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1949: 25 Jahre Valvo-Röhren

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Georg Richter
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29.Oct.19 01:31
 
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Zweiteiliger Extrakt aus "Das Radio-Magazin" Heft 8, 1949.

Zunächst der Bericht von Erich Schwandt auf der Titelseite (209):

 

Ein Anfang

Ehe sich der Leser in den Jubiläumsartikel von Ober-Ingenieur Studemund vertieft, des Mannes, der seit vielen Jahren über die Qualität der Valvo-Röhren wacht und der am ehesten berufen ist, den Siegeszug der Röhre an Hand der wichtigsten Stationen ihrer Entwicklung darzustellen, mag er den nachstehenden bescheidenen Ausführungen folgen. Auch sie gehen vom Jubiläum der Valvo-Röhren aus und weisen zurück in das Jahr 1924, in dem am 1. April die Radioröhrenfabrik GmbH als Tochtergesellschaft der Röntgenröhrenfabrik C. H. F. Müller AG. gegründet wurde. Dieser Akt war keine eigentliche Neugründung, sondern es war die Umbildung der im Rahmen der C. H. F. Müller AG. schon seit etwa sieben Jahren tätigen Abteilung für Radioröhren — zunächst Senderöhren — in eine selbständige Firma. Etwa 1921 trat bei der Fabrik die erste Nachfrage nach Empfängerröhren für den Rundfunk auf, zunächst aus Amerika, von Schiffen, die den Hamburger Hafen anliefen. Trotzdem blieben Empfängerröhren vorerst ein Nebenartikel, bis der Rundfunk dann auch in Deutschland begann. Damit aber wurde die Nachfrage sofort derart stürmisch, daß man sich entschloß, die bisherige Fabrikationsabteilung für Radioröhren in eine eigene Firma umzuwandeln, die der Leitung des Mannes unterstellt wurde, der heute in Deutschland an der Spitze aller Philips-Radio-Unternehmen und damit auch der Valvo-Röhren-Produktion steht: Graf Theodor von Westarp.

v. Westarp — dieser Namenszug befand sich unter dem ersten Brief der neuen Radioröhrenfabrik GmbH, an den damals noch ganz unbekannten jungen Fachschriftsteller, der um Unterlagen über die neuen Radioröhren gebeten hatte und der als Antwort — welch ungeahnte Überraschung mit welchen unvorstellbaren experimentellen Möglichkeiten! — neben einem netten Brief ein Päckchen mit Mustern aller von der Radioröhrenfabrik vor 25 Jahren erzeugten Röhren erhielt. Außer den üblichen Wolfram-Röhren, wie sie ähnlich auch von anderen Firmen hergestellt wurden, fand er darin die Valvo-Oekonom, eine neue Thorium-Röhre, vor allem aber die einzigartigen, ihrer Zeit weit vorauseilenden ersten starken Lautsprecherröhren des deutschen Marktes, Yalvo 201A und 201B. In der ersten seiner später in zahlreichen Fachzeitschriften und als Sonderdrucke in großen Auflagen erschienenen Röhrentabellen (sie kam in der Beilage "Funk-Anzeiger" zu der Wochenschrift "Elektrotechnischer Anzeiger", Berlin, heraus, und zwar in Nr. 49 vom 27. Dezember 1924), die damals insgesamt nur 39 verschiedene Röhrentypen von 7 deutschen Fabriken enthielt, überragten die beiden Valvo-Lautsprecherröhren alle anderen Typen ganz bedeutend. Während der Anodenstrom anderer Fabrikate allerhöchstens 15 mA erreichte, betrug der maximale Anodenstrom der 201A rund 25 mA, der der 201B sogar 30 mA! Die Steilheit wurde mit 1,0 bzw. 1,2 mA/V angegeben, während das Höchstmaß der anderen Röhren bei 0,6 mA/V lag. Auch hierin wurde also bereits der doppelte Wert erreicht. Daß diese Daten mit einer höchsten Anodenspannung von 100 Volt erzielt wurden, ist besonderer Erwähnung wert. Für höhere Spannungen durften die Röhren im Jahre 1924 ja noch nicht ausgelegt werden, denn den Anodenstrom mußte man Batterien entnehmen, die als Trockenbatterien nur unzureichende Kapazitäten besaßen und als Anoden-Akkumulatoren teuer und schwierig zu warten waren.

