Schaltungsunterlagen - Quellen und Zuverlässigkeit
Schaltungsunterlagen - Quellen und Zuverlässigkeit

A. Allgemeines
Bei einer ordentlichen Sammlung gehört zu jedem Gerät - neben einem Geräte-Datenblatt - ein Schaltbild, möglichst mit Werkstatt- oder Service-Anleitung (enthält Abgleichanweisung, Seilführung, ev. Bestückungsplan).
Das Schaltbild sollte natürlich genau zum Gerät passen. Leider gibt es bei sehr vielen Geräten mehrere "Ausgaben". Bei gleichem äußeren Aussehen und gleicher Typenbezeichnung unterscheiden sich diese manchmal sogar in der Röhrenbestückung. Dann merkt man gleich, wenn das Schaltbild nicht passt. Häufig sind die Unterschiede aber nur Schaltungseinzelheiten. Das bemerkt man erst bei einer Reparatur, wird in die Irre geführt und hält vielleicht das Gerät für "verbastelt".
Bei Originalschaltbildern ist die Ausgabe angegeben mit der Fabrik-Nummer, ab der sie gilt (Abb. 1). Man kann (und sollte) nach der Fabrik-Nummer des Gerätes (Abb. 2) suchen und prüfen, ob man die richtige Schaltung hat.
B. Quellen und Zuverlässigkeit von Schaltungsunterlagen
1. Original-Schaltbild im Gerät
Bei manchen Geräten, vor allem der 50er-Jahre, findet man - meist innen auf der Bodenplatte - ein Schaltbild aufgeklebt. Leider ist dieses meist stark vergilbt, fleckig oder beschädigt und lässt sich kaum kopieren oder ablösen. Allerdings stimmt die Schaltung sicher mit der Schaltung des Gerätes im Fabrikzustand überein.
2. Original-Schaltbild bei den Geräteunterlagen
Bei den Geräteunterlagen, vor allem von Geräten der 60er-Jahre, findet man neben der Gebrauchsanweisung oft auch das Schaltbild, manchmal mit weiteren Werkstattanweisungen - wenn ein ordentlicher Vorbesitzer diese aufgehoben hat! Auch diese sind mit der angegebenen Ausgabe-Nummer sehr zuverlässig.
3. Original-Schaltbild aus Werkstatt-Unterlagen des Herstellers
Werkstatt- oder Service-Anweisungen der Hersteller haben gute Rundfunkfachbetriebe von den Herstellern bezogen und gesammelt. Einige wenige haben sie sogar bis heute aufgehoben. Sie enthalten ausführliche technische Daten (von den elektrischen und Empfangsdaten bis hin zu Abmessungen und Gewicht), Service- und Abgleichanweisungen, Seilführung u.s.w. Einzelstücke kann man auch in Antiquariaten finden. Sie gelten aber häufig nur für bestimmte Fabrikationsserien, sodass man die Fabrik-Nummer vergleichen muss. Diese Werkstatt-Unterlagen kann man von verschiedenen Schaltungsdiensten (firmieren auch unter "Technische Dokumentation") als Kopie beziehen (z.B. Schaltungsdienst Lange www.schaltungsdienst.de) in Berlin. Allerdings sind die Preise recht unterschiedlich, meist ziemlich hoch. Und wenn keine Original-Werkstattunterlagen vorhanden sind, werden oft einfach Prinzipschaltbilder aus einer Schaltungssammlung (siehe unten) geliefert. Auch manche Sammler und GFGF-Mitglieder (Adressen auf Anfrage) haben Originalunterlagen und machen Kopien. Natürlich gegen Erstattung der Kopier- und Versandkosten, was unter Sammlerkollegen selbstverständlich sein sollte! Auch hier muss man die Fabrik-Nummer des Gerätes angeben. Diese Originalunterlagen sind die zuverlässigsten und komplettesten - wenn man die richtige Ausgabe hat.
4. Schaltungssammlungen
Hier gilt allgemein, dass nur selten Ausgabeangaben vermerkt sind, dagegen oft der Hinweis, dass es "vereinfachte Prinzipschaltbilder" sind. In Details kann man sich nicht immer auf die Angaben verlassen. Aber besser ein Prinzipschaltbild, als gar keines.
