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airmec: Analyse des Airmec AE536

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Dietmar Rudolph
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01.Jul.21 15:19
 
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Die Vorgeschichte

Der Airmec AE536 wurde ca. im Jahre 2000 auf einem Berliner Flohmarkt angeboten. Die Suche nach einem Schaltbild des Gerätes war erst kürzlich erfolgreich, als zufällig bekannt wurde, daß der AE536 (ziemlich) schaltungsgleich sein soll mit dem Philco A536W / A536WM.  Die Schaltungs-Unterlagen des Philco konnten Dank der Mithilfe von zwei Schweizer Kollegen aus GB in Form eines .pdf Files beschafft werden.

Das war der Anlaß dazu, das lange im Heizungs-Keller lagernde Gerät zu analysieren. Beim Anlegen des Modells hatte 2004 der (mittlerweile verstorbene) Kollege Konrad Birkner geholfen.

Das ist ein Foto der Front des Gerätes im Fundzustand. Die Tee-Flecken (?) auf der Stoffbespannung existieren (leider) immer noch. Da die Bespannung aus ganz dünnem Stoff (Seide?) besteht, bestehen Hemmungen, da mit Putzmitteln etwas zu unternehmen.

Aufgrund der Schaltungsunterlagen konnte das Baujahr des Airmec AE536 nun korrekt auf das Jahr 1947 datiert werden. In Deutschland gab es zu dieser Zeit nur "Not-Radios". Beispiel 1, Beispiel 2
Dagegen ist der AE536 ein richtiges "Luxus-Gerät". 

Hier ist die Rückseite zu sehen - auch wieder (fast) im Fund-Zustand. Das Netzkabel wurde aber schon ersetzt. Nicht mehr in Erinnerung ist, ob das Gerät damals gespielt hatte. Jetzt wurde es jedoch einer gründlichen Revision unterzogen. (Das Chssis hat rechts von den "A" & "E" Buchsen zwei Löcher. In das untere davon wird nun eine Netz-Sicherung nachgerüstet, s. weiter unten.)

 

Die Rückwand ist aus brauner Pappe. Da sie nicht wellig ist, kann man davon ausgehen, daß das Gerät stets trocken gelagert wurde. 

(In die Rückwand mußte kein extra Loch für die Sicherung eingebracht werden, weil diese nicht so stark hervorragt, daß dies notwenig gewesen wäre.)

 

 

 

Detailbilder

Das Chassis wurde ausgebaut und dabei fotografiert.

Die Skala ist als Flutlicht-Skala realisiert. Auf der Mittelwellen-Skala ist als einziger Deutscher Sender "Hamburg" zu finden, der In London noch über seine Bodenwelle empfangbar gewesen sein könnte.

 

Das Gerät hat 4 Empfangs-Röhren und einen Zweiweg-Gleichrichter mit indirekter Heizung, welcher wohl nicht so häufig ist. Die Röhren sind (von links nach rechts):

  • 6K8G (Mischer & Oszillator); 6K7G (ZF Regel-Penthode); 6Q7G (Dou-Diode & NF Triode); 6V6G (Lautsprecher Penthode); davor liegend: 5Z4G (indirekt geheizter Zweiweg-Gleichrichter)

Alle zeigen auf dem Emissions-Prüfer gute Werte. Falls die Markierung "BVA" einen Hinweis auf die Erstbestückung geben sollte, so sind es alle bis auf die 6K8G.

Das Bild zeigt das Chassis ohne die Röhren. An seiner Rückseite sieht man (von links nach rechts):

  • Einen schwarzen Sicherungshalter für eine Netzsicherung. Der wurde nun nachgerüstet, da der Empfänger ursprünglich keinerlei Sicherung hatte! Das vorhandene Loch im Chassis mußte etwas mit einer Rundfeile vergrößert werden.
  • Einen Kippschalter, mit dem ein Kondensator (C 21; 5 nF) vom Steuergitter der Endröhre (6V6G) nach Masse geschaltet werden kann, wodurch die Höhen beschnitten werden.
  • Einen schwarzen "Knopf", zur Umschaltung der Netzspannung. Der Airmec AE536 kann zwischen den beiden Spannungen 100/120 V und 200/250 V umgeschaltet werden. (Anscheinend war man damals nicht zimperlich, was die exakte Heizspannung für die Röhren angeht.)
    Eine Messung der Heiz-Spannung bei 230 V Netz-Spannung ergibt 6,04 V. Also etwas knapp.

