

Farbfernsehtüchtiges Breitbandgerät RVG 960 für das Richtfunknetz der Deutschen Post. 

Frequenzbereich: 3,6 GHz
Modulationsverfahren: Frequenzmodulation
Übertragungskapazität: 1020 Fernsprechkanäle oder
1 Fernsehsignal (Bild- und Tonkanal)
   
   

Es war nun eine Dauerlösung geworden, die Anlage arbeitete vermutlich bis Ende 1991.

PS: ich suche noch Zeitzeugen und Fotos ( wer hat es doch gewagt mal ein Foto zu machen ? ) von dieser Anlage 

This article was edited 08.May.17 14:03 by Wolfgang Lill .

Wolfgang Lill
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02.Jun.19 12:04

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Herr "Ungenannt" hat mir folgende Informationen zukommen lassen: 

Bis mind. 1985 stand dort ein 74 m Mast. Ich bezweifle allerdings die MfS Geschichte.

Da gab es vermutlich nichts abzuhören. Das wurde in der Regel in der Nähe oder in der KVSt. gemacht.
Allerdings befindet sich auf dem Gelände die Schalt- und Betriebszentrale der NVA.

Es wäre denkbar, dass eine Rifu Strecke vom A-Turm Machern hier her ging um den Überstieg in das Drahtgebunde S1 Netz zu schaffen.

Auf einer Karte der DP ist der Standort als Richtfunkübertragungsstelle "Leipzig 3" bezeichnet und Konten für 3 Hauptkabel der DP.

Um die Tubenkabel anzuzapfen und abzuhören müssten erst alle TF  Leitungen demoduliert werden. Das haben die nur dort gemacht wo die Signale eh schon demoduliert waren.

Ergänzend dazu nochfolgende Info von dem Herren, der ungenannt bleiben will:

Auf dem Standort befand sich die Funkaufklärung ( MfS )  dort war hauptsächlich illegalen Funksignalen nachzugehen.

Die Funkdirektion der Deutschen Post , sie hatte die zivilen Aufgaben zu erfüllen.

und die NVA ( Nationale Volksarmee ) hatte hier einen Standort.

 

Wolfgang Lill
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02.Aug.19 18:02

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Der TF- Standort Holzhausen  ( inzwischen seit  1999 in die Stadt Leipzig eingemeindet ) extistierte mit seinem 72m  hohem Provisoriumsmast vermutlich bis Ende 1991. 

Der neue Fernmeldeturm in Stahlbetonbauweise wurde von der Fa. Züblin im Jahre 1995 gebaut und übergeben. Er ist  in unmittelbarer Nähe des Mastes aus DDR- Zeiten errichtet.

Der Standort Kärrnerstraße 66 in 04288 Leipzig- Holzhausen wird von der Telekom Deutschland GmbH genutzt.

Foto Gerold Weber , 2016- Vielen Dank !  Das flache Gebäude links ist das vom DWD , rechts im Bild der Gebäudekomplex der Dt Telekom, Fernmeldeturm der Deutschen Funkturm GmbH

Eine Aufgabe des Fernmeldeturmes war damals neben dem Richtfunk die Ausstrahlung von zwei analogen Fernsehprogrammen im UHF- Bereich 

- Leipzig Fernsehen auf Kanal 60 mit ERP 1 KW 

und Kabel1  auf Kanal 40, ebenfalls mit ERP 1 KW.

Fernsehen wird heute nicht mehr von diesem Standort gesendet, die neu errichtete Anlage im Messegrund versorgt im DVBT-2- Format Leipzig und Umgebung mit dem  terristischen Fernsehen.

Unmittelbar vor dem Sendeturm befand sich eine Breitbandkommunikationsanlage ( BKA). Diese bestand aus bis zu 3,00 m großen SAT- Spiegeln. Von diesen Stationen wurde in die örtlichen Fernsehanlagen eingespeist.

