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braun: SK2/2 (SK 2/2); Kleinsuper, Netzton (Brumm)

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Rolf Nickel
Rolf Nickel
 
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09.Nov.09 20:01

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Liebe Sammlerfreunde, 
dieses kleine Radio scheint sich großer Beliebtheit zu erfreuen, wie man an den zahlreichen Fotos auf der Modellseite sieht. Da ich für unsere Küche noch ein Gerät suchte, bin ich auf dieses gekommen und habe jetzt eins mit Hilfe meiner Frau ersteigern können.
Der Zustand nach dem Auspacken:
Der Lack auf dem Bakelitgehäuse blättert ab, und die Plastik-Rückwand war der Wärmebelastung durch fünf Novalröhren (wieso eigentlich "Klein"super ?) nicht gewachsen. Und es spielte sogar. Die Hauptbetriebsspannung lag mit 125 V um 50 V zu niedrig, Ursache dafür war der Selengleichrichter, der wahrscheinlich einen erhöhten Innenwiderstand aufweist und sehr warm wurde. Er ist zur besseren Wärmeabfuhr an das Chassis genietet. Auf der anderen Seite des Chassis gegenüber klebt ein papierenes Typschild, das sich dadurch allmählich auflöst.
Nach Einbau einer Silizium-Diode, dem Ersatz der Netz- und des Ratioelkos sowie von zwei Papierkondensatoren stellten sich die vom Hersteller im Schaltbild angegebenen Spannungswerte ein.
  • Ein Wermutstropfen bleibt: Der deutlich vernehmbare Netzton. Daher jetzt meine Frage an die Besitzer: Ist das üblich bei diesem Gerät ? Liegt es an der Einweggleichrichtung, oder an dem mit dem Lautstärkeregler kombinierten Netzschalter, oder an der Netzantenne ? 
Zusatzfrage: Eine TA-Buchse ist vorhanden, aber der Betriebsarten-Drehschalter hat nur zwei Stelllungen: MW und UKW. Wie geschieht denn die Umschaltung auf den Tonabnehmer-Eingang ? Etwa "gar nicht", d. h. nur mit Abstimmung auf eine freie Wellenlänge ?
 
Mit freundlichem Gruß
Rolf Nickel
Georg Beckmann
Georg Beckmann
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10.Nov.09 07:44

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Hallo Herr Nickel,

haben Sie daran gedacht, in Serie zu der Siliziumdiode einen Lastwiderstand zu schalten ?
Selengleichrichter haben einen höheren Innenwiderstand, welcher in dieser Schaltung die Brummspannung an den Elkos verringert. ( Deshalb musste er auch gekühlt werden )

Ich würde mal versuchsweise mit ca 300 Ohm beginnen. 30V Spannungsabfall sind sicher zu verkraften. Wenn der Widerstand zu groß ist, wird die Anodenspannung zu klein, wenn er zu klein ist, der Brumm halt größer. Ein 5 Watt Widerstand sollte es schon sein. Dieser sollte so eingebaut werden, dass nichts in der Nähe überhitzt wird und die Luft frei zirkulieren kann.

Ob das Problem noch von der Netzantenne kommt lässt sich sehr leicht feststellen, indem Sie die Verbindung probehalber trennen.

Ich habe die Frage offengelassen, vielleicht hat jemand einen ganz konkreten Hinweis zu diesem Gerät.

Gruß

 

Georg Beckmann

 

Franz-Josef Haffner
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10.Nov.09 08:04

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ein Blick in den Schaltplan lässt erkennen das die TA Buchse lediglich ein Ausgang (z.B. für ein TB-Gerät) ist. Bezeichnung im Schaltplan: "NF-Ausg.".

Bei diesem Modell muß man darauf achten das der Wellenbereichsumschalter immer leichtgängig ist. Mit Vorliebe schleift sich die Riffelung im Plastikknopf ab.

Martin Renz
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10.Nov.09 08:12

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Hallo Herr Nickel,

bei der Buchse auf der Rückseite handelt es sich um einen Ausgang, etwa zur Aufnahme mit einem Tonbandgerät. Sie ließe sich natürlich auch als Eingang benutzen, dafür fehlt aber in der Tat eine Abschaltmöglichkeit des Empfangsteils. Im Schaltbild ist die Buchse übrigens auch so bezeichnet.

