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wie weit gehen bei der Reparatur?

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Michael Münch
Michael Münch
 
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20.Apr.06 23:26

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Hallo Sammlergemeinde,

schon des öfteren wurde hier die Frage aufgeworfen, wie weit man bei der Restauration - also der äußeren Erhaltung oder Wiederherstellung - eines Radios gehen solle. Ich denke, dabei besteht Einigkeit, dass man nicht versuchen soll, einen quasi ladenneuen Zustand erreichen zu wollen, da dann der Charakter des Geräts als eines Zeitzeugen völlig verloren geht.

Nach einer recht aufwendigen Restauration und Reparatur eines Nordmende Oberon
http://www.radiomuseum.org/r/nordmende_oberon.html 
frage ich mich allerdings, ob es nicht auch bei dem Streben nach vollständiger Wiederherstellung aller Funktionen Grenzen gibt. Um einen Eindruck davon zu geben, was an dem Radio schon alles gemacht wurde, hier eine kleine Aufstellung:

äußerlich
- Reinigen des Bakelitgehäuses in der Spülmaschine
- Kleben eines größeren Gehäuserisses
- Polieren des Gehäuses mit Autopolitur (ein ganzer Abend!)
- Reinigung der Bedienknöpfe im Ultraschallbad, Blankpolieren und farblos Lackieren der Messingteile
- Reinigung des Chassis mit Reinigungsbenzin
- Ersatz des Lautsprecherstoffes
- Neuanfertigung des transparenten Skalenhintergrundes aus verspanntem Pergamentpapier

Innenleben:
- Ersatz des Sieb- und Ladeelkos
- Ersatz fast sämtlicher Kondensatoren, insbesondere im Bereich Gitter Endröhre, Klangregler, sowie Kathodenelko Endröhre und Ratioelko
- Beseitigen von Kontaktstörungen der beiden EC92 mittels Glasfaserradierers
- Zerlegen des kombinierten Lautstärke- und Klangregelpotis in sämtliche Einzelteile zwecks Reinigung der Kontaktbahnen
- Ausbau des Drehkos, vollständiges Zerlegen, Reinigung mit Waschbenzin, Reinigen und Polieren der Masseschleifer, wieder Zusammenpfriemeln der Lager samt Lagerkügelchen (Sauarbeit!), Abschmieren
- Einlegen des Skalenseils in Waschbenzin zwecks Entfernung von Schmutz und Fett,
- Wiedermontage des Skalenseils nach Einbau des gereinigten Drehkos

(nebenbei: Anlegen des Modells bei RM.org, Hochladen von vier Plänen und fünf Bildern)

Ein Abgleich des Geräts ist dankenswerterweise nicht notwendig, es revanchiert sich für die Arbeiten, die sich über drei Wochen hingezogen haben, durch adrettes Aussehen und - gemessen am technischen Konzept des Geräts - mit recht gutem Empfang auf allen Wellen und sehr angenehmem Klang.

Dennoch ist nicht alles 100prozentig:
- die Mittelwellentaste kracht gewaltig - man muss schon eine Weile recht "gefühlvoll" dran ruckeln, um dann ungestörten Empfang zu haben
- noch immer hängt der Skalenantrieb gelegentlich ein wenig, lässt sich aber dann doch zur Mitarbeit überreden
- der Klangregler hat schon mal einen Wackler

Ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich bereit bin, die verbliebenen Mängel kurzerhand als gegeben hinzunehmen und damit zu leben. Mich würde nun interessieren, ob es nicht vielen von Euch / Ihnen ebenso ergeht. Gibt es auch bei der Reparatur Grenzen, die man sinnvollerweise nicht mehr überschreiten sollte? Hat nicht auch bei anderen Sammlern so manches Radio noch immer seine Macken, die ab einem bestimmten Punkt der Auseinandersetzung damit mal endgültig akzeptiert werden?

Das interessiert mich wirklich sehr. Ist die Entscheidung, ab einem bestimmten Punkt "Fünfe gerade sein" zu lassen, zulässig, oder zeugt das von zu wenig Entschlossenheit?

Beste Grüße an alle -
MiMü

P.S. ich poste dies hier bewusst nicht vom genannten Modell aus, da ich das für eine allgemeine Frage halte.

Henning Oelkers
Henning Oelkers
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21.Apr.06 08:06

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Hallo, Herr Münch,

ich habe mir angewöhnt, die Geräte äußerlich weitgehend im vorgefundenen Zustand zu belassen. Bei Holzgehäusen pflege ich mit einem Holzpflegemittel. Knöpfe und Kunststoffteile werden gereinigt. Für weiteres habe ich keine Erfahrung, keine genügenden Werkzeuge, und auch schlichtweg keine Zeit.

Für das Innenleben steht bei mir Funktion vor Originalität, allerdings werden ausgebaute Teile aufbewahrt. Dort treibe ich meist mehr Aufwand. Entfernen von Staub und Schmutz, reinigen von Kontakten, Austausch von Bauteilen soweit notwendig. 

Der Zeitaufwand liegt bei den meisten Geräten bei 2 - 4 "Bastelabenden" 

Derzeit habe ich 5 Geräte, die noch auf "Wiederbelebung" warten, sowie 2 Geräte bei Bekannten, denen ich das auch noch versprochen habe.