Nach dem Krieg, 1947 bis 1956 erschien eine ganze Anzahl von Schaltungssammlungen, da Vorkriegsgeräte repariert werden mussten (und konnten) und Neugeräte für viele unerschwinglich waren.
Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
4.1 Schaltungssammlung Lange
Schaltbilder wurden - alphabetisch nach Herstellern geordnet - ohne nähere Angaben veröffentlicht. Zuerst erschienen 12 Bände, 1949 die erste Auflage, bis 1956 die letzte Auflage unter Lange-Nowitsch. 6 Bänden dann 1959 bis 1961 (VEB Verlag Technik, Berlin), aber nur bis Herstellerbuchstaben K und Firma Kuba. Die Schaltbilder der weiteren Hersteller muss man sich einzeln gegen Gebühr bestellen.
4.2 Empfänger Vade-Mecum (W. A. Schenk, Herausgeber W. Regelien)
Diese Schaltbildsammlung erschien 1948 und umfasst 30 Hefte mit 2500 Seiten von AEG bis Zerdik. Keine zusätzlichen Angaben ausser Wellenschalterstellungen und Spannungswerten in der Schaltung. Nachdrucke vom Verlag Freundlieb in Herten (www.rundfunkliteratur.de und www.verlag-historischer-technikliteratur.de).
4.3 Funkschau Schaltungssammlung
In der Zeitschrift "Funkschau" wurde ab 1951 eine Schaltungssammlung veröffentlicht. Zunächst hatten die Schaltungen DIN A5-Format, dann einzelne ganzseitig. Ab 1953 kam teilweise noch eine "Funktionsbeschreibung" dazu. 1956 waren diese Beschreibungen z. T. sehr ausführlich über mehrere Seiten. 1955 erschien eine Liste der Funkschau Schaltungssammlung von 1951 bis 1955. Zusätzlich gab es ab 1956 "Funkschau Prüfberichte" mit ausführlichen Beschreibungen einzelner Geräte und der Schaltung. Daneben erschienen auch "Funkschau Empfängerberichte" mit Geräte- und Schaltungsbeschreibung mindestens bis 1958. (Siehe Funkschau Inhaltsverzeichnisse). Da viele Ungenauigkeiten und (Druck-)Fehler festgestellt wurden, sind diese Unterlagen aber mit Vorsicht zu geniessen.
4.4 Schaltplansammlung als Karteikarten
Die beste und genaueste Schaltungssammlung war wohl von Erich Schwand (Weidmannsche Verlagsbuchhandlung, Berlin), die etwa bis 1956 erschien. Die Karten waren farbig: Gelb und Grün für Wechselstrom-, Blau für Gleichstrom- und Rosa für Batterie-Geräte, im Format DIN A 5, mit Abgleichvorschrift oder technischen Daten auf der Rückseite. In dieser Art gab es auch noch andere (z. B. von Otto Müller).
4.5 Schaltpläne im Internet
Ausser bei www.radiomuseum.org werden von vielen Sammlern Schaltpläne ins Netz gestellt, natürlich in viel kleinerer Anzahl. Bei der Suche muss man sich von Link zu Link weiterarbeiten. Suchmaschinen helfen kaum, da diese fast nur noch zu Ebay führen. Man findet da auch Spezialsammlungen, z. B. Schaltungen historischer Audio- und Gitarren-Verstärker oder aller Heathkit-Geräte mit Manuals. Beispielhaft ist die komplette Sammlung für Loewe und LoeweOpta-Geräte bei Herrn Stellmacher, GFGF (www.radiomuseum-bocket.de), der zum grossen Teil auf Original-Firmenschaltpläne zurückgreifen kann.
C. Beurteilung
Da die Zuverlässigkeit, je nach Herkunft, sehr unterschiedlich ist, sollte man - generell bei allen Angaben und Daten - die Quelle angeben. Wie bei wissenschaftlichen Arbeiten gilt eine Aussage ohne Quellenangabe oder Beleg zunächst als zweifelhaft. Und wir wollen doch keine zweifelhaften Unterlagen, auch wenn es nur ein Hobby ist.
Otto Kippes.
Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.