Ein Brummen ist bei dem von mir restaurierten Gerät nicht zu vernehmen, ich habe in etwa die gleichen Maßnahmen ergriffen wie Sie. Allerdings habe ich noch einen Vorschaltwiderstand verwendet, um den geringeren Widerstand der Diode auszugleichen. Ob dies allerdings ihr Problem löst, ist fraglich.

viel Erfolg bei der Fehlersuche wünscht

Martin Renz

Hans-Dieter Haase † 5.2.18
Hans-Dieter Haase † 5.2.18
 
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10.Nov.09 08:28

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Hallo Herr Nickel,

in meinem Gerät arbeitete zum Zeitpunkt der Restaurierung 2004 noch der Original-Gleichrichter mit zufriedenstellenden Werten für die Anodenspannung. Kein Netzbrumm.

Gruß Hans-Dieter Haase

Bernhard Nagel
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10.Nov.09 15:28

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Hallo Herr Nickel,

um die Ursache des deutlichen Netztones einzugrenzen, würde ich als erstes das Netzteil mit dem 2x 50 µF Elko prüfen. Bei diesen Braun-Radios kamen Frako- oder Siemens-Typen zum Einsatz.

  • Ist noch die volle Kapazität bei beiden Anschlüssen vorhanden? 10 bis 20 % Abweichung nach unten wären noch tolerabel. Nach vielen Betriebsjahren haben Lade-und Sieb-Elkos oft nur noch die Hälfte oder noch weniger ihrer Ursprungskapazität. Die Kapazitätsmessung sollte bei 50 oder 100 Hz gemacht werden.
  • Ist der ESR (äquivalenter Serienwiderstand) niedrig genug? Er sollte bei der Betriebsfrequenz der Einweggleichrichtung (50 Hz) bestimmt werden, 100 Hz Meßfrequenz gehen auch. Übliche Werte guter/neuer Elkos liegen zwischen 0,5 und 2 Ohm. Steigt mit längerer Nutzungsdauer deutlich an. In der Kondensator-Ersatzschaltung muß man sich den ESR wie einen in Reihe mit dem (idealen) Kondensator geschalteten Widerstand vorstellen. Da daran ein Teil der pulsierende Gleichspannung abfällt, erhöht ein höherer ESR den Wechselspannungsanteil in der Gleichspannung und verschlechtert damit die Siebwirkung.
  • Hat der Elko einen guten (niederohmigen) Kontakt zum Chassis? Das ist eine häufige Ursache für stärkeren Netzbrumm, der leider oft zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Elko auf guten Sitz der Verschraubung prüfen. Dünne Oxidschichten des Aluminiums oder der Unterlagscheibe (meist mit Minus-Anschluß) bringen unerwünschte Übergangswiderstände mit sich, die den Brumm deutlich erhöhen können.

Falls das Netzteil sich als in Ordnung erweist, wird anschliessend der NF-Teil untersucht.

  • Nimmt der Netzbrumm deutlich ab, wenn die EABC80 gezogen wird? Probehalber eine andere Röhre einsetzen.

Das Schaltungskonzept des Braun SK2/2 ist recht einfach gehalten. Die Anodenspannung der Endröhre wird direkt am Ladeelko ohne weitere Siebmittel abgenommen, noch nicht einmal ein angezapfter Ausgangsübertrager zur Brummkompensation kommt zum Einsatz. Die Triode der EABC80 wird ohne zusätzliches Siebglied direkt aus dem Netzteil versorgt. Etwas brummvermindernt wirkt der recht kleine Koppelkondensator von 2,5 nF zur Endröhre; hier sollte keinesfalls ein höherer Wert eingebaut werden, der vorhandene sollte auf Einhaltung der Kapazität und der Isolation geprüft werden.

Bernhard Nagel

Rolf Nickel
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10.Nov.09 19:47

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Liebe Sammlerfreunde,

nach längerer Zeit der "RM-Abstinenz" wegen der inzwischen leider "üblichen" immer intensiveren beruflichen Beanspruchung bin ich sehr erfreut darüber, wie groß die Resonanz auf meine Fragen innerhalb so kurzer Zeit war.

Daher zunächst einmal herzlichen Dank für die hier im Forum sichtbaren Hinweise, aber auch für die E-Mails der Herren Langfeld, Romeyke und Jung !