Die erwähnte Röhrentabelle erschien im Rahmen eines Aufsatzes "Angewandte Röhrendaten" von Erich Schwandt. Es war die sechste Arbeit aus seiner Feder; die erste, die am 1. November 1924 in der gleichen Zeitschrift zum Abdruck kam, befaßte sich bezeichnenderweise mit dem Thema "Detektoren als Schwingungserzeuger''. Auch für diese fachpublizistische Arbeit war das Jahr 1924 ein Anfang, und Graf von Westarp hat bei diesem Beginnen, ohne daß ihm das wohl zum Bewußtsein gekommen ist, in liebenswürdigster Weise Pate gestanden.
In den seitdem vergangenen 25 Jahren hat die Radiotechnik, und nicht zuletzt die Röhrentechnik, einen ungeahnten Aufschwung genommen. Oberingemeur Studemund unterrichtet uns in seinem Aufsatz über diie wichtigsten Marksteine in der Röhrenentwickung, an die sich viele unserer Leser aus eigenem Erleben erinnern können. 1934 hatten wir Gelegenheit, den ersten Abschnitt dieser Entwicklung im Valvo-Röhrenwerk in Hamburg-Lokstedt festlich zu begehen; es geschah damals unter dem Zeichen der "Goldenen Serie", einer Röhrenreihe, die einen besonders großen Erfolg hatte und deren Typen sich auch heute noch in älteren Empfängern als von überraschender Leistung und Lebensdauer erweisen. Das 25jährige Jubiläum steht wieder im Zeichen eines neuen Anfangs, im Zeichen der Rimlock-Röhren, die — das darf man auch bei vorsichtigster Prognose annehmen — einen neuen Siegeszug einleiten und die bisherigen Quetschfuß-Röhren systematisch verdrängen dürften. Daß auch diese Arbeit wieder zielbewußt und allein nach dem Grundsatz geleistet wird, das technisch Zweckmäßigere und Bessere an die Stelle des bewährten Guten zu setzen, dafür bürgt uns der eigentliche Jubilar der Valvo-Röhrenfabrik, Graf Theodor von Westarp.    Schw.


Seiten 211 und 212:

25 Jahre Valvo-Röhren

von Ober-Ing. Otto Studemund

25 Jahre Valvo-Röhren! 25 Jahre Radiotechnik! Welch kleiner Abschnitt im fortlaufenden Gang der Geschichte und welch großer Abschnitt mit geradezu entscheidenden Erfindungen und den damit verbundenen Beeinflussungen der ganzen menschlichen Gesellschaft! Wie wohl selten auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik hat gerade deren jüngstes Kind, die Radiotechnik, in dieser Zeitspanne sich zu ungeahnter Höhe entwickelt, und ihre Auswirkungen schicken sich an, in dieser Stunde ein neues Zeitalter, man möchte fast sagen, das elektrotechnische Zeitalter, einzuleiten.

Rückblickend muß man feststellen, daß diese ganze Entwicklung ohne die Elektronenröhre und insbesondere die Radioröhre nicht möglich gewesen wäre, da erst diese Röhren den Menschen das Werkzeug gaben, jedes empfangene elektrische Signal, sei es eine wichtige Nachricht, sei es die Verkündung unsterblicher Musik, auf jede gewünschte beliebige Größe trägheitslos zu verstärken, und andererseits schenkte uns die Röhre die großartige Möglichkeit, jedes gewollte Signal in ebenfalls beliebig großer Stärke in alle Welt hinauszusenden.

Valvo "Oekonom", die erste Thorium-Röhre

Wer konnte vor 25 Jahren ahnen, daß der Rundfunk, der zu dieser Zeit schüchtern einsetzte, praktisch die ganze Menschheit erfassen und bei rechtem Einsatz zu einem Kulturträger größten Ausmaßes heranwachsen würde?

Wer konnte ahnen, daß die Zahl der herzustellenden Röhren, die vor 25 Jahren in heißem Bemühen sozusagen in Einzelfertigung geschaffen wurden, später in die Millionen gehen würde, und daß bis dahin unbekannte Fabrikationsmethoden ersonnen werden mußten, um ein Produkt, welches das Laboratorium immer noch nicht ganz verlassen hat, in Massenauflage bei gleichmäßiger Güte und geringsten Qualitätschwankungen der großen Hörergemeinde zu übergeben? Über 40 Millionen Valvo-Röhren wurden seitdem in unserem Werk hergestellt.

