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Wer hat den TV Kanal 1 "gestohlen"?

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Wolfgang Scheida
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08.Jan.06 16:26

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Wer hat den TV Kanal 1 „gestohlen“ ?

Liebe Sammlerkollegen,

sowohl bei Ihrem aktuellen wie auch nostalgischen TV Geräten werden Sie feststellen, dass der Kanal 1 im Raster fehlt.

Alle Geräte beginnen erst mit E02 wobei alte Österreich Geräte noch das Novum eines Kanals E02A mit einem 1,25MHz Offset für Sender Jauerling/Niederösterreich haben.

Da der Kanal 2 mit 47 MHz beginnt, wäre demnach gemäß 7MHz Raster der Kanal 1 auf 40 bis 47 MHz zu suchen. Dort fand man früher auch London und Paris mit 405/441 Zeilen Standard.

Warum ist also in der CCIR Normung nicht gleich mit E01 auf 47MHz begonnen worden wenn man z.B. wegen erhöhter Störanfälligkeit die Frequenzen darunter vermeiden wollte?

Dies wurde z.B. in der Russischen OIRT Norm umgesetzt wo Kanal R01 mit 48MHz beginnt obwohl diese Normierung bereits älter als die CCIR 7MHz Kanalrasterung sein müsste.

Interessant ist das auch der Umstand dass auch in den USA der Kanal 1 fehlt. Dort war es jedoch die FCC die unmittelbar nach der Normierung diesen Kanal für FM Radio Sendungen frei gab und für TV sperrte.

Weiß jemand mehr?

Liebe Grüße W. Scheida

 

Nachtrag:

Das Niederländische 1950 - 625 Zeilen Philips TX400 Gerät hat noch den Kanal 1 ! (Nur VHFI - kein VHF III Tuner) http://www.radiomuseum.org/r/philips_tx400_tx_400.html

 

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This article was edited 14.Jan.07 19:29 by Wolfgang Scheida .

Karl-Heinz Bradtmöller
 
 
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08.Jan.06 17:42

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Hallo,
der alte Selena-Euromatik-Portable-Rundfunkempfänger made in UdSSR hatte einen Trommeltunereinsatz für hohe Kurzwelle, womit FM-Rundfunk empfangen werden konnte, natürlich nicht hier, sondern in der Sowjetunion, dort nutz(e) man den Bereich ab 40 MHz für Rundfunksendungen.
Wohl wegen der höheren Reichweite.
Kann mich noch daran erinnern, daß der Sender Oldenburg/Steinkimmen Kanal 2 gelegentlich durch Tonträger-Überreichweiten aus der UdSSR gestört wurde. Mittlerweile wurde die Flächendeckung in Niedersachsen auf dem VHF-Band I gänzlich aufgegeben und seit den 80-er Jahren eine Umstellung auf UHF vorgenommen. Steinkimmen sendet also nicht mehr auf Band I, schade, denn viele Seeleute werden das VHF-BandI-Fernsehen an Bord vermissen.
Soweit meine Infos.


Herzlichst,
Ihr K.-H.B.
Wolfgang Scheida
Wolfgang Scheida
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08.Jan.06 18:00

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3 Danke für die Antwort.

Ich nehme aber an Sie meinen das FM OIRT Band II mit 65,9 MHz bis 73,1 MHz; was ja ebenfalls weit vom theoretischen Kanal 1 entfernt ist.

Eine UdSSR Überreichweite auf Kanal E02 würde dann aber vom OIRT TV Kanal R01 gekommen sein (TSS Moskau etc.) 

MfG  
Heiner Herrmann
 
 
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09.Jan.06 19:24

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4
 
Bei der Festlegung der Kanäle und der Normen durch die CCIR war bereits klar, daß man auf Geradeausempfänger würde verzichten müssen. Das Superhetprinzip war also "klare Sache". Aus ökonomischen und bestimmten technischen Gründen (Eigenstrahlung, Oberwellen, Fremdeinstrahlung) wurde dabei der heute noch übliche Bereich für die ZF-Frequenzen gewählt, ganz grob gesagt 33-39 MHz. Ein Empfang vom theoretischen Kanal 1 wäre (also ab 40 Mhz) viel zu nahe an der eigenen ZF. Bei der hohen Gesamtverstärkung eines TV-Empfängers wäre Schwingneigung die Folge. Andere Mischprodukte würden direkt in die Nutzbandbreite (Videosignal) fallen.
Eckhard Kull
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09.Jan.06 19:36

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5 Hallo,

jetzt wird es zunächst etwas bürokratisch:
Gemäß der internationalen Verteilung und Zuweisung der Frequenzbereiche 10 kHz - 275 GHz nach dem Internationalem Fernmeldevertrag (IFV) der Internationalen Fernmeldeunion ist der Frequenzbereich von 41 - 47 MHz in der Region 1 primär dem Rundfunkdienst zugewiesen.
Sekundär dürfen feste und bewegliche Funkdienste diesen Frequenzbereich nutzen.
Dies bedeutet, daß in diesem Bereich der Fernseh-Kanal 1 liegt, dabei ist es von nachrangiger Bedeutung, ob eine Nutzung mit der in Deutschland, Österreich usw. verwendeten Fernsehnorm
technisch sinnvoll ist. Es handelt sich um internationale Frequenznutzungsabkommen.