So, und nun geht's weiter:

  1. Die Hinweis von Herrn Beckmann hatte ich schon befolgt (Serienwiderstand), jedoch sank daraufhin die Betriebsspannung auf nahezu den alten, zu niedrigen Wert, und ohne dass sich hinsichtlich Brumm etwas änderte. Also habe ich ihn wieder ausgebaut. Auch das Abtrennen der Netzantenne brachte keinen Erfolg, ich habe die Verbindungsleitung wieder angelötet.
  2. Ich habe nicht genau genug ins Schaltbild gesehen, Herr Haffner und Herr Jung, sondern auf das Symbol auf der Rückwand des Radios geschaut. Und das bedeutet "Plattenspieler", also einen Eingang, was aber nicht stimmt, Sie haben recht.
  3. Die Angaben von den Herren Renz, Romeyke und Haase, ihre Geräte arbeiteten ohne besondere Maßnahmen (nahezu) brummfrei, bedeuten für mich, jetzt die von den Herren Langfeld und Nagel empfohlenen Maßnahmen durchzuführen.

Darüber werde ich hier demnächst weiter berichten.

Mit freundlichem Gruß

Rolf Nickel

Georg Beckmann
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11.Nov.09 07:48

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Hallo herr Nickel,

wenn die Aussage richtig interpretiert ist, dass an einem 300 Ohm Widerstand 50 Volt abfallen, würden etwa 160mA Anodenstrom fliessen.

Wohin ?

Die Endröhre hat einen Kathodenwiderstand von 150 Ohm, dort sind 4 V angegeben, macht also etwa 27 mA Strom für den Hauptabnehmer.

Messen Sie doch einmal die Spannung an der Kathode der EL84. Wenn die Spannung viel zu groß ist, würde ich mal den 2,5nF Koppelkondensator ans G1 der EL unter die Lupe nehmen.
Wenn die Spannung an der Kathode stimmt, den 2,5nF an der Anode.

Möglicherweise war der Selengleichrichter ja gar nicht defekt, sondern einfach überlastet.

 

Gruß

 

Georg Beckmann

 

 

Rolf Nickel
Rolf Nickel
 
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14.Nov.09 19:54

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Liebe Sammlerfreunde,
 zunächst möchte ich zum besseren Verständnis meine Vorgehensweise genauer schildern:
Ich hatte absichtlich nicht gleich den Netzteil-Elko gewechselt, weil er mit 350/385 Volt und 2X50µF angesichts einer Soll-Betriebsspannung laut Schaltbild von nur 175 Volt (bedeutet auch relativ geringe Stromentnahme) reichlich bemessen ist. Das Gerät war bei mir am Trenntrafo mit halber Netzspannung erstmalig in Betrieb. Es gab keine Gerüche oder Krachgeräusche im Lautsprecher, auch dann nicht, als ich nach etwa 2 h die Netzspannung auf den vollen Wert gebracht hatte. Als Plusspannung am Selengleichrichter waren nun rund 140 Volt (vorher 80 Volt) zu messen. Der Selengleichrichter wärmte das Chassisblech gut durch, wie ich durch die Fingerprobe auf der Rückseite feststellte. Ich stöpselte ein etwa 1 m langes Prüfkabel in die Antennenbuchse. Das Radio wurde auf einen relativ schwach einfallenden UKW-Sender abgestimmt und "spielte" unverzerrt, jedoch mit vernehmlichem Netzton unabhängig von der Stellung des Lautstärkereglers, also auch bei Linksanschlag. Anschließend hatte ich den Selengleichrichter durch eine Silizium-Diode mit einem 430 Ohm Widerstand in Serie ersetzt. Nun betrug die Plusspannung 145 Volt bei 230V Netzspannung. Die Stromaufnahme betrug insgesamt 47 mA. Dann überbrückte ich den Vorwiderstand. Die Lautstärke nahm leicht zu, die Spannung am Dioden-Pluspol betrug jetzt rund 185 Volt bei 59 mA Gesamtstrom. Auffällig war nur noch der bereits zuvor gehörte Netzton.
 
Natürlich kann ein Kurzschluß für eine zu niedrige Betriebsspannung und für den Netzton (mit)verantwortlich sein, wie Herr Beckmann zu bedenken gibt, denn bei zu hoher Stromentnahme nimmt die Wirkung der Siebkette ab.
 
