• Jahr
  • 1932/1933
  • Kategorie
  • Rundfunkempfänger (Radio - oder Tuner nach WW2)
  • Radiomuseum.org ID
  • 3537
    • Marke: System Günther

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 Technische Daten

  • Anzahl Röhren
  • 7
  • Hauptprinzip
  • Geradeaus ohne Rückkopplung
  • Anzahl Kreise
  • 5 Kreis(e) AM
  • Wellenbereiche
  • Langwelle, Mittelwelle (LW+MW).
  • Betriebsart / Volt
  • Wechselstromspeisung / 110-240 Volt
  • Lautsprecher
  • - Dieses Modell benötigt externe(n) Lautsprecher.
  • Material
  • Gerät mit Holzgehäuse

Die GFGF Zeitschrift Funkgeschichte bringt interessante Artikel zu Radios, Funkwesen und Medien. Bei Radiomuseum.org finden Sie die vollständigen Hefte früherer Ausgaben als PDF zum Download.

  • von Radiomuseum.org
  • Modell: Superselektiv SS - Mende - Radio H. Mende & Co.
  • Form
  • Tischgerät-gross, - Querformat (breiter als hoch oder quadratisch).
  • Abmessungen (BHT)
  • 525 x 355 x 300 mm / 20.7 x 14 x 11.8 inch
  • Bemerkung
  • Mende Superselektiv ist der erste 5-Kreis-Geradeausempfänger des Herstellers. Ab Werk ohne Feldstärke-Anzeige, diese konnte aber nachträglich eingebaut werden. Die Skalenzeiger der Propellerskala haben eingebaute Lupen zur Erleichterung der Ablesung. Das schaltungsmässig identische Nachfolgemodell ist Mende Ultra-Selektiv, nun mit Feldstärke-Anzeige und Lichtspalt-Optik ausgestattet.
    Preisangabe ohne Röhren oder Lautsprecher, Röhrensatz: RM 107,75.
  • Originalpreis
  • 245.00 RM +
  • Schaltungsnachweis
  • Lange-Nowisch
  • Literatur/Schema (1)
  • -- Original-techn. papers.
  • Literatur/Schema (2)
  • -- Original prospect or advert (Mende Prospekt "Das Ohr zur Welt ")
  • Bildnachweis
  • Das Modell ist im «Radiokatalog» (Erb) abgebildet.

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Das Modell Superselektiv befindet sich in den Sammlungen folgender Mitglieder.

 Forum

Forumsbeiträge zum Modell: Mende - Radio H.: Superselektiv SS

Threads: 3 | Posts: 3

Liebe Kollegen,

der Mende Superselektiv ist jetzt tatsächlich doch noch fertig geworden! Damit nicht jeder "das Rad neu erfinden" muß, hier meine Tips:

1. Zur Schwingneigung: Zu deren Beseitigung ist es erforderlich, alle serienmäßigen Abschirmungen zu überprüfen und ggf. zu ersetzen. Dazu gehören insbesondere die Innenbeschichtung des Holzgehäuses (die alte entfernen und neu auftragen mit Graphit- oder EMV-Spray von "Kontakt-Chemie", alle Anschlüsse wiederherstellen), die Gehäuserückwand aus Metall und die metallene Bodenplatte. Während der Abgleicharbeiten sind diese Teile natürlich nicht angebaut. Da muß man die Verstärkung mit dem Drehknopf an der Rückseite soweit herunterdrehen, daß man genügend weit vom Schwingeinsatz entfernt ist und, ganz wichtig, die
Antennenleitung weit von den Röhren entfernt verlegen, sowie das Chassis erden. Daß nur Röhren mit einwandfreien Abschirmungen verwendet werden können, sollte jedem klar sein. Als Regelröhre (REN 1004) sollte man unbedingt die spätere, abgeschirmte Version einsetzen, und das, obwohl die Anode keine HF führt! Außerdem müssen bei einem verbastelten Gerät, wie dem mir vorliegenden, alle Massepunkte an die Originalstellen gelegt werden, insbesondere bei den Sammelbechern. Sonst hat man keine Chance! Als weitere Quelle des Übels hatten sich die Fußpunktkondensatoren der Bandfilter herausgestellt. Sie gilt es, in jedem Falle zu erneuern. Beim 2. Bandfilter müssen diese Kondensatoren 400V vertragen können, falls der Drehko mal einen Kurzschluß hat.
Beherzigt man alle diese Tips, dann kann man im geschlossenen Zustand mit voller
Verstärkung arbeiten und die ganze Empfindlichkeit nutzen!