Ich hatte schon die Hoffnung, endlich ein Stück von der alten Richtfunkstelle gefunden zu haben, aber Fehlanzeige, das ist ein Überrest von einer SAT- Spiegelhalterung.

Heute wird alles über LWL- Kabel realisiert.

Von den Baracken der Deutschen Post ist schon lange nichts mehr zu sehen, die Telekom hat modernste Gebäude auf dem Gelände errichtet,

Der Ortsteil Holzhausen hat bereits schnelles Internet der Telekom mit 40 MBit/s. 

Über den Fernmeldeturm werden gegenwärtig ( Stand August 2019) vier UKW- Sender abgestrahlt:

  91,3 MHz     Radio Leipzig           ERP 4 KW

  97,6 MHz     RSA                         ERP 4 KW

  99,8 MHz     Energy Sachsen      ERP 4 KW

100,4 MHz     DLF Kultur               ERP 2 KW

Allzu viele Spiegel sieht man allerdings gegenwärtig nicht, Richtfunk ist jedoch ebenfalls noch in der Nutzung.

Dazu noch zwei ältere Fotos vom ehemaligen Leiter der Wetterstation Herrn Gerold Weber zur Verfügung gestellt  vielen Dank !)

Die Bedeutung dürfte steigen mit dem Ausbau des G5- Netzes, da sich der Standort ja in Autobahnnähe befindet.

Unmittelbar daneben befindet sich das Dienstgebäude, die Außenstelle Leipzig, des Deutschen Wetterdienstes, gut renoviert und gepflegt. 

 foto: © Deutscher Wetterdienst (DWD)

Es ist ein Gebäude, was in der DDR errichtet wurde. Dort war eine Nebenstelle                                  ( Kommunikationsstelle) der Warschauer Vertragsstaaten. Leider gibt es keine alten Fotos mehr aus dieser Zeit. Das hätte sicher unsere  Leser interessiert,

 

 

 

This article was edited 09.Aug.19 05:41 by Wolfgang Lill .

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10.Aug.19 16:47

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Jetzt wird es wirklich interessant mit dem Standort Holzhausen zu DDR-Zeiten,Hier schreibt mir Karl-Heinz Römer folgendes:

Es schon interessant, noch so langen Jahren wieder mal was von anderen Leuten von dieser Station zu hören.

Was nun der Herr Unbekannt verlauten läßt - eigene Meinungen darf natürlich jeder haben - daß auf diesem Gelände auch die Stasi stationiert war, stammt bei weitem nicht von mir, sondern von einem bei der DP beschäftigten Service-Mann von der Wartungsstelle Collmberg. Und wenn die das nicht gewußt haben … Und die "Feststellung", daß .. " die Tubenkabel hätten angezapft werden müssen" …, Holzhausen war ein TF-Amt, also lagen dort alle Teilnehmer-Kabel blank an den Hebdrehwählern auf, also freier Zugriff auf alle Gespräche. Die Vermutung, daß es dort einen RiFu-Zustieg aus Ri. Machern gegeben hat ist sehr fragwürdig, denn am Mast oder im Gelände waren keine weiteren Ri.-Fu.-Antennen zu sehen! Ist eben ein Jammer, daß sich damals keiner traute mal ein Bildchen von diesem Mast zu machen. Aber, wenn ich mich noch richtig erinnere, ein Herr Hofmann soll der alte und auch neue Hausmeister vom Gelände gewesen sein. Vielleicht haben Sie einen besseren Draht zu diesen Leuten. Mir war es bei einer Vorbeifahrt 2011 nicht gelungen auf die Schnelle an einen Mitarbeiter heran zu kommen. Von 2011 auch das beiliegende Bildchen.

Lassen Sie es sich weiterhin gutgehen, und: für neue Nachrichten bin ich immer erreichbar!

Mit freundlichen Grüßen von

Karl-Heinz Römer

und hier noch das Foto von Herrn Römer aus dem Jahre 2011:

  
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