Heute habe ich weiter gearbeitet, zunächst wieder mit Selengleichrichter und bei 230 Volt Netzspannung. Die Sekundärwechselspannung des Trafos beträgt 170 Volt. Am Pluspol des Selengleichrichters bzw. am ersten Siebelko waren 140 Volt zu messen. Über dem 1 kOhm Siebwiderstand beträgt der Spannungsabfall ungefähr 18 V, was eine Stromaufnahme von 18 mA bedeuten würde für das Schirmgitter der Endröhre plus der gesamten restlichen Schaltung. Der 1 kOhm wird also mit 1/3 Watt belastet, was angesichts seiner Außenabmessungen sicherlich zulässig ist. Der Spannungsabfall am Kathodenwiderstand der EL 84 beträgt wie im Schaltbild angegeben 4,0 Volt bei einer Ist-Anodenspannung von etwa 135 Volt und einer Schirmgitterspannung von gut 120 V.
Fazit: Alles außer der Kathodenspannung etwas unterhalb der Sollwerte, d. h., nichts Auffälliges.
Die Kapazitätsmessung mit einem einfachen digitalen Handgerät ergab für beide Siebelkos jeweils knapp 39 µF. Probeweises Umwechseln auf neue Kondensatoren an dieser Stelle brachte keine hörbare Verbesserung. Das war auch nicht zu erwarten. Allerdings hatte ich bereits vor dieser Maßnahme den Eindruck, dass das Brummen während meiner Versuche inzwischen "irgendwie" leiser geworden war, möglicherweise wegen der jetzt verbesserten Massung des Elkos und des Lautsprechers, den ich ebenfalls einmal ausgebaut hatte, um mir die unterhalb seines Magnetjochs am Chassis verlaufenden Netzleitungen einmal anzusehen.
 
((Fortsetzung folgt))

Rolf Nickel
Rolf Nickel
 
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22.Nov.09 18:17

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Liebe Leser !

 

Inzwischen habe ich im RM ein wenig herumgestöbert und bin dabei auf viele Beiträge über dieses Radio gestoßen, die ich als sehr nützlich oder sogar direkt auf mein Gerät anwendbar betrachte.
Aber noch einmal zum inzwischen leiser gewordenen Netzton:
Die EABC 80 wurde kurz durch ein anderes Exemplar getauscht : keine Änderung. Dann sah ich mir die Umgebung rund um das Lautstärkepoti an, da dieses mit dem Netzschalter kombiniert ist: Eine immer wieder gern gewählte, weil kostengünstige Lösung mit dem Nachteil, dass man so die Netzleitung in die Nähe des empfindlichsten Punktes des NF-Verstärkers bringt. Dabei fiel mir ein blanker Draht auf, der zur Massung dient und von der Lötöse mit dem 500 V Styroflexkondensator oben an der Poti-Rückseite nach rechts unten zu einem Stützpunkt auf dem Chassis führt, siehe Bild 1.

 

Bild 1 - Detailansicht Lautstärkeregler/Netzschalter

 

Diese Lötöse ist über den Anschlußdraht des Styroflexkondensators rechts oben mit dem Minusanschluß des Lautstärkepotis verbunden – und nicht mit dem Massepunkt des 10 MOhm Gitterableitwiderstands bzw. dem Kathodenanschluss des Triodenteils der EABC 80: Eine Brummschleife wie aus dem Lehrbuch, auch bei bei Linksanschlag des Lautstärkepotis "voll funktionstüchtig". Ich habe sie rot im Schaltbildauszug eingezeichnet, siehe Bild 2.
 

 

Bild 2 - SK2/2, Schaltplanauszug NF-Teil

 