Auffällig ist sicher auch, daß die beiden Pakete des Drehkos ziemlich unterschiedliche Abstände für die Platten haben. Der Oszillator-Drehko hat dabei den größeren Plattenabstand, was der Frequenz-Stabilität zu Gute kommt.

Die fehlende Netz-Sicherung

Zur fehlenden Netzsicherung des Radios und meiner Frage nach (ersatzweise) eventuellen Sicherungen in den Steckern oder Steckdosen, schreibt mir Howard Craven folgendes:

Domestic plugs at that time did not have fuses either, plugs with 1 to 13 amp fuses appeared in the 1950s. All UK home mains power installations have always had a fuse box with a fuse for each circuit, so if the radio shorted it would blow that, and everything on that circuit would be cut off as well. Lighting circuits had a 2 or 5 amp fuse, power socket circuits a 15 amp fuse. Wall sockets did not have a fuse. Health and Safety was lacking here before the 1950s.

Haushaltssteckdosen hatten damals auch keine Sicherungen, Steckdosen mit Sicherungen von 1 bis 13 Ampere kamen erst in den 1950er Jahren auf. Alle britischen Hausstromanlagen hatten schon immer einen Sicherungskasten mit einer Sicherung für jeden Stromkreis, so dass bei einem Kurzschluss des Radios diese durchbrennen würde und alles an diesem Stromkreis ebenfalls abgeschaltet würde. Beleuchtungsstromkreise hatten eine 2- oder 5-Ampere-Sicherung, Steckdosenstromkreise eine 15-Ampere-Sicherung. Wandsteckdosen hatten keine Sicherung. Vor den 1950er Jahren fehlte es hier an Gesundheit und Sicherheit.

Übersetzt mit www DeepL.com/Translator (kostenlose Version)


Ergänzung 03.072021:

Auf eine Frage nach der Netzsicherung von Radios aus GB im Jahre 1947, antwortet Stan Roberts wie folgt:

Hello Dietmar.

Your question about UK radios without mains fuses, particularly a radio of 1947 vintage with no fuse. “Were there fuses in the mains plugs instead at that time?”

The short answer is No, there were no fuses in the plugs. The longer answer is along the following lines with the additional comment that 1947, the year you chose, was a pivotal year because that was the year that the 13 Amp rectangular-pin plug incorporating a fuse was introduced. This is the plug in your illustration. However, the majority of UK houses at that time, and well into the 1950’s, were equipped with up to three types of plug and socket outlets. The smallest was a 2 Amp plug, the next higher had a 5 Amp rating, and the third was rated at 15 Amps for heavier current appliances such as electric fires, vacuum cleaners, etc. All the pins were round. All three sizes came in 2 and 3 pin versions, the three pin version having a protective earth and all three pins were male. None of these plugs contained a fuse. Domestic radios typically had a 5 Amp plug attached.

As an example, the house in which I grew up in rural south-west England was of stone construction, so the wiring was largely visible on the surface of many of the internal walls. As I remember, all the socket outlets were two pin only, mostly of the 5 amp type - that is, the house wiring was totally two conductor wiring, there being no protective earth wire except where the main fuse box was located high up in the kitchen. This was in the 1950’s. The fuses in that box were ceramic and were re-wirable should they go open circuit. I wish I had kept a card of fuse wire that we kept next to the fuse box in those days.

Obviously, after the war years, many urban houses needed rebuilding or major renovation, which was the main reason for the introduction of a more unified plug and socket outlet with a protective earth at each outlet. At about the same time, the ring main circuit was introduced, the idea being that the live and neutral conductors would be connected in a ring such that each power outlet would have two live and two neutral conductors connecting to it, thereby doubling the current carrying capacity of any individual outlet. Each ring was intended typically for a maximum current of 30 Amps through the choice of wire gauge and was protected by a 30 Amp fuse in the distribution/fuse box. So, how to protect the wiring to a connected appliance, such as a radio or television, that used a lighter gauge power cable? The obvious answer at the time was to include a fuse in the appliance plug itself. The conclusion here then is that the fuse rating of the fuse in the new so-called 13 Amp plug (BS1363 type) was to be of a value to protect the wiring of the appliance power cord, not specifically to protect the appliance itself. This made sense because the only other protection was the 30 Amp fuse in the distribution/fuse box. I believe this thinking that the fuse in the plug is primarily to protect the appliance power cable itself and not the particular appliance to which it is connected is still de rigeur. This explains why some of the fuses are rated at 5 Amps or other values in the 13 Amp plug.

