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Experimentierbuch 1908

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Dietmar Rudolph † 6.1.22
Dietmar Rudolph † 6.1.22
 
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04.Mar.09 14:48

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In einem Experimentierbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie von 1908 wird die Herstellung eines Fritters (Cohärer) beschrieben. Ein Fritter ist eine sehr frühe Methode zum Nachweis elektromagnetischer Wellen. Da der Fritter nur schalten kann, eignet er sich nur zur Demodulation von Telegraphie. Das heißt, nachdem er auf eine HF-Schwingung "angesprochen" hat, muß er erst wieder "entfrittet" werden, um erneut seine Empfindlichkeit wieder zu erlangen. Neben dem hier beschriebenen "Glühlampen-Fritter" gab es weitere oder z.B. auch einen Stahl-Karborundum-Detektor.

 

Hier der Auszug zur Herstellung eines Fritters mit einfachen Mitteln.
 

 
Kapitel 3.

 

Versuche über drahtlose Telegraphie

 

mit möglichst einfachen Mitteln.


 

1. Der Fritter und die Empfangsdrähte.


Der Bau des Fritters wird uns zuerst beschäftigen.   Als der Branly'sche Fritter zuerst angewandt wurde, da betrachtete man ihn als ein geheimnisvolles Instrument. Allerdings können wir dies auch jetzt noch sagen; doch etwas hat sich geändert. Wir kennen nämlich jetzt eine ganz stattliche Zahl von Frittern oder Kohärern. Und eigentlich kann es auch wohl nichts Einfacheres geben, als solch einen Apparat. Nimmt man z. B. zwei magnetische Stricknadeln und taucht man sie in Eisenfeilspähne, so ist ein Fritter fertig; auch tun zwei Kohlen für elektrisches Bogenlicht, über die eine dritte gelegt wird, dieselben Dienste. Oder nimmt man verdünnte Schwefelsäure und taucht zwei Platinstifte hinein, welche mit einem Elemente und dem Hörer eines Fernsprechapparates verbunden werden, so hat man einen Detektor, der nach dem Erfinder Schlöhmilch den Namen trägt. Zum Telegraphieren gebraucht man neben Telephon auch das Mikrophon. Auch das ist ein Fritter. Die Zahl ist also ziemlich gross.

Also einen Fritter wollen wir uns herstellen. Die Arbeit sieht schwerer aus, als sie wirklich ist. Überdies ist es noch der feinste und empfindlichste Apparat der Empfangsstation. Zum Gebrauche sei der folgende Fritter empfohlen.

Dieser wird allerdings in der Praxis nicht verwendet; denn Verfasser hat ihn sich selbst gebildet; dennoch arbeitet er vorzüglich, und er kann auf das Wärmste empfohlen werden, ist er doch übrigens sehr billig und äusserst empfindlich.


Wie der Name schon erkennen lässt, stellen wir ihn uns aus einer Glühlampe her. Vielleicht findet sich eine durchgebrannte und damit unbrauchbare in dem Handwerkskasten oder sonst irgendwo vor.

Wir sehen uns Fig. 53 an, und erkennen in a eine gewöhnliche Glühlampe. Wir feilen die Kuppe (K) mit einer Dreikantfeile an und brechen sie vorsichtig ab. Ist der Glühfaden (S) noch nicht entfernt, so tun wir das. In Fig. 53 b ersehen wir unseren gebauten Fritter mit der Öffnung O. M ist die Metallpulverschicht. Um dem hergestellten Fritter einen Halt zu geben, gebrauchen wir die bekannte Fassung. Durch Anlöten an ein kleines Metallblech können wir sie auf einer Grundplatte befestigen und wir haben so den fertigen Apparat vor uns. Die Höhe der Metallpulverschicht M gibt die Empfindlichkeit an.
 
