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saba: 311W; Reparaturtipps

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Ralf Kläs
Ralf Kläs
 
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02.Nov.04 20:48

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Hallo

Bei der Restauration des 311W/WL sind folgende Probleme aufgetreten, welche auch sicherlich bei anderen Sammlern vorkommen könnnen. Hier einige Tipps:

Nach Demontage des Chassis und Anschluss an Netzspannung war wie bei fast allen Radios aus dieser Zeit ein zu hoher Stromfluss zu messen. Hier weisen in aller Regel die beiden Entstörkondensatoren an der RGN1054 einen mehr oder weniger großen Leckstrom auf. Nach einiger Laufzeit werden die Kondensatoren auch so warm, dass die Teerfüllung ausläuft. Zum Test werden die beiden Kondensatoren einfach abgeklemmt und können später durch entsprechende neue Kondensatoren ersetzt werden. Für die weitere Untersuchung sind sie jedoch nicht zwingend erforderlich. Bei zu langem Betrieb mit den def. Kondensatoren kann der Netztrafo schaden nehmen. Also zwingend auf die aufgenommene Leistung des Gerätes achten.

Nach erfolgtem Wechsel der Kondensatoren war keinerlei Empfang möglich. Ein antasten des Gitters der RES164 brachte jedoch einen leichten Brummton aus dem Lautsprecher. NF- Stufe, Übertrager und Lautsprecher waren also OK.

Eine optische Kontrolle der Kondensatoren zeigte, dass diese aus Druckguß gefertigt wurden und mit den Jahren brüchig geworden sind. Dieses Material hat leider diese Eigenschaft. Als erstes baute ich den "Rückkopplungs-Drehko" aus. Er hatte einen satten Kurzschluss. Bei näherer Betrachtung viel auf, dass sich infolge der "gewachsenen" Gußteile die Plattenpakete berührten. Der Kondensator kann aber ohne Probleme zerlegt werden. Durch Einfügen einer dünnen Unterlegscheibe zwischen Gehäuse und Achse des Rotors konnte ich die Platten wieder mittig fixieren. Der Trimmer funtionierte wieder einwandfrei.

Als nächstes baute ich den Trimmer im Antenneneingang auseinander. Auch er hatte einen totalen Kurzschluss. Ich habe ihn komplett gereinigt (mit Schleifpapier abgeschliffen) und danach wieder zusammengebaut. Auch er funktionierte danach wieder einwandfrei.

Jetzt kam der Drehko an die Reihe auch er hatte in vielen Stellungen einen Kurzschluss. Hier konnte ich durch eine neue Justage des Rotors und der einzelnen Trimmplatten links und rechts der Pakete alle Kurzschlüsse beseitigen. Nur bei Vollanschlag (Platten eingedreht) war noch ein Kurzschluss messbar. Damit kann ich leben. Allerdings war im kompletten Bereich immer noch ein Übergangswiderstand von einigen 100k zu messen. Hier brachte die Reinigung der beiden Abgleichtrimmer auf dem Drehko den gewünschten Erfolg. Die Glimmerscheiben zwischen den Platten war so verschmutzt, dass hier ein Übergangswiderstand aufgetreten ist.

Jetzt waren alle Kurzschlüsse beseitigt und das Gerät konnte erneut ans Netz genommen werden. Er spielte auf Anhieb und ich konnte einige Sender empfangen. Allerdings war die NF-Qualität sehr bescheiden. Eine Spannungsmessung am Gitter der RES164 zeigte, dass wohl der Koppelkondensator (5nF) einen Feinschluss haben muss. Nach Austausch desgleichen funktionierte das Gerät tadellos. Mit einer Langdrahtantenne und Erde sind nun wieder viele Stationen aus ganz Europa zu empfangen.

Gruß Ralf
www.antik-radio.de

 
Wolfgang Eckardt
Wolfgang Eckardt
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02.Nov.04 22:25

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Ein alter Trick beim Reinigen alter Drehkos mit Luft-Dielektrikum besteht im Ausbrennen. ("Alte Hasen" mögen mir verzeihen für diesen "alten Hut"!) Damit kann man sogar leichte Plattenschlüsse - wie sie z.B. auch bei meinem 311W-Drehko auftraten - beseitigen.
Man benötigt dazu eine Gleichspannungsquelle 200-500 V und eine größere Glimmlampe (ideal ist eine alte Bienenkorb-Glimmlampe), damit ein größerer Strom von 10-20mA fließt. Wenn man nun den defekten Drehko über die Glimmlampe in Reihe an die Spannungsquelle legt, so leuchtet die Glimmlampe bei jedem Plattenschluss während des Durchdrehens auf und brennt so Staubteile und andere Fremdkörper - ja sogar "zarte Berührungen" der Platten weg. (Über den Umgang mit dieser "Hochspannung" brauche ich mich wohl nicht weiter äußern!)
Ich selbst habe mir dafür ein kleines Prüfgerät mit eigener Stromversorgung aus einem kleinen Trafo (2x250V / 25mA Anodenspannungswicklung), Si-Diode und Ladekondensator gebaut, so dass ich bei Bedarf auf ca. 320V bzw. über 600V komme. Damit habe ich bis jetzt jeden alten Drehko wieder sauber bekommen, vorausgesetzt er ist mechanisch in Ordnung (kein Zinkfraß z.B.). Zusätzlich nutze ich diese Vorrichtung zum Prüfen von Becher-Kondensatoren auf Reststrom bzw. Isolationswiderstand (mehr oder weniger schwaches Glimmen der Glimmlampe) und zum Prüfen und Formatieren von Hochvolt-Elkos - einfach ein paar Stunden anschließen, nachdem sie vielleicht Jahre gelegen haben (Polarität beachten!) 
Wer's noch nicht kannte - viel Erfolg, alle anderen vergessen meinen Beitrag.
Wolfgang Eckardt
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03.Nov.04 08:24

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3

Zum "Ausbrennen" von Drehkos mit Plattenschluss ziehe ich eine einfachere, aber wirksamere Methode vor:

Der Rotor (mit Gehäuse) wird mit dem 230 V- Netz- N verbunden, der Stator über eine ca. 100 W- Glühlampe an Netz- L gelegt.

Nicht nur am Leuchten der Lampe, sondern auch direkt an den sich bildenden Funken im Drehko kann man den Schluss nun deutlich erkennen.

Der hierbei fließende Strom ist weit davon entfernt, eventuelle Schäden anzurichten. Auch 200...300 W- Glühlampen könnte man noch einsetzen.

Die hier verwendete Wechselspannung hat den Vorteil, dass nach dem Zurückdrehen von der Kurzschlussstelle kein Lichtbogen stehen bleibt, womit man die Fehlerstelle nicht mehr eindeutig erkennen könnte und auch ein Abschmelzen der Oberfläche vermieden wird.


Zum Nachformieren von Elkos sind Glimmlampen weniger geeignet: Sie laden den Kondensator nur bis zu einer Spannung abzüglich ihrer eigenen Glimmspannung auf, die meistens im Bereich von 60...150 V liegt. Hier sind Glühlampen besser geeignet, deren Faden mit zunehmender Kondensatorladung niederohmiger wird und somit den Kondensator auf die volle verfügbare Spannung aufgeladen wird, sh. auch

http://www.radiomuseum.org/dsp_forum_post.cfm?thread_id=20927#post20924

Die hier beschriebenen Maßnahmen dürfen natürlich nur mit den erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen und lt. VDE nur von mindestens "elektrisch unterwiesenen" Personen ausgeführt werden.

MfG JR

  
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