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grundig: SonoClock 660 empfängt keine schwachen Sender

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Klaus Pahr
 
 
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14.Apr.21 20:03

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Verehrte Sammlergemeinde,

ich habe ein Problem mit dem Empfang meines Radioweckers. Ich habe zwei baugleich im Einsatz. Der eine empfängt auch empfangsschwache Sender, der andere, an gleicher Stelle und die Wurfantenne parallel zum gut empfangenden gelegt (also vergleichbare Bedingungen) bringt nur Rauschen und maximal die allerstärksten Sender rein. Diese sind aber trennscharf, laut und deutlich zu empfangen, ohne Rauschen und Störgeräusche. Kurzum so, wie es sich gehört.

Darf ich die Spezialisten um Rat und Hilfestellung bitten? Wie würden Sie jetzt vorgehen? Wo könnte der Fehler liegen, dass die schwächeren Sender nicht empfangen werden? Die 30 V Versorgungsspannung habe ich nachgemessen. Sie liegt bei 30,06 Volt.

Vielen Dank.

Viele Grüße

Klaus Pahr

Ergänzung: Das Problem tritt bei allen Stationstasten gleichermaßen auf.

This article was edited 14.Apr.21 21:26 by Klaus Pahr .

Bernhard Nagel
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15.Apr.21 01:09

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Hallo Herr Pahr,

für den geschilderten Effekt "zu geringe Empfindlichkeit, nur starke Sender werden empfangen" gibt es mehrere Fehlermöglichkeiten. Drei davon sind:

  1. UKW-Vorstufe ist ausgefallen
  2. Eines der keramischen ZF-Filter ist defekt/hat zu hohe Durchlassdämpfung
  3. Fehler im ZF/Demodulator-IC

Da Punkt 2 und 3 eher selten vorkommen, wird die Ursache der zu geringen Empfindlichkeit zunächst in der UKW-Vorstufe (HF-Vorstufe) zu suchen sein.

Das Schema des UKW-Frontend (durch Klick zu vergrössern) zeigt als Vorstufe den in Basisschaltung betriebenen Silizium-pnp-Transistor BF414. Das Empfangssignal gelangt von der Wurfantenne über einen Bandpass an den Emitter. Die verstärkte HF wird über R14 an einen Anzapf des abgestimmten Zwischenkreises geführt, von dort weiter über C19 an den Emitter der Mischstufe.

Da starke Sender empfangen werden, müsste die selbstschwingende Mischstufe mit dem Transistor BF936 normal arbeiten. Der Fehler sollte also vor dem Mischer in der Vorstufe liegen. Zunächst wäre der Arbeitspunkt zu prüfen, hierzu wird am besten der Spannungsabfall über dem Emitterwiderstand R11 1,2 kΩ mit dem Wert (2,0 V) im Schema verglichen. Auch die Spannung Basis gegen Masse (8,7 V) soll nachgemessen werden.

Ein defekter Transistor zeigt sich in stark abweichenden Spannungen. Ist die Spannung über R11 deutlich zu hoch, hat T11 einen Schluss zwischen Emitter und Collector. Bei "offenem" Transistor würde über R11 keine Spannung abfallen.

Die gemessenen 30 V sind übrigens die Abstimmspannung für die Varicaps BB104 (Gegentakt-Kapazitätsdiode).

Viel Erfolg!

Klaus Pahr
 
 
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Hallo zusammen,

von Herrn Boris Witke habe ich gestern Abend schon folgende Antwort bekommen, die ich mit seiner ausdrücklichen Genehmigung hier der Allgemeinheit zur Verfügung stellen darf:

Hallo Herr Pahr,

In den 70er und 80er Jahre hatte man überwiegend Teppichböden (wegen des hohen Wohnkomforts mag ich sie persönlich immer noch), damals allerdings meist noch nicht antistatisch behandelt. Ich kann mich gut erinnern, man bekam überall "eine geschossen", wenn man etwas aus Metall anfasste. Tja, und wenn das der Antenneneingang war, bekam der einen über, weshalb in dieser Zeit defekte Eingangsstufen relativ häufig sind, es sei denn, sie sind mit Diode / Glimmlampe geschützt (häufiger Fehler an Kofferradios). Das äußert sich dann in schwacher Empfangsleistung, wobei die Trennschärfe hoch bleibt, denn die ZF ist ja von einer Überspannung an der Antenne nicht betroffen. Also: Spannung am Eingangstransistor messen, das ist in Ihrem Fall ganz einfach, da Sie ja ein einwandfreies Zweitgerät haben und somit ein richtig- falsch Vergleich möglich ist. Führt das zu nichts, messen Sie die Abstimmspannungen an den Kapazitätsdioden, auch da zuerst am Eingang. Verfahren wie vor, aber denselben Sender einstellen. Viel Erfolg !

Gruß Boris Witke

Hallo,
Es könnte ja ein ganz anderer Fehler vorliegen, als ich vermute. Sollte ich aber halbwegs richtig liegen (Defekt im Eingangsbereich), dann können sie meine "Anleitung" gern ins rmorg stellen.
Gruß Boris Witke

 

Klaus Pahr
 
 
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15.Apr.21 15:41

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Hallo zusammen,

zunächst ein herzliches Dankeschön an die Herren Witke und Nagel für Ihre Bereitschaft, mir auf die Sprünge zu helfen und die damit verbundene Mühe. Was soll ich sagen: Der Radiowecker empfängt wieder einwandfrei. Ich freue mich sehr!

