Deutscher Fernsehfunk Berlin Adlershof Teil 2

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Deutscher Fernsehfunk Berlin Adlershof Teil 2 
26.Mar.22 11:39
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Wolfgang Lill (D)
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Wolfgang Lill

        te Der Versuchs- Fernsehsender wurde 1951 im Alten Stadthaus in Berlin-Mitte aufgebaut. Leider existieren keine Erinnerungsstücke am Gebäude mehr.  Diese wurden duch den Umbau im und am Haus entfernt.

Einige technische Fotos habe ich jedoch in der Sammlung von einem ehemaligen Mitarbeiter des DFF gefunden. 

Es handelt sich hier um einen 100 Watt Bildsender vom Typ 2675a, welcher im November 1951 für das Versuchsfernsehen installiert wurde. 

Oben auf dem Dach wurde die Schmetterlingsantenne montiert.

Ein Bild von einer Richtfunkantenne in Adlershof, aber vom Alten Stadthaus habe ich leider kein Foto mit dem Spiegel gefunden. Er war jedoch auf der Südseite des Turmes angebaut. Foto; unbekannt

Die Sendeanlage für das Versuchsfernsehen wurde in der Leistung weiter gesteigert, Der Bildsender lag außer Norm auf 99,9 MHz und der Tonsender (OIRT) auf 106,4 MHz. Bis Ende 1952 war die Sendeanlage auf 1,5 KW ausgebaut worden. Aber der Sender konnte dort nicht weiterbetrieben werden, da starke Westberliner Rundfunksender diesen störten. Es gab zwischenzeitlich einen anderen Standort, welcher mir leider noch nicht bekannt ist ( für eine Info wäre ich dankbar).

Am 15.1.1954 startete vom Müggelberg der Sender auf Kanal 1.  und dann eine Überraschung, der Sender in Prenzlauer Berg auf Kanal 10 startete bereits im IV. Quartal 1956  in CCIR- Norm.       Funkstille bei einigen Ostdeutschen Fernsehgeräten, welche erst von OIRT auf CCIR- Norm umgerüstet werden mussten.                 Foto Eberhard Kunst

Aber die Strategie damals war; Ziel die Wiedervereinigung der beiden Deutschen Staaten. Damit ging es auch darum, das Medium Fernsehen in möglichst großen Gebieten der BRD und in Westberlin zu verbreiten.

Der Spiegel berichtet in seiner Ausgabe vom 1.Februar 1956 über den Deutschen Fernsehfunk.

Zunächst wird eine Story aufgegriffen. Mit der S-Bahn werden einige Rubens Fernseher nach Westberlin geschafft und bei zuverlässigen Genossen im Stadtgebiet aufgestellt. Es geht darum zu ermitteln, wie die Empfangsverhältnisse in Berlin- West sind. 

Dabei stellt sich heraus, daß teilweise Probleme mit dem Tonempfang vorhanden sind. Kurzerhand  reagiert man in OST- Berlin und lässt den Fernsehton zusätzlich über einen Langwellensender ausstrahlen. 

Auch ist den Spiegelredakteuren aufgefallen, daß man extra Sendungen für das westdeutsche Publikum gestaltet, die auch ankommen und  dazu kommt die Rückgabe eines Riesenfilmarchives durch die Sowjetunion an die DDR und damit können Spitzenfilme reichlich gesendet werden. Ein Heinz Rühmann bringt damals die Einschaltquoten ! 

Die Bundesrepublik war natürlich damals zu groß um das terristische DDR- Fernsehen überall hinzustrahlen, aber der Inselsberg und auch der Brocken sorgten für große Reichweiten, so daß in Teilen von Hessen, NRW und in Hamburg der DFF- Empfang möglich war. 

