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Was hatte Drahtfunk für eine Bedeutung ?

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Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » Was hatte Drahtfunk für eine Bedeutung ?
           
Jens Dehne
 
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16.Sep.03 21:34

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Hallo in die Runde !

Auf älteren Radiogeräten gab es häufig einen Bereich / Band der "Drahtfunk" genannt wird. Neuere Geräte haben dann oft auf dem langwelligen Ende der LW einen "Stationsnamen" "Drahtfunk".

Wofür war das, was wurde auf "Drahtfunk" gesendet.

Hier auf der Skala eines neueren "Grundig" gibt es auf LW "Schweizer Rundspruch I - VI", sind damit die 6 Drahtfunksender gemeint ? Sind die bei entsprechender Kopplung mit dem Telefonnetz irgendwo auf dieser LW zu finden oder gab es genaue Frequenzen ?

This article was edited 18.Sep.03 20:47 by Jens Dehne .

Felix Schaffhauser
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17.Sep.03 08:27

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In der Schweiz lief das unter dem Begriff Telefon-Rundspruch während vielen Jahren. Die 6 Programme (ausgewählte) wurden früher als NF Signal über die Tel. leitung übertragen. Ein Schalter besorgte die Trennung von Telefon und Rundspruchprogrammen. Über spezielle Impulse wurde in der Tel. zentrale der Programmwähler umgeschaltet.

Später erfolgte die Übertragung dann über die Tel. Leitung mittels eingekoppelter Langwellen, wobei die 6 Programme auf feste Trägerfrequenzen im LW Bereich aufmoduliert wurden, so dass man durch Abstimmen des Empfängeres oder Auswahl festabgestimmter Filter die Programmauswahl treffen konnte. Solche "Empfänger" waren lange Zeit sehr beliebt in Heimen, Spitälern, Hotels, etc.

Felix

Jens Dehne
 
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17.Sep.03 08:54

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Danke für die Informationen.

Grüße aus Erfurt !

Georg Schön
 
 
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17.Sep.03 13:15

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Hallo,

das ist ein Interessantes Thema. In Deutschland gab es so etwas nur kurz

vor dem Krieg und nur regional (München, Berlin)

In der Schweiz hatte das wohl große Bedeutung und war (Ist noch?) lange

in Betrieb.

Geben Sie doch mal "telefonrundspruch" oder "drahtfunk" in die allgemeine

Suchfunktion des RMorg ein! Neben einigen deutschen Geräten findet man so

eine sehr große Zahl an Geräten aus der Schweiz.

Vor erst 2 Jahren habe ich auf dem "Estrich" eines Hauses in der baseler Altstadt

noch Leitungen und eine Abzweigstelle dieses Systems gesehen.

Mich würde interessieren, wie verbreitet dieses System in der Schweiz war

(nur Städte?), und bis wann es denn in Betrieb war.

Führte die deutschschweizerische Rundfunkanstalt nicht auch früher den

Begriff "Telefonrundspruch" im Namen?

Grüße,

Georg Schön

Markus Meier
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17.Sep.03 16:19

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Hallo

Der Telefonrundspruch war wirklich ein schweizerisches "Unikum". In den 30er Jahren war es der Niederfrequenz-Telefonrundspruch NF-TR. Ab 1940 gab es den Hochfrequenz-Telefonrundspruch HF-TR im LW-Band.

Im Jahre 1998 wurde er abgeschaltet, da er durch die moderne Technik ( u.a. ISDN ) zu stark gestört wurde. Zudem war er im Zeitalter von UkW qualitativ nicht mehr gut genug und die Abonnenten waren stark rückläufig.

In den besten Jahren erreichte er bis zu 450'000 Abonnenten.

Weitere Details (auch technische) habe ich auf meiner Homepage zusammengetragen :

www.biennophone.ch

oder direkt auf der "Unterseite" : http://www.biennophone.ch/telefonrundspruch.htm

Ich hoffe damit einige Infos liefern zu können.

Gruss

Markus Meier

 

This article was edited 11.Oct.09 12:51 by Markus Meier .

Franz Gysi
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18.Sep.03 11:11

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Im schweizerischen Bundeshaus ist noch immer ein geschlossenes HFTR-Netz in Betrieb: in vielen Büros stehen die HFTR-Emfpänger, nach wie vor mit den berüchtigten 6 Programmen.

Während der Sessionen wird je ein Kanal für die Uebertragung der Nationalratsdebatten und einer für die Ständeratsdebatten benutzt.

Soviel ich weiss gibts auch in Spitälern noch private Netze.

Franz

This article was edited 18.Sep.03 14:07 by Franz Gysi .