Die Region 1 beinhaltet in nördlichen Regionen (hier wird die gesamt Weltkugel betrachtet) im großen und ganzen Europa einschließlich der gesamten ehemaligen UdSSR. Begrenzt ist die Region 1 im Westen durch den 10. Grad westliche Länge, im Osten durch den 40. Grad östliche Länge.
Diese internationalen Abkommen der Frequenznutzung werden von den einzelen Staaten in nationale Bestimmungen und Verordnungen umgesetzt. Für die Bundesrepublik Deutschland liegt mir ein Taschenbuch aus dem Jahr 1975 mit dem Frequenzbereichs-Zuweisungsplan für die Bundesrepublik Deutschland und Berlin(West), herausgegeben vom Bundesministerium für das Post und Fernmeldwesen, vor.

Darin ist der Bereich von 41 bis 47 MHz auschließlich festen und beweglichen Funkdiensten zugewiesen, also nicht für Rundfunkzwecke freigegeben. Somit kann der Kanal 1 in der Bundesrepublik Deutschland nicht für Fernsehzwecke verwendet werden.

Was unter festen bzw. beweglichen Funkdiensten zu verstehen ist muß sich der Leser selbst vorstellen z.B. Flugfunk, Taxifunk, Betriebsfunk, Funk von Hilfsorganisationen, medizinische Hochfrequenzanwendungen, Richtfunk, Hochfrequenzanwendungen bei der Industrie aber auch militärische Nutzungen und Nutzung von Behörden mit Sicherheitsaufgaben. Da diese letzteren Nutzungen im allgemeinen bei jedem Staat mehr oder weniger der Geheimhaltung unterliegen macht der Frequenzbereichs-Zuweisungsplan für die Bundesrepublik Deutschland in der mir vorliegenden Ausführung hier nur ganz allgemeine Aussagen über die Frequenznutzung.

Der Frequenzbereich von 47 - 68 MHz ist international in der Region 1 dem Rundfunkdienst zugewiesen. Allerdings mit der Ausnahme für Österreich, Bundesrepublik Deutschland und der Tschechoslowakei. Hier wird dieser Frequenzbereich festen und beweglichen Funkdiensten, mit Ausnahme des beweglichen Flugfunkdienstes, zusätzlich auf sekundärer Basis zugewiesen.

Die Zuweisung in der Bundesrepublik ist deshalb primär Rundfunkdienst und sekundär fester Funkdienst und beweglicher Funkdienst.
Der Frequenzbereich 47 - 68 MHz beinhaltet die Fernsehkanäle 2: 48,25 - 53,75 MHz, 3: 55,25 - 60,75 MHz, 4: 62,25 - 67,75 MHz des (Fernseh)Bereiches I

Es bestand von Seiten der Funkfrequenzverwaltung in der Bundesrepublik Deutschland ein Interesse den Rundfunkdienst aus dem Bereich I herauszubekommen. Aus diesem Grund wurde der Bereich I für Fernsehrundfunk aufgegeben.

1993 gab es in Deutschland noch die 8 folgenden Fernsehsender im Bereich I:

Kanal 2  Biedenkopf                100kW          ARD  HR
Kanal 2  Göttelborner Höhe      100kW          ARD  SR
Kanal 2  Grünten/Allgäu           100kW          ARD  BR
Kanal 3  Kreuzberg/Röhn          100kW          ARD  BR
Kanal 3  Rabenau                      5W            ARD  MDR
Kanal 4  Flensburg                   50kW          ARD NDR
Kanal 4  Ochsenkopf/Fichtelgeb. 100kW        ARD BR
Kanal 4  Raichberg                   100kW         ARD SWF

Quelle: "Terrestrischer Rundfunk FTZ 17 AB 11, Ausgabe 1993, Verzeichnis der Ton- und Fernsehrundfunksendestellen in der Bundesrepublik Deutschland"

Viele Grüße
Eckhard Kull

This article was edited 09.Jan.06 21:30 by Eckhard Kull .

Konrad Birkner † 12.08.2014
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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   6 Das ursprüngliche FM-Band in USA 42,1 - 49,9 MHz ging auf die Initiative von Major E.Armstrong zurück.
1941 liefen ca 30 kommerzielle und 18 experimentelle FM - Stationen.
An FM-Radios gab es 1941 13 Standmodelle und 1942 wurden schon 41 verschiedene Standmodelle angeboten. (Die Zahl der Tischmodelle ist mir nicht bekannt).

Sarnoff, der Chef von RCA, hatte sich mit Armstrong in Patentstreitigkeiten überworfen. RCA wollte keine Lizenzgebühren an Armstrong zahlen. Andere Hersteller folgten nur zu gerne dem Beispiel der mächtigen RCA. Sarnoff setzte alles daran, dem Kontrahenten zu schaden und schaffte es nach dem Krieg der Behörde einzureden, der besagte Frequenzbereich sei unbedingt fürs Fernsehen nötig und deshalb müsse FM auf 87 - 108 MHz verlegt werden.

