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Sender Spitzberg

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Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » Sender Spitzberg
           
Wolfgang Lill
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23.Jan.16 13:13
 
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Der Sender Spitzberg ist nur ein Kleinsender, er hat jedoch  eine interessante Geschichte.

Der Cottaer Spitzberg liegt südöstlich von Pirna. Es handelt sich um einen Kegelberg. Er ist 391 m hoch und überragt damit über seine Umgebung deutlich.

Oben ist der Förderschlot eines tertiären Vulkanes, das Gestein ist ein Basalt mit der typischen Säulenform.

Auf dem Kegel befindet sich eine Triangulationssäule (Station 2. Ordnung) mit der Nummer 57 von 1865 .

Diese etwa 2,10 m hohe Säule war Bestandteil des Sächsischen Vermessungsnetzes.

Das kann jeder Wanderer auch besichtigen, eine Stahltreppe führt nach oben. Belohnt wird man durch ein wunderbare Aussicht Richtung Dresden, Erzgebirge, Sächsische und Böhmische Schweiz

Seit dem 11.Oktober 1979 ist der Gipfel als Flächennaturdenkmal ausgewiesen.Der Berg selbst ist im Privatbesitz. Die Einhaltung dieser Vorschriften lege ich jedem Wanderer dringend ans Herz. An der Ostseite des Berges existiert auch noch eine atomsichere Bunkeranlage aus Zeiten des Kalten Krieges.

1973 wurde wurde hier ein Elektro- und ein Fernmeldekabel erdverlegt...und im Bunker neben Telefon auch die notwendige Sende- und Empfangstechnik installiert 

Hinweis : diese Technik ist nicht mehr dort zu finden !

Unmittelbar neben dem Gipfel befindet sich auf einem Plateau eine Kabine mit Sendemast. und dazu gibt es eine Geschichte....

Das Eingangstor hat wohl nur noch symbolische Bedeutung, alle Besucher umqueren es links. 

Offiziell am 7.Oktober 1969 wurde der 252 m hohe Wachwitzer Fernsehturm ( Dresden Wachwitz ) übergeben. Damit begann man auch das zweite Programm DDR 2  in Farbnorm SECAM IIIb im Bereich IV auf Kanal 29 in der Polarisation horizontal auszustrahlen.

Nun, wohl durch den neuen Senderstandort, kam  auch schon ein neues Problem vor allem für die Anwohner in den Ortsteilen Altrottwerndorf, Neundorf und in den Tallagen von Langenhennersdorf. Dort sahen die Zuschauer plötzlich Geisterbilder, vieler Schattierungen, das ganze sogar noch sehr  witterungsabhängig...

Also was tun ? Ein Umsetzer musste her. Zunächst wurde an einem eilig errichteten 25,7 m hohen Stahlgittermast, der möglicherweise auch eine Antenne besaß um die Signale der Bunkerbesatzung zu senden und zu empfangen, ein VHF- Umsetzer in Betrieb genommen. Mit diesem wurde, das DDR- Fernsehen, auf Kanal 10 vertikal abgestrahlt in Wachwitz, auf den Kanal 7 umgesetzt und horizontal gesendet.  

Ein Foto habe ich nie gefunden, da solche Sendeanlagen in der DDR zum militärischen Sperrbereich gehörten...

Im Heft 6/1987 findet sich in der Zeitschrift Radio- und Fernsehen diese Anlage unter

Umsetzer Neundorf auf UHF Kanal 25, Übertragung TV DDR1.

Mit der Wende 1990 wurde der Deutsche Fernsehfunk wieder aktiviert und gleichzeitig wie folgt ab Cotta gesendet:

UHF Kanal 25 DDR1 >>> Deutscher Fernsehfunk 1 ab 4.10.1990 ; ARD

UHF Kanal 51 ( erst im November 1989 in Betrieb genommen) DDR 2 >> Deutscher Fernsehfunk 2, dann ab 3.10.1990 der Deutsche Fernsehfunk >>> bis 31.12.1991. Ab 1.1.1992 sendet der Nachfolger die Dreiländeranstalt MDR auf diesem Kanal weiter.

UHF Kanal 22 Inbetriebnahme erst im Oktober 1992 ; ZDF

Ein UKW- Sender mit 100 Watt Sendeleistung der Firma RVR elettronica (Made in Italien) ging am 15.11.2002 in Betrieb.

Übertragen wurden auf 91,1 MHz das Programm der BBC und zeitweilig das französische Programm RFI  . Das Programm wurde über Ballempfang von Dresden Gompitz übernommen, wo es ebenfalls abgestrahlt wurde. Warum nun die Hörer in 10 Km Umkreis dieses Programm unbedingt empfangen sollten, das hat mir bis heute noch niemand erklären können.

Wie wir wissen, wurde in Sachsen am 23.Juli 2007 auf terristisches TVB-T Fernsehen umgestellt. Damit waren alle drei Fernsehkleinsender praktisch wertlos und gingen außer betrieb

Es gab auch kaum Proteste gegen das Einstellen des analogen Fernsehens, denn selbst Kleingartenbesitzer  hatten bereits einen Spiegel auf der Laube.