Das alte Fabrikgebäude unserer Mutterfirma C.H.F. Müller, Röntgenwerk in Hamburg, befand sich in der Hammerbrookstraße. Schon im Jahre 1916 befaßte man sich dort ganz schüchtern mit dem Bau der allerersten Verstärkerröhren, die noch mit einem reinen Wolframfaden gebaut wurden und die so hell strahlten, daß man fast eine Raumbeleuchtung hätte einsparen können. Aber schon 1918 erhielt C.H.F. Müller einen Auftrag über 400 größere Senderöhren, für die damalige Zeit eine gewaltige Menge! Diese ersten bereits genannten Verstärkerröhren wurden weiter verbessert und in steigendem Maße mit einem derartigen Erfolg und in entsprechendem Umfang gefertigt, daß man beschloß, für den Bau der Radioröhren ein eigenes Unternehmen zu gründen, und somit entstand vor 25 Jahren, im April 1924, unsere "Radioröhrenfabrik G.m.b.H. Hamburg (Valvo)" die zuerst noch weiter in den Räumen unserer Mutterfirma C.H.F. Müller arbeitete.

Und das ist daraus nach 25 Jahren geworden: Eine moderne Fabrik in Lokstedt, in der zur Zeit fast 1800 Personen beschäftigt sind. [Hinweis: Zwei Gebäudefotos siehe Firmenbilder]

Im Jahre 1924 wurde ein entscheidender Schritt weiter nach vorn getan, und zwar durch Schaffung der Thoriumröhre, das war eine Röhre mit dunkelbrennendem Faden, die schon wesentlich größere Verstärkungen ermöglichten. Diese Thoriumröhren wurden dann weit und breit bekannt als Röhren "Valvo Oekonom" und "Valvo Oszillotron".

Da wir nun nicht mehr wußten, wie wir der Raumnot noch Herr werden sollten, entschlossen wir uns, vorhandene Fabrikationsräume in Lokstedt bei Hamburg zu erwerben, um nach deren Umbau die Röhrenfertigung in wesentlich größerem Rahmen weiter auszudehnen. So begannen wir in diesem Jahr, wir schrieben 1928, gleich mit einer neuen Röhrenserie, die wiederum einen weiteren Entwicklungsschritt bedeutete, und zwar mit dem Bau der sogenannten Acid-Röhren, das waren Röhren mit Barium-Aufdampfkathoden. Diese Röhren haben sich so bewährt, daß auch heute, nach gut 20 Jahren, immer noch gewisse Mengen Röhren in dieser Technik gebaut werden.

Im Jahr darauf wurden die ersten Hochfrequenzschirmgitterröhren und Lautsprecher-Schirmgitterröhren gebaut, deren zu der Zeit unerhörte Verstärkungseigenschaften einen ganz neuen Abschnitt für die Radioempfangstechnik einleiteten. Aber wie es bei jeder stürmischen Entwickung ist: diese Röhren konnten sich erst nach stärksten Kämpfen durchsetzen. Rückblickend mag man das nicht mehr verstehen, zumal heute praktisch alle modernen Röhren nach diesem Prinzip arbeiten.

Die Forderungen der Geräte-Industrie steigerten sich, man verlangte nach Röhren, die nicht nur bei dem lästig empfundenen Batteriebetrieb arbeiteten, sondern die ohne weiteres aus dem Lichtnetz gespeist werden konnten. Für Wechselstromempfänger entstanden im Jahre 1930 die sogenannten Kurzfaden-Röhren, die aber im selben Jahr noch zum Teil durch eine indirekt geheizte Röhre für Vollnetzbetrieb (Valvo A2200W) abgelöst wurden.

Auf dieser Konstruktion aufbauend, brachte die Weiterentwiddung vollkommenere Typen und schließlich eine ganze Typenreihe für Wechselstromnetzbetrieb, unter denen besonders auch Hochfrequenz-Schirmgitterröhren in dter neuen gewünschten Konstruktion erstmalig auftraten.