Markus Meier
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18.Sep.03 17:02

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@Franz

Das ist so, dass in gewissen Spitälern der HF-TR noch in Betrieb ist. Die 6 Programme werden aber jeweils selbst umgesetzt. Zum Beispiel ab der Gemeinschaftsantennenanlage konvertiert auf die 6 LW-Frequenzen. Dies hat den Vorteil, dass die Gebäudeverkabelung und die speziellen HF-TR-Empfänger noch gebraucht werden können.

Für den "Privatanwender" ist der HF-TR ab dem öffentlichen Telefonnetz, wie oben erwähnt, im 1998 abgestellt worden.

Markus

Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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28.Apr.06 20:35

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   8 In den 70er und 80er Jahren konnte man die Schweizer z.B. um ihr inhaltlich qualitativ hochwertiges Klassikprogramm beneiden, weil es nur per Rundspruch empfangbar war. Heute kann man sich Europaweit daran erfreuen, wenn man einen DVB-S Empfänger hat und (neben Astra) Eutelsat empfangen kann.
Keine Reklame in diesem Programm, Ansagen auf Französisch, Absagen auf Deutsch. Radio vom Feinsten.

Dietmar Rudolph
Jens Dehne
 
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01.May.06 21:05

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Gesucht und gefunden in "Kleine Chronik von Hörfunk und Fernsehen - 1923 ... bis heute", herausgegeben von der Deutschen Bundespost Telekom; Seite 17.

Der Drahtfunk im Amerikanischen Sektor Berlin (DIAS) beginnt am 7. Februar 1946 zu senden.

Viel Spaß beim störungsfreien Empfang!

Jens Dehne


PS: Danke Herrn Stadler für die interessante Lektüre!

Jens Dehne
 
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14.Sep.07 13:55

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Hallo Radiofreunde,

ich möchte diese ergänzende Information diesem Thema hinzufügen.

 

Rudolf Heinz schrieb mir per Mail:

 

dem Ausstellungskatalog zur Funkausstellung 1961 in Berlin

lag eine Informationsbroschüre der ARD bei, der ich folgende 

Bilder entnommen habe. 

Der RIAS war demnach 1961 immer noch über Drahtfunk zu hören.

Aber auch der NDR und WDR und das war mir bis heute nicht bekannt.

 

Schöne Grüße!

Jens Dehne

Hans M. Knoll
Hans M. Knoll
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14.Sep.07 21:34

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   11 Der Autor: Prof. Dr. Otto Künzel
FH Ulm, Prittwitzstr. 10
89075 Ulm

Hat an verschiedenen Stellen ( z.B. FG der GFGF) geschrieben:


Drahtfunk in Deutschland nach 1945

Nach Kriegsende wurde nochmals ein Versuch unternommen, das Drahtfunknetz in Deutschland
aufzubauen. In der sowjetischen Besatzungszone gab es sogar noch Versuche mit NF-Drahtfunk! Mit
der zunehmenden Verbreitung des UKW-Rundfunks und der Konkurrenz durch das Fernsehen nahm  die Zahl der Teilnehmer aber gegen Ende der 50er Jahre stark ab. 1963 gab es in der BRD noch ca.  93000 Anschlüsse. Am 30.6.63 (Berlin 1966) wurde das Drahtfunknetz daher generell stillgelegt.

Hans M. Knoll
Hans M. Knoll
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10.Oct.09 17:41

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Das Mitglied Herr Scheida, bat mich den von ihm gefundenen Beitrag zum Thema,  an den Vorgang anzuhaengen..  (Vielen Dank MfG Scheida)
Gerne komme ich dem nach. Hans M. Knoll


Herr Scheida:


Drahtfunk in Italien seit 1. Dezember 1959

"Am 1. Dezember hat in Rom, Mailand, Neapel und Turin der Drahtfunk, der
schon seit Jahren geplant und angekündigt worden war, seine Tätigkeit
aufgenommen.
In den genannten Städten gibt es nunmehr die Empfangsmöglichkeit von sechs
Kanälen im Drahtfunkbereich, wovon drei die normalen Rundfunkprogramme
übertragen. Ein weiterer Kanal bringt täglich zwei Sendungen mit ernster
Musik, die außerdem noch am gleichen Tag wiederholt werden. Im vierten Kanal
wird von 7 - 13 Uhr leichte "Berieselungsmusik" gesendet, die von 13 - 19
Uhr und von 19 Uhr bis Mitternacht wiederholt wird. Der sechste Kanal wird
für die Übertragung besonders aktueller Ereignisse freigehalten.