Which brings me back to your question, “Were there fuses in the mains plugs instead at that time?” The answer is No. Perhaps I should have just given that short answer right at the start!

Kind regards,

Stan

Hallo Dietmar.

Deine Frage zu UK-Radios ohne Netzsicherungen, insbesondere zu einem Radio des Jahrgangs 1947 ohne Sicherung. "Gab es damals stattdessen Sicherungen in den Netzsteckern?"

Die kurze Antwort ist Nein, es gab keine Sicherungen in den Steckern. Die längere Antwort lautet wie folgt mit dem Zusatz, dass 1947, das von Ihnen gewählte Jahr, ein entscheidendes Jahr war, weil in diesem Jahr der 13-Ampere-Rechteckstecker mit Sicherung eingeführt wurde. Dies ist der Stecker in Ihrer Illustration. Die meisten Häuser in Großbritannien waren jedoch zu dieser Zeit und bis weit in die 1950er Jahre mit bis zu drei Arten von Steckern und Steckdosen ausgestattet. Die kleinste war ein 2-Ampere-Stecker, die nächsthöhere hatte eine 5-Ampere-Bewertung, und die dritte war mit 15 Ampere für stärkere Stromgeräte wie elektrische Kamine, Staubsauger usw. ausgelegt. Alle Stifte waren rund. Alle drei Größen gab es in 2- und 3-poliger Ausführung, wobei die 3-polige Version eine Schutzerde hatte und alle drei Stifte männlich waren. Keiner dieser Stecker enthielt eine Sicherung. Haushaltsradios hatten typischerweise einen 5-Ampere-Stecker angeschlossen.

Das Haus, in dem ich im ländlichen Südwesten Englands aufgewachsen bin, war zum Beispiel aus Stein gebaut, so dass die Verkabelung an der Oberfläche vieler Innenwände weitgehend sichtbar war. Soweit ich mich erinnere, waren alle Steckdosen nur zweipolig, meist vom Typ 5 Ampere - das heißt, die Hausverkabelung war komplett zweipolig, es gab keinen Schutzleiter, außer dort, wo sich der Hauptsicherungskasten hoch oben in der Küche befand. Das war in den 1950er Jahren. Die Sicherungen in diesem Kasten waren keramisch und konnten wieder in Betrieb genommen werden, wenn sie ausfielen. Ich wünschte, ich hätte eine Karte mit Sicherungsdraht aufbewahrt, die wir damals neben dem Sicherungskasten aufbewahrt haben.

Offensichtlich mussten nach den Kriegsjahren viele städtische Häuser wieder aufgebaut oder grundlegend renoviert werden, was der Hauptgrund für die Einführung eines einheitlicheren Steckers und einer Steckdose mit einem Schutzleiter an jeder Steckdose war. Etwa zur gleichen Zeit wurde die Ringleitung eingeführt, bei der die stromführenden und neutralen Leiter in einem Ring verbunden werden, so dass jede Steckdose zwei stromführende und zwei neutrale Leiter hat, die mit ihr verbunden sind, wodurch die Strombelastbarkeit jeder einzelnen Steckdose verdoppelt wird. Jeder Ring war typischerweise für eine maximale Stromstärke von 30 Ampere durch die Wahl der Drahtstärke vorgesehen und wurde durch eine 30-Ampere-Sicherung im Verteiler/Sicherungskasten geschützt. Wie also sollte man die Verdrahtung zu einem angeschlossenen Gerät, wie z. B. einem Radio oder Fernseher, schützen, das ein Stromkabel mit geringerem Querschnitt verwendete? Die offensichtliche Antwort war damals, eine Sicherung in den Gerätestecker selbst einzubauen. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass der Sicherungswert der Sicherung im neuen so genannten 13-Ampere-Stecker (Typ BS1363) so bemessen sein sollte, dass er die Verdrahtung des Gerätesteckers schützt und nicht speziell das Gerät selbst. Dies machte Sinn, weil der einzige andere Schutz die 30-Ampere-Sicherung im Verteiler/Sicherungskasten war. Ich glaube, diese Denkweise, dass die Sicherung im Stecker in erster Linie das Gerätestromkabel selbst und nicht das jeweilige Gerät, an das es angeschlossen ist, schützen soll, ist immer noch gang und gäbe. Das erklärt, warum einige der Sicherungen im 13-Ampere-Stecker auf 5 Ampere oder andere Werte ausgelegt sind.