Einschmelzung des Systems bei einer der ältesten Valvo-Röhren

War endlich ein Stillstand, war endlich eine gewisse Konsolidierung bei der Typenwahl eingetreten? Nein, keineswegs, Entwicklung und Fertigung liefen dauernd weiter und wetteiferten miteinander um den Vorrang. Im Jahre 1932 brachte die Fabrik die erste indirekt geheizte Röhrenserie für Gleichstromnetzbetrieb heraus, schon Vorläufer der Allstromröhren. Und dann kam im Jahre 1933 der "bilifargewickelte Heizfaden", der, was Störungsfreiheit betrifft, einen großen Fortschritt bedeutete. Mit diesen neuen Heizfäden begann Valvo die Fertigung der in größter Zahl gefertigten und weitbekannten "Goldenen Serie". Im nächsten Jahr wurden entsprechend der stürmischen Entwicklung immer weitere und immer modernere Röhren auf den Markt gebracht. Es kamen die Hochfrequenzpentoden, Kegelröhren, Mischröhren usw. Die Hörerzahil wuchs laufend, die Röhrenfertigung hatte Mühe, Schritt zu halten. Wir saßen wieder einmal in zu engen Räumen, und es wurde wieder neu gebaut. Es entstand dann im Jahre 1934 das große neue Fabrikgebäude C, das in der Hauptsache alle Vorfertigungsbetriebe aufgenommen hat. Auf dieser Konstruktion aufbauend, brachte die Weiterentwicklung vollkommenere Typen und schließlich eine ganze Typenreihe für Wechselstromnetzbetrieb, unter denen besonders auch Hochfrequenz-Schirmgitterröhren in der neuen gewünschten Konstruktion erstmalig auftraten.

Die Elektronen dienen nicht nur den Sende- und Verstärkerröhren für Ausbreitung und Empfang einer Rundfunksendung, sondern sie sind geeignet, in vielen anderen Geräten Hervorragendes zu leisten, insbesondere in der Meßtechnik, die gerade durch Verwendung der Elektronik eine enorme Ausweitung erfahren hat. Unter anderem wurden mit Beginn des Jahres 1936 Elektronenstrahlröhren gefertigt, die in letzter Vollkommenheit sich zu den Fernsehbildröhren entwickelt haben. Wo wurden nicht überall Röhren gebraucht! Der größte Konsument blieb der Rundfunkhörer, jedoch auch in der modernen Meßtechnik wurden Röhren gebraucht, weiter für die El'ektromedizin, für Lautsprechergroßanlagen, für Tonfilm, Schallplattenübertragung, und' auch große Gleichrichterröhren für industrielle Zwecke. Das große Feld der Röhrenverwendung war kaum noch zu übersehen.

UBL3, UBL21, UL41 — drei neuzeitliche Valvo-Röhren. Sie versinnbildlichen in ihren Abmessungen deutlich den Fortschritt in der Röhrentechnik

Anfang 1939 wurde beschlossen, ein ganz modernes großes Fabrikgebäude neu zu errichten, das in der Lage sein sollte, auch für längere Zeit größere Produktionsausweitungen zu vertragen. Dieses Gebäude, das Gebäude K, wurde im Jahre 1940 bezogen. Mit diesem Jahr jedoch setzte nun die weitere Entwicklung und Fertigung der Rundfunkröhren aus, sie mußte damals anderen Aufträgen weichen.

Im Sommer 1945 konnten wir in unseren Fabrikräumen, die uns ein gütiges Geschick fast unzerstört überließ, die Fertigung in bescheidenem Maße wieder anlaufen lassen. Es wurden zu der Zeit praktisch nur Röhren für Bahn- und Postbedarf gebaut. Erfreulicherweise kam die Rundfunkgerätefertigung schnell wieder in Fluß und somit auch unsere Röhrenfertigung, die durch alle Schwierigkeiten und Hemmungen hindurch sehr schnell wieder zu beachtlicher Höhe auflaufen konnte, so daß wir jetzt den Anschluß an die modernste Röhrenentwicklung wieder gewonnen haben. Die kommende Fertigung wird durch die Einführung der "Rimlockröhren" für die nächsten Jahre ihr Gepräge erhalten.

Valvo-Kathodenstrahlröhren auf dem Pumpstand

 


Bei der Valvo A2200W fehlt noch ein Röhrenfoto - dürfen wir hoffen?

Danke und beste Grüsse,

GR

This article was edited 29.Oct.19 01:37 by Georg Richter .

  
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