1995 wurden die Betriebskabinen mit einer Holzkonstruktion eingehaust

und dazu ein 38,5  m hoher Stahlgittermast + 3 m Rohr , Hersteller Firma Priess, montiert.

Der Rundfunksender BBC/ RFI wurde eingestellt und der Sender von Radio Dresden

übernommen. Sendefrequenz 96,4 MHz. Seit Ende März 2009 wird dieses Programm nun von hier ausgestrahlt.

Fotos : Logo und Andre und die Morgenmädels von Radio Dresden - vielen Dank -

Das Signal kommt  mit Ballempfang vom Dresdner Fernsehturm in Wachwitz ( 103,5 MHz)

Im letzten Jahr wurde durch die Umstellung von analog auf digital bei vielen Nutzern hier eine digitale BOS Betriebsstelle eingerichtet ( digitale Funktechnik der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ). Dazu waren leider keine näheren Informationen zu bekommen.....

 

 

This article was edited 31.Jan.16 07:58 by Wolfgang Lill .

Wolfgang Lill
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23.Jun.18 06:54

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Eine Baufirma aus Cottbus hat mit Bauarbeiten begonnen ( alle Fotos vom 22.06.2018 ).

Vier neue Fundamente sind bereits fertig. So wie es jetzt aussieht, wird ein neuer Stahlgitterfachwerkmast aufgestellt. 

Der 42,15 m hohe Stahlgittermast soll ersetzt werden. 

Der neue ist dann etwa 6,45  m höher.

Nach Rücksprache mit der Deutschen Funkturm GmbH Leipzig  ist es wie folgt geplant:

"Die DFMG baut auf dem Cottaer Spitzberg einen 48,6 m Stahlgittermast.

Dieser ersetzt den vorhandenen SGM 42,15 m, da dieser statisch ausgereizt

und den neuen statischen und technischen Anforderungen nicht mehr

gewachsen ist.

Alle erforderlichen Genehmigungen dazu liegen vor.

Der alte SGM wird nach Errichtung des neuen ATR und dem Umbau aller

vorhandenen Antennen zurückgebaut."

Eine interessante Sache für die Region ist die Installation von  LTE  für schnelles und mobiles Internet .

Die von mir angedachte DAB+ Übertragungstechnik wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht realisiert. Durch den günstigen Standort hätten natürlich Funklöcher ( Mutingbereiche im Bereich Osterzgebirge, Bad Gottleuba, Kurort Berggießhübel und in den Tälern) so gut wie liquidiert werden können. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden....

Auch Radio Dresden wird weiterhin auf UKW von dort senden.

 Ich werde das Baugeschehen verfolgen und weiter berichten.

 

This article was edited 02.Jul.18 20:34 by Wolfgang Lill .

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23.Jul.18 11:47

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Am Montag, den 23.Juli 2018, begann ein 70 Tonnen Kran mit 50 m Ausleger mit der Montagearbeit. 

Der Fachwerkmast wird von Kollegen der Firma EQOS Energie Deutschland GmbH Niederlassung Radebeul zusammengebaut .

Geplante Montagezeit : 1 Woche. Heute sollen die ersten 3- 4Schüsse montiert werden. Am 25.7. kommt ein anderer Kran, der bis  70 m heben kann.

Im Bild noch der "alte " Mast, der nach Montage und technischem Umbau der Sendeanlagen auf den neuen Mast, abgerissen wird.

Es ist jetzt 16,00 Uhr. 30 Grad im Schatten ! Die Kollegen wissen was sie in den Sonnenstunden geleistet haben

Die Fachwerkkonstruktion, Hersteller die Firma SB Metallbau GmbH, Seifhennersdorf, wird nur verschraubt. Morgen früh wird dieser Schuß auf die Fundamentlaschen aufgesetzt und montiert.

Das Material wird per Fixtermin geliefert

Heute, am Dienstag den 27.07.2018 wieder strahlend blauer Himmel, es ist 11,00 Uhr und schon knapp 30 Grad im Schatten

Die erste Sektion der dann insgesamt fast 16 Tonnen schweren feuerverzinkten Stahlgitterkonstruktion ist montiert !

Die nächste Sektion wird hier am Erdboden zusammengeschraubt.

Auf dem Gipfel des Basaltkegels die Triangulationssäule von 1865.

Ein Blick Richtung Festung Königstein ( 360 m ) und links zu sehen der  Lilienstein (415 m) im Elbsandsteingebirge. Häufig wird der Cottaer Spitzberg mit seiner herrlichen Aussicht von den Besuchern der Sächsischen Schweiz vergessen, trotz guter Erschließung und Aussichtsplattform ohne Eintritt !

In südöstlicher Richtung, in Tschechien, liegt der Deciner Schneeberg, ein Tafelberg 722 m hoch. Dort im Aussichtsturm baute Prof Färber seine Fernsehtechnik auf und empfing die Übertragungen der Olympiade vom 1.8. bis 16.8.1936 aus Berlin.