Fernsprech-, Rundfunk-, oder Fernsehteilnehmer brauchen für den Empfang des
Drahtfunks keine besonderen Gebühren zu entrichten. Dafür sind jedoch die
Kosten zu tragen, die dem einzelnen durch die Anlage (Errichtung) des
Drahtfunks entstehen.
RAI zeigt sich in dieser Beziehung aber recht großzügig und hat sich damit
einverstanden erklärt , dass diese Kosten im laufe einer längeren Zeit (bis
zu zehn Jahren) erstattet werden können.
Dabei schätzt man, dass die Kosten normalerweise 27.000 Lire (öS 1.100,-/?
80,-) nicht übersteigen werden. In diesem Betrag ist natürlich nicht die
Anschaffung eines Empfangs- oder Zusatzgerätes enthalten ohne das die
Drahtfunkanlage wertlos ist.
Ein derartiges Zusatzgerät, das allen Anforderungen entspricht und in
Zusammenarbeit mit RAI entwickelt wurde, kostet zur Zeit in Italien 15.000
Lire (öS 600,-/ ? 43,60)"


Quelle: A- Der Radiopraktiker Nr. 5/S20  31.Dezember 1959
 

This article was edited 10.Oct.09 17:41 by Hans M. Knoll .

Hans M. Knoll
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10.Oct.09 19:15

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Von meinem Kollegen und Freund, Wolfgang Bauer bekam ich eben den Hinweis auf ein Bauteil, ohne das der HF-Drahtfunk, ueber die Telephonleitung,  nicht funktionsfaehig war.

Der Umschalter, mit dem von Telephon- HF- Drahtfunk auf Aussenantennen umgeschaltet werden musste.

Hier der Beitrag mit Allem was dazu  gezeigt werden muss. (schaltung und photos)

Dank an W.B.

 

Hans M. Knoll 

Edit:Fehler beseitigt.

This article was edited 10.Oct.09 20:57 by Hans M. Knoll .

Manfred Kröll † 2.9.2013
Manfred Kröll † 2.9.2013
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11.Oct.09 20:49

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Im 2. Weltkrieg war bei Bomberalarm zumindest in Österreich auf Drahtfunk umzuschalten, da die Rundfunksendeanlagen abgeschaltet wurden um den Bomberverbänden die Möglichkeit zu nehmen sich an diesen zu orientieren.

Dies wurde jeweils in einer Sondermeldung - den älteren Leuten noch als "Kuckuck" geläufig - bekanntgegeben.

mfg

fred

 

Heribert Jung
 
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26.May.12 21:16

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Den angehängten Brief habe ich in einem historischen Buch gefunden. Er belegt, das der Drahtfunk bei Bombenalarm eine wichte Informationsquelle war.

Drahtfunkantrag 1944

Die Namen habe ich geschwärzt.

Dietmar Rudolph
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24.Dec.16 13:32
 
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Im "Archiv für das Post- und Fernmeldewesen Sept 1973" findet sich unter dem Titel "50 Jahre Rundfunk aus der Sicht der Deutschen Fernmeldeverwaltung" auf den Seiten 612 - 617 eine Übersicht über die "leitungsgebundene Übertragung von Tonrundfunk", in der die geschichtliche Entwicklung des Drahtfunks in Deutschland dargestellt wird.

Die leitungsgebundene Übertragung von Tonrundfunk

(Tondrahtfunk, Hördrahtfunk, Unterhaltungsdrahtfunk)

Die erste öffentliche, regelmäßigere leitungsgebundene und leitungsgerichtete Übertragung von Tonrundfunkdarbietungen in Deutschland basierte auf umfangreichen Versuchen in den Jahren 1924 - 1927 in Bayern, niederfrequent (100 bis 5 000 Hz) über Fernsprechleitungen oder besondere Hörleitungen der Post, Darbietungen der Münchener Staatsoper zu besonderen Opernhörstuben zu übertragen. Von 1928 an wurde das Rundfunkprogramm der "Deutschen Stunde in Bayern" über das Leitungssystem in München, Augsburg, Nürnberg, Würzburg u. a. mitübertragen. Andere Versuche mit niederfrequenter Musikübertragung über Leitungen waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg (beginnend 1881) durchgeführt worden. Es kam damals aber zu keiner allgemeinen Einführung, da bis dahin keine geeigneten Lautverstärker vorhanden waren. Niederfrequenter Drahtfunk war in Bayern bis 1945 in Betrieb [1], [2], [3].

Das schon bestehende, stark verästelte Fernsprech - Leitungsnetz mitzubenutzen, war nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Gründen zweckmäßig. Doch die weiteren Wünsche, wie "Die Auswahl unter mehreren Darbietungen bei aktiver und passiver Beeinflussungsfreiheit von oder auf das Trägernetz bei möglichst wenig Änderungen auf der Empfangsseite" [4], konnten mit vernünftigem Aufwand nur durch trägerfrequente Ausnutzung der Fernsprechnetze erfüllt werden [5].