Das war der RubensBaujahr 1956 in der guten Stube meiner Eltern in Sebnitz ( Sächsische Schweiz) . Foto von 1958. Im Vordergrund der Regeltrafo, denn das Netz war damals in der DDR nicht allzu stabil. Das ärgerliche, ich durfte mit 6 Jahren diese Sendung von der Bastei nicht ansehen. Hier nochmal ein kleiner Beitrag aus dieser Anfangszeit des Fernsehens. In Sebnitz konnten wir das Signal von Radebeul OT Wahnsdorf empfangen. Es war ein Sonderkanal, nach Berlin und Leipzig der dritte Senderstandort in der DDR. Hier noch ein Bild von diesem Sender der auf VHF II Bild 145,25 MHz und Ton 151,75 MHz sendete (OIRT - Norm). Der CS- Sender von Bukova Hora kam allerdings wie der Ortssender mit OIRT- ton Meine Eltern hatten sogar alle Quittungen aufgehoben. Der Fernseher mit seiner 33 er Bildröhre kostete 1150 Mark, der Regeltrafo 155 Mark, die Antennenanlage mit Verstärker 295 Mark. Eine Rechnung für die Montage fand ich nicht, deshalb schreibe ich diesen Text hier auch in schwarz.          Foto E.Kunst

Auch Devisen zum Arrangieren von Künstlern waren  vorhanden und so entstand zum Beispiel am Pfingstsonnabend  ( 8.Juni) des Jahres 1957 die Sendung "Scheinwerfer, Musik und Sommernacht". Start war 20,30 Uhr als Live-Sendung. 

Hier zunächst eine Übersicht der technischen Lösung: Fotos und Montage: Eberhard Kunst. 

Der DFF ist mit zwei Übertragungswagen angereist sowie mit weiteren Fahrzeugen zum Aufbau der Richtfunkstrecke nach Dresden und drei Dieselaggregaten welche von Zugmaschinen gezogen werden.  So rattert die Technikkaravane durch Pirna über die Elbrücke zur Bastei. Ein Übertragungswagen wird technisch auseinandergenommen und die erforderlichen Bauteile wie Fernsehkameras und Antennen, Richtfunkspiegel  auf den Salondampfer Dresden geladen: 

Der Salondampfer Dresden ankert vor Rathen und und das Schiff füllt sich mit geladenen Gästen. Ein Unterhaltungsprogramm ist angekündigt.

Hier saß immer einTechniker hinter dem Spiegel, der ihn manchmal bei "Wellengang" neu ausrichten mußte.

        Über Richtfunk konnte man vom Dampfer mit der Bastei Verbindung halten, zusätzlich war Sprechfunk im Einsatz.

                                                                                                                                                                Natürlich musste  für später geschmückt werden, denn gegen 21,30 Uhr wurde es dann langsam dunkel.

Oben stand ein weiteres Kamerateam, denn der Reporter Wolfgang Reichardt, der die Idee hatte, mit dem Fernsehen zu den Menschen zu gehen, hatte hier drei Höhepunkte in der Sendung eingeplant. 

Auf dem Salondampfer Dresden gab es ein Programm mit Heinz Quermann, Orchester und Sängern. es durfte getanzt werden...

Oben im Basteihotel war u.a. der damals sehr populäre Sänger Lou van Burg aus Holland aufgetreten  sowie einige Turniertanzpaare und die Travellers, damals eine beliebte Truppe. Auch Fips Fleischer war mit dabei. 

Eines der wenigen Farbbilder von damals, als diese noch ein kleines Vermögen kosteten. Der Ü2 steht hier auf dem Basteiparkplatz neben dem HO-Kiosk .

Hier haben sich hunderte Schaulustige eingefunden, denn im Außenbereich zwischen den Felsen und über den Schluchten werden gleich Hochseilartisten der TRABER Truppe aus der BRD auftreten.

Tagelang hatten Bergsteiger Kabeltrommeln , Seile und Befestigungsmaterial geschleppt und dafür wurden Sie sogar mit Westmark bezahlt, sonst wären die Vorbereitungen wohl nicht rechtzeitig fertig gewesen.

Außerdem bekam jeder Teilnehmer eine Autogrammkarte mit Originalunterschriften.