Was mich zu Ihrer Frage zurückbringt: "Gab es damals stattdessen Sicherungen in den Netzsteckern?" Die Antwort ist Nein. Vielleicht hätte ich diese kurze Antwort gleich zu Beginn geben sollen!

Mit freundlichen Grüßen,

Stan

Übersetzt mit www DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Der 1947 eingeführte und heute in GB übliche Netz-Stecker hat eine eingebaute Sicherung, wie das Bild aus Wikipedia zeigt.

Vielen Dank an Stan Roberts für diese ausführliche Darstellung, die die Aussage von Howard Craven bestätigt.

In den Stecker muß dann nur noch die "richtige" Sicherung von 1 A eingesetzt werden. Demnach könnte man heute auch ein Radio von 1947 ohne eingebaute Netzsicherung in GB "abgesichert" betreiben.


(Irgendwie hatte man anscheinend damals ein großes Gottvertrauen in die elektrische Sicherheit der Radios. Und der Netztrafo hat schließlich auch die Zeiten "überlebt".)

Die Schaltung

Das Schaltbild stammt vom Philco A536W / A536WM. Vom Airmec AE536 gibt es kein extra Schaltbild. Der Airmec AE536 hat jedoch andere Netzspannungen (100/120 V und 200/250 V) als der Philco A536W. Der AE536 war die Export-Version des Philco A536W. (Airmec was Philco GB's export brand.) Die weitere Analyse ergibt noch weitere Unterschiede zwischen den Typen von Philco bzw. Airmec.

Das Schaltbild stammt aus der Service-Anleitung aus dem November 1947. Es ist in 4 Teile unterteilt:

  • 1: Netzteil; 2: NF- und End-Stufe; 3: ZF-Stufe; 4: HF-Stufe/Mischer

Es handelt sich um einen 5 Röhren Superhet mit 6 Kreisen ohne HF-Vorstufe.

Im Blockschaltbild Fig. 1 sind die 4 Teile (Sections) des Schaltbildes definiert. 

Aus dem Bild des Philco A536 erkennt man die Ähnlichkeit zum Gehäuse des Exportmodells Airmec AE536.

Chassis von unten

Im Fundzustand sah die Unterseite des Chassis folgendermaßen aus. Man sieht viele "gewachste" Kondensatoren.

Zum Vergleich der "Bottom View" des Philco A536W / 536WM aus der Service-Anleitung:

  • Aus der Anmerkung zu R18 und den Netz-Spannungen kann entnommen werden, daß der Airmec AE536 eher Baugleichheiten mit dem Philco A536WM hat.

Die Messung der Kondensatoren mit dem Präcitronic MV40 DC-Milli-Pico-Meter ergab, daß alle Kondensatoren zwischenzeitlich so geringe Isolations-Widerstände hatten, daß das MV40 in seinem niedrigsten Ω-Meßbereich bereits Vollausschlag ergab. Folglich mußten alle Kondensatoren ersetzt werden.

Die beiden größeren mittig oben sind die Kathoden-Elkos von NF Vorstufe und Endstufe. Auch die waren mittlerweile unbrauchbar geworden. Darunter sieht man - in einer anderen Bauform - den bereits im Fundzustand ersetzen Gitter-Kondensator der Endröhre 6V6G. Der war zwar noch "besser" als die restlichen gewachsten Kondensatoren, aber als "Gitter-Kondensator" für die Lautsprecher-Röhre trotzdem nicht mehr ausreichend gut.

Keramische und Glimmer Kondensatoren mußten nicht ersetzt werden.

Nach dem Ersatz dieser Kondensatoren (und dem Einbau der Netz-Sicherung) sieht das Chassis nun so aus:

Die "ins Auge fallenden" blauen Kondensatoren sind besonders "hochwertige" mit 1250 V Spitzenspannung, die Pollin früher angeboten hatte.

Die (nachgerüstete) Netzleitung bis zur Sicherung liegt in der Kante des Chassis, um Brumm-Einstreuungen zu vermeiden.

