radiomuseum.org

 
Please click your language flag. Bitte Sprachflagge klicken.

saba: 14 Stereo; Freiburg Vollautomatic - Oberflächenreparatur

Moderators:
Martin Renz Ernst Erb Vincent de Franco Martin Bösch Mark Hippenstiel Bernhard Nagel Eilert Menke 
 
Please click the blue info button to read more about this page.
Forum » Radios and other type of sets (Physics) etc. » RADIO MODELS DISPLAYED » saba: 14 Stereo; Freiburg Vollautomatic - Oberflächenreparatur
           
André Kleeberg
André Kleeberg
 
D  Articles: 78
Schem.: 219
Pict.: 148
28.May.15 23:11

Count of Thanks: 12
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1

Hallo liebe Radiofreunde und Sammlerkollegen,

mein jüngster Erwerb ist neben dem Vorhandensein technischer Probleme auch äußerlich nicht mehr so ganz in Form. Die folgenden Bilder sollen das Hauptproblem aufzeigen. Jedoch kann man hier nur erahnen, wie dies in Realität aussieht.

Besonders auf der Gehäuseoberseite sind (evtl. durch starke Temperaturschwankungen?) Risse im Lack zu erkennen, welche "aufgestiegen" sind. So etwas ist mir in dieser Form bisher noch nicht untergekommen.

Nun meine Fragen an die Fachleute:

1. Lässt sich so etwas durch Schleifen und Auffüllen mit geeigneten Substanzen wieder richten?

2. Wenn dies nicht möglich ist, mit welchem Abbeizmittel könnte man diesen doch extrem beständigen Lack vom Gehäuse entfernen?

Nach dessen Entfernung würde ich eine Entscheidung treffen, ob es wirklich wieder Hochglanzlack sein muss, da mir hier einfach die technischen Voraussetzungen sowie das Know How fehlen und eine Schellackpolitur - wie schon mehrfach durchgeführt - für dieses Modell definitiv unpassend ist.

Auch für anders geartete Tipps, die ich möglicherweise noch gar nicht in Erwägung gezogen habe, wäre ich sehr dankbar.

Freundliche Grüße

A. Kleeberg
 

Bernhard Nagel
Bernhard Nagel
Officer
D  Articles: 1296
Schem.: 1888
Pict.: 4967
01.Jun.15 12:02

Count of Thanks: 11
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2

Martin Renz verfasste im März 2006 eine exzellente Reparaturanleitung zum Thema Polyesterlacke. Am Beispiel eines Saba Freiburg 100 (die Oberfläche Ihres Freiburg 14 dürfte identisch aufgebaut sein) wird mit guten Bildern das Vorgehen beschrieben.

André Kleeberg
André Kleeberg
 
D  Articles: 78
Schem.: 219
Pict.: 148
01.Jun.15 15:53

Count of Thanks: 7
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3

Hallo Herr Nagel,

vielen Dank für Ihre Antwort. Den von Ihnen genannten Artikel kenne ich sehr gut. Daher weiß ich auch, dass es dort mehr um das Ausbessern von Stoßstellen und kleinen Furnierschäden geht.

Im Falle meines Gerätes kämpfe ich eher gegen Risse, welche sich schon leicht nach oben gewölbt haben. Ich werde mich aber wahrscheinlich für das Abschleifen des Gehäusedeckels entscheiden, auch wenn davon die Risse nicht verschwinden. Aber wenigstens habe ich danach wieder eine polierte Ebene.

Nach Abschluss dieser Arbeiten werde ich das Ergebnis niemanden vorenthalten und in diesem Thread vorstellen.

Beste Grüße!

A. Kleeberg

Martin Renz
Martin Renz
Officer
D  Articles: 694
Schem.: 261
Pict.: 341
01.Jun.15 22:49

Count of Thanks: 10
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4

Hallo Herr Kleeberg,

da sich in ihrem Fall der Polyesterlack wohl vom Untergrund gelöst hat, dürfte eine Reparatur sehr schwierig werden. Sie werden den Zustand kaum stabilisieren können, ein Schleifen und Polieren des vorhandenen Lackes wird die Risse nicht zum Verschwinden bringen, allenfalls deren Sichtbarkeit etwas vermindern.