Hier eine Nahaufnahme vom Aussichtsturm auf dem Deciner Schneeberg

Zurück zur Baustelle:

Das war der Dienstag der 24.07.2018, morgen kommt der größere Kran und dann werden die bereits vorbereiteten Schüsse montiert

Es ist der 25.07.2018 gegen 10,30 Uhr. Das nächste Bauteil wird angehangen und nach oben bugsiert. Der Kran ist inzwischen gegen einen 100 Tonner mit 60 m Ausleger getauscht worden.

In den kleinen Körben sind übrigens die Schrauben und die Werkzeuge. Sehr praktisch! Nach genauer Einfädelung wird alles verschraubt.

Übrigens ist interessant, das hier alle drei Mobilfunkanbieter 02, D2 und D1 Sendeplätze erhalten, dazu GSM und LTE sowie Behördenfunk wie gehabt. Der Sender "Radio Dresden" wird auf UKW weiterhin von dort senden. Leider vergibt Sachsen keine neuen Genehmigungen für den Analog- UKW Rundfunk.       Es gibt Rundfunkanbieter, die würden diesen Standort gerne nutzen. 

Ein Multiplex für DAB+ ist bis jetzt nicht vorgesehen.....

Am 26.07.2018 soll dann die Ebene 3+4 montiert werden, hoffen wir, das das günstige windstille Wetter erhalten bleibt.

Inzwischen haben wir den 26.07.2018. Heute erreicht der Mast seine endgültige Höhe.

Das letzte Teilstück von reichlich 4 m wird nach oben gehievt. Oben angekommen, wird das Aufsatzrohr von den zwei Kollegen in Lage gebracht und verschraubt.

Endlich fertig ! LTE und GSM sind ganz oben schon  angebaut.

Die nächsten Arbeiten sind der Abbau von Anlagen des alten Turmes und Komplettinstallation der Technik auf dem neuen Turm. Dann wird der alte Mast abgerissen.

Von den neuen Anlagen werden sicher viele Einwohner in der Südvorstadt von Pirna und in den umliegenden Gemeinden profitieren und ich hoffe, das man dann auch auf der Autobahn A17 von der Grenze bis Dresden in allen Netzen unterbrechungsfrei telefonieren kann.

This article was edited 27.Jul.18 17:00 by Wolfgang Lill .

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04.Sep.18 15:47

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Am 4.9.2018 geht es weiter. Jetzt werden die technischen Anlagen auf den neuen Mast montiert.

Noch arbeitet die Technik am alten Mast (links ), dieser wird dann, nach  Umbau der Technik auf den neuen Stahlgitterfachwerkturm, abgerissen

.

Ein Montageteam montiert heute im Auftrage der Fa. Telefonica Technik am Mast.

Mittels Arbeitsbühne werden die Teile nach oben befördert und auch die Kabel hochgezogen.

Bis zum 6.9. sollen diese Arbeiten abgeschlossen werden. 

Dann geht es weiter mit der Aufschaltung der Geräte auf die neuen Antennen und Spiegel.

 

Ich berichte weiter

This article was edited 05.Sep.18 07:06 by Wolfgang Lill .

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08.Sep.18 19:00

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Am 07.09.2018 ist die neue Technik auf dem Stahlgitterfachwerkmast montiert.

Immer wieder beeindruckend ein Blick in die Stahlkonstruktion.

Auch die Steigschutzeinrichtung nach EN 353-1 ist fertig montiert. 

Die Speise- und Zuleitungen sind verlegt und müssen nun noch an die Sender und Empfänger angeschlossen werden. Das ist dann die letzte Etappe der Neuinstallation.

Noch steht der alte ( rechts) friedlich neben dem neuerrichteten Mast. Sobald die Anschlussarbeiten erledigt sind, wird die Übertragungstechnik am alten Mast abgebaut und der Mast demontiert. Der jetzt interessante Anblick des Cottaer Spitzberges mit den Duomasten wird damit Geschichte sein.

Mein DAB-+ Radio empfing heute auf dem Cottaer Spitzberg nicht nur die Multiplexe von MDR und den Zentralen deutschlandweiten sondern auch den von Brandenburg, den Freiberger und einen Tschechischen, insgesamt 70 Programme. Nur schade, das dort niemand wohnt ... und meine Hoffnung, das der Empfang auch in den Tälern gesichert wird wo jetzt noch reichlich muting ist, erfüllt sich nicht, weil man die Multiplexe schlichtweg nicht geplant hat.... aber das ist eine andere Geschichte. 

 

Noch eine aktuelle Korrektur meines Beitrages: laut heutiger (10.09.2018) Information der Deutschen Funkturm GmbH ist der Anbieter Vodafone D2 nun doch nicht eingestiegen ! Es bleiben also die Netze Telefonica und Telekom zusammen auf dem Mast.

This article was edited 10.Sep.18 12:16 by Wolfgang Lill .

  
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