Ab 1926 waren auch von der DRP Versuche unternommen worden, das Überlandnetz von Elektrizitätswerken zur Übertragung mitzubenutzen, aber das Verfahren wurde wegen Unwirtschaftlichkeit und der starken Störungen wieder aufgegeben [6]. Erste Versuche, im Langwellenbereich der normalen Rundfunkempfänger Rundfunkprogramme mittels Trägerfrequenzen über Fernsprechleitungen zu übertragen, wurden von der DRP im Ortsfernsprechnetz Breslau durchgeführt. Es folgten 1934 das Versuchsnetz des Reichspostzentralamtes in Berlin und weitere kleine Netze, die in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Industrie errichtet wurden. Im Sommer 1938 bestanden 17 Drahtfunkversuchsanlagen, an die vorwiegend als Drahtfunkteilnehmer Angehörige der DRP angeschlossen schlossen waren. Wohl als Auswirkung der "Drahtfunkverordnung vom 19. 3. 1939", die die gesetzliche Grundlage für eine allgemeine Einführung bot, nahm der Ausbau des Ton-Drahtfunks (Ton-DF) bald einen größeren Umfang an. Die Zahl der Drahtfunksendeämter nahm ab 1939 innerhalb von zwei Jahren von 60 auf 138 und die der DF-Verstärkerämter von 200 auf 829 zu. Leider sind die genauen Zahlen über den Stand während des Zweiten Weltkrieges durch Kriegseinwirkung verlorengegangen.

Die meisten der insgesamt bis zu 176 000 Drahtfunkteilnehmer waren in Hamburg, Berlin, Düsseldorf angeschlossen. Mit Kriegsende wurden zunächst alle Drahtfunkanlagen von den Besatzungsmächten außer Betrieb gesetzt. Bereits im Oktober 1945 konnten aber die Anlagen in Lübeck und Hamburg wieder eingeschaltet werden. In der britischen Besatzungszone waren im Sommer 1948 wieder für 38800 Drahtfunkteilnehmer 32 Drahtfunksendeämter in Betrieb, die das Programm des NWDR und BFN verbreiteten.

In der US-Zone arbeiteten 1948 wieder 4 Df-Sendeämter mit 12 Verstärkerämtern, die das Programm von Radio München auf der Frequenz 249 kHz übertrugen.

Vom 1. 4. 1950 an stellten die Rundfunkanstalten jeweils 2 Programme für die Netze zur Verfügung.

In Berlin wurde im russischen Sektor ab Ende 1945 das Programm des Rundfunksenders Tegel und im amerikanischen Sektor ab Februar 1946 das RIAS-Programm auf dem noch bestehenden Drahtfunknetz übertragen. Später wurde in der britischen und amerikanischen Zone das NWDR- und das RIAS-Programm und ab September 1948 diese auch in der französischen Zone verbreitet. 1948 waren in Berlin am symmetrischen Drahtfunk 27 000 Teilnehmer angeschlossen. Im Dezember 1948 wurde der russische Sektor abgetrennt. Während der Blockade Berlins sendete RIAS vom Januar 1949 an neben den gewöhnlichen Rundfunkprogrammen ein "Blockprogramm", das den jeweils stundenweise mit Strom belieferten Stadtteilen innerhalb dieser Zeitspanne die wichtigsten Sendungen des vorangegangenen halben Sendetages brachte. Wie viele Berliner Hörer diese Programme empfingen, ist nicht bekannt [3].

Die technischen Möglichkeiten des Drahtfunks, einwandfrei mindestens bis zu 3 Tonrundfunkprogramme verbreiten zu können, wurden zunächst nicht mehr genutzt. Ebenso mußte die DBP ihr ursprüngliches Ziel, nach dem Krieg den Drahtfunk in großem Umfang aufzubauen und technisch zu modernisieren, aufgeben. Durch das Besatzungsrecht war bekanntlich die Zuständigkeit für die Rundfunkprogrammverbreitung auf die Landesrundfunkanstalten übergegangen, und diese betrieben mit Nachdruck den Ausbau der drahtlosen UKW-Tonrundfunksendernetze. Die Tendenz der Rundfunkanstalten ging dahin, Drahtfunk möglichst nur noch in den Gegenden einzusetzen, in denen ein drahtloser Empfang nicht möglich war. Hinzu kamen die Schwierigkeiten mit den verschiedenen Vorschriften der Besatzungsmächte beim Übergreifen in andere Besatzungszonen. Es wurden deshalb öffentliche Drahtfunknetze von der DBP nur noch in den OPD-Bezirken Braunschweig, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt/M., Freiburg, Hamburg, Hannover, Köln, München, Neustadt/Weinstr. sowie in Berlin (West) weiterbetrieben.