Klar, man kann das so machen, und mit relativ kleinen Koppelkondensatoren (2,5 nF) arbeiten, wie Hr. Nagel in seinem Beitrag beschrieben hat. Jedoch schwächt diese Maßnahme auch die Verstärkung der tiefen (Nutz-)Frequenzen, und das Radio klingt wirklich etwas blechern. Als kostengünstige Lösung für die Küche war das sicher in Ordnung.
Doch mich plagte spätestens jetzt die uns Allen bekannte, berühmt-berüchtigte Frage "wie weit gehen mit der Restaurierung ?" oder so ähnlich.
Meine persönliche Antwort darauf ist : "Wenn Du voraussehen kannst, dass Du Dich jedes Mal über einen Dir unbefriedigend erscheinenden Zustand eines Gerätes ärgerst, wenn Du mit ihm zu tun hast, dann versuche, diesen Zustand in Deinem Sinne zu ändern, falls Du die Möglichkeit dazu hast, und warte nicht zu lange damit".
Ja, und mich ärgerten auch die stark "gedrosselte" EL 84 und die nahezu ganz fehlende Gegenkopplung. Also, erste Maßnahme:
  • ein Teil der Spannung, die vorher im Selengleichrichter "vernichtet" wurde, fällt nun über einem Siebwiderstand ab, der nach einer Kombination aus einer Siliziumdiode und einem zusätzlichen 47µF Ladekondensator an den ersten Original-Elko angeschlossen wurde.
  • zweite Maßnahme: Der Blankdraht zur Massung des Lautstärke-Potis wurde abgelötet. Mit dem Ohmmeter prüfte ich, ob dort nun wirklich alles "in der Luft hing" oder ob es etwa noch weitere Verbindungen zum Chassis gab. Dann stellte ich eine Leitungsverbindung zum Fußpunkt des 10 MOhm Gitterwiderstands bzw. zur Kathode der EABC 80 her.
Das und die zusätzliche Siebung brachten nun den gewünschten Erfolg: trotz größerer Koppelkondensatoren einen leisen Grundbrumm, den man nur hört, wenn man das Ohr direkt vor die Lautsprecheröffnung hält. Die Betriebsspannung war jetzt etwa 15 V höher als im Schaltbild angegeben.
  • Der Kathodenwiderstand der EL 84 erhielt einen 47 µF Parallelkondensator. Das "kalte" Ende des Lautstärkereglers wurde mit einem 560 Ohm "hochgelegt" und über einen durch Versuch ermittelten Gegenkopplungswiderstand 15 kOhm mit der Sekundärwicklung des Ausgangsübertragers verbunden, deren anderes Ende auf Masse gelegt worden war. Die Tonwiedergabe konnte so deutlich verbessert werden.

Anschließend wurde das Chassis in das mittlerweile gereinigte und neu lackierte Gehäuse eingesetzt. Alles schien in Ordnung, was sollte jetzt noch passieren ? Nach dem Anziehen der beiden Befestigungsschrauben und Einstecken der Antennendrähte schaltete ich ein, und – nichts tat sich, jedenfalls nicht auf UKW. Also, bestimmt mal wieder nicht aufgepasst und Mist gebaut ! Nächste Woche werde ich weitermachen ...

Rolf Nickel
Rolf Nickel
 
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05.Dec.09 18:55

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Liebe Leser,
inzwischen hat sich einiges getan. Nach dem erneuten Ausbau des Chassis schaute ich mir sozusagen "nebenbei" die Fotos an, die ich während der Arbeiten gemacht hatte. Dabei fiel mir ein Detail auf, dass ich bisher nicht beachtet hatte: Ein Spalt zwischen dem Alu-Kasten des UKW-Mischteils und der Chassis-Oberseite.
 
 
 
Der Kasten ist mit drei M3-Schrauben befestigt, die sich alle mehr oder weniger gelockert hatten. Soweit ich feststellen konnte, erfolgt die Masseverbindung zwischen Mischteil und dem Chassis bzw. der restlichen Schaltung über diese Schrauben und die sich berührenden Metallflächen. Ich löste sie ganz und stellte bei der Reinigung des Zwischenraums noch fest, dass die Gummidurchführung um die Leitungen zum Mischteil nicht durch beide Bleche, sondern nur unten im Chassis eingesetzt war. Ihr oberer Rand drückte daher Chassis und Kasten auseinander, zumindest verhinderte er die plane Auflage. Ich entfernte daher diese Durchführung vollständig. Die Bohrungen sind groß genug und entgratet, so dass hier keine Beschädigung der Leitungsisolation zu befürchten war.
 
