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Die relativ unbekannte Cossor Röhrentype RMR
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Gerhard Eisenbarth
11.Mar.26 |
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Die Cossor Type RMR Cossor hat bereits im 1. WK Röhren nach Marconi Patenten für Behörden und das britische Militär hergestellt, siehe folgende Info aus: „gracesguide.co.uk/Edison_Swan_Electric_Co“. “WWI: Edison and Swan Electric Light works (Ponder's End, Middlesex) doubled production of bulbs and tubing; special glasses developed for 0.5W lamps, signalling lamps and wireless valves. Edison Swan and Cossor began quantity production of thermionic valves for the armed forces.”
Bild 1: Werbung von Cossor zur R-Type, Wireless World, 11. Dez. 1920 Nach Kriegsende war die Produktion von Röhren für zivile Zwecke durch die Marconi Patente deutlich eingeschränkt. Cossor will die Röhrenproduktion weiterführen und hat damit begonnen, Röhrenentwicklungen nach eigenen Ideen zu patentieren. Der damalige technische Leiter bei Cossor, William Richard Bullimore, war federführend bei der Röhren-Konstruktion und Einführung einer Röhrenproduktion. Die folgende Bildserie zeigt grob die Entwicklungsschritte bei Cossor in der Zeit von 1921 bis 1923.
Bild 2: Röhrenentwicklung bei Cossor von 1921 bis 1923
Im Folgenden werden die Entwicklungsschritte detaillierter beschrieben.
Das Kugelsystem nach Patent GB192464 W. R. Bullimore ist Besitzer dieses Patents. Es wurde am 31. 10.1921 angemeldet. Die im Patent aufgeführten Punkte dieses Patents – Textpassagen übersetzt: „Eine verbesserte Elektronenröhre, insbesondere für den Einsatz in der drahtlosen Telegrafie und Telefonie. Eine Elektronenröhre vom Drei-Elektroden Typ mit einem kugelförmigen Glühfaden, einem diesen umschließenden gleichförmigen Gitter und eine kugelförmige Anode, die Gitter und Glühfaden vollständig umschließt, um die gesamte Elektronenemission des Glühfadens zu nutzen und gleichzeitig einen gleichmäßigen Abstand der Elektroden untereinander zu gewährleisten. Dadurch wird auch eine maximale Wirkung der Gittersteuerung zwischen Heizfadenemission und Anode erzielt, eine Aufladung der Glaskolbenwände wird vermieden, eine Mikrofonie minimiert und eine Einwirkung von externen Streufeldern verhindert.“
Bild 3: Skizzen aus Patent GB192464 “An Improved Thermionic Valve for use more particularly in Wireless Telegraphy or Telephony”, William Richard Bullimore, 31. 10.1921.
Das Halbkugelsystem Type RMR Die oben beschriebene kugelförmige Röhrenkonstruktion war damals neuartig und verletzte keine vorliegenden Patentrechte. Eine Serienproduktion dieser Röhrenkonstruktion währe aber sehr kostspielig und es würden sich keine wettbewerbsfähigen Preise erzielen lassen. Deshalb wird eine Weiterentwicklung vorgenommen mit dem Ziel, eine kostengünstig herstellbare Röhre für eine Serienproduktion zu erreichen. Die Weiterentwicklung führt zu einer halbkugelförmigen Röhrenkonstruktion, die sich deutlich günstiger in Serie herstellen lässt und Type RMR genannt wird. Das folgende Bild zeigt diese Röhrentype.
Bild 4: Cossor RMR-Type, Werbefoto
Die Type RMR kommt Mitte 1921 auf den Markt. Warum diese Cossor Röhrentype fast unbekannt ist hat u.a. folgende Gründe: a. In den damaligen Fachzeitschriften wird sie kaum erwähnt. b. In Unterlagen bzw. Katalogen von Cossor ist diese Type nicht aufgeführt. c. In damaligen Empfangsgeräten ist eine Verwendung nicht bekannt. d. In damaligen Bastler-Schaltungen ist eine Verwendung ebenfalls nicht bekannt.
Die Existenz der Cossor Type RMR ist in den folgenden Quellen belegt: 1. „Cossor Werbung“ zur Type RMR, Wireless World, 1921, 15. October, Bild 5. 2. „R.M. Radio“ Werbung, Wireless World, 1922, 12. August, Bild 6. 3. Werbung - McMichael, Kilburn N.W.6, Wireless World, 1921, 10. December, Bild 7, 8. 4. Werbung - Russel & Shaw, Bedford Row. W.C.1, Modern Wireless, 1923, Febr., Bild 9. 5. Thrower, The Vintage Years, 1904-1925, Seite 114, Bild 10. 6. Stokes, 70 Years of Radio Tubes, Seite 208 erwähnt, aber ohne Nachweis. 7. Anwendungsbericht: The Thermagnion, a new Radio Detector, H. Donisthorpe, 1921.
Bild 5: „Cossor Werbung“ zur Type RMR, Wireless World, 1921, 15. October,
Bild 6: „R.M. Radio“ Werbung, Wireless World, 1922, 12. Aug.