In Bild 129 sind die Ende 1956 bestehenden oder geplanten Drahtfunk-Netzgruppen dargestellt. Die Anzahl der Df-Teilnehmer betrug damals fast 125 000. Ende 1960 waren es noch 100 000. Die Drahtfunkdichte betrug im Mittel in der BRD 0,5 % und erreichte in einigen Gebieten Werte von 10 bis 20 %. Bis zu Beginn 1963 war die Zahl der Teilnehmer auf 83 000 zurück gegangen, so daß der DBP ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich war. Im Sommer 1963 hatte von 190 Rundfunkteilnehmern noch einer einen Drahtfunkanschluß und damit die Möglichkeit, je nach örtlichen Verhältnissen, zwei, drei, vier, in Sonderfällen sogar fünf Rundfunkprogramme ohne zusätzliche, besondere Antenne und UKW-Teil mit normalen Empfangsgeräten mit vergleichsweise guter Qualität störungsfrei zu empfangen. Neue Drahtfunk-Anschlüsse wurden ab 1961 nicht mehr eingerichtet. Die Entwicklung der Df-Anschlüsse in der BRD (ohne Berlin) ab 1951 bis zu der am 15. 10. 1962, vom Verwaltungsrat der DBP beschlossenen Einstellung zum 30. 6. 1963 ist in Bild 130 dargestellt. Es war ein stetiger Rückgang der Teilnehmerzahlen zu verzeichnen, der darin zu suchen war, daß der Ausbau des UKW-Tonrundfunks und des Fernsehrundfunks und die zunehmende Verbreitung von UKW-Empfängern das Interesse schwinden ließ und daß ab 1955 jegliche Werbung für den Unterhaltungsdrahtfunk (Tondrahtfunk) eingestellt worden war. Die technischen Einrichtungen waren veraltet und nicht mehr betriebssicher, der Vorrat an Amtsbaustellen war aufgebraucht. Neue Einrichtungen waren in den Nachkriegsjahren nicht mehr entwickelt worden [8].

Der allgemeine Tondrahtfunk wurde am 30. 6. 1963 bei einem Stand von 78 000 Teilnehmern eingestellt. Ausgenommen bleiben zunächst West-Berlin und die Anlagen, die in echten Versorgungslücken des drahtlosen Rundfunks, z. B. in Gebirgstälern, bestanden. Weiterbetrieben wurden die Df-Netzgruppen Garmisch-Partenkirchen, Bad Reichenhall und Immenstadt bis 31. 3 1965. Im OPD Bezirk München waren am 1. 1. 1965 noch 1559 gebührenpflichtige Df-Anschlüsse vorhanden. Berlin (West) wurde als das letzte Df-Netz der DBP am 30. 9. 1966 außer Betrieb genommen.

Technik des Tondrahtfunks

In nennenswertem Umfang wurden Rundfunkdarbietungen niederfrequent, mit Ausnahme in Bayern, in der BRD nicht übertragen. Beim Nf-Drahtfunk wurden entweder mit Fernsprechanschlüssen beschaltete, unbespulte Fernsprechleitungen des Ortskabelnetzes mitbenutzt oder besondere, unbelegte und unbespulte Leitungen beschaltet. Bei Benutzung des Fernsprechers wurde über Relais die Drahtfunkversorgung selbsttätig von der Teilnehmerleitung abgetrennt. Über eine Leitung konnten mehrere Empfänger in benachbarten Wohnungen oder Häusern direkt versorgt werden. Als Empfänger dienten Lautsprecher oder erforderlichenfalls einfache Nf-Verstärker mit eingebautem Lautsprecher. Die Übertragungsbandbreite war 100 - 5 000 Hz. Für mehrere Programme wäre für jedes Programm ein eigenes Verteilnetz und eine Anschlußleitung erforderlich gewesen [1]. Die für den Ausbau der allgemeinen Df-Netze angewandte Übertragungstechnik in Deutschland stützte sich auf den trägerfrequenten Tondrahtfunk (Df). Die verwendeten Amtseinrichtungen, das Drahtfunk-Zubehör usw. sind in der technischen Literatur ausführlich beschrieben [4], [10], [11], [12]. Es soll hier nur ein kurzer Überblick gegeben werden.