Wenn Sie den Lack entfernen wollen, geht das bei Polyester am besten mit einem (alten) Bügeleisen. Der Lack löst sich dann vollständig vom Untergrund. Es bedarf allerdings etwas Gefühl, will man das darunter liegende Furnier nicht verbrennen. Dies kann vor allem bei  Ahorn leicht passieren, wie es von Saba an Teilen der Gehäuse bisweilen verwendet wurde. (die hellen Gehäuse sind vollständig mit Ahorn furniert)

Abschleifen des Lackes wird ziemlich sicher dazu führen, dass Teile des max. 0,6mm starken Furnieres vollständig durchgeschliffen werden und damit verloren sind. Der Lack ist sehr viel widerstandsfähiger als das Furnier, sobald man an einer Stelle den Lack vollständig weggeschliffen hat, wird beim Versuch, die umliegenden Partien ebenfalls abzuschleifen, das daneben liegende Furnier sehr schnell abgeschliffen.

Polyesterlack wird heute noch angeboten, ein kompletter Satz der notwendigen Komponenten kommt jedoch auf ungefähr 150 EUR und hat eine Haltbarkeit von max. 3-6 Monaten. Die Verarbeitung einschließlich Schleifen und Polieren ist kompliziert und aufwendig.

Es gibt auch gute Hochglanzlacke, die sich nach einer gewissen Wartezeit auch noch polieren lassen. Sie erreichen aber nicht die gleiche Brillianz und Schichtdicke, die Polyester bietet. Auch deren Verarbeitung bedarf einiger Erfahrung im Lackieren mit einer Spritzpistole.

Ohne Politur lässt sich kein schlierenfreier Hochglanz erzeugen. Will man darauf nicht verzichten, ist Schellack der wahrscheinlich einfachste Weg, zu einem guten Ergebniss zu kommen. Mit der originalen Beschichtung hat er natürlich nicht viel gemein, insbesondere ist die Haltbarkeit sehr viel geringer. Dafür ist die Beschichtung reversibel und lässt sich leicht ausbessern/aufpolieren.

Alternativ ist eine mehr oder weniger glänzende Beschichtung mit Lack, die jedoch niemals die Qualität des Originals haben wird. Vielleicht ist es daher besser, den originalen Lack zu belassen und die Risse als Zeichen des Alterns und der Geschichte des Gerätes hinzunehmen. Einen besseren Rat habe ich leider nicht.

Ich bin gespannt, wie Sie sich entscheiden.

 

This article was edited 01.Jun.15 22:50 by Martin Renz .

Hans-Werner Ellerbrock
 
Editor
D  Articles: 474
Schem.: 16
Pict.: 7734
09.Jun.15 10:25

Count of Thanks: 9
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5

Guten Tag Herr Kleenberg!

Meine Erfahrungen in Sachen Lack-Reparatur decken sich mit denen von Herrn Renz. Die Nitro-Lacke der 50er- bis 70er-Jahre sind sehr hart in der Konsistenz. Ein Abschleifen birgt die Gefahr, dass das Furnier beschädigt wird. Abbeizen oder Abziehen sehr mühselig.

Da ja wie in Ihrem Fall scheinbar nur die Oberseite geschädigt ist, würde ich bei Aufstellung in der Wohnung ein Deckchen, Bilderrahmen oder andere Wohn-Deko draufstellen. So kann meist auch der Flair der Epoche hergestellt werden, und man ärgert sich nicht mehr so arg über den Schaden.

Gruß von

Hans-W.Ellerbrock

André Kleeberg
André Kleeberg
 
D  Articles: 78
Schem.: 219
Pict.: 148
21.Jul.15 20:16

Count of Thanks: 10
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   6

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich für die Tipps bedanken!

Inzwischen habe ich am Gehäuse weitergearbeitet:

Die Oberseite wurde mit 180-er Nassschleifpapier und einem Schwingschleifer unter Beigabe von Wasser bearbeitet. Meine Intension war, dass ich die überstehenden Lackschichten entlang der Risse plan bekomme. Hier habe ich mich aber gründlich getäuscht. Offensichtlich ist die Feuchtigkeit beim Nassschleifen in die Risse eingedrungen und hat jeweils unmittelbar links und rechts neben den Rissen den Lack wieder aufgeworfen.