Damit konnte er Armstrong erheblichen Schaden zufügen, weil dessen gesamte Anlagen überflüssig wurden und auch dessen Patente wertlos wurden.
Am Ende beging Armstrong aus Verzweiflung Selbstmord. Erst seine Witwe bekam nach gewonnenen Patentprozessen einen Millionenbetrag vom Gericht zugesprochen. RCA hatte schliesslich verloren, aber Armstrong konnte seinen Triumph nicht erleben.

Nach 1945 wurden noch kurze Zeit Radios  für beide FM - Bereiche gefertigt. Eine Belegung des Kanals No.1 fand jedoch nie statt. Hauptsache war, das verhasste Armstrong'sche FM-Band los zu werden.

This article was edited 09.Jan.06 21:32 by Konrad Birkner † 12.08.2014 .

Wolfgang Scheida
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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   7 Danke - eine gute Begründung für die technische Nicht-Realisierbarkeit dieses Ferquenzbereiches.
Zum Zeitpunkt der Normierung war aber doch noch eine ZF im Bereich von etwa 22MHz anstelle der 38,9 etc. üblich wo die Umsetzung eigentlich noch auf keine Schwierigkeiten abgesehen von dem oft zitierten Grundrauschen machen sollte.  

Noch verstehe ich auch nicht warum wenn "das klar" war man den Kanal 1 nicht ebenfalls auf  48MHz gesetzt hat mit von dort beginnender Nummerierung bis 800 MHz.

LG  Wolfgang Scheida  

This article was edited 26.Dec.06 18:55 by Wolfgang Scheida .

Eckhard Kull
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09.Jan.06 21:37

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   8
 
Hallo,

in der Zone 3, Amerika, war der Frequenzbereich von 44 - 50 MHz im Jahr 1975 nach den mir vorliegenden Unterlagen international für Rundfunkdienste zugelassen, ob die USA eine solche Nutzung zuließen kann ich meinen Unterlagen nicht entnehmen.

Viele Grüße
Eckhard Kull
Martin Steyer
Martin Steyer
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09.Jan.06 22:15

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   9 Zumindest in Deutschland dürfte das Militär ab 1955 der hauptblockierende Faktor für eine Belegung des Frequenzbereiches 40-48MHz gewesen sein, weil dort ein erheblicher Teil des Sprechfunkverkehrs (Fahrzeuge, Panzer) abgewickelt wurde.

Seit 1990 (meine läuft seit April 1990) gibt es Sondergenehmigungen für deutsche Funkamateure das 6m-Band (ab 50MHz), also im Kanal 2, zu nutzen. Schon im Vorfeld war die Bundeswehr ein Hauptblockadefaktor dieser Nutzung, sehr im Gegensatz zu anderen Ländern, weil auch 50MHz noch militärisch beansprucht wurde.

Herzlichen Gruß, Martin Steyer (DK7ZB)

Wolfgang Scheida
Wolfgang Scheida
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08.Jun.06 12:08

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Gemäß Funktechnik 11/1952 Seite 283 wird darauf verwiesen das ursprünglich (~1951) lediglich ein Teil des heutigen Band III zum TV in Deutschland vorgesehen war mit 6 Kanälen (174-216MHz) - nummeriert von 1-6.

Da noch mindestens ein Kanal dringend zum Senderausbau fehlte kam neben dem Wunsch der Gerätebesitzer Holland, Schweiz etc. im grenznahen Bereich empfangen zu wollen noch der Band I Bereich zum Empfänger dazu.

Das Band I war den Deutschen ursprünglich wegen dem Betrieb von Besatzungs-Funkdiensten nicht freigegeben was sich mit obigen Beiträgen deckt.
Ebenso hatte die Deutsche Post bereits Teile des Bandes der Bundesbahn zugesprochen.

Als Lösung aus der Frequenznot wurde das "Gutzmann Verfahren" vorgeschlagen, das eine Rückflankenmodulation darstellt bei der die Toninformation in Teilen des Zeilensynchronisierimpulses beinhaltet ist, und bei dem je 7MHz Kanal etwa 1 MHz eingespart werden hätte können was 7 Kanäle im Band III ergeben hätte.
(bekannt aus etwa dieser Zeit ist auch die von Walter Bruch als Patent angemeldete Pulscodemodulation für den TV Ton)

Die praktische Umsetzung erübrigte sich durch die spätere Freigabe des Band I Bereiches für TV bei der Stockholmer Konferenz im Mai/Juni 1952.
Dort wurde auch dem 100kW TV Sender Braunschweig der Kanal 1! zugewiesen.
Ebenso forderte man eine Erweiterung des Bandes III von 145 bis 223 MHz ein was teilw. auch umgesetzt wurde.

6/2006 W. Scheida


 

This article was edited 09.Jun.06 09:42 by Wolfgang Scheida .

  
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