blaupunkt: Austastdauer beim Bildrücklauf

ID: 709754
blaupunkt: Austastdauer beim Bildrücklauf 
09.Dec.25 17:18
194

Nicolin Salis (CH)
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Mir gefiel nicht, dass ich nur eine der drei Videoendröhren PCL200 ersetzt hatte. So spendierte ich dem Gerät drei nagelneue PCL200 mit fast gleichen Anodenströmen der Pentoden (80%, 77%, 77%). Nach dem Röhrenwechsel hatte das Gerät einen leichten Blaustich in den dunklen Stellen, den ich durch Korrektur des Schwarzabgleichs beheben konnte. Das Problem, dass die Teletext-Zeilen im oberen Bildteil sichtbar waren, blieb jedoch.

Der Beitrag von Ingo Heidinger war nun sehr hilfreich.  Um es vorweg zu nehmen: Das Teletext-Problem ist verschwunden. Wie geheissen, prüfte und ersetzte ich die untenstehenden Kondensatoren. Nach jedem Ersetzen prüfte ich, ob das Gerät noch lief und ob sich etwas verändert hatte.

1. C574, 0.22 uF/ 400 VDC gemäss Schema. Eingesetzt war ein KT1803, 32215, 0.22 uF/ 400 VDC/ 160 VAC, +/- 10%. Gemessene Werte: Kapazität = 0.22 uF.  DCR = Unendlich Ohm. ESR = 1.8 Ohm.

Ersetzen des Kondensators gegen eine moderne gelbe Ausführung (Vishay, 630 VDC) brachte keine Änderung.

 

2. C559, 22 nF/ 400 VDC gemäss Schema. Eingesetzt war ein blauer Kondur 22 nF/ 400 VDC. Gemessene Werte: Kapazität = 21 nF. DCR = Unendlich Ohm. ESR = 23.4 Ohm.

Ersetzen des Kondensators gegen eine moderne gelbe Ausführung (No-Name, 630 VDC) brachte keine Änderung.

 

3. C557, 0.010 uF/ 400 VDC gemäss Schema. Eingesetzt war ein senfgelber Philips 10 nF/ 400 VDC. Gemessene Werte: Kapazität = 11 nF, DCR = 4.04 Megaohm.

Ersetzen des Kondensators durch eine moderne Ausführung (FJZ, 1500 VDC) brachte die Lösung: Wie von Ingo Heidinger an seinem Nordmende beschrieben, waren auch bei meinem Gerät die Vertikal-Linearitäts-Einsteller (v.a. Lin oben) fast am Anschlag, und ich hatte dem keine grosse Bedeutung beigemessen. Mit dem neuen Kondensator und nach einer Neueinstellung der Vertikal-Lineraität waren beide Linearitätseinsteller fast in der Mitte, und die Teletext-Linien waren verschwunden!

 

Zwei Bemerkungen:

a. Es ist nun schon das zweite Mal, dass ich einen defekten senfgelben Kondensator von Philips festgestellt habe. Von klein auf hatte ich gelernt (mein Vater war Radiomonteur, wie es in den 40ern hiess), dass senfgelbe Philips nie kaputt sind. Offenbar muss ich dieses Urteil langsam revidieren. Vielleicht müssen die senfgelben Philips einfach älter werden, bis auch sie kaputt gehen.

b. Ich frage mich, ob die störenden Linien wirklich (nur) die Teletext-Linien waren. Mittlerweile werden ja auch andere Signale übertragen, z.B. Synchron-Untertitelungen. Wie weit solche Signale mit den diversen HDMI-auf-FBAS-Wandlern ins Analog-Signal übertragen werden und beim alten Fernseher zum Problem werden können, hängt offenbar vom jeweiligen Wandler-Modell ab. Kein Problem scheinen diejenigen Wandler zu machen, die nicht nur von Digital zu Analog wandeln sondern einen eingebauten Bildspeicher haben, der das eingespeiste 16:9-Signal in den Speicher einliest und in einem 4:3-Format ausliest. Allerdings muss man bei diesen Geräten in Kauf nehmen, dass die Bildgeometrie verzerrt wird (Zusammenstauchen der äusseren Bildteile, Auseinanderziehen in der Vertikalen). Eine natürlichere Bildwiedergabe ergibt sich bei denjenigen Wandlern, die "nur" das HDMI-Signal in ein FBAS-Signal wandeln, ohne das Bildformat anzupassen, so dass das 16:9-Signal auf dem alten Fernseher als Letterbox-Bild (oberhalb und unterhalb des Bildinhaltes schwarze Fläche) erscheint. Aber nicht nur mir wird es so gehen, dass man nicht gerne die 4:3-Bildröhre mit 16:9-Bildern laufen lässt und fürchten muss, dass sich der 16:9-Streifen mit der Zeit einbrennt.