Bild 7: Händler-Werbung mit „RMR-Type“ von Leslie McMichael, Kilburn, Wireless World Dec. 10, 1921.
Bild 8: Händler-Werbung von Leslie McMichael, Kilburn, Wireless World Dec. 10, 1921, Detail aus Bild 7.
Bild 9: Händler-Werbung mit „RMR-Type“ von Russel & Shaw, Bedford Row, Modern Wireless, Febr. 1923.
Bild 10: Thrower, The Vintage Years, 1904-1925, Seite 114
Mit der „RMR-Type“ lassen sich Audion-Schaltungen, HF- und NF-Schaltungen realisieren.
Im Folgenden ist eine Verwendung der Type RMR beschrieben, die durch die Halbkugel-Bauform erst möglich ist. Thermagnion mit RMR Type The Thermagnion, a new Radio Detector, H. Donisthorpe, 1921 Wireless World, August, P. 308-310. Die folgenden Textpassagen sind übersetzt:
„Das „Thermagnion“ ist die Kombination einer thermionischen Triode besonderer Bauart mit einem Magnetfeld. Es wird eine weiche thermionische Triode verwendet, deren Form es ermöglicht, den Raum zwischen den drei Elektroden einem Magnetfeld auszusetzen. Eine Triode, bei der Glühfaden und Gitter vollständig von einer zylindrischen Anode umschlossen sind, ist ungeeignet, da sich in dieser Bauform kein geeignetes Magnetfeld anlegen lässt.“
Bild 11: Cossor Typ RMR als Thermagnion „In diesen Experimenten wurde eine „RMR“-Triode (Bild 11) eingesetzt, deren Anode und Gitter eine halbkugelförmige Gestalt aufweisen. Ihr äußeres Gehäuse bzw. der Kolben war von einer Feldspule umgeben, deren Position und Stromstärke variiert werden konnten. Mit Hilfe der in Abb. 4 (Bild 13) dargestellten Schaltung, die der Schaltung in Abb. 1 (Bild 12) mit der zusätzlichen Feldspule „Z“ entspricht, lässt sich durch geeignete Anpassung der Spulenposition und der Stromstärke die Kurve A in die steilere Kurve B überführen. Dadurch werden zuvor unhörbare Signale deutlich lesbar, und die allgemeine Signalstärke erhöht sich um 100 bis 200 Prozent.“
Bild 12: Empfangsschaltung mit einer Triode
Bild 13: Empfangsschaltung mit einer Triode in „Thermagnion-Schaltung“
Die folgende Verwendung einer RMR-Type als „Thermagnion“ ist auch hier dokumentiert: History of TELEGRAPHY AND Telephony by G. G. Blake, Radio Press Ltd. London, p. 248. Die folgende Textpassagen sind übersetzt: Das THERMAGNION (498). „Dies ist ein weiterer Röhrentyp, bei dem der Anodenstrom mittels eines externen Magnetfelds gesteuert wird. Donisthorpe hat gezeigt, dass eine „weiche“ Thermionenröhre mit kalter Kathode als Detektor eingesetzt werden kann. Abb. 140A zeigt seine Schaltung. Die beiden Wicklungen L₁ und L₂ sind, wie dargestellt, um den evakuierten Kolben herum, im Raum zwischen Anode und Kathode, angeordnet. Abb. 140B zeigt eine weitere Thermionenanordnung, bei der eine Wicklung um den Kolben einer geeigneten weichen Drei-Elektroden-Röhre angeordnet ist. Durch Anpassen der Position der Spule L₁ und der Stärke des Magnetfelds lässt sich die Steigung der Kennlinie der Röhre deutlich erhöhen – und somit eine erhebliche Steigerung der Signalstärke erzielen. Es ist auch möglich, die Röhre zum Schwingen zu bringen, sodass sie Dauerstrichsignale (CW) detektiert. Abb. 140C zeigt eine von Donisthorpe vorgeschlagene Schaltung, bei der eine Steuerspule L₁ in den Antennenkreis integriert ist. „
Bild 14: „Abb. 140. A – Die im Text erwähnte Kaltkathodendetektorschaltung. B – Eine Thermagnion-Detektorschaltung mit einer magnetischen Steuerspule L. C – Bei dieser Anordnung ist eine Steuerspule L in den Antennenkreis integriert.“
Patentstreit Marconi - Cossor Von Marconi-Osram wird Cossor in Patentstreitigkeiten hineingezogen, die sich über ein Jahr hinziehen – Nachweis: Informationen von beiden Unternehmen in Fachzeitschriften.
Bild 15: Cossor_Hinweis
Bild 16: Marconi_Warnung
Die Weiterentwicklung der ursprünglichen Kugelröhre führt dann zur Entwicklung der bekannten Cossor „hood-shaped“ Type P1 und weitere Typen, mit denen Cossor dann sehr erfolgreich als Röhrenhersteller wurde.
Die entscheidenden Verbesserungen in den Röhreneigenschaften und -daten entstehen durch den stabilen Systemaufbau und durch die deutliche Reduzierung der Abstände zwischen den Elektroden, besonders zwischen Heizer und Gitter.
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