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Information / Radiohistory for Switzerland

Texts for Switzerland

Auszug aus "Radios von gestern" (Ernst Erb, erste Auflage war 1989) ab Seite 149

1852 erstellt die Schweizerische Eidgenossenschaft ein Staats-Telegrafennetz. Die Apparate baut die Eidgenössische Telegrafenwerkstätte in Bern. 1854 entsteht in Thun die erste Militärtelegrafenleitung. 1859 vervollständigt man das Netz an der Südgrenze anlässlich der Grenzbesetzung während des österreichisch-lombardischen Krieges mit besonderen Militärlinien. 1870/71, während des deutsch-französischen Krieges, kommen an der Nord- und Westgrenze umfangreiche Erweiterungen des Netzes dazu. Schon ein Jahr nach der Erfindung von Bell, 1877, führt die Schweizerarmee die ersten Feldversuche mit dem neuartigen Telefon durch und 1888 gelangen nach umfangreichen Versuchen 18 Telefonapparate an die Truppe.

Die Schweiz spielt um die Jahrhundertwende eine führende Rolle in der Elektrizitätsindustrie, hat jedoch zu jener Zeit vollständig verpasst, eine eigene Radiotechnik zu entwickeln. Allerdings wiederholen einige Forscher sehr früh die Experimente von Hertz und sammeln durch allerlei Versuche weitere Erkenntnisse. In Genf finden 1890 die Physiker Ed. Sarasin und L. de la Rive die von ihnen bezeichnete "multiple Resonanz". Dazu verwenden sie in grossangelegten Experimenten unter Öl gesetzte Funkenstrecken mit starker Dämpfung. In Basel wiederholen Ed. Hagenbach-Bischoff und L. Zehnder 1891-1894 die Versuche von Hertz unter neuen Bedingungen und veröffentlichen ihre zusätzlichen Resultate. Zehnder macht sich durch eine "wellenempfindliche Röhre" und durch seine Erdantennenversuche einen Namen [158]. 1896 studiert H. Veillon die Magnetisierung von Stahlnadeln durch hochfrequente Entladungen. In Zürich konstruiert A. Kleiner 1897 an der Uni ein verbessertes Helmholtzsches Pendel. Mit diesem studiert G. Eichhorn die von ihm dann mit Erfolg auf HF-Kreise angewandte Summer-Erregung zunächst an niederfrequent schwingenden Kreisen. 1899 erfindet Prof. Thomas Tommasina in Genf einen sich selbst regenerierenden Kohärer [268]. D. Korda (Erfinder des Drehkondensators und des rotierenden Frequenztransformators) wirkt einige Zeit in Zürich.

Lediglich eine Entwicklung bringt längeren wirtschaftlichen Erfolg, nämlich der in den Jahren 1900-1902 von Ignaz Moscicki in Fribourg verbesserte Kondensator. Die noch allgemein üblichen Leidenerflaschen schlagen bei den hohen Spannungen oft durch. Die Kondensatoren von Fribourg haben einen so guten Ruf, dass Ferrié sie in der französischen militärischen Radiotelegrafie einsetzt [268].

1905 bestellt das Militärdepartement bei der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie in Berlin zwei Sender, wovon der eine im Gotthardmassiv (Gütsch, Fort Stöckli) auf 2328 m Höhe und der andere auf Rigi-Scheidegg auf 1607 m Höhe zu stehen kommt (Ausrüstung 1908, später sind es Marconi-Geräte). Als Empfänger dienen Kohärer und Morse-Apparat. Zwei hohe Antennenmasten auf Rigi-Scheidegg zeugen noch lange Zeit von der frühen Anwesenheit militärischer Anlagen. Die erste Installation bewährt sich nicht und kommt nach wenigen Monaten in die Funkerhütte der Kaserne Bern [268]. 1906 kauft das Militär zwei fahrbare Funkenstationen Tfk an. 1907 installiert es bei Morcles (St. Maurice) eine Fächerantenne. 1908 sind tragbare Funkenstationen der Compagnie Générale d'Electricité, Paris, im Einsatz. 1911 finden eigens für die schweizerischen Forderungen gebaute Löschfunkenstationen Telefunken von 3 kW Leistung und zwei Detektor-Empfänger Verwendung. Die "Verkehrstruppen" umfassen mehr als tausend Mann. 1914 richtet das Militär im "Funkerhaus" in Bern eine ortsfeste Station ein.

Am 16.12.07 entsteht ein Bundesgesetz, wonach nur der Bund Sendestationen errichten darf. Für eine einmalige Gebühr von fünf Franken darf man einen Empfänger für Zeitsignale installieren. Das Museum der Fondation Suisse du musée Suisse de l'audiovisuelle besitzt einen solchen Empfänger von 1905 vom Instruktions-Adjutanten Ulysse Passera sowie einen weiteren von 1913 vom Uhrmacher Droz-Georget in Rolle [210].

Erste Konzessionen sind nötig

1911 erteilt die Schweizerische Eidgenossenschaft die ersten drei Radio-Empfangskonzessionen. Damit dürfen die Ecole d'Horlogerie, La Chaux-de-Fonds, Professor Paul-Louis Mercanton in Lausanne und Uhrmacher Arnold Türler, Zürich, die Zeitzeichen aus Paris empfangen. Eine Quelle führt ebenfalls Zeitzeichen von Nauen auf; die Station Nauen sendet jedoch erst ab 5.1.17 Zeitzeichen [149]. Rudolf Stuber führt in seinem interessanten Buch Faszination der kurzen Wellen [268] zwischen 1911 und 1912 folgende zehn erste Konzessionäre auf: Ecole d'Horlogerie; Mercanton; L. Brandt frères S.A., Biel; G. Blankert, Payerne; C. Barbezat-Baillod, Le Locle; J. Bauschenbachs Erben, Schaffhausen; J. Meystre (stud. ing.), Lausanne; Vve A. Sagne, La Chaux-de Fonds; Eidg. Meteorologische Zentralanstalt, Zürich, und Ed. Boillat, Reconvilier.

Vor Erteilung dieser Konzessionen errichtet Mercanton zwischen der Kathedrale und dem Rathaus von Lausanne eine Antenne von 185 m Länge, um Zeitsignale und Radiotelegramme aufzunehmen und berichtet darüber in der Sitzung der Schweizerischen Physikalischen Gesellschaft im Mai 1911 in Fribourg. Im April 1911 errichtet die Ecole d'Horlogerie in La Chaux-de-Fonds eine Versuchsanlage für den Empfang des Pariser Zeitsignals für die Zwecke der schweizer Uhrenindustrie. Die Obertelegrafendirektion (OTD) interveniert und beide dürfen eine Konzessionsurkunde unterschreiben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich noch keine schweizerische Behörde um Konzessionsfragen gekümmert.

Dr. H. Zickendraht darf etwa 1912 am Peterskirchturm in Basel eine Sendeantenne von 100 m Länge und am Nadelberg eine kleine Sendeanlage aufstellen. Ab 1913 gibt Zickendraht in Basel Vorlesungen über Radiotelegrafie. Am Nadelberg stellt er zusammen mit H. Veillon vergleichende Versuche über Knallfunken- und Stossfunkensender an.

1912 entsteht für den Eidgenössischen Militärflugplatz Dübendorf ein Sender und im Herbst 1914 nimmt ihn die Flieger-Abteilung in Betrieb. Zivilflugfunk existiert dort ab 1917. Der Sender stammt von Telefunken in Berlin. Mit Genehmigung der Militärbehörde kann Zickendraht nach Unterbrechung durch den Krieg im Juli 1915 die Versuche am Bernoullianum wieder aufnehmen. Er soll auf Anregung der Garnison von St. Maurice mit der Firma Klingelfuss (Induktorbau) militärische Geräte bauen. Unter Mitwirkung der Basler Glühlampenfabrik entstehen im Jahre 1917 Röhren für Sende- und Empfangszwecke, doch das Vorhaben kommt auf keinen grünen Zweig, da der Telegrafenchef der Armee sich dagegen wehrt und Telefunken-Apparate vorzieht, die 1917 als tragbare Geräte eintreffen. Später übergibt Zickendraht die in den Versuchen entstandenen radiotelegrafischen Lehr- und Experimentiermodelle an die Firma Maxim in Aarau, die sich auf Bausätze und Geräte eigener Fabrikation spezialisiert.

Von Anfang 1913 bis Anfang 1914 finden in Genf und im Elektrizitätswerk von Lausanne, wo genügend Gleichstrom zur Verfügung steht, Versuche mit dem Taktfunkensystem der Marconi-Gesellschaft statt. Diese führt der Erfinder R.C. Galetti de Cadilhac so erfolgreich durch, dass sogar Telefonie möglich ist [158]. Einzelne, in synchronem Ablauf wirkende Funkenstrecken erregen einen Schwingkreis derart, dass sich die Schwingungen der einzelnen Strecken zu regelmässiger Folge aneinanderreihen; der Kreis und die damit gekoppelte Antenne verbleiben in ständiger Schwingung [268].

Am 27.3.1914 tritt die Schweiz der Internationalen Vereinigung für radiotelegrafische Zeitmitteilungen bei. Das Projekt einer schweizerischen radiotelegrafischen Zeitsignalstation auf dem Chaumont bei Neuenburg kommt nicht zustande, dient aber zur Grundlage des am 1.8.1916 realisierten telefonischen Zeitdienstes.

Vor dem Ersten Weltkrieg baut J. von Kowalski in Fribourg einen Stossfunkensender. Das Land verfügt relativ früh über einige Funkensendeanlagen. Diese benutzt man für militärische Zwecke oder für Forschung und Unterricht, wie z.B. die Anlagen der Universitäten Zürich, (Genf?) und Basel (Versuchsradiostationen). Lichtbogensender oder Hochfrequenzmaschinen von nennenswerter Grösse existieren nicht. Forschungsarbeiten gibt es wenige. In den Jahren 1916 und 1917 untersucht E. Banderet (Basel/Mulhouse) die Ausbreitungsbedingungen in den Alpen und verfasst eine interessante Arbeit [230], die 1919 in den "Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel, Bd XXX, S. 248ff", erscheint. Sendeanlagen, die vor der Aufnahme eines offiziellen Rundfunkdienstes bestehen, sind alle von ausländischer Herkunft, wenn man von dem tönenden Funkensender an der Versuchsradiostation der Basler Universität absieht. Auch die anderen Sender dieser Station (z.B. ein kleiner Röhrensender von Lorenz in Berlin) stammen aus dem Ausland. Während des Ersten Weltkrieges sind die wenigen Radiogeräte - wie in praktisch allen anderen Ländern - stillzulegen, weil man ihnen vornehmlich militärischen Charakter beimisst. Ab 1.1.21 erteilt die OTD (heute GD der PTT) wiederum Konzessionen.

