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Firmengeschichte Stuzzi – Rezension einer neuen Chronik

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Wolfgang Scheida
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29.Sep.14 20:17

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Firmengeschichte STUZZI  –

Aufstieg und Niedergang eines österreichischen Paradeunternehmens

Eine kurze Buchvorstellung.

Prof. Ing. Stuzzi RKF Firmenchronik 2014

Einleitung:

Als ob er als Herausgeber (im Verein Freunde der Mittelwelle) und Redakteur des (Österreichischen) >Radioboten<, seiner Autorenarbeit darin und der Organisation von zwei erfolgreichen Radiofachflohmärkten pro Jahr nicht schon genug zu tun hätte, hat RMorg Mitglied Herr Fritz Czapek noch einen draufgesetzt:

Rechtzeitig zum sich jährenden 95. Geburtstag (1919-1996) des österreichischen Erfinders, Tüftlers und Unternehmers Herrn Professor Ing. Viktor Stuzzi erschien das 104 Seiten starke Buch zur Firmengeschichte als Chronik für das interessierte Fachpublikum.

So konnte Herr Czapek nicht nur seine eigenen Erinnerungen die er als Saisonmitarbeiter gesammelt hatte einbauen, sondern auch einige Zeitzeugenberichte ehemaliger Mitarbeiter die noch "aus dem Nähkästchen" plaudern konnten und wollten.

Hinzu kommen Illustrationen und Abdrucke aus den einstigen Fachzeitschriften in denen Stuzzi mit seinen Erzeugnissen stets omnipräsent war und so kaum einem ernsthaften Amateur verborgen geblieben sein konnte. Bei anderen Herstellen verlangte man noch nach einem Tonbandgerät, vielleicht noch nach einer klingenden Wortmarke wie etwa nach einem Magnetophon. Bei Stuzzi Tonbandgeräten hingegen gleich ein "STUZZI", und jeder wusste was gemeint war. 

Das Buch:

Der Leser bekommt eine kurzweilige übersichtliche Zusammenstellung einerseits einer Beschreibung des Menschen, des Lebenswerkes von Prof. Stuzzi, und gleichsam eine Gesamtübersicht aller bekannten RKF/Stuzzi Erzeugnisse, vornehmlich waren das die Heimtonbandgeräte und später die Bürodiktiergeräte, einschließlich einzelner Prototypen und Exportgeräte geboten.

Der geneigte Leser wird auf einer Zeitreise von den Anfängen in den unmittelbaren Nachkriegsjahren, den prosperierenden Aufstieg des Unternehmens mit laufender Expansion an Mitarbeitern, der erhöhten Fertigungstiefe und der Vergrößerung der Produktionsstandorte in den 1950er und 1960er Jahren noch im Wiener Stadtbereich gelegen bis hin zum langsamen Abstieg aufgrund von Marktsättigung bei zeitgleich starker (fernöstlicher) Konkurrenz ab den 1970er Jahren bis zum bitteren Ende 1991 geführt.

So versprach die Fachkompetenz des Firmenchefs und die flexible Größe des mittelständischen Unternehmens vielfach, die Nase in den Entwicklungen vorne zu haben. Und während der Wettbewerb noch Produktinnovationen ankündigte, hatte Stuzzi sie schon praktisch umgesetzt und in den Verkauf gebracht #1.

Seine Patentanmeldungen werden angeführt, und belegen so das was Herr Stuzzi selbst zu Hause in seinem Heimlabor unweit Wiens gelegen noch so ersonnen hat.

So bleibt Stuzzi ein Paradebeispiel dafür, wie auf Basis einer soliden Ausbildung (HTL-Ingenieur Fachschule & der fördernd wirkenden Kapsch Spitzenkraft Herrn Ing. Josef Sliskovič) auch oder gerade in turbulenten Zeiten ein Erfolg werden konnte.