Der bisher aufwendigste "Fall" war ein "gefallenes"Blaupunkt Riviera, ( gebrochen Skalenscheibe, verbogenes Chassis, beschädigtes Gehäuse ). Der Bruch der Skalenscheibe wurde geklebt. Der trotz mehrfacher Versuche mit Kontaktmitteln immer noch problembehaftete Drucktastensatz wurde, da die Schaltschieber nicht herausnehmbar sind, komplett ausgebaut, komplett zerlegt, jeder Kontakt einzeln geputzt, und wieder zusammengebaut. Das wieder hinzubekommen war grenzwertig, ist aber gelungen. Der Gehäuseschaden wurde geleimt, und die losen Furnierstücke wieder angesetzt. Das Gerät funktioniert wieder einwandfrei, und mit den kleinen Schönheitsfehlern kann ich leben.

Gruß aus Berlin,

Henning Oelkers
Rüdiger Walz
Rüdiger Walz
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22.Apr.06 00:06

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Respuesta  |  Usted no ha entrado su «login».(Invitado)   3 Hallo Herr Münch,

die Entscheidung, wie weit man gehen sollte ist natürlich jedem Gerätebesitzer selbst überlassen. Ich persönlich bevorzuge eine vorsichtige Restauration. So wenig wie möglich am Gerät ändern ist die Devise. Und wenn Änderungen notwendig sind, dann nur reversible (rückgängig machbare) Änderungen. Krachende Potis oder Tastensätze sind bei Geräten, die keine Gebrauchsgegenstände sind m.E. kein Problem.
So schön es ist, die originale "Performance" eines alten Gerätes wieder herzustellen, sollte man immer bedenken, daß letztendlich doch nur die neuen Radiosender zu hören sind. Im Extremfall kann man auch gleich einen chinesischen Transistorsuper einbauen....

Bei Geräten, die man nur ab und zu vorführt, kann z.B. der Block oder der Siebelko auch etwas höhere Leckströme haben, Hauptsache er ist original. (Trenntrafo mit Messgerät benutzen !) Ein bischen Krachen in der Tastatur unterstreicht eher das Alter des Gerätes.

Ich habe auch Geräte, die ich perfekt zur Funktion restauriert habe, aber stets streng unter dem Blickwinkel, daß alle Eingriffe rückgangig machbar sind.

Reparaturen sollten wir hier eigentlich nicht machen. Repariert werden Gebrauchsgegenstände. Das geschieht unter dem Gesichtspunkt der Effektivität, Preiswürdigkeit und Zuverlässigkeit. Diese Faktoren spielen m. E. bei Sammlerstücken keine Rolle.

Grüsse

Rdüger Walz
Michael Münch
Michael Münch
 
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22.Apr.06 10:18

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Hallo Herr Oelkers,

die von Ihnen geschilderte Tastensatz-Aktion nötigt mir schon erheblichen Respekt ab! Wenn ohne solchen Einsatz der Betrieb des Geräts gar nicht mehr möglich ist, gibt es zu dieser Vorgehensweise wohl kaum eine Alternative. Der Gedanke daran lässt mich aber schon erschauern... Ansonsten scheinen aber auch Sie eher ein moderater Restaurierer/Reparateur zu sein.

...und hallo Herr Walz;

Sie sprechen mir mit einigen Äußerungen aus der Seele. Wichtig scheint mir der Aspekt, dass unsere Geräte Sammlerstücke sind und keine Gebrauchsgegenstände. Wenn man das bedenkt, relativieren sich solche Ärgernisse wie krachende Tastensätze wohl tatsächlich.

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Aus der Werkstatt in die Sammlung kommen bei mir Geräte, bei denen als Mindestanforderung die Röhren innerhalb der geforderten Betriebswerte laufen, ohne dass Netztrafo (falls vorhanden), (geprüfte) Elkos oder Gleichrichter ungebührlich warm oder gar heiß laufen. Empfang auf allen Wellenbereichen sollte schon vorhanden sein, und zwar ohne Verzerrungen. Das Gehäuse ist gereinigt, gelegentlich auch ausgebessert. An Neulackierungen von Holzgehäusen habe ich mich noch nicht herangetraut, bei Bakelitgehäusen schon. Geräte, bei denen das Chassis Kontakt mit der Phase des Lichtnetzes bekommen kann, versehe ich auf der Rückwand in der Nähe der Netzkabel-Durchführung mit einem roten Klebepunkt. Diese Geräte werden nur am Trenntrafo betrieben.

Die meisten meiner Geräte werden erfahrungsgemäß nur alle paar Monate einmal in Betrieb gesetzt, und dann nur für wenige Stunden. Da stören mich leichte Einschränkungen in der "performance" überhaupt nicht. Mein hauptsächliches Gebrauchsgerät (täglich mehrere Stunden) ist ein Nordmende Elektra von 1960, das allerdings schon bei Erwerb sowohl optisch als auch von den inneren Werten her in so exzellentem Zustand war, dass sich die Frage nach irgendwelchen zu beseitigenden Macken nie gestellt hat.

Allen ein schönes Wochenende!
MiMü

P.S. Herr Walz: dass "...letztendlich doch nur die neuen Radiosender zu hören sind...", beklage auch ich!
  
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