Aufzählung der nennenswerten Sendestationen vor der Zeit des Rundfunks:
Der Militärsender von Kloten-Dübendorf, der Flugplatzsender von Lausanne-Champ de l'air, gebaut von der TSF, Paris, der Flugplatzsender Genf-Cointrin, der Sender Bern-Münchenbuchsee, beide von der Marconi-Company erstellt und der Sender im neuen Zeughaus Basel (St. Jakob).

Kurz einige Details über diese Sender:

Telegrafensender Bern-Münchenbuchsee
Der Völkerbund betreibt in Genf ab 15.11.20 einen weiteren Sender von Marconi. Der 6-kW-Sender kommt vorerst in Bel-Air bei Genf und später in Münchenbuchsee zu stehen, wo er für die zweite Völkerbundversammlung vom September 1921 dient. Zu dieser Anlage gab der englische Journalist (gemäss [268] Vertreter der englischen Marconi-Gesellschaft), Herbert Arthur White, 1920 den Anstoss. Die Station baut die Marconi-Gesellschaft auf eigene Rechnung und Gefahr auf und stellt sie dem Völkerbund zur Verfügung. Nun interessiert sich die Schweizerische Depeschenagentur in Bern für den Sender. Im Februar 1922 erfolgt die Gründung der Schweizerische Marconi Radio Station AG, wobei fünf Schweizer und zwei Engländer den Verwaltungsrat stellen, obwohl drei Viertel des Kapitals von Marconi stammen. Die Eidgenossenschaft hält ca. ein Viertel des Kapitals. Fr. 76'000 sind auf Anregung der Depeschenagentur von verschiedenen Zeitungen gezeichnet. Am 11.3.21 stellt der Bundesrat die Konzessionsbedingungen vor. Am 26.4.22 kommt die Anlage für den neuen Zweck in Betrieb.

Der Zwischenkreis-Röhrensender erreicht nun mit 12 parallelen Trioden 8-10 kW Antennenleistung. Weitere 12 Röhren dienen zur Gleichrichtung des Betriebsstromes. Der Schnelltelegraf erlaubt Leistungen bis 140 Worte pro Minute. Normalerweise sendet man auf Welle 3400 m. Die Betriebszentrale liegt im Hauptpostgebäude Bern. Der Sender steht ca. 10 km nördlich - oberhalb von Münchenbuchsee. Die 91,5 m hohen Antennentürme sind weithin sichtbar. Die Empfangsanlage steht wegen des Duplexbetriebes ca. 6 km von der Betriebszentrale entfernt auf dem Riederenhubel bei Bümpliz. Schon bevor Braun in Strassburg seine bekannten Rahmenversuche anstellt, entwickeln E. Bellini und A. Tosi 1908 einen vorzüglichen Richtungsfinder. Er funktioniert mit zwei in senkrechten Ebenen zueinander orientierten einfachen Drahtschleifen. Diese Einrichtung erlaubt es der Station Bern-Münchenbuchsee, mehrere Sender zugleich aufzunehmen - auch während der eigenen Ausstrahlung. Die Gegenstation für Amerika, Ostafrika und Asien bildet Ongar bei London. Bis zu einer Distanz von 2500 km (Moskau) besteht direkter Verkehr. Ab Juni 1923 funktioniert ein Wirtschaftsrundfunkdienst. Die empfangenen Wirtschaftsnachrichten von New York, London, Paris etc. gibt man als Dienstleistung lokal weiter [158].

Flugplatzsender Kloten-Dübendorf
Die militärische Flugplatzstation Kloten-Dübendorf mit Sender in Kloten und Empfänger in Dübendorf ist für Duplexbetrieb ausgelegt. Die im Sommer 1921 neu in Betrieb genommene Anlage ersetzt die alte von 1912 und soll bei 1 kW Antennenleistung eine Reichweite von 1000-1500 km erzielen. Bald erweitert man die Station durch einen Telefoniezusatz. Die Schirmantenne des Senders trägt ein 120 m hoher Rendahlmast. Der im Dezember 1922 gegründete Radioclub Zürich unternimmt mit dem Sender Rundfunkversuche.

Flugplatzsender Lausanne
Der Flugplatzsender Lausanne hat fünf einzeln regulierbare Senderöhren, die mit 2500 Volt Anodenspannung und einem Antennenstrom von 10 A bei Telegrafie oder 6 A bei Telefonie arbeiten. Bei Telegrafie weist der Sender eine Reichweite von 800 km auf, bei Telefonie etwa die Hälfte davon. Der Wellenbereich des Senders beträgt 600-2500 m. Am 22.8.22 ist Baubeginn und am 26.10.22 Sendebeginn. Im Buch La Radio - Ma vie schreibt Roland Pièce, dass am Eröffnungstag ein "schwarz" gesendetes Konzert zur Übertragung gekommen sei. Am 10.1.23 erhalten die Flugplatzsender Genf, Lausanne und Kloten die Sendekonzession der PTT. Die Stadt Lausanne ermächtigt im Januar die Betreiberin, Konzerte zu senden - das erste Konzert findet am 26.2.23 statt. Eine Suche nach Zeitungsberichten in der Lokalpresse von Ende Oktober 1922 ergibt, dass zu dieser Zeit kein Konzert zur Übertragung kam. So oder so stimmt auch die Behauptung nicht, dass Lausanne der vierte Rundfunksender war (oder der dritte, wie in [155-17] zu lesen ist), doch die Behauptung wird sich nicht mehr "ausrotten" lassen... Lausanne strahlt am 26.2.23 jedenfalls als erster schweizer Rundfunksender aus - zuerst mit 0,4 kW auf 1080 m, dann mit 0,75 kW auf 850 m. Die Musik von Schallplatten (täglich ab 18 Uhr ca. eine Stunde?) ist ergänzt durch Nachrichten und Sportinformationen. Wettermeldungen kommen in Telegrafie auf 1680 m zur Ausstrahlung; die telegrafische Verbindung mit Dübendorf erfolgt auf 1400 m. Die Telefonieverbindung mit Flugzeugen erfolgt auf 900 m. Maurice Rambert, der spätere Leiter der Schweizerischen Rundspruchgesellschaft und Präsident des Weltrundfunkvereins, hat die Lizenz für regelmässigen Betrieb als Rundfunksender beantragt. Der Sender ist heute bei Radio Lausanne ausgestellt bzw. ab 1990 im Audiorama in Montreux zu besichtigen.

Flugplatzsender Genf-Cointrin
Im Sommer 1921 schliesst die englische Marconi-Gesellschaft zu Händen der zu gründenden schweizerischen Gesellschaft mit dem Kanton Genf einen Vertrag über die Dauer von 10 Jahren für die Station Cointrin. Den Sender erstellt sie - wie den von Lausanne - im Jahre 1922 [210]. Er weist eine Gleichrichter-, eine End- und eine Modulationsröhre für Telefonie auf. Der Wellenbereich umfasst 900-1800 m. Der Telefonieverkehr mit den Flugzeugen liegt auf 900 m. Telegrafisch ist sogar der Flugplatz Croydon in London zu erreichen. Nach [159] beträgt die Antennenleistung der Station Genf nur 300 und die der Station Lausanne 500 Watt. Wegen guter Erfolge in Telefonie richtet man bei beiden Stationen ein mit Tüchern verhängtes Musikzimmer ein und schon bald finden "Broadcastingversuche" statt, die in der ganzen Schweiz zu vernehmen sind. Vor allem Lausanne macht sich durch Radiokonzerte und -vorträge auf 1100 m einen Namen [158]. Später verbreitet Genf um 13 und 19 Uhr täglich die Wetterberichte der Meteorologischen Zentralanstalt in Zürich [159].

Sender Zeughaus Basel (St. Jakob)
1920 gibt es Sendeversuche und es kommt eine Verbindung Basel-Neuenburg zustande. 1924 erfolgt die Errichtung einer Station auf dem Flugplatz Basel (Sternenfeld), betrieben durch die Aviatik beider Basel. Es handelt sich um einen Marconi-Sender. Beide Sendemasten und das Sendehäuschen hinter dem Zeughaus stehen noch lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Rundfunkstationen

Die leicht zu begeisternden Welschschweizer nehmen die Anregungen des Auslandes zuerst auf. Sie finden in den französischen Publikationen aus den Jahren 1912 und 1913 genaue Angaben über die Anfertigung von Apparaten zu Sende- und Empfangszwecken. Bei Beginn des Krieges sind jedoch alle Antennen zu entfernen und die Apparate abzugeben. Das betrifft auch lizenzierte Amateure.

Um das Jahr 1920 entstehen die ersten Radio-Amateur-Vereine. Die Tätigkeit der Vereinsmitglieder besteht nicht nur im Herstellen von Empfangsgeräten und Aufnehmen von fremden Stationen. Man möchte einen schweizerischen Rundfunk schaffen. Im November 1922 schliessen sich in Genf und Lausanne die ersten Radioclubs der Schweiz unter dem Namen Schweizerischer Radio-Klub - Radio-Club-Suisse (SRK) zusammen. Am 26.11.22 findet in Fribourg eine Versammlung statt, deren Ziel es ist, alle Clubs zu vereinigen.

Voraussetzung: Ein liberales Gesetz!
Erst als man von der erstaunlichen Entwicklung Kenntnis nehmen muss, die der Rundfunk in den USA nimmt, gehen die Behörden auf dem europäischen Kontinent daran, die neue Erfindung der Öffentlichkeit zu erschliessen. Am 14.10.22 entsteht in der Schweiz ein Bundesgesetz [159]. Dieses spricht der OTD das alleinige Recht zu, Radioanlagen zu erstellen und wirtschaftlich zu nutzen. Die Ausführungsbestimmungen der Eidgenössischen Post-, Telephon- und Telegraphenverwaltung (PTT) bzw. damals der Obertelegraphenverwaltung (unterstehend dem Post- und Eisenbahndepartement) sehen keine Amateursendestationen vor. Ein Sender hat einem allgemeinen Bedürfnis zu entsprechen oder müsste eine nachgewiesene Notwendigkeit bzw. für wissenschaftliche oder fabrikationstechnische Zwecke unentbehrlich sein. Ein langer bürokratischer Weg, der oft Wochen dauert, erschwert das Anmelden von normalen Radio-Empfängern. Das Gesetz tritt am 1.1.24 jedoch in wesentlich liberalisierter Form in Kraft [153]. Am 1.3.24 erscheint der Erlass zu "Vorschriften betreffend Erstellung und Benützung von radioelektrischen Empfangsanlagen" [770000], denn dem geht folgendes voraus:

Im Dezember 1922 überreicht die Amateurvereinigung (SRK) in einer geschickt zusammengestellten Denkschrift Klagen betreffend mangelnder liberaler Haltung der Behörden der PTT. Es finden intensive Gespräche zwischen den interessierten Kreisen und den Behörden statt, denn in der Schweiz kennt man die sogenannte Vernehmlassung, d.h. ein Gesetzentwurf der Bundesbehörde hat diese vorher den interessierten Kreisen zwecks Einholung deren Meinung zu versenden. Die OTD schlägt daraufhin eine wesentliche Vereinfachung der Anmeldungen vor. Im Dezember 1923 erfolgt die Durchberatung der neuen Fassung [159]. Ab 1.3.24 kommen Empfangsbewilligungen ohne Interessennachweis etc. für Fr. 10 pro Jahr zur Abgabe.

