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Valvo Röhren in höchster Vollendung

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Jens Both
Jens Both
 
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27.Dec.19 11:03

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Das oben gezeigte Büchlein ist wohl das erste Röhrendatenbuch der Radioröhrenfabrik Hamburg (RRF) aus dem Jahre 1928, wie es auch auf Seite 2 des Büchleins vermerkt ist.

Die Radioröhrenfabrik GmbH (RRF) wurde am 19.4.1924  als Tochter der Fa.C. H. F. Müller (Röntgenmüller) in Hamburg gegründet um die neu gestarteten Produktion von Radioröhren von den bei Röntgenmüller gefertigten Röntgenröhren handelsrechtlich abzusichern. Die RRF war zu 100 % im Besitz von Röntgenmüller.

Der Handelsname der RRF-Röhren „VALVO“ wurde 1926, das Valvo-Zeichen, das auf der Seite 2 des Büchleins erscheint, wurde  1927 in das Handelsregister eingetragen. Das Heft umfasst 20 Seiten und enthält die technischen Daten der oben genannten Röhrentypen.

Zur Geschichte der Acidröhren und der Zusammenarbeit zwischen RRF/VALVO und PHILIPS sowie mit dem o. g. Prof. Möller kann folgendes gesagt werden:

1922 gelang es in den USA (Westinghouse) und in Großbritannien (Marconi-Osram), Hochvakuumröhren mit einer Barium- oder Kalzium-Oxydschicht auf dem Heizfaden herzustellen. Diese Kathode hatte bei etwa 800 °C eine gleich große Emissionrate wie bisherige Röhren und glühte nur noch dunkelrot; die „Acid-“ oder Dunkelstrahler-Röhren“.

Das Konkurrenzverfahren zum Barium-Azid-Verfahren, das NIBA-Verfahren, wurde von F. Schröter (Telefunken) aus Berlin zum Patent angemeldet (DE383269 vom 16. Mai 1922). Bei PHILIPS gelang es Gustav Hertz 1923  auf ein ähnliches Acid-Verfahren ein Patent einzureichen (DE433323, 12. Dez. 1923). G. Hertz, der später mit dem Frank-Hertz-Versuch den Nobelpreis erhielt und Neffe von Heinrich Hertz war, hatte 1920 die Leitung des Physikalischen Labors der Philips NatLab in Eindhoven übernommen und führte es fünf Jahre bis zur Verleihung des Nobelpreises.

Ab 1923 begann die Unterstützung von Röntgenmüller durch Herrn Dr. G. Möller an der neu gegründeten Universität Hamburg. Er forschte an den physikalischen Eigenschaften von Glühkathoden für Röntgenröhren, die später auch für Empfänger- und Senderöhren wichtig waren. 1924 wurden bei der RRF die ersten Audion-Röhren dem Markt vorgestellt.

Im Juli 1924 kam es, aufgrund einer Forderung von Siemens aus Patentrechten zu einem finanziellen Engpass bei Röntgenmüller. Über einen Kunden und einer holländischen Bank wurde daraufhin ein Kontakt zwischen Röntgenmüller (Eigentümer M. Liebermann) und  Anton Philips hergestellt. Als Ergebnis wurde am 29. September 1924 ein Vertrag zwischen Röntgenmüller und PHILIPS geschlossen. Röntgenmüller bekam ein Darlehen für  9 Jahre. In einem Zusatzvertrag, dem sog. "Ulmer Vertrag" vom 27.03.1925 wurde außerdem vereinbart, dass PHILIPS der RRF einen   „adäquatem technischen Support“ gegen Gewinnbeteiligung liefert 1).

Die Zusammenarbeit mit Philips gestaltete sich für die RRF überaus erfolgreich. Es ist dokumentiert, dass B. Tellegen, der 1926 bei PHILIPS in Eindhoven die Pentode erfand, 1925 die RRF besuchte. In diesem Jahr brachte die RRF 7 neue Röhren auf den Markt 2).

Mitte 1927 übernahm PHILIPS, nach einem weiteren finanziellen Engpass bei Röntgenmüller, die Firma einschließlich der RRF mit ihren jetzt VALVO genannten Röhren ganz.

Die Acid-Röhren setzten sich auf dem Weltmarkt ab 1925 durch. In Deutschland aber kamen diese Röhren erst 1927/28 auf den Markt und zwar nahezu zeitgleich bei PHILIPS, VALVO (L414, L415) und Telefunken.

Es ist also davon auszugehen, dass RRF/ Valvo die Patentrechte von PHILIPS benutzte, um Acidröhren bzw. Dunkelstrahlerröhren herzustellen.

Das o. g. Patent von Prof. Möller stammt aus dem Jahre 1930. Da die RRF mit seinen VALVO-Dunkelstrahlerröhren  bereits in den  Jahren 1927/28 auf den Markt kam, kann das Möller-Patent nicht mit der Entwicklung der Acidröhren bei der RRF in Zusammenhang gebracht werden.

 

1) Quelle: "I. J. Blanken, The history of Philips Electronics N.V., Volume 3,  Eurpean Library - Zaltbommel, The Netherlands, 1999, ISBN 90 288 1439  6"

2) Quelle: RM: 531, Röhrenbestückung in Deutschland 1923 bis 1925

  
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