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Schellack als Oberfläche für Radiogehäuse

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Papers » Radios: restoring and rebuilding (outside) » Schellack als Oberfläche für Radiogehäuse
           
Martin Renz
Martin Renz
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23.Nov.06 20:52

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Schellack als Oberfläche für Radiogehäuse?

Polieren - Definition:

Nach einer alten RAL-Vorschrift gelten Oberflächen als hochglanzpoliert, wenn sie  nach dem Polierverfahren mit dem Ballen hergestellt sind und auch bei schrägem Lichteinfall eine vollkommene, reine und glänzende Oberfläche zeigen und alle Gegenstände ohne Verzerrung widerspiegeln. Wird zum Polieren Schellack verwendet, spricht man auch von Schellackpolitur. Etwa seit den 50er Jahren sind andere Verfahren gebräuchlich, um Hochglanz zu erzielen.

Über die Herkunft von Schellack hat Herr Eckardt erst kürzlich einen schönen Beitrag geleistet.

Warum sind Radiogehäuse im allgemeinen nicht mit Schellack hochglanzpoliert?

Das Polieren mit dem Ballen und Schellack hatte seine Blüte im 19. Jahrhundert, also lange bevor Radiogeräte gebaut wurden. Die sehr arbeitsintensive und dadurch teure Methode wurde hauptsächlich bei hochwertigen Möbeln angewendet, um ihnen ein Höchstmaß an Glanz und Ausstrahlung zu geben.

Die ersten Radioapparate waren rein technische Geräte, der Zweck stand im Vordergrund und alle Anstrengung wurde darauf verwendet, einen brauchbaren Empfang zu erzielen. Eine hochglanzpolierte Fläche war weder notwendig, noch zweckmäßig, da diese doch recht empfindlich ist.

Erst mit dem Aufkommen des massenhaften Rundfunks in den 20er und mehr noch in den 30er Jahren, wurde das Radiogerät zum Bestandteil des Wohnraums und damit der Wunsch nach einem edlen Äußeren geweckt. In dieser Zeit und bis in die 50er Jahre war es noch durchaus gebräuchlich, hochwertige Möbel mit Schellack zu polieren. Allerdings gibt es wohl nur wenige Radiogeräte, die auf die genannte Weise veredelt wurden. Am ehesten wird man wohl bei Musiktruhen fündig, die von Möbelherstellern teilweise aufwendig gefertigt, und mit Chassis der Rundfunkindustrie bestückt wurden. 

Nun findet man in alten Radiokatalogen dennoch oft den Hinweis „polierte Ausführung“ oder „hochglanzpoliert“. Nach 1945 kann man wohl fast immer davon ausgehen, dass damit eine hochglänzende Oberfläche gemeint ist, die nicht durch das Polieren mit Schellack entstanden ist. Man hatte inzwischen Lacke entwickelt, die durch Auftrag mit der Spritzpistole einen ordentlichen Glanz erzeugten und die widerstandsfähiger waren. Seit den 60er Jahren wurde vermehrt Polyesterlack verwendet, dessen Hochglanz durch abtragendes Schleifen und Polieren der ausgehärteten und dicken Lackschicht erzeugt wurde. Die hochwertigen Saba Radios der 60er Jahre sind zum Beispiel so lackiert worden, oder das legendäre „Multimediaschiff“ „Komet“  von Kuba.

Warum eignet sich eine Schellackpolitur unter Umständen dennoch für die Restauration von Radiogehäusen?

Eine Schellackpolitur ist das Mittel der Wahl, wenn diese auch im Original so ausgeführt wurde. Eine andere Art der Lackierung verbietet sich dann eigentlich, da meist ein „Aufpolieren“ der Oberfläche genügt und so die beste Anmutung und Originalität gewahrt bleibt, ohne dass das Gerät „überrestauriert“ wirkt.

 

War das Original anders lackiert, und dies wird nach dem Obengesagten meist der Fall sein, kann die Politur mit Schellack dennoch eine gute Wahl darstellen:

·        Das Verfahren lässt sich ohne aufwendige und teure technische Hilfsmittel und Vorrichtungen durchführen, notfalls auf dem Küchentisch.

·        Kein anderes Verfahren ergibt einen ähnlich schönen Glanz der Oberfläche, die Beherrschung des Verfahrens vorausgesetzt.

·        Neben Hochglanz lassen sich auch seidig glänzende und matte Flächen herstellen, wenn dies dem Charakter oder der Holzart des Gehäuses eher entspricht.

·        Die Oberfläche lässt sich auch später leicht renovieren oder auch ganz neu aufbauen, da sie mit Spiritus leicht wieder entfernt werden kann.

·        Die Anmutung der Oberfläche wird einem alten Gehäuse eher gerecht, als eine moderne, gespritzte und vielleicht zu perfekte Lackierung. Aber auch eine weniger gut geglückte Lackierung mit der Spraydose wirkt um Klassen schlechter.

·        Die etwas empfindliche Oberfläche ist bei Geräten, die sorgfältig ausgestellt werden, kein sonderlich großes Problem.

 
Es gibt auch Nachteile:

·        Die Oberfläche ist sehr empfindlich gegenüber Alkohol und längerer Einwirkung von Wasser

·        Direktes Sonnenlicht ist zu vermeiden, die optimale Raumfeuchte sollte 50-60% betragen.

·        Der alte Lack (außer einer alten Schellackpolitur) muss in jedem Falle vollständig entfernt werden.

·        Die Technik erfordert etwas Erfahrung und lässt sich am besten von einem erfahrenen Polierer erlernen. Es gibt etliche Variablen, die richtig eingestellt sein müssen, damit die Politur gelingt.

·        Eine gute Politur erstreckt sich über einige Tage bis Wochen hinweg.

·         

Wer sich davon nicht entmutigen lässt, sollte es bei geeigneten Objekten wagen. Das Ergebnis ist an Schönheit kaum zu übertreffen.

This article was edited 23.Nov.06 20:56 by Martin Renz .

  
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