Verbreiterte Hörerbasis
Zu Beginn 1923 gibt es ca. 250 konzessionierte Empfangsamateure und mindestens soviele unangemeldete Hörer. Vereinigungen bestehen 1923 in Genf, Lausanne, Neuenburg, La Chaux-de-Fonds, Bern, Baden, Zürich, Schaffhausen, Basel, St. Gallen und Aarau. Innerhalb eines Jahres stossen Freiburg und St. Imier dazu. Ausser Basel und St. Imier sind im Februar 1924 alle diese Clubs Mitglieder im SRK mit Zentralkomitee in Neuenburg. Der Anschluss von Basel und St. Imier ist bereits in die Wege geleitet. Die populärgehaltene Zeitschrift Radio-Suisse - Schweizer Radio, herausgegeben in St. Imier, bildet das Vereinsorgan. Ausser dieser Publikation erscheinen zwei weitere Spezialzeitschriften Radio, Schweizerische Zeitschrift für drahtlose Telegraphie in Bern-Bümplitz, und Le Radio, Journal hebdomadaire de vulgarisation T.S.F. in Lausanne. Die Schweizerische Mustermesse von 1923 in Basel weist nur drei Stände von Firmen auf, die Radiogeräte herstellen: Zellweger in Uster, Televox in Neuenburg und Maxim in Aarau. Die ersten beiden Firmen stellen unter Lizenzverträgen her [158]. Im November 1923 sind bei der OTD erst an die 1000 Empfangsstationen eingetragen [159]. Mit der oben beschriebenen Liberalisierung ändert sich dies schnell. Ende 1924 gibt es 17'000 und Ende 1925 33'500 Empfangskonzessionen [770000].

Alle Geräte (auch vorhandene ältere Empfänger) sind ab 1933 mit einer Kontrollmarke der PTT zu versehen. Diese enthält in den ersten Jahren die Jahreszahl. Ein gebrauchter Apparat, den ein neuer Hörer kauft, erhält wieder eine neue Kontrollmarke. Oft entfernt man die erste Marke. Diese Kontrollmarken geben also nur bedingt Auskunft über das Alter des Gerätes - der Empfänger kann nicht jüngeren Herstelldatums sein. Der Erlös der Radiomarken dient zur Hauptsache für die Durchführung von Radioentstöraktionen.

Gesuche für Rundfunksender

Seit dem Jahre 1922 gehen bei der OTD in Bern eine Reihe von Gesuchen ein. Konzessionen zur Erstellung einer Sendestation und zum Betrieb der drahtlosen Telegrafie sind gewünscht. Zu diesem Zweck formiert sich auch die Radiophon AG, wobei zwei Drittel des Kapitals von Marconis Gesellschaften stammt.

Seit dem Ersten Weltkrieg herrscht in den meisten Staaten die Meinung, dass die drahtlose Nachrichtenübermittlung, abgesehen von den offiziellen Telegrafendiensten, eine militärische Angelegenheit sei. Andrerseits hat sich die Schweiz gemeinsam mit den anderen vertragschliessenden Ländern auf Grund des Petersburger Internationalen Telegrafenvertrages von 1875 verpflichtet, "alle notwendigen Massregeln zu ergreifen, um das Geheimnis der Depeschen und deren gehörige Besorgung zu sichern" [158].

Sofort nach Bekanntwerden des Gesetzentwurfes, im Oktober 1922, laufen neue Gesuche um Erteilung einer Sendekonzession ein. M. Rambert stellt im Auftrag einer in Lausanne zu gründenden Gesellschaft das erste Gesuch. Kurze Zeit darauf folgt der Radioklub Genf mit einer ähnlichen Eingabe. Auch ein Interessenkreis um Kloten meldet sich. Das Bestehen der Flugplatzsender hat weitere Ideen reifen lassen. Gemäss [770000] ruft der Physikprofessor an der ETH Zürich, Gustav Eichhorn, ein Institut für Radiophonie ins Leben. Der ETH-Sender dient zu Rundfunkversuchen in Zürich. Auf das Gesuch zur Genehmigung erhält Eichhorn (gemäss [770000]) noch 1923 vom zuständigen Beamten die Antwort: "Nehmen Sie von mir die amtliche Erklärung entgegen, dass wir das Radio in der Schweiz nie aufkommen lassen werden. Ihr Institut ist also gänzlich zwecklos!"

Bei den Verhandlungen des SRK mit den Behörden betreffend Liberalisierung des Radios möchten die Amateure nur einen starken Sender mit einer Energie von 5 kW und einer Reichweite von 1000 km, die Behörden kleine Regionalsender. Hier kann sich der SRK nicht durchsetzen. Erst 1931, mit Eröffnung des Landessenders Beromünster, ist das Ziel erreicht.

Am 10.1.23 erhalten die Petenten den Entscheid der Bundesbehörde, dass die Sendestationen Genf, Lausanne und Kloten Sendeversuche durchführen dürfen. Dies führt zu regelmässigen "Versuchssendungen" der drei Stationen. Den Rundfunk in der Schweiz betreiben und finanzieren während vieler Jahre Radioclubs und nicht die Industrie oder die Regierung.

Radio Zürich
Im Oktober 1923 ruft das Gründungskomitee der Schweizerischen Radio-Genossenschaft (SRG, Vorsitz Ing. Koelliker) zum Beitritt auf. Am 4.11.23 sendet das Komitee auf Welle 500 m seine erste öffentlich angekündigte Rundspruchsendung aus der Versuchs-Sendestation im Physikalischen Institut der Universität Zürich [153-5]. Dazu benutzt es einen von der Firma Maxim in Aarau zur Verfügung gestellten 20-Watt-Sender [397408]. Anfang 1924 sind zwei Drittel des Genossenschaftskapitals beisammen. Am 16.2.24 findet die Gründungsversammlung statt; in ihr kommt der Beschluss zum Bau eines eigenen Senders zustande. Allerdings darf sich die Genossenschaft nicht "schweizerisch" nennen und firmiert sich in Radiogenossenschaft in Zürich um. Die Versammlung beschliesst, für Fr. 70'000 einen 500-Watt-Sender der Western Electric Co. bei Bell Telephone Manufacturing Co., Belgien (BTM), in Auftrag zu geben.

Am 23.8.24 erfolgt die offizielle Eröffnung der Radiostation Zürich-Höngg mit einer Ansprache von Bundesrat Dr. Robert Haab [160] auf Welle 800 m. Dies ist in der Schweiz die erste Station, die ausschliesslich Rundfunksendungen ausstrahlt. Oft und aus verschiedenen Gründen hat Radio Zürich die Wellenlänge zu ändern, obwohl ihr die OTD zuerst 700 und am 5.12.24 definitiv 515 m zuteilt. Das passiert gelegentlich sogar inmitten der Sendung. Welle 515, 520 oder auch 640 sind in Gebrauch. Der Sender von nur 500 Watt Leistung hat in dem nur spärlich benutzten Wellenband eine erstaunliche Reichweite. Empfangsatteste kommen aus Norwegen, Spitzbergen, Irland, Russland, Ägypten, sogar aus Südafrika und den USA. Für das Abspielen von Grammophonplatten fehlen zu Beginn die Installationen; dafür stellt die Firma Musik-Hug einen "Welte-Mignon-Vorsetzer" zur Verfügung. Damit lassen sich mit dem vorhandenen Flügel automatisch Papierrollen abspielen. Anfangs verwendet man ein Kohlemikrofon, das nach etwa 30 Minuten Betriebsdauer Geräusche erzeugt und danach ganz verstummt. Um das Mikrofon abzukühlen und zu schütteln ist die Sendung jeweils für fast eine halbe Stunde zu unterbrechen [160]! Aber auch eine nasse Aussprache verträgt es nicht. 1931 kommt der alte Sender ausser Betrieb. Am 10.4.33 (Einweihung 6.5.33) bezieht man Räumlichkeiten in der Brunnenhofstrasse.

Radio Bern
Am 15.8.25 kommen im Berner "Bürgerhaus" 72 Männer zur Gründung der lokalen Radiogenossenschaft (RGB) zusammen. Den Vorstand bilden die Gründer aus Vertretern möglichst vieler Regionen, Behörden und Parteien. Am 19.11.25, nach zwei Monaten Versuchsbetrieb, eröffnet Radio Bern (Sender in Münchenbuchsee) auf Welle 302 offiziell sein Programm. Die gleiche Quelle [160] berichtet einige Seiten weiter allerdings "Hallo, Radio Bern auf Welle 403!" Andere Quellen nennen 411 m. Im Einzugsgebiet gibt es am 24.12.25 erst 4300 konzessionierte Empfangsstationen, statt der 18'000, die für einen Programmdienst ohne Defizit nötig sind [160]. Im Kursaal Schänzli dient ein früherer Fechtsaal als Studio. Ein elektrodynamisches Marconi-Mikrofon von ca. 20 kg Gewicht ist im Einsatz. Als Reserve und für Aussenaufnahmen steht ein zweites Mikrofon bereit, was zu jener Zeit nicht als Selbstverständlichkeit gilt. Dieser Typ bildet den Vorläufer der später aufkommenden dynamischen Lautsprecher. Ende 1927 dienen für Aussenaufnahmen ein Reisz-Kohlemikrofon in einem weissen Marmorblock von ca. 2 kg Gewicht und ein leichterer Verstärker. Während der Märzsession der Bundesversammlung erfolgt die erste Berichterstattung aus dem Bundeshaus. Am 19.11.30 ersetzt eine neue Anlage den Sender in Wankdorf bei Bern. Es sind sechs Mitarbeiter tätig. Der Stadtsender von 6 kW steht in der Bahnstation Münchenbuchsee. Ab 15.1.34 sendet Radio Bern auf 218,2 m (1375 kHz), wie Radio Basel. 1982 sprengt man den Antennenturm mit den Langwellenmasten.

Radio Basel
Anlässlich der Schweizer Mustermesse finden im April 1923 Rundfunksendungen aus dem Bernoullianum (20 Watt) statt. Das Publikum empfängt die Darbietungen mit auf der Mustermesse ausgestellten Geräten. Danach experimentiert man mit dem Aviatiksender beim Zeughaus auf Welle 1000.