2. Zum Abgleich: Mende empfiehlt einen Abgleich bei mittleren Frequenzen mit Hilfe der Kondensatoren. Meine Erfahrung lehrt, daß das zumindest bei einem sehr verstellten Gerät nicht ausreicht. Man sollte zumindest bei hohen Frequenzen mit C, und bei niedrigen mit L abgleichen, wie das sonst auch üblich ist. Die genaue Lage der Abgleichfrequenzen ist im Gegensatz zum Super unkritisch. Ich verwendete eine asymmetrische Rechteckfrequenz von ca. 35% *) Tastverhältnis, so daß man mit einer Einstellung sofort viele Stellen zur Gleichlaufkontrolle zur Verfügung hat. Wegen der Rückwirkung der Antenne auf den Eingangskreis empfehle ich, den Meßsender genau so anzukopplen, wie der Empfänger später hauptsächlich verwendet werden soll. Also z.B. mit Ersatzantenne oder, wie ich es gemacht habe: ca. 4m Antennendraht, in dessen Nähe der Meßsender mit ebenfalls einem kurzen Stück Draht gebracht wird. Den eingebauten Antennentrimmer sollte man dabei etwa in Mittelstellung belassen, damit die Ankopplung nicht zu fest wird und damit genügend rückwirkungsfrei bleibt. Der Einfluß der L-Abstimmschrauben ist gering und wird erst gegen Ende des Abgleiches, wenn schon fast alles stimmt, deutlich. Beenden sollte man mit C.
Die Abgleichreihenfolge unbedingt beachten: zuerst MW (L-Trimmer am Becherboden), dann LW (L-Trimmer am Becheroberseite). Entgegen meiner ursprünglichen Ansicht erfolgt der Abgleich bei allen Kreisen auf Maximum, keine gegenseitige Verstimmung erforderlich, da die Bandfilter von der kritischen Kopplung weit entfernt sind. Bei gutem Drehko-Gleichlauf läßt sich ein hervorragender Gesamt-Gleichlauf, besonders bei MW, erreichen.
Während der Abgleichprozedur sollte die Verstärkung nur mäßig eingestellt werden (Poti auf Chassisrückseite), weil sonst wegen der fehlenden Abschirmungen die Schwingneigung zu einer Verstimmung der Gesamt-Durchlaßkurve führt. Als Abgleichindikator kann ein Oszi mit Vorteiler grob in die Richtung der Audion-Gitterleitung gebracht werden. Ggf. muß dann aber der letzte Kreis nach Entfernen des Indikators fein nachgetrimmt werden (nur mit C).
Noch ein Tip: Der letzte (Einzel-)kreis sollte als Serienkondensatoren zum Drehko je den halben vom vorgschriebenen Wert bekommen, damit der Gleichlauf besser abgleichbar ist. Denn die anderen Fußpunktkondensatoren wirken ja auf zwei statt auf einen Kreis! Die Praxis gab mir Recht...

3. Empfangsresultate: Sehr gute Empfindlichkeit. Trennschärfe recht gut, bei niedrigen Frequenzen wegen der Physik deutlich besser als bei hohen, aber auch starke Beschneidung der hohen Tonfrequenzen. Empfangs-Wunder sollte man aber nicht erwarten: steht neben dem abgestimmten Sender ein starker, schlägt dieser deutlich durch. Das konnten die Super aus der damaligen Zeit schon besser. Nur das Pfeifen infolge Kreuzmodulationen ist diesem Empfänger selbstverständlich gänzlich unbekannt.

Schade, daß das Gerät nicht mir gehört und daß ich es inzwischen wieder abgegeben habe. Sollte jemand weitere Infos zum Restaurieren benötigen, dann wende er sich gerne direkt an mich. Leider fehlt  mir die Zeit, hier "ein Buch" zu schreiben...

Diese Infos poste ich an alle drei Mende Fünfkreis-Geradeausempfänger der damaligen Epoche, da sie weitgehend baugleich sind.


Andreas Steinmetz

*) Ergänzung: Frequenzbeispiel für MW: Grundwelle 300kHz. Dann ergeben sich Abgleichpunkte bei 600kHz, 900kHz, 1200kHz und 1500kHz.
Frequenzbeispiel für Langwelle: Grundwelle 80kHz. Entsprechend ergeben sich die Abgleichpunkte bei 160kHz, 240kHz, 320kHz (und 400kHz).

Andreas Steinmetz, 14.Jun.04

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Reparaturhinweis:

Das Gerät bietet neben dem üblichen C-Abgleich auch beschränkte Möglichkeiten zur Gleichlaufkorrektur mittels L-Abgleiches. Dazu gibt es Einstellschrauben auf dem Deckel jedes Abschirmtopfes (LW) und am Boden (MW). Durch diese Einstellschrauben wird eine Cu-Platte von 20mm Durchmesser und 1mm Dicke verschieden tief in die Induktivität hineingeführt. Dadurch ändern sich Induktivität und Dämpfung/Güte geringfügig. 
Vorsicht: Die M3-Spindeln sind insgesamt nur 2cm lang. Nicht zu tief hineindrehen, sonst fällt alles in den Abschirmbecher! Dann hilft nur noch vorsichtiges Herausbrechen des genieteten Mutterteils und Aufbohren des Bleches bis auf 20mm mit einem Stufen-Blechbohrer. Anschließend muß ein neues Verschlußblech incl. Mutter aufgelötet werden...
Dieser Rat dürfte auch für gleichartig aufgebaute Kreise anderer Mende-Geräte nützlich sein.