Wie bin ich vorgegangen: Ich habe mich messtechnisch gleich mal auf den von Herrn Nagel konkret vorgeschlagenen R11 gestürzt. Da war ein Spannungsabfall von 0 V messbar. Also ist der BF414 kaputt. Ich habe ihn nach dem Auslöten durchgemessen: Die beiden Diodenstrecken BE und BC sind hochohmig, darum die 0 V am R11, wie Herr Nagel j schon beschrieben hatte.

Ich habe dann in meiner Transistorsammlung gesucht, ob ich diesen oder einen vergleichbar passenden Ersatz vorrätig haben könnte und bin auf den Typ BFX48 gestoßen. Er ist eigentlich für schnelle Schaltstufen entwickelt worden. Dieser ist etwas überdimensioniert, hat aber als einziger HF-Typ von meinen lagernden Transistoren eine Grenzfrequenz größer 400 und erreicht hier somit den Wert, wie ihn der BF414 mit einer Grenzfrequenz von 400 vorgibt. Also probehalber mal rein damit – und: Radio empfängt wieder alle schwachen Sender. Er verhält sich geeignet, will sagen: Ich kann akustisch keine  Nachteile hören und feststellen gegenüber dem Original-BF414. So habe ich mich entschlossen, diesen Transistor gleich drinnen zu lassen und das Radio wieder auf dem Nachttisch zu platzieren.

Allen weiterhin viel Freude mit unserem schönen Hobby!

Viele Grüße

Klaus Pahr

Klaus Pahr
 
 
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21.Apr.21 22:50

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Verehrte Sammlergemeinde,

in der Praxis hat sich gezeigt, dass der BFX48 zu klirren anfängt, wenn das Radio sehr leise eingestellt wird. So habe ich mich entschlossen, den BF414 zu kaufen und einzulöten. Jetzt spielt das Radio sauber und auch bei leiser Einstellung ohne Klirren. Außerdem ist die Originalität wiederhergestellt.

Viele Grüße

Klaus Pahr

Klaus Pahr
 
 
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21.Apr.21 23:04

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Verehrte Sammlergemeinde,

vielleicht kennen Sie das ja auch von Ihrem SonoClock: Wenn Sie eine Stationstaste drücken, bleibt die Mute-Schaltung erhalten und das Radio schweigt. Ich wollte wissen, wie das technisch realisiert wird und was zu diesem Fehler führen könnte.

Ich habe mir die Funktion mal genauer angesehen: Im Stromlaufplan „Radio“ wird das Prinzip so dargestellt: Bei der Programmtaste 1 wird an den Mute-Kontakt 4 Masse eingeschleift. Diese wird dann in Reihe durch alle (!!) Programmtasten durchgeschleift, bevor dann damit die Basis vom Transistor T10 auf Masse gelegt, der Transistor gesperrt und die Mute-Funktion ausgelöst wird. Diese Logik verstehe ich nicht. Logisch wäre die Parallelschaltung der Mute-Kontakte. Ziehen wir jetzt den Leiterplattenplan zu Rate, werden wir feststellen, dass die Mute-Kontakte tatsächlich parallel geschalten sind, wie ich erwartet hätte. Der Stromlauf ist an dieser Stelle fehlerhaft – nicht der erste Fehler, der mir zwischenzeitlich aufgefallen ist. Jetzt jedenfalls wird ein Schuh draus. Und jetzt habe ich auch eine mögliche Erklärung für das Mute-Problem: Schmutz auf den Kontakten kann nicht Ursache sein, weil kein Kontakt - kein Mute. Ich beobachte aber das Gegenteil: Obwohl der Taster ausgerastet oder eingerastet ist, bleibt Mute aktiv. Das heißt, der Kontakt wird noch immer betätigt, obwohl nicht mehr soll. Da die Kontakte bei den kleinen Leistungen eher nicht zum Verkleben neigen, vermute ich, dass der mechanische „Druckstift“ nicht sauber löst und der Kontakt deswegen geschlossen bleibt. Wir bewegen uns hier ja im 1/10 mm-Bereich! Abnutzung erzeugt höhere Reibung und die tut das ihre dazu beitragen. Ich habe heute Vormittag also folgenden Versuch gestartet und habe die Kontakte nochmals mit Bremsenreiniger und Druckluft gereinigt. Anschließend habe ich die Kontakte mit WD40 mit einem Röhrchen sparsam eingesprüht, die Tasten mehrfach durchgeschalten und das überflüssige WD40 wieder vorsichtig mit Druckluft ausgeblasen. Die Mute-Funktion arbeitet wieder einwandfrei, ich habe es eben nochmals probiert. Bleibt abzuwarten, wie lange das gut geht. Ich bin mir sicher, dass das ein Reibungsproblem an den Drucktasten ist, weil mit WD40 geschmiert schaltet das Radio auch schöner.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Was hat sich bei Ihnen bewährt? Ich bin auf Ihre Beobachtungen gespannt. Vielen Dank.

Viele Grüße

Klaus Pahr

Klaus Pahr
 
 
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23.Apr.21 14:58

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Hallo zusammen,

ich habe den falsch gezeichneten Stromlauf im Bereich der Stationstasten – Mute-Abschaltung - korrigiert. Dieser Fehler taucht offenbar bei mehreren SonoClock auf, konkret kenne ich dies auch beim 670 und auch beim 810. Es könnten mehr werden…

Viele Grüße

Klaus Pahr

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This article was edited 23.Apr.21 15:02 by Klaus Pahr .

  
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