Am 4.4.26 beginnt die Marconi-Gesellschaft Bern mit dem Bau des Senders Basel, der gemäss [210] am 19.6.26 seinen regulären Betrieb aufnimmt. Das Studio hat seinen Standort im SBB Hauptbahnhof. Die Sendungen sind oft zu unterbrechen, da ein Lift den Studioraum durchfährt! Im Hof der Physikalischen Anstalt befinden sich die Sendeanlagen; die bereits vorhandenen Versuchs-Antennentürme dienen als Antennenhalterung. Gemäss [210] ist ab 19.6.26 der Aviatiksender in Betrieb. Beide Antennenmasten beim Zeughaus standen noch während meiner Schulzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Leider darf der Operateur erst nach dem Eintreffen des letzten Flugzeuges abends auf dem Sternenfeld-Flugplatz mit dem Sendebetrieb beginnen [160]. Man benutzt die Frequenzen 1100, 218,2 und 318 m.

Gemäss [210] arbeitet ab 18.8.30 ein neuer Sender. 1932 verlegt man die Sendestation in die Kaserne Klingenthal. Ab 15.1.34 ist Basel wie Radio Bern die Wellenlänge 218,2 m bzw. die Frequenz von 1375 kHz zugeteilt. Am 22.3.40 bezieht man ein neues Studio.

Radio Lausanne
Das am 26.2.23 offiziell eröffnete Radio Lausanne nimmt am 26.3.26 einen speziellen Rundfunksender von der Firma Marconi in Betrieb. Lediglich die Antennenanlage des Flugplatzes bleibt wie vorher in Benutzung. Am 23.3.28 erfolgt der Umzug nach Grand-Chêne und am 2.3.35 eröffnet man das Maison de la radio à la Sallaz. 1931 übernimmt der Landessender Sottens die Ausstrahlung der Programme.

Radio Genf
Nach den frühen Versuchen mit dem Flugplatzsender eröffnet Radio Genf sein offizielles Programm am 10.3.25 aus dem Hôtel Métropole. Am 27.10.31 erhält Radio Genf seinen Platz im Salle de la Réformation und kommt am 21.7.40 an den Boulevard Carl-Vogt. Gemäss Wellenplan von Luzern arbeitet der Sender ab 15.1.34 auf 748 m (401 kHz).

Radio Lugano
Die italienischsprechende Schweiz eröffnet am 6.11.33 das Studio Lugano und zieht am 6.11.38 ins Campo Marzio. Am 31.3.62 bezieht das Radio della Svizzera italiana neue Räumlichkeiten. Seit dem 28.10.33 gelangen die Programme an den Landessender Monte Ceneri.

Landessender und Privatsender

Ab 15.11.26 erhalten die Rundfunksender folgende Frequenzen zugeteilt: Bern 411 m (1,5 kW), Zürich 500 m (1 kW), Lausanne 850 m (0,75 kW), Genf 760 m (0,3 kW) und Basel 1100 m (0,3 kW). 1930 errichtet man neue Sender in Genf (679 m mit 0,5 kW bzw. 760 m mit 1,25 kW), Basel 255,1 m, dann 220 m, dann 192,1 m mit 0,5 kW und Bern-Wankdorf 245,9 m mit 0,5 kW. Die Praxis zeigt, dass einzelne Regionalsender in einem so kleinen Land wie der Schweiz ein Unding sind.

Am 24.2.31 entsteht aus den regionalen Clubs die Société Suisse de Radiodiffusion (SSR) bzw. die Schweizerische Rundspruch-Gesellschaft (SRG). Das Eidgenössische Post- und Bahndepartement erteilt am 26.2.31 der SRG die Rundfunkkonzession. Unter Beibehaltung einzelner Studios, die sich das Programm aufteilen, plant man Landessender. Wegen der vier Landessprachen deutsch, französisch, italienisch und romantsch kommen drei "Landessender" zur Realisation, nämlich Beromünster und Sottens mit je 100 kW Leistung, sowie Monte Ceneri mit 15 kW. Romantsch sprechen wenige Personen, so dass die hauptsprachlichen Sender diese Sprache nur stundenweise pflegen.

Ab 15.1.34 ist die Leistung dem neuen Wellenplan anzupassen. Daneben arbeiten der Kurzwellensender Schwarzenburg (seit 6.5.39) mit 25 kW sowie die kleinen Stadtsender Basel, Bern und Genf. Der Sender Schwarzenburg brennt am 6.7.39 aus, kommt jedoch ab September 1940 wieder mit zwei Stationen von 25 kW in Betrieb. Bis 1967 erfasst die Kurzwellenanlage Schwarzenburg 5 Sender zu 100 kW und zwei Sender zu 250 kW. Selbstverständlich bestehen sogenannte "Réduit-Sendeanlagen" für den Kriegsfall. Sie stammen von BBC (2 Stationen) und Hasler. Als Ausweichsender dient die am 1.8.34 eröffnete kommerzielle Kurzwellenstation von Radio Schweiz in Prangins bei Genf. Bis 1942 gehört diese Station dem Völkerbund [155]. Ab 5.11.78 heisst der Schweizerische Kurzwellendienst neu Radio Schweiz International.

Die Programmgestaltung der Rundfunkstationen ist Aufgabe von sieben regionalen Gesellschaften. Es sind dies: Die Radiogenossenschaften in Basel, Bern und Zürich; die Ostschweizerische Radiogesellschaft St. Gallen; die Société des Emissions Radio-Genève; die Société romande de Radiodiffusion Lausanne und die Società cooperativa per la Radiodiffusione nella Svizzera italiana in Lugano. Die Gesellschaften betreiben fast alle eigene Studios (Basel, Bern, Zürich; Genf, Lausanne; Lugano) und sind in der SRG, dem Konzessionsträger, zusammengeschlossen. Einzig im Zweiten Weltkrieg gelangt die Hauptverantwortung und ab 1942 noch ein Teil davon an den Schweizerischen Rundspruchdienst (SR) als Organ des Eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartements [155].

Ab 1.10.52 kommt in St. Anton bei Oberegg ein Versuchssender für UKW und Frequenzmodulation in Betrieb. Basierend auf dem Stockholm-Plan von 1952 errichtet die Schweiz 1955 je zwei FM-Sender bzw. Programme pro Landessprache, wobei sie ab 16.12.56 auf das zweite Programm verzichtet. Um das ganze Gebiet des Landes abzudecken, steigt die Zahl der FM-Sender in der Folge auf mehr als 200. Ab 17.5.78 erfolgen stereophone Aussendungen von der Station La Dôle, ab August gefolgt von den deutschsprachigen Stationen Bantiger, Albis, Rigi, Üetliberg, Säntis und St. Chrischona. Im September 1978 folgen die Stationen Monte Generoso und San Salvatore mit Stereoprogrammen auf italienisch.

Ab 1965 heisst die Rundfunkorganisation DRS. Mit der Rundfunkversuchsverordnung von 1983 (RVO) sind private Sender mit Werbung auf UKW erlaubt und Radio DRS startet ein drittes UKW-Programm. Von den 200 sich bewerbenden Gruppen erhalten 40 eine Zulassung; 1987 senden noch 34 private Stationen. Roger Schawinski hat wohl mit seinem ursprünglich von Italien aus jahrelang illegal operierenden Sender einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet. Die PTT lässt sein Radio 24 in Zürich auf 102,8 MHz für die neue Lösung zu, was wiederum für die liberale Haltung der Behörden spricht.

Ein Merkmal des schweizerischen Rundspruchbetriebs ist die starke Verbreitung des Drahtrundspruchs während einiger Jahrzehnte. Diesen Dienst führt 1931 die Eidgenössische Telephonverwaltung ein; sie übernimmt auch den Betrieb. Zudem erhalten zwei private Gesellschaften eine Konzession zur Vermittlung von Programmen über eigene Drahtnetze: Rediffusion AG in Zürich und Allgemeine Radibus AG in Basel. Die Rediffusion betreibt Zentralen in Zürich, Lausanne, St. Gallen und Biel. Die Radibus arbeitet in Basel und Bern, geht jedoch 1946 in die Rediffusion über.

Sottens
Den Betrieb nimmt die Station am 25.3.31 auf und am 23.4.31 erfolgt die Eröffnung (403,8 m mit 25 kW). Der Luzerner Wellenplan sieht ab 15.1.34 dafür die Welle 443,1 m (677 kHz) vor. Am 1.11.35 erhält Sottens einen neuen Sender mit 100 kW Leistung. Ab 15.3.50 sendet Sottens mit 150 kW auf 764 kHz. Am 1.5.70 folgt ein neuer Sender mit max. 500 kW Leistung.

Beromünster und Sarnen (und Lenk)
Beromünster sendet ab 1.5.31 (Eröffnung 11.6.) mit 60 kW auf Welle 459,4 m. Ab 15.1.34 sendet Beromünster auf 539,6 m (556 kHz). Am 1.11.35 erreicht die Leistung 100 und ab 1947 150 kW auf 567,1 m bzw. 529 kHz. 1961 bringt ein neuer Sender 250 kW. Ab 30.6.67 erfolgen mit vertikal orientierter Antenne Versuche auf 192,1 m bzw. 1562 kHz (150 kW); man bleibt ab 5.12.67 bei dieser Ausstrahlungsart, bis ab 3.5.69 ein neuer Sender ab 18.00 Uhr mit 500 kW auf 1562 kHz tätig ist, da Beromünster wegen anderer Sender auf der Frequenz abends schlecht zu hören ist. Ab 23.2.72 läuft das Programm auf 527 kHz. Ab 1973 funktioniert der Sender Sarnen (Vertikalantenne) mit 250 kW auf 1566 kHz und ab 1974 ist der Sender in der Lenk mit gleicher Leistung in Betrieb. Gemäss Beschluss der Internationalen Wellenkonferenz hat ab 23.11.78 Sarnen das Abendprogramm zu übernehmen.

Monte Ceneri
Die Inbetriebnahme des Landessenders Monte Ceneri erfolgt am 28.10.33 mit 15 kW auf Wellenlänge 257,1 m (1167 kHz). Ab 15.3.50 erfolgt die Ausstrahlung nach dem Plan von Kopenhagen auf 557 kHz mit 50 kW, ab 1951 mit einem neuen Sender von BBC mit 100 kW Leistung (ab 1967 nur 50 kW?). Ab 21.10.79 übernimmt der neue Sender Monte Ceneri-Cima mit 300 kW auf 558 kHz das Programm.