Letztlich teilt der Mensch Prof. Stuzzi wie auch seine Firma aber das Schicksal der meisten anderen österreichischen (Eumig, Radione, Minerva usw.) wie auch anderer mitteleuropäischen Unterhaltungsgerätehersteller (Grundig, Saba, Nordmende usw.), die allesamt der Übermacht und Produktschwemme aus dem Ausland nicht Paroli bieten konnten und so nach und nach vom Markt und damit aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwanden.

Inwieweit das „nur“ in der Wahl der Produktpalette gelegen hat oder auch organisatorische Versäumnisse und Führungsschwächen mitverantwortlich werden in dem Buch ebenso angedeutet.

 

Fazit:

Ein Pflichtwerk für den an der österreichischen (Nachkriegs-)Radiogeschichte interessierten Sammler.

Offene Punkte:

Was er/sie sich noch von einer möglichen zweiten Auflage (Die erste Auflage mit nur 100 Stück wird bald vergriffen sein) noch wünschen darf:

Einfach von allem mehr:

  • Mehr Erzählungen von Zeitzeugen wie es damals so war.
  • Mehr Beschreibungen und auch Vergleiche der einzelnen Gerätemodelle untereinander (allein das RMorg listet schon 94 Modelle, das Buch hingegen mehr als 177! inkl. vieler Zubehörartikel)
  • Mehr Bilder der Geräte selbst als auch der damaligen Fertigungsstätten

Ersteres kann vielleicht mit der Textübernahme der Zeitzeugenberichte aus dem Archiv der Österreichischen Mediathek „Produktion bei der Firma "Stuzzi" in den 1950er-Jahren [Ausschnitt]“ noch ein wenig erfüllt werden.

Für weiteres hat aber vielleicht erst jetzt der eine oder andere Sammler wieder in Erinnerung welche RKF/Stuzzi Schätze in Form von persönlichen Erinnerungen oder seltenem Schriftgut er noch zu Hause verstauben hat und stellt diese nun einer öffentlichen Nutzung gerne zur Verfügung.

Bezug:

Das Büchlein ist zu beziehen direkt beim Autor Herrn Fritz Czapek (Siehe RM.org Mitgliederliste) zum Preis von € 16,-.

 

© W. Scheida / Wien, 9/2014 (An einem möglichen Verkaufserlös natürlich NICHT beteiligt)

 

Anmerkung:

Der Autor dieser Zeilen selbst hatte etwa um 1994 die einmalige Gelegenheit Herrn Professor Stuzzi im Rahmen einer Veranstaltung des Wiener Phonomuseums in der Mollardgasse 8, Wien VI noch persönlich zu treffen, und nebst dem Lauschen seiner Erzählungen auch ein Autogramm am Sonderheft des ITM-Praktikers (Öst. Fachzeitschrift) mit seinem Bild darauf bekommen zu haben. (Letzteres wird natürlich in Ehren gehalten).

Dort erzählte Prof. Stuzzi unter anderem von:

#1: …Wonach er auf Verkaufstour bei einem Händler war, der ihm erklärte nichts zu kaufen weil Philips in kürze ein zwei Bandgeschwindigkeiten Heimtonbandgerät herausbringen werde. Im Labor zurückgekommen realisierte Prof. Stuzzi kurzerhand das was angeblich die Konkurrenz bald haben werde und war damit einmal mehr schneller…

#2: …er einen ehemaligen Philips Techniker für die Chassisfertigung „einkaufte“ der aber gewohnt war Großserien zu planen und zu konzipieren. Die aufwendige Fertigung der (Druckguß?) Chassis wurde so aufgrund der bescheideneren Stückzahlen bei Stuzzi für selbigen ein finanzielles Fiasko….

…den Planierraupen, die in Ungarn aus zolltechnischen Gründen alles dem Erdboden gleich machten, mit dem sinngemäß wiedergegebenen wehmütigen Nachsatz „..Ich war wohl immer mehr der Techniker und Ingenieur als ich den der Kaufmann war…“….  

...er die Motorfliegerei dazu nutzte um damit zum Segelflugplatz zu gelangen, wo er in der Thermik verweilend erst so richtig entspannen konnte...

This article was edited 03.Oct.14 17:17 by Wolfgang Scheida .

  
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