Nachdem ich alles wieder befestigt hatte, spielte das Radio wieder. Aber als ich es ins Gehäuse eingesetzt hatte, war wieder alles ruhig bis auf ein leises Rauschen und den Grundbrumm. Solche Fehler können einen wirklich zur Verzweiflung bringen !
Also, wieder raus mit dem Chassis und weitergesucht. Nachdem ich die Betriebsspannungen im Mischteil kontrolliert hatte und nichts Auffälliges feststellen konnte, nahm ich mir den Drehschalter UKW/MW und die erste ZF-Stufe vor. Die Schalterkontakte reinigte ich so gut es ging im eingebauten Zustand mit Wattestäbchen und Universalverdünnung. Dann prüfte ich die Schirmgitterspannung der ersten EF 89: nur +3 V! Versuchsweise tastete ich den Anschluß mit dem Draht eines 10k-Widerstands an, dessen andere Seite mit der Betriebs-spannung verbunden war. Mit Erfolg, plötzlich Tonwiedergabe !
Ich lötete nun die möglichen Übeltäter aus und stellte beim Vergleich mit dem Schaltbild eine deutliche Abweichung fest, die mir bisher nicht aufgefallen war.
 
 
 
Eigentlich sollten beide ZF-Stufen identisch bestückt sein abgesehen vom Bremsgitter, bei meinem Gerät liegt das Schirmgitter über 100k (links im Kreis) und 1k (rechts) an Plus.
 
 
 
Man kann aber an den vorhandenen Schmutzbelägen auf den Teilen und den Oberflächen der Lötstellen usw. deutlich sehen, dass an meinem Gerät vorher keiner manipuliert hat.
 
Inzwischen hatte sich zwischen unserem Mitglied Klaus-Hartwig Müller und mir ein netter E-Mail-Kontakt entwickelt. Herr Müller hatte meine Massnahmen an seinem eigenen Gerät ausprobiert und zumindest beim Brumm ebenfalls eine Verbesserung erreichen können, siehe sein unten angefügtes Schreiben.
Ich bat ihn um ein Foto seines Gerätes, das, wie sich herausstellte, genau nach Schaltplan gefertigt worden war.
 
 
 
Die braunen Rosenthal-Keramik-Cs haben dieselbe Bauform wie die in meinem Gerät, nur die grauen Widerstände sind wahrscheinlich älteren Fertigungsdatums. Merkwürdig !
Ich prüfte nun die Werte der ausgelöteten Teile, die beiden 5 nF und die Widerstände s. o. Sie befanden sich innerhalb der zulässigen Toleranz. Also wurde alles wieder eingelötet, und nun funktioniert das Radio seit drei Tagen auf MW und UKW einwandfrei, sowohl offen als auch im Gehäuse. Leider kann ich über die Fehlerursachen nur Vermutungen anstellen: die Schalterkontakte mit dem gelblichen Belag und / oder der 5 nF Kondensator am Schirmgitter, der durch den verabreichten Spannungsstoß zur Selbstheilung veranlasst wurde. Falls jemand dazu oder zur Schaltungsabweichung Hinweise hat, bitte gerne ! Und noch Mal vielen Dank an Herrn Müller für seine Unterstützung !
 
Nachfolgend noch der Brief von Herrn Müller, beachten Sie bitte seinen humorvollen Hinweis zum Zusatznutzen dieses "echten" Küchenradios als Heiz- oder Warmhalteplatte !
 
Von: Klaus-Hartwig Müller
Gesendet:     Montag, 23. November 2009 16:57
Betreff:                    braun: SK2/2 (SK 2/2); Kleinsuper, Netzton (Brumm)
SK2/2 -Netzton
 