Relaissender
Am 1.2.48 kommt in Savièse (Kanton Wallis) auf 1367 kHz ein Sender mit 0,5 kW, am 20.4.48 der Sender Coire und im Mai 1949 der Sender Sool (Kanton Glarus) mit je 0,1 kW auf der gleichen Frequenz in Betrieb. Ab 21.10.67 sendet Coire mit 0,5 kW auf 1562 kHz, wie auch ab 8.11.67 Sool. Savièse erhält am 5.11.71 eine Leistungssteigerung auf 1 kW.

Zeitschriften

Die schweizer Tageszeitungen wie z.B. die Basler Nachrichten und die National-Zeitung in Basel bringen Anfang der 20er Jahre regelmässig Berichte über Funk. Die Neue Zürcher-Zeitung (NZZ) führt sogar alle 14 Tage in der Sonntagsausgabe einen eigenen Radioteil. Folgende Radiozeitschriften entstehen:

Le Radio
Diese im Stil einer Tageszeitung aufgemachte Zeitschrift gibt es in französischer Sprache.

Radio, Radio-Bern
Diese Monatszeitschrift erscheint ab Januar oder Mai 1923 [268] in deutsch- und französischsprachiger Ausgabe. Sie gilt sofort als beste Zeitschrift der Schweiz für Radiobelange. Herausgeber: Verlag Benteli A.-G., Bern-Bümplitz.

Radio Service
Ab 1941 gibt es die sechs mal erscheinende Fachhandels-Zeitschrift als offizielles Organ des Verbandes Schweiz. Radio-Fachgeschäfte (VSR) mit z.T. interessanten Reparaturtips.

Radio-Suisse - Schweizer Radio
Seit 1923 in St. Imier von Rosselet & Stettler herausgegeben, bildet die zweisprachige Zeitung das Vereinsorgan des SRK.

Radiobulletin
Die Schweiz. Vereinigung der Amateursender gibt dieses Bulletin ab Anfang März 1924 durch den Verlag Benteli heraus. Es wird auch als wöchentliches Beiblatt zu Radio verkauft.

Radiobau-Zeitung [35] und Radiozeitung (Radio-Journal) [36]
Die Radiobau-Zeitung besteht 1924 in Richterswil und ab 1.12.25 gibt es aus dem Verlag Bopp, Zürich, die Radio-Zeitung und Radio Journal (franz.) als offizielles Organ des Radiobau-Vereins der Schweiz [293] auf gelbem Papier. Ihre Fortsetzung, die Radiozeitung, erscheint von 1926-27 im Verlag Bopp [268].

Radio-Programm, Schweizer(ische) Radiozeitung (SRZ) [38] und Schweizer Illustrierte Radio-Zeitung (SIRZ) [37]
Ab 11.7.24 gibt es in Zürich das Radio-Programm als offizielles Organ der Radio-Genossenschaft in Zürich, herausgegeben vom Fachschriften-Verlag & Buchdruckerei AG Zürich [293]. Ab 1.6.27 ist es anders gestaltet und nennt sich Schweizerische Radio-Zeitung. Ab 3.10.30 erfolgt eine weitere Modernisierung und der Titel wechselt auf Schweizer Illustrierte Radio-Zeitung (SIRZ). Dieses offizielle Organ der Schweizerischen Rundspruchgesellschaft (SRG) ist auch das Organ der anderen Radio-Organisationen und Landesverbände (Herausgeber AGRAP, Bern; Druck und Verlag Ringier). Ab ca. 1936 heisst das Organ Schweizer Radio-Zeitung (SRZ).

Die Hefte sind typische Programmzeitschriften, wobei zumindest bis in die 30er Jahre 1-2 Seiten technische Informationen erscheinen.

In den 40er Jahren kann man unter vier offiziellen Programmzeitschriften wählen: SRZ, Der Radiohörer, Le Radio und Radioprogramma. Zusätzlich erscheint in Zofingen ab 1933 Das kleine Kino- und Radioblatt [638862].

Publikum

Die einmalige Anmeldegebühr für ein Radio beträgt Fr. 5 und die Jahresgebühr Fr. 10. Ab 1924 steigt der zur Aufrechterhaltung der Sendeprogramme von der PTT an die Sendegenossenschaft im entsprechenden Gebiet weitergeleitete Jahresbeitrag um Fr. 10. Radiohörer können ab 1924 durch konzessionierte Elektroinstallationsfirmen typengeprüfte Geräte kaufen, die mit einer fortlaufenden Nummer gekennzeichnet sind. Der Installateur stellt den Ausweis mit Kopie für die Post aus [159].

Zusammenfassung der Teilnehmerzahlen

Am Ende der entspr. Jahre zählt man:

1911 3 Spezialbewilligungen
1914 128 "
1922 250 Radio-Empf.-Amateur-Bew.
1923 980 "
1924 16'964 Radio-Empfangs-Konz.
1925 33'500 "
1930 103'808 "
1931 150'021 "
1932 231'400 "
1933 300'051 "


Erst ab 24.2.31 mit der Betriebsaufnahme der schweizerischen Landessender Beromünster und Sottens steigt die Teilnehmerzahl rasch. Im Januar 1944 gibt es insgesamt 788'530 Konzessionen; 76'237 Teilnehmer sind auf Telefonrundspruch abonniert und 28'790 bei den privaten Drahtrundspruch-Gesellschaften. Die Hörerdichte beträgt 185 auf tausend Einwohner.

1960 zählt man 1'444'975,
1970 1'850'612 und
1980 2'252'915 Radiokonzessionen.


TV:
1953 920,
1954 4457,
1955 10'507,
1956 19'971,
1957 31'374,
1958 50'304,
1959 78'700,
1960 128'956,
1970 1'273'893,
1980 1'979'518 Konzessionen.

1987 gibt es 2'552'793 Radio- und 2'289'279 TV-Konzessionen.

Fernsehen beginnt die Schweiz 1953 als Versuchsbetrieb, ab 1.1.58 im regulären Betrieb, ab 4.11.65 (Sender Bantiger) auch in Farbe (System PAL) bzw ab 1.1.68 als Versuchsbetrieb und ab 1.10.68 definitiv.

Radioausstellungen
Vom 14.-23.8.25 findet in der Tonhalle in Zürich die erste Radioausstellung statt. Sie ist von der Radio-Genossenschaft in Zürich organisiert und findet guten Anklang. Zusammen mit der Radiobranche, dem Verband schweizerischer Radiohändler und dem Schweizerischen Radioklub organisiert die RGZ darum vom Oktober 1926 bis Januar 1927 eine Wanderausstellung für die grösseren Gemeinden des Kantons Zürich. Katalog [293] und Führer [294] dieser Ausstellungen enthalten Reklamen von praktisch allen schweizerischen Fabrikanten und Händlern aus dieser Zeit. Noch heute bildet die FERA in Zürich als jährliche Fachausstellung und direkter Nachfolger der ersten Ausstellung in der Tonhalle den Höhepunkt für die gesamte Industrie der Unterhaltungselektronik der Schweiz.

Radioindustrie

Anfang 1924 existieren wenige Radiohersteller, die meist nach Lizenz fabrizieren. Maxim Aarau ist der einzige bekannte Hersteller mit wesentlichen eigenen Patenten (Zickendraht), der anfänglich ohne Lizenzen auskommt. Zu dieser Zeit haben grösseren Bekanntheitsgrad: André Schneider, La Chaux-de-Fonds (Lizenz SIF), vertreten in Zürich durch Wenger & Eichenberger, in St. Gallen durch Thurnherr & Co; Televox, Neuenburg und Zürich (Lizenz Marconi); Zellweger, Uster (Lizenz Marconi).

Wohl kurz nach Anfang 1924 beginnen in der Schweiz u.a. Favarger, Neuenburg, und Resa, Genf, mit der Radiofabrikation.

Dazu kommen (z.T. etwas später) die Händler: Baumann, Koelliker & Cie AG, Zürich (Bako, z.B. Freed-Eisemann USA); Bell Telephone Mfg. Co., Bern (Lautsprecher der Western Electric); Comptoir Central de TSF, Genf (franz. Modelle); André Dewald, Zürich-Wollishofen, Lausanne, Basel); Enderlin & Co., Zürich (Selbstbau-Modelle); Arnold Funk, Zürich (Vertreter der Televox); Willy Gianini, Zürich (Radioapparate und Zubehör); R. Gol (Selbstbau-Artikel); A. Greil, Zürich (SABA); O. Huber & Co, Zürich (Seibt, Audion zu Fr. 78); J. Knöpfler, Le Locle (Brown-Lautsprecher); A. Kunz, Zürich (en gros, z.B. Apparate Dr. Lissauer, Audion Fr. 120, 3-Röhren Fr. 225 und 4-Röhren Fr. 330); G. Maag-Eckenfelder, Zürich; J. Meister Söhne, Zürich; Metrum AG, Wallisellen (Gleichrichter); Osterwalder & Co., Kreuzlingen (Radioapparate); Philips-Lampen AG, Zürich; Plantin & Cie, Lausanne (Vertreter Burndept Ltd, London); Radiodux, Otto & Soltermann, Bern; Radio-Electrique SA, Zürich, Genf, Luzern (Apparate); Fritz E. Rauch, Zürich; H.A. Schlatter & Co., Zürich (Apparate); W. Schultheiss-Möckl, Winterthur; Karl Stahel, Zürich (auch Röhrenreparaturen); Jacques Stüssi & Cie., Zürich (grosser Radiokatalog mit 100 Abbildungen); Telion AG, Zürich (Generalvertretungen, SABA); Tri-Ergon AG, Zürich (Lautsprecher Statophon Typ A zu Fr. 255, Typ B zu Fr. 500!); Unico, Zürich (Apparate); Hans Vögtli, Zürich (Material und eigener Detektor); Conrad Walser, Zürich (Apparate); Walter-Obrecht AG, Mümliswil (Einzelteile); H. Weidmann AG, Rapperswil (Bestandteile); Wenger & Eichenberger, Zürich (Vertretung der S.G. Brown Ltd, London); Radio Wirth & Co., Bern. Jedes Jahr gibt es wohl weitere Importeure. Z.B. inseriert die Firma Bansi-Ammann, Zürich, am 11.3.27 in Le Radio für den Baltic Super 10 mit sieben Röhren (in Tropadyne und Ultradyne umbaubar) zu Fr. 420. Die Apparate sind auch als Bausatz (KSL10) bekannt.

Die Firma Wolfsgruber & Tschokke in Aarau führt im Katalog 1927/28 z.B. folgende Baltic-Neuheiten: Super 20 (K20) zu Fr. 615 oder mit den sieben Röhren, Rahmenantenne, Lautsprecher Baltic-Conus und Batterien zu Fr. 1032. Baltic-Konzert-Empfänger als 0V2 für Batterieanschluss LB2 und LB3 (3 Wellen) oder Netzanschluss an Gleichstrom LN2 und LN3 sowie den Baltic K22 als 0V1 zu Fr. 235 und K23 als 0V2 zu Fr. 285. Daneben führt die Firma den Grillet-8-Lampen-Rahmenempfänger aus Frankreich zu Fr. 410.