Der Lade- & Sieb-Elko

Der Lade- und Sieb-Elko (EC1A: 8μF / 450V; EC1B: 16μF / 450V) [Werte unterscheiden sich von denen im Schaltbild angegebenen.] erweckte zunächst den Eindruck, daß auch er unbrauchbar geworden sei und ersetzt werden müsse. 

Die Formierung des Elkos erfolgte (in eingebautem Zustand) mit einem (selbstgebauten) Netzgerät, das eine einstellbare Strombegrenzung hat (1,5; 5; 15; 50 mA) und die stabilisierte Anodenspannung in 20 V Schritten bis 240 V zu erhöhen gestattet.

In der ersten Stufe 20V / 15 mA ging anfänglich der Strom sofort in die Begrenzung. Oh, je! Doch nach relativ kurzer Zeit sank der Strom auf ca. 5 mA. Aha! Na, dann 40V. Wieder das gleiche Ergebnis. Das stimmt hoffnungs-froh! So wurde allmählich bis auf 240V erhöht - und immer sank der Strom schließlich auf ca. 5 mA.

Nun wurde eine Pause eingelegt, weil der Elko "handwarm" wurde. Er mußte sich nun "erholen". Am nächsten Tag zeigte sich, daß die Spannung relativ schnell auf 240V erhöht werden konnte und der Strom dann wieder auf ca. 5 mA sank. Das sieht schon mal ganz gut aus. Aber hat der Elko auch noch "Kapazität"? 

Eine Messung mit einem Chinesischen "Tester" (LCR-T5) ergab ein kurioses Ergebnis: Angeschlossen an die Buchsen "1" & "3" zeigte dieser nach "längerem Überlegen", daß er zwischen "2" (!) und "3" ca. 29 pF messen könne!  Diese "Messsung"  ließ sich genau so wiederholen. Software-Fehler?

Dagegen zeigte eine Messung mit dem KARU von R&S ein sehr flaches Maximum bei ca. 8 μF für den Lade-C und > 10μF für den Sieb-C. Große "Güten" sind bei Elkos ja nicht zu erwarten. Also, auch das sieht soweit ganz gut aus.

Mit Hilfe des Trenn-Stelltrafos TST 280/1 und dem für die Regeneration von Röhren aufgebauten Netzgleichrichters konnte die Spannung für die Formierung des Elkos bis ca. 320V erhöht werden. Nach geraumer Zeit sank der dabei für beide Teile des Elkos aufgenommene Strom auf ca. 3 mA.

Der Lade- & Sieb-Elko konnte somit regeneriert werden und mußte nicht ersetzt werden.

Die Bandfilter

Bei der Revision sollten auch die ZF-Bandfilter untersucht werden. (Die Bilder entstanden vor dem Einbau der Netz-Sicherung, weshalb man beide Löcher sieht.) Man beachte auch die in das Chassis eingeschlagene Typ-Bezeichnung und die Serien-Nummer des Gerätes.

Das zunächst geöffnete 2. Bandfilter zeigt den Staub der Jahrzehnte, der durch die Öffnungen eingedrungen ist.

Wegen des Gitter-Anschlußes beim ersten Bandfiler konnte die Schrimhaube nicht komplett entfernt werden. Nach der "Entstaubung" machen beide Bandfilter einen manierlichen Eindruck. Der bestätigt sich nach einer Messung der Durchlaßkurve des ZF-Verstärkers.

Die gemessene ZF Mittenfrequenz ist 454 kHz gegenüber nominell 465 kHz gemäß Datenblatt.

Bei der Messung wurde die Tastspitze, die das Signal aus dem Wobbel-Generator des Speckis liefert, auf die Isolation der Anoden-Leitung der Hexode der 6K8G eingespeist. Genau entsprechend wurde die 10:1 Tastpitze für den Eingang des Speckis auf die Isolation der Leitung zur Signal-Diode der 6Q7G angeklemmt. Damit erfolgte eine maximal lose Ankopplung des Speckis, die die gemessene Kurvenform des ZF-Verstärkers praktisch nicht verfälscht. (Dagegen stimmt die gemessene Amplitude nicht, was aber hier unerheblich ist.)

Der Lautsprecher

Der Lautsprecher ist - wie damals üblich - ein elektro-dynamischer Typ. Die Feldspule mit 1,14 kΩ Wicklungs-Widerstand dient als Drossel zur Siebung der Anodenspannung. Das ist ein Unterschied zum Philco A536W, wo gemäß Schaltplan zur Siebung der Anodenspannung (mit Ausnahme der Anode der Endröhre) nur ein Widerstand (R16: 4,3 kΩ) vorgesehen ist.