Nun scheint es mir so, als wäre nun auch das Furnier teilweise mit aufgeplatzt - das würde ich aber einen Experten beurteilen lassen wollen.

Momentan traue ich mich erst einmal nicht weiter zu machen. Meine Befürchtung geht in die Richtung, dass bei erneutem Nassschleifen auch noch andere Risse, welche momentan noch nicht so "aufgeplatzt" sind, dies dann auch noch tun könnten. 

Würde ein Benetzen der aufgeplatzten Risse mit 2K Reparaturleim wie unten abgebildet nach einem dunklen Einfärben die Sache stabilisieren, so dass ich dann weiterschleifen kann?

Oder eignet sich hier ein Bügeleisen eher, um die "Wülste" wieder nach unten zu befördern? Noch möchte ich das Gehäuse nicht aufgeben, obwohl ich mich als Nicht-Schreiner hier schon gewaltig aus dem Fenster gelehnt habe.

Über eine objektive Einschätzung der Lage durch einen Fachmann wie Herr Renz würde ich mich sehr freuen.

Martin Renz
Martin Renz
Officer
D  Articles: 694
Schem.: 261
Pict.: 341
22.Jul.15 07:58

Count of Thanks: 11
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   7

Guten Tag Herr Kleeberg,

in dieser Situation weiter am vorhandenen Lack zu reparieren, dürfte sehr schwierig werden. Wie sie richtig vermuten, hat das Wasser das Furnier an den Rissen zum Quellen gebracht und womöglich teilweise von der Trägerplatte gelöst. Mit einem Bügeleisen können Sie dies nicht reparieren, da es sich bei den sehr wahrscheinlich verwendeten Kauritleimen um Reaktionsleime handelt, die sich werder durch Wasser noch durch Hitze wieder lösen lassen. Bei Hitzeeinwirkung wird sich, wie weiter oben schon beschrieben, der (Polyester-)Lack vom Furnier lösen. Bevor Sie dies versuchen, sind aber Versuche an einer weniger exponierten Stelle ratsam.

Das Schleifen mit Wasser als Kühl- und Trennmittel ist bei Polyesterlack zwar prinzipiell richtig, wenn der Lack rissig ist, führt das aber zu den von Ihnen beschriebenen Problemen. Durch das Quellen wurde das Furnier und der Untergrund! angehoben und ist nun an den Rissen zum Teil durchgeschliffen. Hier muss der Untergrund um Furnierstärke ausgehoben werden und ein entsprechender Furnierstreifen neu eingesetzt werden, ansonsten bleibt immer eine gut sichtbare Fehlstelle zurück. Weniger aufwändig wäre aber wahrscheinlich die vollständige Entfernung des Lackes und nach dem Planschleifen des Furnieres eine neue Furnierschicht mit anschleißendem Neuaufbau des Lackes.

Epoxydharz als Reparaturmittel sehe ich kritisch. Epoxy und Polyester sind ganz unterschiedliche Materialien und haben unterschiedliche optische Eigenschaften. An die Transparenz von Polyester kommt Epoxydharz nicht heran, auch wenn "glasklar" auf der Verpackung steht. Eine unsichtbare Reparatur kann damit nicht gelingen.

Es fällt mir schwer, Ihnen einen guten Rat zu geben, wie Sie weiter verfahren können. Ich selbst würde nun wahrscheinlich die Oberseite neu furnieren und eine Hochglanzpolitur mit Schellack durchführen. Eine Polyesterlackierung ist schon von den notwenigen Materialien unverhältnissmäßig teuer. Dazu gehört aber eine solide Schreinerausrüstung, schon die notwendige Anzahl solider Schraubzwingen fürs Furnieren dürfte die meisten Laien in Verlegenheit bringen. Die Seiten könnten vielleicht im originalen Polyesterlack verbleiben und müssten nur etwas aufploliert werden. Ein Weiterbasteln an der beschädigten Oberfläche dürfte auch bei viel Aufwand kein befriedigendes Ergebnis bringen und ist der Mühe nicht wirklich wert.

herzliche Grüße
Martin Renz

  
rmXorg