Daneben gibt es Fabrikanten von Zubehör wie die Accumulatoren-Fabrik Oerlikon oder die Licht AG Goldau mit ihren Discus-Radio-Lampen. Auf der ersten Radioausstellung - 1925 in der Tonhalle Zürich - zeigen 38 Aussteller Sende- und Empfangsgeräte, Antennen, Lautsprecher und Zubehör. Dazu besteht bereits der Verband Schweizerischer Radiohändler (VSR). Auf dieser Radioausstellung finden verschiedene Anlässe statt, wie der Lichtbildervortrag von Prof. Dr. Arthur Korn über "Der Bildtelegraph" oder eine Fuchsjagd auf dem Zürichsee.

Teilweise finden Sie bei den Herstellerdaten auch Preise. Diese stehen in Relation zu folgenden Löhnen, die 1925-30 ziemlich stabil folgendermassen ausfielen: Tageslöhne für Poliere 15.61 - 16.22, gelernte Arbeiter 12.06 - 12.57, ungelernte Arbeiter 9.66 - 9.90 Fr. (ca. 1.-- / Std.). 1939 rechnet man mit Stundenlöhnen von 1.55 für gelernte oder 1.18 für ungelernte Arbeiter bzw. 433.-- Lohn im Monat für Angestellte [Biga].

Die unter dem Titel "Wenig bekannte Radiohersteller" weiter unten (im Buch "Radios von gestern") beschriebenen Firmen kann man - mit wenigen Ausnahmen - als "Hersteller der ersten Generation" bezeichnen. Deren Radioproduktion überlebt das Jahr 1932 nicht. Die meisten stellen diese Produktion schon einige Jahre früher ein. Abgesehen von wenigen Ausnahmen sind die Firmen bis jetzt den heutigen Sammlern nicht bekannt, obwohl einige Firmen dazumals eine wesentliche Rolle spielten. Als Gründe, dass sich in den 20er Jahren trotz wirtschaftlich und technisch guten Voraussetzungen ausser einigen kleinen Herstellern keine Radioindustrie entwickelte, nennt man die Patentschranken des Auslands, ungeeignetes schweizerisches Patentgesetz, ungenügender Schutz gegen die ausländische Konkurrenz sowie beschränkte Absatzmöglichkeiten. Trotz wohl schlechterer Ausgangslage zeigt Österreich, dass eine erfolgreiche Radioindustrie in einem kleinen Land möglich ist.

Die schweizerische Radiobranche hat ihre Blüte von 1933-53. Der Beschluss des Bundesrates von 1932 (siehe unten) lässt die "Hersteller der zweiten Generation" entstehen. Die meisten dieser Firmen erreichen grössere Stückzahlen und entsprechenden Bekanntheitsgrad. Diese Firmen sind unter dem Titel "Allgemein bekannte Radiohersteller" vollständig aufgezählt. Daneben gibt es auch nach dem Krieg Kleinstfirmen, die danach separat aufgeführt sind. Allerdings bleiben Familienbetriebe, die wie etwa die Familie Hofmänner aus überzähligen Gehäusen eines anderen Herstellers Empfänger gebastelt hat, unerwähnt.

Erst die modernen Kommunikationsmittel wie Personensuchanlagen, CB-Funk und Autotelefon bzw. das mobile "Taschentelefon" lassen Spielraum für neue Innovationen auf dem Gebiet der Radiokommunikation und damit die "Hersteller der dritten Generation" zu. Einige schweizerische Firmen wie Autophon und BBC (neu ABB) machen sich mit diesen Produkten für die private "Radiokommunikation" einen Namen.

Anlässlich meiner Recherchen erhielt ich interessante Briefe. Einige Stellen aus dem Brief des 82jährigen Walter Schorno (vormals Direktor) sind so typisch für die damalige Zeit, dass ich sie hier zitiere:

"Meine ersten Kontakte mit dem Radio gehen auf Anfang der 20er Jahre zurück, als an einer Kochkunstausstellung in Luzern der Meisterkoch Escoffier auftrat und in einer Halle ein Empfangsapparat aus Bratislava Radiomusik auf einem Lautsprecher wiedergab - damals eine sensationelle Sache!" ... "In Goldau war es Schuhmacher K., der die besten Apparate aus gekauften Einzelteilen zusammenbastelte; ein Coiffeur trieb dann einen schwunghaften Handel mit Apparaten von der "Audion AG", aber der fachkundigste wurde schliesslich der Wärter des Hotels Rigi-Kulm, der sich in der vielen Freizeit gründlich die Literatur zunutze machte und schliesslich ins Tal zog, um ein konkurrenzloses Fachgeschäft aufzuziehen." ... "Ende der 20er Jahre schlossen sich unsere Goldauer-Radiobastler zu einem Radio-Club zusammen... Viel Zeit aber opferten wir für die Zusammenarbeit mit der PTT, indem wir Störungsmeldungen entgegennahmen, Störherde mit Rahmenantenne anpeilten, die Störungsverursacher (Staubsauger, Fönapparate, Motoren und Schalter etc.) durch den Einbau von kleinen Kondensatoren entstörten und nur selten bei Renitenten die PTT in Luzern benachrichtigten, die dann von Amtes wegen eingreifen musste. Schwieriger war die Suche nach den mit Rückkopplung versehenen, pfeifenden Radioapparaten."

Ab 1932 beschliesst der Bundesrat wegen der hohen Arbeitslosigkeit eine Kontingentierung der hergestellten und eine massive Zollerhöhung auf eingeführte Radios. Kurz vorher kommen die meisten Geräte aus Deutschland, England, Frankreich und den USA. Viele Importeure beginnen die leerstehenden Gebäude der Textil-, Keramik- und Uhrenindustrie mit Eigenbau in Lizenz zu beleben. Gerätemarken wie Saba, Lorenz, Telefunken Loewe und Philips erhalten grössere Bekanntheit. Nach der Machtergreifung in Deutschland bereitet einerseits die Versorgung Schwierigkeiten und andrerseits will man nicht mehr abhängig sein und hat eigenes "Know-how" erworben. Zudem erlauben die Lizenzgeber (z.B. Telefunken, Standard, Philips) keinen Export. Die Radios erhalten den Hinweis: "Nur für die Schweiz bestimmt". Sowohl Geräte als auch Einzelteile entwickeln die Firmen ab 1933 mehr und mehr selbst (Autophon, Dewald, Thorens, Wach etc.). Das heisst nicht, dass keine Importe vorkommen. Z.B. exportiert Luxor Radio A.B. in Motala, Schweden, Geräte in die Schweiz; Kaiser & Co., Bern, verkauft Lyric-Modelle aus den USA; Raga AG, Zürich, vertritt die Midwest Radio Corp., USA; Titan AG, Zürich, führt aus Österreich Minerva-Radios ein oder Apco, Zürich, die Nora-Radios aus Deutschland etc. Geräte folgender Marken sind in grösserer Stückzahl und mit mehr als 20 Modellen vertreten: Aga Baltic, American Bosch, Blaupunkt, Emerson, Hallicrafters, Hornyphon, Ingelen, Luxor, Marconi England, Mende, Minerva, Olympia, Orion, Philco, Philips, Radione, Saba, Siera, Telefunken, Zenith. Insgesamt führt die Thali-Schaltplansammlung mit etwa 1650 Modellen aus den Jahren 1931-50 eine Zahl von 90 importierten Marken mit grösseren Stückzahlen in der Schweiz. Sogar aus Riga (Lettland) (VEF) kommen Radios. Trotzdem etabliert sich in dieser Zeit wegen des Schutzes durch den Bund eine eigenständige Industrie. Bei den Röhren bleibt die Schweiz auf das Ausland angewiesen, was während des Zweiten Weltkrieges Probleme bringt. Nur unter Schwierigkeiten erhalten die Radiohersteller französische, britische oder amerikanische Röhren. Gemäss Mitteilungen Nr. 9/1944 der Brown Boveri (BBC) fertigt sie während dieser Zeit Schlüsselröhren wie EBL21 (=PDD2), ECH21 (=TH1) und AZ21 (=GG1) für den Eigenbedarf und für verschiedene schweizerische Radiofabriken. BBC ist durch ihre Senderöhren bekannt. Auch das Albiswerk in Zürich soll für kurze Zeit eigene Röhren fabriziert haben, da es z.B. für Telefonverstärker autark sein wollte. Bereits in der ersten Hälfte der 20er Jahre soll dort zumindest eine geringe Produktion von Röhren bestanden haben.

Kurz nach dem Krieg ist besonders Deutschland nicht in der Lage, aufwendige Geräte zu fertigen. Nun kann die Schweiz bis zu 80 % seiner Radioproduktion im Ausland absetzen. Es handelt sich um konkurrenzlose Spitzengeräte. Das Ende kommt mit dem Einsatz von UKW sehr rasch und vernichtend. Das hat drei wichtige Gründe.

Erstens:
Auf dem wichtigen Inlandsmarkt erzielt die Branche durch Zollschranken und interne Absprachen fette Preise. Die Hersteller verkaufen ihre Produkte nicht nach einer Fabrikationskalkulation, sondern es besteht ein Tarif nach Grösse des Apparates, Anzahl Bedienungselemente bzw. technischer Ausstattung etc. Dieses Preisabkommen fällt erst 1953.

Zweitens:
Vor dem Krieg baut die schweizer Industrie solide, gute und technisch ausgefeilte Radios. Die Industrie hat gute Exportmärkte erschlossen, die nach dem Zweiten Weltkrieg konkurrenzlos zu beliefern sind. Weil das Geschäft so gut läuft, kommen keine Zukunftsgedanken auf; es entstehen keine Innovationen. Die Empfänger sehen bieder aus und richten sich zu wenig nach dem modischen Geschmack oder der Notwendigkeit eines Zweitradios (siehe Modelle USA, England, Philips). Grundlegende Forschungsarbeit leisten die Firmen wohl wegen zu kleiner Auftragsmengen nicht.