Die nächste "Überraschung" zeigt die Seitenansicht des Lautsprechers: Man erkennt (hier unterhalb der Erreger-Spule für das Magnetfeld) eine "Hum Bucking Coil", also eine Brumm-Kompensations-Spule.

Der Grob-Fein-Antrieb des Drehkos

Das Gerät hat ein weiteres - nicht alltägliches - Feature, nämlich einen Grob-Fein-Antrieb für die Abstimmung. Das ist besonders für den Empfang von Kurzwelle günstig ("Kurzwellen-Lupe"). Der Airmec AE536 geht auf KW gemäß Skala von etwas unterhalb von 6 MHz bis etwas über 18 MHz, ein Bereich, in dem 6 KW Rundfunk-Bänder liegen.

Das Foto ist nicht sonderlich scharf geworden. Die wesentlichen Teile sind jedoch trotzdem erkennbar.

Man sieht einen Zapfen, der in die Drehachse eingelassen ist. Wird nun z.B. nach links gedreht, erreicht der Zapfen einen Anschlag. Wenn man nun weiter dreht, wird der Anschlag mitgenommen.

So lange der Zapfen "frei" läuft, wird das Skalenseil über ein 13:1 "reduction drive" angetrieben. Das ist die Fein-Abstimmung. Diese funktioniert links oder rechts herum jeweils so weit, bis der Zapfen einen Anschlag erreicht.

Dreht man weiter, wird der Anschlag - und damit die Seil-Rolle - mitgenommen. Das ist dann die Grob-Abstimmung.

Durch diesen Mechanismus hat man somit an jeder Stelle der Skala eine Feinabstimmung, indem man etwas in die jeweilige Gegenrichtung dreht.                                       

Ein ähnliches Grob-Fein-Gtriebe wurde vor längerer Zeit bei Völkner angeboten.

Man erkennt auch hier den Zapfen in der Achse und (rechts daneben) den Anschlag am Untersetzungs-Getriebe.

Die Ausgangs-Achse geht bei diesem Beispiel nach hinten und ist im Foto leider nicht sichtbar.

 

 

 

Bild 7 zeigt die Führung des Skalenseils.

Das komplette Chassis

Hier sieht man das komplette Chassis mit aufgesteckten Röhren. An der Rückseite des Chassis ist deutlich der nachgerüstete Sicherungs-Halter zu sehen.

Die Funktionsprobe des Gerätes ergab zunächst eine verzerrte Wiedergabe, die dann auch aussetzte. Was also ist nun wieder los? Eine Inspektion der Verdrahtung der Lautsprecher-Röhre ergab, daß ihr Gitter-Ableit-Widerstand (R13: 470 kΩ) nicht angelötet war, sondern mit seinem Anschluß-Draht nur den Pin leicht berührte. Komische Sachen gibt es. Nach dem Anlöten spielte das Radio nun aber einwandfrei. Das heißt, es war auch absolut kein (Netz-) Brummen zu hören und mit dem Oszilloskop zeigt die Anodenspannung ebenfalls keinerlei Brummspannung. Das ist eine weitere Bestätigung dafür, daß auch der Netz-Elko nun hervorragend funktioniert.

Die Messung der Durchlaßkurve über alles

Die Messung der Durchlaßkurve von HF-Eingang bis ZF-Ausgang (für MW) ergab praktisch keinen Unterschied zur Messung der ZF-Durchlaßkurve (s. oben). Somit mußte hier auch nichts abgeglichen werden.

Gerät komplettiert

Das Gerät ist nun wieder komplettiert und spielt seit Stunden völlig verzerrungsfrei. Es hat einen angenehmen Klang.

Auf diesem Foto von schräg vorne wird die geringe Bautiefe von nur 20 cm deutlich. Der Lack wurde mit Walnuß-Öl behandelt, was dem Glanz der Oberfläche gut tat.

Die einzige Beschädigung des Furniers an der hinteren oberen Ecke ist ebenfalls zu sehen.


Mein Dank geht an Pius Steiner und Achim Dassow für die Beschaffung von Service-Unterlagen, sowie an Howard Craven für zusätzliche Informationen.

MfG DR

This article was edited 03.Jul.21 11:08 by Dietmar Rudolph .

  
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