Die für die Entwicklung des Tondrahtfunk-Konzepts in Deutschland maßgebenden. grundsätzlichen Forderungen wurden bereits eingangs geschildert. Die vorhandene Millionenstückzahl der Empfänger war ebenso von größter volkswirtschaftlicher Bedeutung wie, daß das vorhandene Fernsprechleitungsnetz mitbenutzt werden konnte. Das Ziel war, daß bei größtmöglicher Störungsfreiheit die Mannigfaltigkeit bei der Auswahl technisch hochwertiger Programme gleich oder größer sein müßte als bei dem drahtlosen Empfang [4]. Ausgehend von diesen Forderungen wurde als Frequenzbereich für die Übertragung 150 kHz- 250 kHz gewählt, in dem mit Rücksicht auch auf einfache Empfänger normalerweise drei Programme übertragen wurden. Bei der Festlegung der Trägerfrequenzen (160, 210 und 249 kHz) mußten vier wichtige Gesichtspunkte beachtet werden:

  • Die Trägerfrequenzen mußten, wegen der geringen Trennschärfe, einen Abstand von etwa 30 kHz voneinander haben,
  • die Träger mußten so liegen, daß keine störenden Kombinationstöne entstehen konnten,
  • es durften sich keine Pfeiftöne im Überlagerungsempfänger bilden,
  • Interferenzen mit drahtlosen Sendern mußten vermieden werden [12].

Als Eingangsspannung für die Empfänger wurde 15 ... 25 mV/150 Ohm, entsprechend 4 μW Teilnehmerleistung festgelegt [4]. Die Rundfunkprogramme wurden aus den Studios über das Rundfunkleitungsnetz der DRP einem "Drahtfunksendeamt“ zugeführt. Hier wurden in "Drahtfunksendern" die Trägerfrequenzen erzeugt, mit den Rundfunkprogrammen moduliert und dann über eine unbespulte Leitung (Kabel- oder Freileitungen) zu "Drahtfunkverstärkerämtern" weitergeleitet. Diese waren meist in den Fernsprech-Ortsämtern untergebracht. Für Drahtfunk-Verbindungsleitungen wurden auch besondere, nur für den Drahtfunk vorgesehene Doppeladern in den neuen Fernleitungskabeln benutzt. In den Verstärkerämtern waren die Df-Verstärker aufgebaut, die die erforderliche Df-Leistung an die angeschlossenen Df-Teilnehmer über Df-Amtsweichen und ggf. an nachgeschaltete Df-Verstärkerämter, abgaben. Df-Verstärkerämter mußten nicht unmittelbar an ein Sendeamt angeschlossen sein, es konnten bis zu 4 (in Sonderfällen bis zu 6) Verstärkerämter in einer Leitung hintereinandergeschaltet werden.

Über Df-Anschlußleitungen (meist unbespulte Fernsprechleitungen) wurde die Teilnehmerweiche gespeist. Ein Verstärker konnte bis zu 200 Anschlußleitungen versorgen [8]. Durch die Hochpaß-(HP) und Tiefpaß-(TP) Filter der Teilnehmerweichen wurden die hochfrequenten Schwingungen des Df von den niederfrequenten Schwingungen des Fernsprechdienstes am Anfang und Ende der Anschlußleitung voneinander getrennt und die HF-Spannung den Df-Anschaltdosen zugeführt. Für den symmetrischen Abschluß der Df-Anschlußleitung enthielt die Df-Anschlußdose einen HF-Übertrager. Durch diesen wurde vermieden, daß die Leitung über die Erdbuchse des angeschlossenen RF-Empfängers erdunsymmetrisch wurde, so daß sie keine HF-Störspannungen aufnehmen konnte. Außerdem verhinderte er, wegen seiner hohen Dämpfung von NF-Sprechströmen, daß Df-Teilnehmer von Sammelanschlüssen sich mit unrechtmäßig angeschalteten Fernsprechapparaten untereinander verständigen konnten und bot Schutz gegen Eindringen von Starkstrom aus schadhaften Empfängern. Die Df-Anschaltdose ermöglichte dem Df-Teilnehmer durch Umlegen eines Schalters den wahlweisen Empfang von Hörfunkprogrammen über das Df-Leitungsnetz oder von Sendungen drahtloser Rundfunksender über Antenne und Erde. Der Fernsprechanschluß wurde über den Tiefpaß der Weiche an die Leitung geschaltet. Durch die Filter wurde sichergestellt, daß Schaltvorgänge im Fernsprechnetz den Drahtfunk nicht störten und der Df-Teilnehmer niederfrequente Ferngespräche nicht abhören konnte. Das war wichtig, da eine Anschlußleitung für den Anschluß von bis 30 Teilnehmern verwendet werden konnte.

Das Bild 131 zeigt in schematischer Darstellung, wie die Df-Übertragung vom Studio bis zum Teilnehmer erfolgte.

Das Drahtfunksendeamt, die Df-Verstärkerämter und die Df-Teilnehmer mit den jeweils dazwischen liegenden Verbindungsleitungen bildeten eine Df-Netzgruppe. Der Durchmesser derartiger Df-Netzgruppen betrug bis zu 50 km. Sicherheitsgründe sprachen dafür, das Gebiet nicht zu groß zu wählen und die Df-Netzgruppen soweit zu vermaschen, daß bei Ausfall eines Senders die Nachbarsender das beeinträchtigte Gebiet mitversorgen konnten. Den grundsätzlichen Aufbau einer Df-Netzgruppe zeigt Bild 132.