Drittens:
Obwohl 1947 die Konferenz von Kopenhagen den Bereich von 88-100 MHz (UKW) in FM freigibt, nimmt die Schweiz diesen Schritt nicht genügend ernst. Eine von der schweizerischen Radioindustrie herausgegebene Mitteilung weist darauf hin, dass die Erschliessung dieses neuen Frequenzbereiches unsinnig sei. Da sich die Wellen dieser Frequenzen nur im Sichtbereich ausbreiten, sei die Reichweite viel zu klein, besonders in einem gebirgigen Land. Die Vorteile der FM übergeht man. Regelmässige UKW-Sendungen in Deutschland ab 1949 interessieren nicht, denn das Geschäft floriert so gut, dass die Produktion kaum Schritt hält. Ab 1953 ist Deutschland mit UKW so gut versorgt, dass diese Sender in grossen Teilen der deutschsprachigen Schweiz zu empfangen sind - wenn der Empfänger UKW wiedergibt. Im selben Jahr plant die Schweiz UKW-Sendungen. Jetzt gibt es überstürzte Bastellösungen - fehlt doch das "Know-how". Das Ausland liefert nun bessere Geräte billiger. Nur etwa acht Hersteller stellen rechtzeitig auf UKW um. Ende der 60er Jahre geben die zwei letzten Firmen auf, "gewöhnliche Radios" selbst herzustellen: Velectra, Biel, mit der Marke Biennophone und Sondyna, Effretikon. Der Druck aus Japan und den Herstellern hoher Stückzahlen ist zu gross.

Allerdings erreichen Spezialfirmen mit hochstehenden Musikanlagen, grösstenteils für Studiozwecke, einen internationalen Namen: Revox, Thorens und Komet. Sie bieten auch in den 80er Jahren exklusive Spitzengeräte an. Eine nationale Domäne, die Geräte für den Telefonrundspruch, bleibt erhalten. Bei der Herstellung von TV-Geräten - Mitte der 50er Jahre - kommt man nicht über die erste Serie hinaus.

Telefonrundspruch

Die Firma Hasler AG, Bern, entwickelt ein Drahtfunksystem, das die PTT akzeptiert. Es entsteht 1931 als Niederfrequenz-Telefonrundspruch (NF-TR) und mehrere Firmen bieten ihre eigenen Geräte an. Die Einrichtung erlaubt das Hören von fünf verschiedenen - von der PTT festgelegten - Radiostationen über einen Verstärker, der an der normalen Telefonleitung angeschlossen ist. Ab 1932 funktioniert das System in grösseren Ortschaften und die PTT baut sukzessive alle Zentralen dafür aus. Es ist hier anzumerken, dass die Schweiz während Jahrzehnten - auch nach dem Zweiten Weltkrieg - eine ausserordentliche Telefondichte aufzuweisen hat. 1959 nimmt die Schweiz auch als erstes Land der Welt ein vollautomatisches Netz in Betrieb (EC Woche Nr. 51, 1985).

Wegen einfacher Bedienung und für damalige Verhältnisse guter Tonqualität finden die TR-Apparate grosse Verbreitung. Besonders in Krankenhäusern und Hotels erfreut sich die Einrichtung grosser Beliebtheit.

Auf der Landesausstellung von 1939 in Zürich stellen die PTT das Hochfrequenz-Telefonrundspruch-System (HF-TR mit Frequenzmultiplex) vor. Ab 1941-47 realisiert man den Dienst mit HF-Trägern im Langwellenbereich, wobei die Tonqualität wesentlich steigt und die Sendung beim Telefonieren weiterläuft. Später übernimmt die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) die Programmgestaltung. Sie übernimmt auch ausländische Sendungen ab insgesamt 16 Sendern; vor allem BBC London erhält eine hohe Einschaltquote (NZZ 27.12.85).

1955 erweitert man den Dienst auf ein 6. Programm mit ständiger Musikberieselung, was besonders für öffentliche Räume wie Verkaufslokale geeignet ist. HF-TR-Apparate sind noch heute im Angebot. Ende 1985 bestehen 360'000 TR-Konzessionen, eingerechnet 20'000 Hotels und Krankenhäusern zu durchschnittlich je 40 Empfänger. Das System arbeitet ebenso in Italien, Spanien und Brasilien. Wie bereits erwähnt, konkurrieren in einigen Städten Systeme der Radibus und der Rediffusion.

TV-Geräte, ein Versuch

1954 möchten sich die Firmen dem neuen Medium Fernsehen annehmen. Albis, Deso und Paillard entwickeln gemeinsam ein Empfangsgerät unter der Marke Aldepa. Der Apparat weist einen Bildschirm von nur 36 x 43 cm auf, statt der 43 x 51 cm der billigeren ausländischen Geräte. Darum finden nur ca. 200-300 Geräte Käufer. Autophon (1954-55) und Velectra (Biennophone, 1956) hoffen auf Erfolg mit einem eigenen Gerät - auf dem kleinen Markt! Immerhin ist bei Biennophone ein HF-Telefonrundspruch eingebaut, was das Gerät von allen anderen deutlich abhebt.

Allgemein bekannte Hersteller

Wie bereits aufgezählt, gibt es gegen Mitte der 20er Jahre schweizerische Radiohersteller. Kleinhersteller schiessen wie Pilze aus dem Boden. Elektroinstallationsfirmen oder Schreiner z.B. stellen während kurzer Zeit Kleinserien her, meist sogar ohne spezielle Namensgebung. Heute bekannt sind aber meistens nur noch die grösseren "Hersteller der zweiten Generation" ab 1932. Sie finden beid Kategorien bei der Firmenliste und können von dort aus auch die Geräte einsehen. Besser ist aber die Verwendung von "Erweiterte Suche für Antike Radios etc." auf der Suchseite (Einstiegsseite, Home klicken). Sie wählen das Land und schreiben Marke oder Hersteller in das Feld "Radiohersteller". Voilà.

Documents about this country
  Hönggerberg, 1924, Radiogenossenschaft Zürich, Rundfunk Schweiz (Beginn 1922 in Lausanne), Anfänge für Zürich von Gustav Eichhorn, Institut für Radiophonie. 894 KB

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75. Geburtstag der SRG SSR
Josef Ledergerber
25.Feb.06
  1

(Medienmitteilung der SRG SSR am 24.02.06)


In ihrem Jubiläumsjahr blickt die SRG SSR idée suisse in die Zukunft und stellt zwei Themen ins Zentrum: Die Wertediskussion und die Positionierung im Bereich Multimedia. Zum Auftakt veröffentlicht die SRG SSR eine Programmcharta mit zentralen publizistischen Grundsätzen für ihre Radio- und Fernsehprogramme. Im Rahmen ihrer Multimedia-Aktivitäten lanciert die SRG SSR ein nationales Projekt: den Pacte multimédia pour la formation.

Im Jubiläumsjahr stellt die SRG SSR die Wertediskussion in den Vordergrund. Sie will intern aber auch öffentlich einen Dialog darüber führen, welchen Service public die Schweiz braucht und welche SRG SSR das Publikum wünscht. 75 Jahre nach ihrer Gründung steht die SRG SSR vor neuen Herausforderungen: Die Digitalisierung der elektronischen Medien verändert die Programmproduktion und das Nutzungsverhalten der Hörerinnen und Zuschauer. Das Internet bietet interaktive Möglichkeiten, die vor allem bei der jüngeren Generation beliebt sind. Audiovisuelle Inhalte können überall und zeitunabhängig abgerufen werden. Zur Weiterentwicklung ihres Service public setzt die SRG SSR deshalb auf Multimedia: als Ergänzung zu ihren Radio- und Fernsehprogrammen, aber auch im Interesse des Zusammenhalts der Schweizer Gesellschaft. Die SRG SSR will das Internet zur Meinungsbildung einsetzen, zur Befriedigung der Interessen von Minderheiten und zur Kulturförderung.

Programmcharta mit publizistischen Leitsätzen

An der Medienkonferenz zum 75. Geburtstag stellte die SRG SSR der Öffentlichkeit ihre neue Programmcharta vor. Diese beinhaltet die publizistischen Grundsätze für die Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR. Entwickelt wurde die Charta von einer nationalen Arbeitsgruppe unter der Leitung von Marco Färber, Chefredaktor bei Schweizer Radio DRS. Die Charta ist das Resultat einer unternehmensweiten Vernehmlassung bei den Programm- und Redaktionsverantwortlichen und ist für alle Programmschaffenden der SRG SSR verbindlich. Sie dient als Basis der Aus- und Weiterbildung und wird Teil der internen Qualitätskontrolle der SRG SSR. Die national gültigen Vorgaben der Charta werden in den Leitbildern und publizistischen Richtlinien der regionalen Unternehmenseinheiten der SRG SSR konkretisiert. Die Regeln sollen Sachgerechtigkeit, Vielfalt und Unabhängigkeit der Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR stärken.

Pacte multimédia pour la formation

Im Rahmen ihrer Multimedia-Strategie lanciert die SRG SSR den Pacte multimédia pour la formation. Sie möchte schweizerische Bildungsinstitutionen für den gemeinsamen Aufbau einer multimedialen Plattform im Internet gewinnen. Dank ihren Archiven verfügt die SRG SSR über Dokumente und Erfahrungen, die im Aus- und Weiterbildungsbereich eingesetzt werden können. Die Ziele des Pacte multimédia bestehen vor allem darin, neue Informationstechnologien zu fördern, die Kommunikation über Vorteile und Risiken der Informationsgesellschaft anzuregen und einen interaktiven Zugang zu entsprechenden Bildungsinhalten zu ermöglichen.
Die Zusammenarbeit mit externen Partnern hat sich bereits in anderen Projekten bewährt: Im Bereich Film mit dem Pacte de l'audiovisuel und im Bereich Musik mit der Musikcharta. Der Pacte de l'audiovisuel ist ein Produktionsabkommen der SRG SSR mit der Filmbranche. Er unterstützt seit 1996 die Realisierung von Schweizer Filmen und ihre Ausstrahlung in den Fernsehprogrammen der SRG SSR. Die Charta der Schweizer Musik hat zum Ziel, das Ansehen der Schweizer Musik sowie talentierte Musikerinnen und Musiker zu fördern. Sie wurde 2004 von der SRG SSR und elf Schweizer Musikverbänden unterschrieben.

25.02.06 J. Ledergerber

Ernst Erb
26.Sep.07
  2

Die Radiobewegung kam aus dem Volk, danach auch die "Steuerung" der Sendetätigkeit etc.
Die Flugplatzsender Lausanne, Genf und Basel spielten eine Pionierrolle.