Hallo Herr Nickel,
Ihr Beitrag vom 22.11.09 zum o.Thema kam für mich und meinen SK2/2 gerade richtig ! Selengleichrichter + Elkos + weitere relevante Kondensatoren + Röhren ausgetauscht mit Ergebnis: Alle Spannungen o.K; spielt bzw. Empfang einwandfrei -ABER der Netzton!-sicher dto. zu Ihrem Gerät.Deshalb lag es nahe, Ihre Erfahrungen und Schaltungsänderungs-Tips aufzugreifen und ganz schnell komplett in die Tat umzusetzen. Das Ergebnis sowohl hinsichtlich Netztonreduzierung als auch Klangbildverbesserung ist auch bei mir eindeutig positiv - DANKE !!! Der Netzton ist zwar noch vorhanden ,,jedoch Röhrenernpfängergerecht friedlich leise-in geradezu "angenehmer Tonlage". Bezüglich der Klangbildverbesserung-eindeutig hörbar-hat allerdings der 15 kOhm-Gegenkopplungswiderstand an Sekundärwicklung Ausgangsübertrager und dessen Masselegung am anderen Ende für mich keinen weiteren (d.h hörbar klangbildverbessernden) Gewinn mehr gebracht.. Letzteres wurde deshalb auch gleich wieder rückgebaut. Selbstverständlich sind alle Änderungen gegenüber dem Original gut in den Geräteunterlagen dokumentiert und warten auf die Neugierde eines - hoffentlich noch lange namenlosen - Gerätebesitz-Nachfolgers.
Ich möchte mir noch zum SK 2/2 eine Anmerkung erlauben, zugegeben etwas jenseits einer seriösen Fachsimpelei:
Vielleicht gab es damals doch schon unter den Geräteentwicklern/Modelldesignern energiesparsüchtige Öko-Freaks, die eben dem Zeitgeist entsprechend nur etwas Versteck spielen mußten, damit allein der Radionutzer mit einem bestimmten Mindest-IQ ihre wahren Absichten rausfinden konnte. Heute wissen's wir: Denn, man muß nur darauf kommen, im Zusammenspiel von Betriebswärmeabstrah!ung, Gehäusedimensionierung und Formgestaliung entpuppt sich die ca.300 qcm große, völlig ebene horizontale Gehäuseoberfläche als nahezu ideale Heiz- bzw. Warmhalteplatte z.B. für Kaffee (in der Kanne), vorzuwärmende Tassen,Teller usw..-eben alles,was für ein echtes Küchenradio so anfällt (Bei den SK 2/2-Modellen mit sehr dunkler Oberfläche wird noch eins draufgesetzt - wegen der maximalen Wärmeabstrahlung schwarzer Körper It. Physik)
Da soll noch einer sagen, daß nicht damals schon an die (mind.) bifunktionelle Nutzungsmöglichkeit auch eines Radios im Sinne optimaler Abwärmeverwertung im ganz normalen Haushaltsbetrieb mit hohem, öko-energetisch wertvollem, Nützlichkeitsanspruch gedacht wurde....

Dietmar Rudolph † 6.1.22
Dietmar Rudolph † 6.1.22
 
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05.Dec.09 20:09

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Die im Schaltbild rot hervorgehobenen Bauelemente ergeben zusammen mit dem Abblock-C des Schirmgitters eine ZF-Neutralisation für die erste ZF-Stufe, wie diese z.B. hier beschrieben wird.

MfG DR

This article was edited 06.Dec.09 11:57 by Dietmar Rudolph † 6.1.22 .

Eike Grund
Eike Grund
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06.Dec.09 12:25

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Liebe Radiofreunde (und -innen),

dem BRAUN Winzling gehört schon länger meine Aufmerksamkeit, aus folgenden Gründen: Ich zähle den SK 2/2 zu den Kultradios (Hingucker). Technisch bemerkenswert ist zweifellos, was den Konstrukteuren alles einfiel, nur weil sie keinen Platz für einen Tastensatz hatten. Ich habe den Schaltplan daher in meinen Seiten als Übungsaufgabe ("Schaltungsanalyse") eingestellt: Ermitteln der Unterschiede zu einem normalen Gerät mit Standardröhrenbestückung - und wenn ja, warum?

Aufgrund der besonderen Schaltungsdetails ist die Fehlersuche meist auch schwieriger. Ich hatte kürzlich den Auftrag, einen SK2/2 wohnzimmertauglich in den Haushalt eines Laien zu liefern. In solchen Fällen verlange ich immer 2 Ebaygeräte als Ausgangsmaterial, was in dem letzte Fall auch gut war. Ich habe das fertige Produkt (dunkles Gehäuse) einem ausgiebigen Dauertest unterzogen, vor allem wegen der Wärmebelastung. Diese war erstaunlich gering, weit weniger als bei einer Allstromphiletta, das liegt wohl auch an dem stark gebremsten Betrieb der EL84.

Die TA-Buchsen lassen sich problemlos auch  als Eingang benutzen (UKW-Bereich, Antennenkabel abziehen).

Viele Grüße, Eike Grund

 

This article was edited 06.Dec.09 12:29 by Eike Grund .

  
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