Übrigens: Die immense Schwingneigung, sofern alle Kreise annähernd auf Gleichlauf abglichen worden sind, habe ich immer noch nicht in den Griff bekommen. Ich habe mehrere Leute kennengelernt, die das Problem ebenfalls zur Genüge kennen, und die irgendwann resigniert haben. Nur einer hat nicht kapituliert, aber der sagt nicht, woran es gelegen hat. Jedenfalls liegt es nicht, wie ursprünglich angenommen, an falschen Massepunkten, deren Lage für mich allerdings auch nicht immer nachvollziehbar ist und zumindest scheinbar gegen alle Regeln der Kunst verstößt. Es liegt auch nicht an Netzelkos mit zu guten (!) HF-Eigenschaften. Weiß denn niemand Rat?

Um etwaigen Anfragen vorzubeugen: Nein, das Gerät gehört mir (leider) nicht, und es ist auch nicht zu verkaufen.

Andreas

P.S.: Sinngemäß gelten diese Angabe auch für die anderen Mende-Fünfkreiser, weshalb ich diesen Text auch dort gepostet habe.

Andreas Steinmetz, 24.May.04

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In Deutschland hat nur Mende 5-Kreis-Geradeaus-Rundfunkempfänger gebaut. Es entstanden ab 1932 drei Modelle: Superselektiv (SS oder Super-Selektiv bzw. Super Selektiv), dann Ultra Selektiv (Ultraselektiv, US von 1933) sowie 1934 den Ultra-Selektiv 450W. Mende schrieb von 25 Millionenfacher Verstärkung, was natürlich in der Praxis nicht erreichbar ist. Jedenfalls weist er eine Empfindlichkeit auf, die damalige Super nicht erreichten: 4 Mikrovolt für 100 Volt Lautsprecherspannung, ergebend 2 Watt. Bei den üblichen 50 Milliwatt wäre das eine Empfindlichkeit von ca. 0,6 Mikrovolt.

Der Unterschied zwischen dem Superselektiv und dem Ultraselektiv liegt nur im Anzeigeinstrument, wobei das Chassis oben einfach eine geschlossene Brücke führt. Der 5-Kreiser von 1934, Ultraselektiv 450W ist leicht geändert, indem er 2 Mal RENS1294 statt RENS1264 verwendet und im Netzteil Modifizierungen aufweist. Zudem hat er ein anderes Gehäuse mit eingebautem Lautsprecher sowie eine Linearskala mit alphabetisch sortierten Stationsnamen. Siehe Bedienungsanleitung.

Die Geräte verlangen beim Reparieren gute technische Kenntnisse. Sie neigen z.B. bei falschen Erdungspunkten zum Schwingen - auch bei leicht falscher Einstellung oder wenn die Röhrenabschirmungen nicht einwandfrei sind. Zudem sind sie sehr schwer abzugleichen. Man kann sich gut vorstellen, dass solche Geräte schon durch Rundfunkmechaniker oder Sammler verbastelt wurden. Aus diesen Gründen sollen Personen, die solche Geräte besitzen sich mit einer Antwort äussern, so dass die Besitzer sich gegenseitig helfen können.

Vor allem wollen wir erreichen, dass jemand gute Fotos von Geräten im Originalzustand hochlädt. Da denken wir an unterteilte Chassis-Untersichten - aber auch an Detailaufnahmen von den Kondensatorblöcken inkl. dem oberen. Wie verbastelt ein Gerät aussehen kann, belegt das Foto der Chassisunterseite meines Gerätes. Da helfen nur mehrere genaue Detailaufnahmen.

Andreas Steinmetz hat über Hermann Rebers Originalunterlagen erhalten und sie hochgeladen. Weitere werden folgen. Ist jemand bereit, mir ein Bein des Lautsprechers als Muster für die Nachfertigung zu leihen?

Wer hat ein solches Gerät schon erfolgreich abgeglichen? Mein Superselektiv tönt heute durch die Hilfe von Andreas Steinmetz wohl schon wie ein Superhet beim Durchstimmen der Stationen, doch kann er das sicher noch viel besser! Wir fragen uns, ob man wirklich nach Anleitung auf das Maximum abgleichen soll oder ob eine leichte gegenseitige Verstimmung der Kreise vorteilhafter wäre.

Hintergrund: Die Bandfilter sind kapazitiv nur schwach fusspunktgekoppelt. Dadurch wird die Durchlasskurve sehr schmal und engt den NF-Frequenzbereich stark ein (Gerät klingt dadurch natürlich dumpf). Bei meinem Gerät war die Kopplung durch Parallelkapazitäten sogar noch verkleinert worden, vermutlich um die Schwingneigung zu reduzieren. Dafür waren die Röhren schön lackiert - aber ohne Leitlack ... Übrigens: Bei nicht angeschlossener Erde ist die Schwingneigung ganz wesentlich höher.

Ernst Erb, 28.Jun.03

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