Wolfgang Bauer hat den folgenden Text gefunden und auf die entsprechende Briefmarke gesetzt:

 

Schweiz, 17. Februar 1972 (Michel Nr.: 966). 50 Jahre Radio in der Schweiz. Marke zeigt Schallwellen, Gesicht.
Die ersten Versuche mit der Radiotelegraphie in der Schweiz wurden 1905 von der Armee unternommen. Am 14. 2. 1922 ermächtigte der Gemeinderat von Lausanne die Stadt, auf dem Champ-de-l'Air eine Sendestation für die Bedürfnisse des Luftverkehrs zu errichten. Im Mai 1922 verlas der Stationsleiter erstmals Nachrichten und Wettermeldungen, bis dann am 22. August der erste Sender der Schweiz, gleichzeitig der dritte in Europa, seinen definitiven Betrieb aufnahm. Wenn der Flugverkehr ruhte, wurden Schallplatten gesendet. Diese erfolgreichen Sendungen führten anfangs 1923 zur Gründung einer Sendegesellschaft aus der "Société Romande de Radiodiffusion" hervorging. Ihr folgten weitere, noch heute bestehende regionale Radiogenossenschaften und Gesellschaften, aus denen am 24. 2. 1931 die heutige <<SRG>>, Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft, als Dachorganisation entstand. 1923 gab es 980 Radio-Konzessionäre. Ende 1988 waren es 2.590.170. <<Textquelle, Motivhandbuch Schweiz, Schriftenreihe des Schweizerischen Motivsammler-Vereins.>>

Der eigentliche Versuchsbetrieb hat im August 1922 begonnen - siehe "Radios von gestern".

 
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Radiokontrollmarken / ALR+CFR in der Schweiz
Martin Bösch
20.Feb.05
  1 Hallo,
ich bin einfach zu jung dazu, mich damit auszukennen: auf älteren Schweizer Geräten findet sich eine mit Jahrgang versehene Kontrollmarke, anfangs mit ALR+CFR und Nummer bezeichnet, später meist blau mit Jahrgang & PTT bezeichnet,
wurden die Marken bei der ersten Inbetriebnahme auf die Rückwand geklebt? weshalb haben einige Geräte verschiedene Kontrollmarken? es gibt auch abweichende Farben, hat das etwas zu sagen?
Was auch auffällt, ist, dass Empfänger mit einer Kontrollmarke Skalenscheiben mit später erst aktiven Stationen besitzen?
(beispielsweise besitzt mein Mediator M74A eine Kontrollmarke von 1941 und auf der Skala sind AFN oder SWF aufgeführt);
wurden die Skalenscheiben in späteren Jahren (Inkrafttreten eines neuen Wellenplans) ersetzt?

besten Dank an die Experten für jede Aufklärung
Martin Bösch
Jens Dehne
21.Feb.05
  2  

Hallo Herr Bösch, hallo Radiofreunde,

habe leider keine Antwort auf diese Fragen aber auch ein Interesse.

Auch an Graetz - Radiogeräten aus den 50er Jahren meiner Sammlung (eventuell nur Export Schweiz) klebt seitlich eine PTT - Kontrollmarke. Welche Bedeutung hatten diese?

Ich danke schon mal für die Mühen und grüße aus Erfurt

Jens Dehne

Ernst Erb
21.Feb.05
  3 Ich nehme an, dass alle europäischen Länder - im Gegensatz zu den USA - den Rundfunk stark reglementierten. Jedes Land tat das auf seine Weise. Die Einzelheiten und Begründungen aus jener Zeit (z.B. staatspolitische Gründe) finden Sie in "Radios von Gestern" - unter dem betreffenden Land. Sicher kann jemand daraus hier zitieren. Ich möchte hier nur antworten, dass es sich nicht um eine Gebühr für Exportgeräte handelte, sondern ab 1933 (bis einige Jahre nach dem Krieg) hatte jeder Apparat bei der Erstinbetriebsetzung diese Kontrollmarke zu erhalten. So kommt es, dass vereinzelt Geräte aus en 20er Jahren auch diese Kontrollmarke von 1933 bekamen, weil der Apparat da noch im Betrieb war.
Martin Bösch
21.Feb.05
  4 Hallo,
heute habe ich nach dem Hinweis von Herrn Erb die richtige Seite gefunden, im RvG steht's:
- ab 1933 wurden Geräte im Jahr der Inbetriebsetzung mit der PTT-Kontrollmarke versehen,
- bei Besitzerwechsel / Verkauf des Geräts wurde eine neue Kontrollmarke fällig, offenbar wurden
die alten Marken teils entfernt, teils eine neuere dazugeklebt.

 

rechts Bild von einem Gerät mit Besitzerwechsel,

 

die blaue wohl ältere Marke habe ich teils auf dem Chassis, teils auf der Rückwand gefunden,
was die gelbe Marke (EVD + DEP) bedeutet, ist mir gar nicht klar.
Besten Dank für die Klärung
Martin Bösch

Walter Haring
21.Feb.05
  5 Hallo Herr Bösch

Sie haben hier ein interessantes Thema aufgegriffen, welches mich auch interessiert. Leider kann ich auch keine wirklich neuen Erkenntnisse sondern nur weitere Fakten und Vermutungen beisteuern.

1. PTT-Marke und ALR-Kleber haben m.E. keinen Zusammenhang

2. PTT-Marken gab es zuerst in beige, später in blau, rot oder grün. Die unterschiedlichen Bedeutungen kenne ich nicht. In jedem Fall aber waren diese der "Beweis" für die Anmeldung zur Radiokonzession. Ich kann mich erinnern, dass beim Kauf des Gerätes durch den Radiohändler ein Formular ausgefüllt wurde, das dann an die Konzessionsbehörde PTT weitergeleitet wurde. Man erhielt dann auch eine entsprechende, schriftliche Empfangskonzession, sofern man nicht schon registriert war (und damit auch die periodische Rechnung ...). Leider weiss ich nicht genau, bis wann diese PTT-Marken Pflicht waren, ich vermute aber bis irgendwann in die frühen 70igern.

3. ALR-Kleber wurden (zumindest z.T.) schon beim bzw. durch den Radiohersteller angebracht. Dies gemäss einer Aussage eines pensionierten Mitarbeiters des Albiswerk Zürich. Dies ist sehr glaubhaft, da die Radios dieser Marke durchwegs dieselbe Chassisnummer  und ALR-Nummer tragen, was bei anderen Radioherstellern nicht der Fall ist.
Ich vermute, dass es sich hier um eine Behörde handelte, welche den stark reglementierten Markt überwachte. Auch hier fehlt es mir an Unterlagen, auch über die Anwendungszeit von/bis.

Vielleicht kann ein älteres RM.org-Mitglied da ja mehr Licht ins Dunkel bringen.

Freundliche Grüsse, Walter Haring

Nachtrag vom 18. September 2011:

Mir ist ein Originalbrief zugegangen, der die Antworten definitiv dokumentiert. Interessant - der Adressat hat sich nicht an die Aufforderung gehalten, so dass sogar die originale Radio-Kontrollmarke noch erhalten blieb.

Freundliche Grüsse, Walter Haring

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Franz Gysi
21.Feb.05
  6 Walter Haring schrieb:

...Man erhielt dann auch eine entsprechende, schriftliche Empfangskonzession, sofern man nicht schon registriert war (und damit auch die periodische Rechnung ...). Leider weiss ich nicht genau, bis wann diese PTT-Marken Pflicht waren, ich vermute aber bis irgendwann in die frühen 70igern.

...

Ich kann mich erinnern, dass irgendwann ab Ende der 60er Jahre bloss noch ein Kleber auf einem Neugerät Pflicht war und damit eine Initialabgabe an die PTT entrichtet wurde. Registrierung gab es in dieser letzten Phase keine mehr.

Franz
Martin Bösch
23.Sep.07
  7 Im Jahrbuch RADIO 1935 fand ich weitere Hinweise auf die Radio - Kontrollmarken, die meist in blauer Farbe auf der Rückwand älterer Radios aus der Schweiz prangen.
Hier heisst es:
"Ein Radioapparat ist kein Handelsartikel, der sich wie ein Taschenspiegel oder eine Krawatte einfach am Ladentisch verkaufen lässt...
Die Erstellung einer einwandfreien Radio-Empfangsanlage setzt also gewisse technische Kenntnisse voraus, und es war deshalb an der Zeit, vor allem das gewerbsmässige Einrichten von Radioanlagen von einer besonderen Konzession und der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig zu machen, die eine gewisse Gewähr für fachmännische Bedienung der Kundschaft bieten."
...
"Zum Zeichen, dass eine Radio-Empfangsanlage durch eine von der Telephonverwaltung konzessionierte Firma erstellt worden ist, hat diese den Apparat auf eigene Kosten mit einer blauen Kontrollmarke zu versehen. Die Gebühr für diese Marke stellt einen Bestandteil der vom Händler zu bezahlenden Konzessionsgebühr dar..."
...
"Die gewerbsmässige Einrichtung von Radio-Empfangsanlagen ohne Radio-Installationskonzession ist verboten und damit die Tätigkeit all der unberufenen Elemente, die sich früher mit Radiohandel befassten, weitgehend unterbunden."
...
"Hingegen bleibt dem Radiohörer sein Recht gewahrt, seine eigene Anlage selbst zu erstellen. Er hat dabei die bestehenden und für 50 Cts. bei jedem Telephonamt erhältlichen Antennenvorschriften zu beachten.
Die von Hörern selbst erstellten Anlagen werden durch das Telephonamt kontrolliert und dabei mit einer roten Kontrollmarke versehen. Die Kontrollgebühr beträgt bei Neuanlagen 5 Franken, bei Verlegungen 2 Franken."
...
"Um eine durchgehende Kontrolle zu ermöglichen, ist den Hörern, die ihre Anlage schon vor dem Inkrafttreten der neuen Vorschriften besassen, eine weisse Gratiskontrollmarke abgegeben worden."
...
"Die durch Organe der Telephonverwaltung ausgeführte Kontrolle wird manchem Hörer, namentlich der damit verbundenen Kosten wegen, nicht besonders erwünscht sein und in einzelnen Fällen wird sie auch nicht gerade sehr notwendig erscheinen..."
"Die Duldung der Selbsterstellung der Radioanlage der Radioanlage durch den Hörer stellt in Anbetracht der eingangs erwähnten Risiken ein weitgehendes Entgegenkommen dar...".

Weiter wird ausgeführt, dass die erhobenen Gebühren u.a. zur Ausschaltung von Störquellen wie beispielsweise der Entstörung der Strassenbahnen, eingesetzt wurden.
Eine Abbildung im Buch zeigt eine Kontrollmarke mit dem Datum von 1933, dem Jahr der Einführung. Klar ist nun auch, weshalb Geräte vor deren Einführung die weisse Kontrollmarke tragen.
Ernst Erb
03.Dec.07
  8

Diesen Thread habe ich heute per Zufall im internen "Talk" gefunden. Er ist aber sehr informativ für alle Sammler und betrifft die Schweiz, so dass ich ihn nun zum Land verschoben habe. Dank an die Beteiligten, vor allem an Martin, der die Frage der verschiedenen Farben beantwortet hat.

Damit man den Text auch über SEARCH gut findet, hier noch Stichworte dazu: Aufkleber. Bitte um weitere vorschläge.

 
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