Die zur "drahtlosen Telephonie" beschriebenen Experimente beziehen sich auf Versuche mit "sprechenden Bogenlampen", deren Strom mit Hilfe von Kohle-Mikrofonen moduliert wurde und auf Selen-Zellen zur "Demodulation". Es handelte sich somit um eine analoge Übertragung mit Hilfe von Licht.
 
MfG DR

 

This article was edited 05.Mar.09 10:02 by Dietmar Rudolph † 6.1.22 .

Ralf Keil
 
 
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Hallo Herr Rudolph,

Gab der Verfasser auch Hinweise wie der Klöppel zum Entfritten anzubringen ist? Ich habe bestenfalls eine vage Vorstellung wie kräftig man klopfen musste um den Fritter wieder "scharf zu machen".

Grüsse!

Ralf Keil

Nikolaus Löwe
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04.Mar.09 18:18

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Grundsätzlich reich ein sehr leichtes Klopfen gegen den Fritter aus, um ihn zu entfritten. Hughes hat beispielsweise mit einem Uhrwerk den Fritter in ständiger Vibration gehalten, um eine kontinuierliche Entfrittung zu gewährleisten. Der Fritter arbeitet tatsächlich so, daß durch die im Empfangsapparat entstehende Spannungsamplitude die natürliche Oxydschicht der Metallspäne durchbrochen wird, und diese - elektrisch leitend - zusammenbacken. Um diese Kontaktgabe zu zerstören, reichen bei lockerer Lage der Metallspäne auch leichte Erschütterungen.

Riemenschneider schlägt für seinen Experimentalaufbau die Verwendung einer haushaltsüblichen elektrischen Klingel als Klopfer vor. Er beschreibt auch noch einen Fritter aus einer alten Schmelzsicherungspatrone im Glasröhrchen.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an das Experiment aus dem "Radiomann", wo ein Fritter unter dem Namen "Metallfeilichtbrücke" vorgestellt wird. Dazu wird zwischen zwei magnetischen Stahldrähten eine sich durch den Magnetismus selbsttragende Brücke aus Eisenfeilspänen gebildet. Der Empfangsindikator ist das Glühlämpchen. Als Sender dient der Öffnungsfunke der Magnetspule. Um den Fritter zu entfritten, oder zeitgenössisch gesprochen zu "decohärieren", reicht es, an die Grundplatte mit der Feilspanbrücke zu klopfen.

Dieser Fritter ist natürlich in seiner Empfindlichkeit nicht mit den ausgereiften Modellen der frühen Funkentelegraphie zu vergleichen. Aber Empfindlichkeit war damals auch nicht das einzige Kriterium. War der Fritter zu empfindlich, so reagierte er ständig auf luftelektrische bzw. atmosphärische Störungen. Diese sind schließlich Spannungsimpulse, und der Fritter reagiert eben auf Spannungsspitzen.

Mit freundlichem Gruß,

Nikolaus Löwe

This article was edited 04.Mar.09 18:26 by Nikolaus Löwe .

Wolfgang Eckardt
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04.Mar.09 22:27

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Ich habe hier eine komplette Empfangsanlage gefunden, deren Nachbau vor viieelen Jahren zusammen mit Schülern auch funktioniert hat. Sender war ein großer Funkeninduktor. An viele Einzelheiten kann ich mich nicht mehr so richtig erinnern. Ein Problem war damals die Beschaffung einer Nickelmünze für die Feilspäne.

Da die Auflösung des Textes zu gering wäre, ist er  als Anlage.

Das Buch vom damaligen "Allerweltsbastler" Hanns Günther (de Haas) hat den Titel

Kleine Elektrotechnik für Jungen, erschienen 1917, meine Auflage ist von 1920.


Noch ein Hinweis zu Post 1 - Herrn Rudolph:

Kurt Riemenschneider beschreibt schon 1907 in einem Heftchen "Wie baue ich mir selbst?" Band 12 mit dem Titel "Hertz'sche Versuche" den Bau von "Apparaten für drahtlose Telegraphie".

Wolfgang Eckardt

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