Herzlichen Dank an alle, die mir bei der Restauration dieses Gerätes geholfen haben.

 

Nicolin Salis

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senfgelbe Philips-/Valvo-Kondensatoren 
12.Dec.25 08:42
194 from 1205

Andreas Steinmetz (D)
Redakteur
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Interessant, dass inzwischen auch die senfgelben Philips-Kondensatoren Probleme zu bekommen scheinen. Ist derzeit zwar noch selten, aber wir werden wohl zunehmend auch dort die Augen aufhalten müssen. Bemerkenswert ist, dass es quasi keine Kapazitätszunahme gibt, vmtl. weil das Kunststoff-Dielektrikum nicht so viel Feuchtigkeit aufnimmt wie Papier. Aber der Isolationswiderstand im Megaohmbereich ist schon sehr auffällig.

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senfgelbe Philips-/Valvo-Kondensatoren 
15.Dec.25 16:33
325 from 1205

Heinrich Stummer (A)
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Heinrich Stummer

Hallo und guten Abend,

jedes Bauteil kann ein Problem bekommen..  Es kommt auf den Lagerzustand, Betriebsparameter, Laufzeit, Temperaturbelastung usw. an., aber das ist ja eh bekannt.

Hier in einem TV ist aber auch die Impulsbelastung zu  sehen. Generell kann man auf eine Einzelerfahrung nicht auf alle Typen einer Baureihe schliesen.

Für mich sind die Philips Senf Kondensatoren bisher immer OK gewesen. Meine Erfahrung beschränkt sich aber nur auf Radios und nicht auf TV Geräte. Messung mit  Nennspannung immer bei Unendlich Ohm (Isotest).  Hatte auch einmal einen Silva 26506  am Tisch. NF  Platine mit einem ausgelaufenen Kondur 100nf/500V. Dazu einige Philips Senf Ko. und einige Erofill  mit rotem oder gelben Etikett. Der Körper der Erofills hat nach Epoxyharz ausgesehen.

Die Philips Senf Kos waren wie erwartet  OK, aber auch die Erofill waren wie neu, was mich sehr erstaunte. Damit waren nur wenige Bauteile zu erneuern.

Aber der Hinweis ist sehr wertvoll - Danke dafür. Es schadet nicht, die  Philips zu testen, aber kaputte  Styroflex hatte ich auch schon.

Viele Grüße

H.Stummer

 

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Kondensator-Kuriositäten, HDMI, 4:3 Format heute 
31.Dec.25 17:50
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Ingo Heidinger (D)
Redakteur
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Erst einmal Gratulation, daß das interessante Gerät wieder das macht was es soll. Ein paar Anmerkungen / Ergänzungen hätte ich noch:
 

Kondensator-Kuriositäten

Das mit dem Defekt eines senfgelben Philips-KT(=Polyester-Folie)-Kondensators hab ich zum Anlaß genommen, mal meine Grabbelkisten-Reste zu testen. Die waren alle O.K. mit Isolationswerten jenseits von 600 MOhm (mit den 200 V Prüfspannung vom Meratronik E316 getestet). Persönlich hab ich leise Zweifel, daß diese Kondensatoren für impulsbelastete Stellen wie in diesem Fall geeignet sind. Ein Datenblatt von Philips habe ich nicht finden können, nur allgemeine Angaben im Bauteil-Taschenbuch von ‘74. Wenn jemand mehr hat, immer her damit!

Bei meinem Nordmende saß an dieser Stelle ein Durolit (auch mit 22 nF), alle anderen Cs drumrum sind WIMA FKP1, also definitiv impulsfest. Der Nordmende hat letztes Jahr mit „komischen“ Farben für eine Überraschung gesorgt: Im Chroma-Verstärker war dieser Roederstein-(Sieb-)Elko ab Werk falschrum eingebaut!

Seitdem bei meinem Philips K8D auch Keramik-Kondensatoren mit wegdriftenden Kapazitäten für Ärger sorgten, guck‘ ich auch da genauer hin. Aktueller Treffer jetzt: Bei der Generalüberholung eines Yamaha T-7 Tuners fiel die völlig übertriebene Multipath-Anzeige auf, also selbst am Meßsender! Ursache: Keramik-Typ II-Kondensatoren in Widerstandsbauform, die völlig außerhalb der angegebenen Toleranz lagen, und zwar nach oben als auch nach unten.
Das gezeigte Muster (10 pF) ist übrigens O.K. (weil ganz sicher Typ I), betroffen waren nur Werte zwischen 2,2 und 100 nF.

