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stern-sonn: Stern-Radio aus Damaskus!

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Martin Steyer
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31.Oct.18 22:24
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Hier in ebay wurde gerade ein Gerät verkauft (163343447152), das auf der Rückwand ein Schild trägt:

"General Agent Fawzi Jafari Damascus"

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gerät wurde also als Exportgerät nach Syrien geliefert und ist wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Ob das ein Migrant mitgebracht hat? Der Verkaufsort ist Münnerstadt, Bayern.

Wolfgang Eckardt
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Dass dieser Batterie-Super in Damaskus "gelandet" ist, bestätigt nur die Tatsache, dass die DDR in den 1950er Jahren rege Handelsbeziehungen zu "Persien" - wie diese Region aus der Geschichte heraus genannt wurde - unterhielt. Diese Batterie-Geräte hatten drei Kurzwellen mit dem "Tropenband" (ca. 60 ... 120 m), und das ist typisch für den Export in den "Nahen Osten". 
Wie dieses Gerät nun allerdings wieder "nach Hause" gelangt ist, wäre sicher eine interessante Abrundung der Geschichte.

Wolfgang Eckardt

 

This article was edited 01.Nov.18 17:33 by Wolfgang Eckardt .

Martin Steyer
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Zu diesem Thema bekam ich eine mail von unserem Mitglied Markus Zluwa, die etwas Licht in die Affäre "Radio aus Damaskus" bringen kann, vielen Dank!

"Hier das Gerät in schön:   Link

Einfach mal das Foto speichern dann kann man größer angucken!
Es sind in den letzten Jahren bestimmt 5 dieser Geräte, mit immer der
gleichen Händlerplakette bei Onlineauktionen aufgetaucht. Eines sogar
mal in Originalkarton. Einen "Re-Import" schließe ich zu 100% aus.

Auf der Schallwand ist ein Soldat mit syrischer Flagge am Gewehr zu
sehen. Darunter in arabischer Schrift etwas das sich mit "Soldat
Radio" übersetzen lässt.
Die Flagge ist in dieser Form bis 1958 verwendet worden. (Danach auch
zeitweise wieder, aber das ist hier irrelevant.)
Wenn man sich mit der wechselvollen Geschichte dieses Landes etwas
beschäftigt dann wird klar das auch 1956/57 schon einiges an Unruhe in
dieser Region herrschte. Es ist also gut vorstellbar, das dieser
Händler die Geräte in der DDR bestellt aber nie bezahlt hat, oder nur
teilweise. (Oder es schlichtweg eine Überproduktion gab. Wie
eigentlich bei allen Exportradios, denn wir finden ja hierzulande
immer wieder solche Geräte. Zumeist Abwandlungen üblicher Geräte ohne
UKW aber dafür mit mehreren KW-Bereichen.)
Die restlichen schon gefertigten Geräte verblieben dann in der DDR
oder wurden anderweitig verkauft.
Ein Gerät tauchte mal in Griechenland auf. Mit eingebautem Netzteil,
schien dort schon seehr lange gewesen zu sein.
Bei den meisten Geräten wurde sicher diese Soldatendarstellung
entfernt weil sie den Besitzern schlichtweg nicht gefiel. Aber hier
und da bliebs halt am Gerät."

Ich habe aus dem Bild mal den Soldaten herauskopiert, der auf dem Original-Radio für Syrien zu sehen ist:

Das Bild stammt aus einer Verkaufsplattform in Polen, zu der auch der oben angegebene Link führt.

 

Wolfgang Eckardt
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03.Nov.18 11:17
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Ich habe in der Zwischenzeit auch noch recherchiert zu diesem Modell und muss meine Antwort in Post 2 relativieren. Dabei bin ich auf ähnliche Informationen wie in der vorherigen Post 3 gestoßen. Vor allem vielen Dank für die Aussagen von Dr. Börner, Ilmenau. Er besitzt mehrere „Varianten“ dieses Modells in seiner Sammlung.

1. Es ist schon richtig, dass die DDR in den 1950er/1960er-Jahren größere Handelsbeziehungen in den „Nahen Osten“ unterhielt, auch mit Radios.

2- Was das Modell Batteriesuper 85/56B aus Sonneberg betrifft, scheinen Exportaufträge „geplatzt“ zu sein und die Geräte wurden nicht oder nur teilweise ausgeliefert.

3. Die für den Export vorgesehenen Geräte wurden bereits in Sonneberg mit verschiedenen Emblemen auf der Schallwand versehen und auf der Rückwand das Firmenschild der Händlerfirma aus Damaskus angebracht. (Zur Bedeutung dieser Embleme siehe diesen Thread.)

Das Bild zeigt die verschiedenen bisher gefundenen "Varianten":  - Ausgangsform mit Markennamen „Sonneberg“ – entferntes Emblem (Löcher für Besfestigung des Emblems noch sichtbar) – zwei verschiedene Embleme für den syrischen Händler – Firmenschild des Händlers in Damaskus auf der Rückwand – entferntes Firmenschild hinterlässt die zwei Bohrungen.

4. Da also ein großer Teil der für den Export vorgesehenen Geräte im Inland verblieb, gab es verschiedene Versuche, die Radios zu verkaufen. Was da im Einzelnen geschah, ist wohl kaum nachzuvollziehen und ist rein spekulativ.
Sicher wurden an einigen Geräten die „syrischen Embleme“ und Firmenschilder entfernt, vielleicht auch auf der Front durch „Sonneberg“ ersetzt, wobei aber die „Merkmale“ für den Export noch sichtbar blieben.

Da der Batterieanschlussstecker (4-Stift-Europa-Röhrensockel) für eine Spezialbatterie BP4048/90/1,5 aus dem BAE vorgesehen war (Bildquelle: Katalogblatt des BAE), die im Inland gar nicht gehandelt wurde und bisher unbekannt ist, änderte man dieses Anschlusskabel auf Bananenstecker um, wie es beim Nachfolgemodell 85/57 BII geschah (siehe Bedienungsanleitung und „radio und fernsehen“ 1959 H.1).

5. Da mehrere Geräte des 85/56B bekannt sind, die die typischen Exportmerkmale tragen aber ein eingebautes Netzteil des Koffer-Empfängers „Sylva (Version 1155.1) aus dem Funkwerk Halle und ein normales Netzanschlusskabel besitzen, scheint die Information zu stimmen, dass eine Berliner Handwerksfirma beauftragt wurde, das Batteriekabel zu entfernen und das Gerät mit eingebautem Netzteil als „normales“ Radio mit Netzanschluss (220 V~) umzurüsten, damit es im Inland verkauft werden konnte.

Schlussfolgerung: Das erwähnte und im bekannten Versteigerungshaus angebotene „Stern-Radio aus Damaskus“ hat Deutschland nie verlassen, hat seine „Export-Kennzeichen“ nur auf der Rückwand behalten, erhielt ein „Sylva“-Netzteil und wurde wahrscheinlich als reiner Netzempfänger verkauft.

Wolfgang Eckardt

This article was edited 03.Nov.18 17:03 by Wolfgang Eckardt .

  
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