               

Das sollte der eigentliche Höhepunkt des Abends werden. Scheinwerfer flammten auf, Bergsteiger winkten mit Fackeln von umliegenden Felsen , die Traber-Truppe begann ihr waghalsiges Programm Sie balancierten, in großer Höhe waren Drahtseile gespannt und dort  fuhren zwei Akrobaten Motorrad, danach wurde noch am Trapez - am Motorrad hängend - gearbeitet, 

 

Eine Live- Sendung zwischen verschiedenen Stationen, durch Richtfunk miteinander verbunden und im Außenbereich, dass hatte es zuvor in dieser Form noch nicht gegeben. Der Deutsche Fernsehfunk machte es möglich, das Medium Fernsehen konnte sich mit solchen tollen Sendungen natürlich schneller entwickeln. schon gab es in der DDR Wartezeiten auf preiswerte Fernsehgeräte wie den Rubens für etwa 1150 DM ( damals hieß die DDR-Mark auch DM).  da hatten wir sicher im Großraum Dresden erst 1000 Zuschauer , aber es sprach sich herum und mit der Möglichkeit, auch einen Kredit zu nehmen, bestellten immer mehr Bürger das Fernsehgerät. 

Vielen Dank nochmals an Herrn Eberhard Kunst, DFF Techniker bis 1960, für seine Bilder aus seinem privaten Archiv . 

Foto Wolfgang Lill

Schnell noch zum Abschluß ein Bild von der Gierseilfähre in Rathen, diese wurde 1954 in Dienst gestelllt und sie fährt nur mit Wasserkraft. Auch im Jahre 2022 ist Rathen eine Reise Wert, die Felsenbühne, der Amselsee, die Basteibrücke und das ausgezeichnete Basteirestaurant  und ich hoffe natürlich, daß auch der MDR sich wieder einmal dieser wunderschönen Landschaft annimmt und dort eine tolle Sendung produziert

Beitrag wird fortgesetzt mit dem Teil 3, wenn Sie wollen sehen wir uns gleich wieder im Uhlenhorst !

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Deutscher Fernsehfunk Berlin Scheinwerfer Musik ... 
10.Jan.23 15:37
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Wolfgang Lill (D)
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Wolfgang Lill

Die erste große  Unterhaltungssendung des Deutschen Fernsehfunks mit live- Schaltungen zu Pfingsten 1957 kam aus der "Sächsischen Schweiz".

Nochmal die korrekte Bezeichnung der Sendung:

Scheinwerfer - Musik und Sommernacht

 Der Salondampfer "Dresden" war unterhalb vom Kurort Rathen vor Anker gegangen und oben auf der Bastei trat die TRABER Truppe aus München, mit damals weltweit einmaligen Darbietungen, auf.

Hier noch ein Foto von E.Kunst. Blick von dem Salondampfer "Dresden" zum Dampfer "Rathen" auf der Elbe bei Rathen. Mit dem Richtfunk wurde die Verbindung zur "Bastei" gehalten. 

Rathener, die augenscheinlich über 80 Jahre alt sind, wurden von mir angesprochen. Trotz aller Bemühungen habe ich bis  jetzt keine Zeitzeugen gefunden.

Im Stadtgebiet von Pirna ( Kreisstadt damals ) waren etwa 30 Fernsehgeräte im Einsatz. Deshalb fand diese tolle Show auch regional wenig Beachtung. 

Die Tageszeitung "Sächsische Zeitung" berichtete nur am Rande über dieses ( historische ) Ereignis.  Im U.T.- Lichtspieltheater, dem Pirnaer Vorzeigekino an der Gartenstraße,  waren an diesem PINGSTSONNABEND  ca 500 Besucher. Das war damals eine größere Reportage wert. 

Danke für diese Information und Foto an Herrn Kunst:

Die Übertragung der Sendung erfolgte über Richtfunktechnik zur Station Wahnsdorf ( Sender Radebeul)

Für andere Übertragungen, z.B. zur 750 Jahr Feier in Dresden 1956, wurde auch diese PYE Deziantenne in Wahnsdorf eingesetzt

Hier geht es weiter u.a. mit der Friedensfahrt gefilmt aus dem Hubschrauber

 

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