Als Verstärker im Netz wurden vorwiegend Breitbandverstärker verwendet. Die Übertragungsgüte war, dank der verwendeten großen NF-Bandbreite von 30 - 10000 Hz hoch. Die Träger waren amplitudenmoduliert, es wurden beide Seitenbänder voll übertragen. Der Klirrfaktor, betrug weniger als 1,5 % bei 80 % Modulation.

Während der Ton-Drahtfunk - aus Gründen, der Störfreiheit - normalerweise symmetrisch übertragen wurde und den Drahtfunksendern bis zum Kriegsende über das gut ausgebaute Rundfunkleitungsnetz das Programm des Deutschlandsenders, des Bezirkssenders und das eines benachbarten Sendebereichs zugeführt wurde, wurde in den letzten Kriegsjahren das Netz für den Luftschutzwarndienst der Zivilbevölkerung in den Städten herangezogen. Damit in kurzer Zeit möglichst viele Rundfunkteilnehmer einen Anschluß an das, Df-Netz erhielten, wurde als Notlösung eine "unsymmetrische Versorgung" eingeführt. Im Df-Sendeamt wurde die Sendespannung der Amtserde und über Kondensatoren nicht beschalteten Doppeladern jedes Teilnehmerkabels zugeführt. Der Rundfunkteilnehmer hatte selbst eine Verbindung mit der Fernsprechleitung (z., B. Kabelmantel) zur Antennenbuchse seines Rundfunkempfängers herzustellen. Die Übertragung war dabei sehr ungleichmäßig und oft stark gestört [7].

Die in der Schweiz für den "Telefon-Rundspruch" bis 1997 verwendete Technik wird auf der Seite "Biennophone" dargestellt.

MfG DR

Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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23.Oct.17 14:17

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Bei einem Urlaub in der Schweiz ca. 1977 gab es folgende Informations-Prospekte zum Telefon-Rundspruch. Dieser konnte damals sogar mit Hilfe eines Grundig Satellit 2000 und eines um die Anschluß-Schnur des Telefons gewickelten (Antennen-)Drahtes empfangen werden.

 

Heute gibt es statt Telefon-Rundspruch eine Versorgung über Satellit (Eutelsat). Dadurch ist der Empfang auch in den Tälern gesichert - auch ohne daß man dafür "ein kleines Vermögen"  ausgeben müßte.

Der Satelliten-Empfang der Schweitzer Radio-Programme ist auch in ganz Deutschland möglich. Das Klassik-Programm, absolut werbefrei, ist dabei besonders lohnend!

MfG DR

Georg Richter
Georg Richter
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26.Oct.17 01:29

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Meldung in der Funkschau 1936 Nr.39 vom 27,09.1936, S.306:


Titelthema der Funkschau 1936 Nr.42
vom 18.10.1936

Ich hoffe dass auch der folgende Extrakt
von der Genehmigung des WEKA Fachverlag
abgedeckt wird.

Der Autor ist "Dew.-m."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der hochfrequente Drahtfunk erlaubt gleichzeitig Rundfunk zu hören und zu telefonieren. Unser Bild zeigt einen Drahtfunk-Anschluß mit angeschaltetem Volksempfänger. Rechts im Kreis: Die notwendige zusätzliche Einrichtung, die nur in einem kleinen Kästchen und in einer Steckdose besteht, läßt sich überall leicht anbringen.

Hochfrequenz-Drahtfunk,

eine neue Art der Rundfunkprogramm-Übertragung?

Das Wort "Drahtfunk" dürfte vielen nicht unbekannt sein, nachdem in Süddeutschland etwa seit 1930 der Drahtfunk offiziell eingeführt und seither in Betrieb ist und die Zahl der Drahtfunk-Teilnehmer eine viel größere ist, als man aufs erste geneigt ist anzunehmen. Der Drahtfunk übermittelt, wie der Name bereits ausdrückt, über Drahtleitungen dem angeschloßenen Teilnehmer das Programm des nächstgelegenen Senders, z.B. des Reichssenders München. Als Drahtleitungen werden die Telefonleitungen benutzt, so daß jeder, der Telefonanschluß im Heim hat oder sich die Anschlußleitungen einrichten läßt, nach Anbringung der Drahtfunk-Steckdose und Einsetzen eines kleinen Verstärkers mit Lautsprecher Drahtfunk-Teilnehmer werden kann.