Leider hat Yamaha entgegen der Empfehlungen der Kondensator-Hersteller Typ II-Kondensatoren auch in Filterschaltungen verwendet; die Multipath-Anzeige basiert auf einer solchen. Ersetzt übrigens durch Styroflex.

 

Von HDMI zur Austastlücke

Wenn man den von Herrn Salis beschriebenen Wandler-Weg geht (so ähnlich hab ich das auch) können am Ende keine Videotextzeilen in der Austastlücke enthalten sein. Denn HDMI überträgt nur unkomprimierte Video- und Audiosignale, sowie Ethernet und CEC-Steuerungsdaten. Der Videotext ist als Elementardatenstrom im MPEG-PS enthalten und wird bereits in der Settop-Box (STB) dekodiert und fernbedient. Das Display hat da nicht mehr zu tun, als die Buchstaben als Videosignal anzuzeigen. Eine Übertragung über HDMI wäre auch deshalb sinnlos, weil es keine Austastlücke mehr gibt, die mit Daten gefüllt werden könnte; die Synchron-“Pausen“ - so will ich das mal nennen - enthalten definitionsgemäß nur die Synchronisierung und die Audiodaten.

Das einzige, was HDMI nach Analog-Wandler in die Austastlücke eintasten können, ist das Widescreen-Signal in Zeile 23 zur automatischen 4:3 / 16:9 Umschaltung. Denn diese Information wird auch über HDMI übertragen und kann (umgewandelt) von Analog-TVs ab etwa 1995 entsprechend ausgewertet werden. Blöderweise ist die Zeile 23 schon ziemlich nah am aktiven Bildbereich, was das Ausblenden bei älteren Geräten erschwert.

Ältere SD-STBs wie die dbox2 unter Linux dekodieren den Videotext- Elementardatenstrom und modulieren ihn wieder in die analoge Austastlücke hinein. Damit können Fernseher über den SCART-Anschluß ihren eigenen Videotext-Decoder nutzen. Die dbox2 ist aber mit ihrem eingebauten „TUXTXT“-Programm schneller, weil sie alle Seiten zwischenspeichert. :-))

Die Kopierschutzmethode Macrovision mit viel Geflacker in der Austastlücke gibt's leider auch immer noch, das wär aber ein extra Thema.
 

Willkommen in der Format-Hölle!

Das ist natürlich in einem separaten Thread hier im Forum besser aufgehoben, was das passende „Futter“ für 4:3 Geräte angeht und wie ideologisch bis schlampig die Fernsehanstalten mit dem richtigen Seitenformat umgehen. Hier nur soviel: Die Begründung, die man so hört, zielt darauf ab, daß man sich vor bösen Anrufen von 16:9 Flachbild-TV-Besitzern schützen will. Diese beschweren sich gerne über „schwarze Balken links und rechts“ oder „verzerrte Bilder“ bei 4:3 Inhalten, weil die meisten von der Format-Umschaltungsautomatik ihrer Geräte noch nie was gehört haben oder diese falsch bedienen. Dabei haben so gut wie alle neuen Geräte eine sinnvoll reagierende Automatik. Und das 4:3-Format ist auch bei HD in der Norm enthalten!

Beispiel „Ideologie“: arte und 3sat. Die zeigen auch restaurierte Stummfilme (immer in 4:3 gedreht) grundsätzlich mit senderseitig ergänzten schwarzen Balken links und rechts. Das könnten zwar genauso gut die Endgeräte übernehmen, aber man hält die Leute wohl für zu doof (s.o.).

Beispiel „schlampig“: MTV und ComedyCentral. Die sind mal auf die Idee gekommen (das hatte was mit dem Pixel-Aspect-Ratio (PAR) von NTSC zu tun), alte 4:3-Inhalte auf 14:9 umzumodeln. Damit hätte man jetzt in HD allerdings auch wieder links und rechts schwarze Balken. Und was machen sie? Sie strecken es auf 16:9. Mit dem Ergebnis: Sowohl „Breitmaulfrösche“ als auch „abgeschnittene Köpfe“! Das kriegt man mit keinem Endgerät wieder grade gebogen.

So, und ich guck' jetzt auf 3sat mal in den "Pop around the clock"-Tag rein, was sie da wieder mit den alten Konzertaufzeichnungen im 4:3 Format anstellen....

Guten Rutsch und ein gesundes und friedliches Neues Jahr!
Ingo Heidinger

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