Bei dieser Art der Übertragung des Rundfunkprogramms handelt es sich um niederfrequenten Drahtfunk. Die Musik des Senders läuft in der nämlichen Form, wie sie das Mikrophon verläßt, nach Passieren verschiedener Verstärker über Sondereinrichtungen in den Telefonämtern zum Teilnehmer hin, wie das gesprochene Wort bei einem gewöhnlichen Telefongespräch. Entweder kann daher der Teilnehmer ein Gespräch führen oder das Programm abhören.

Die Gründe für die Einführung des Drahtfunks sind bekannt. Der Empfang über Draht kann nicht wie der drahtlose Empfang durch atmosphärische oder andere Störungen beeinträchtigt werden. Ferner ist es möglich, auch in solche Landstriche den Rundfunk hineinzutragen, die wegen des Nahschwundes heute noch auf Empfang eines Senders mit allereinfachsten Geräten verzichten müssen. Aus diesen und anderen Gründen haben ja auch andere Länder, wie z.B. die Schweiz, ähnliche Einrichtungen geschaffen — teilweise mit einem eigenen Leitungsnetz — und halten sie in Betrieb.

Neben dem Niederfrequenz-Drahtfunk wurde neuerdings ein Hochfrequenz-Drahtfunk entwickelt. Die erste Stadt Deutschlands, die Hochfrequenz-Drahtfunk erhielt, ist Rostock in Mecklenburg. Hier wird bereits seit einem Jahr im Versuchsbetrieb mit gutem Erfolg gearbeitet. Hochfrequenz-Drahtfunk unterscheidet sich grundsätzlich insoferne von der obengenannten Art Drahtfunk, als hier das gesprochene Wort erst einmal einer Trägerfrequenz aufgedrückt wird. Diese Frequenz ist so hoch gewählt, daß sie mit einem gewöhnlichen Rundfunk-Empfänger empfangen werden könnte, wenn — sie ausgestrahlt würde. Das geschieht jedoch nicht, vielmehr wird die Hochfrequenz in die Teilnehmerleitungen geleitet, so daß sie der Drahtfunk-Teilnehmer abnehmen kann, wenn er die geeigneten Einrichtungen hat. Auf der einen Seite ist also ein kleiner Sender (etwa 5 Watt Leistung) überall dort eingesetzt, wo die vorhandenen Übertragungs-Programmleitungen der Rundfunksender zugänglich sind und in allen Fernsprechämtern. Nachdem, wie soeben gesagt, die Hochfrequenz so gewählt ist, daß sie auf einem Rundfunkempfänger eingestellt werden kann, hat man in der Versuchsanlage in Rostock gleich drei etwas auseinanderliegende Frequenzen gewählt. Man gibt alle drei zu gleicher Zeit — natürlich jeweils mit einem anderen Programm beladen — in die Telefonleitungen und überläßt es dem Drahtfunk-Teilnehmer, sich eine von den dreien mit Hilfe seines Rundfunkempfängers herauszusuchen und was sie bringt, abzuhören.

Der Drahtfunkhörer hat also bei dieser neuen Art des Drahtfunks Auswahl unter drei verschiedenen Programmen, ein Vorteil, der sehr hoch einzuschätzen ist. Darüber hinaus bringt es die Technik des Hochfrequenz-Drahtfunks mit sich, daß die Qualität der Wiedergabe eine außerordentlich gute ist, vorausgesetzt nur, daß ein wirklich gutes Rundfunkgerät mit einem guten Lautsprecher zur Verfügung steht. Die neue Einrichtung wird vor allen Dingen den Besitzern kleiner und billiger Apparate Vorteile bringen, die bisher nur in der Lage waren, die Ortssendungen abzuhören. Diese Rundfunkteilnehmer werden jetzt an Stelle des einen einzigen Programms drei mit dem gleichen Apparat zur Auswahl haben.

Auf der Seite des Drahtfunk-Teilnehmers wird von der Reichspost eine Anschlußmöglichkeit für das Rundfunkgerät geschaffen, wobei es völlig gleichgültig ist, welcher Type das Gerät ist, da der Anschluß an Antenne und Erde erfolgt. Ist der Drahtfunk-Teilnehmer nicht im Besitz eines Fernsprechers, so wird ihm von der Reichspost ein Anschluß in Form eines Kästchens hergestellt. Kommt übrigens während des Abhörens eines der drei Programme ein Telefongespräch an, so wird dadurch die Übertragung nicht unterbrochen. Umgekehrt tritt auch bei einem Anruf des Teilnehmers keine Unterbrechung auf.

Auf der Rundfunkausstellung 1936 konnte man übrigens auf dem Stand der Reichspost u.a. eine Teilnehmer-Einrichtung für hochfrequenten Drahtfunk sehen..

Ein Drahtfunk-Verstärker, wie er in Fernsprech-Vermittlungsstellen zur Aufstellung gelangt. Sämtliche Aufnahmen: Werkaufnahme. C.Lorenz A.-G.
 


 

  
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