Kathodenstrahlröhren-Modelle mit Kaltkathode

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Kathodenstrahlröhren-Modelle mit Kaltkathode 
08.Mar.13 18:06
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Wolfgang Eckardt (D)
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Wolfgang Eckardt

 Beim Recherchieren in Material des DZL (Deutsches Zentralinstitut für Lehrmittel der DDR) fand ich Modellblätter für Experimente im Physikunterricht mit verschiedenen Kathodenstrahlröhren, die z.T. auch als Crookes-Röhren bezeichnet wurden. Diese Beiblätter stammen aus Anfang der 1960er-Jahre und waren Bestandteil jeder Physiksammlung an den Schulen. Ich habe selbst in dieser Zeit damit experimentiert.

Das Besondere an diesen Röhren ist, dass sie keinen Heizfaden besitzen, also eine "kalte Kathode", so dass zu ihrem Betreiben ein Funkeninduktor von ca. 100 mm Funkenlänge notwendig ist.

Folgende Röhren sind aufgeführt unter einer bestimmten Experiment-Nummer (E= Elektrik):

  • Kathodenstrahlröhre (Crookes-Wärme-Röhre) mit hohem Vakuum und Hohlspiegel (E 7.3.3.1)
  • Kathodenstrahlröhre (Crookes-Röhre) mit Schattenkreuz (E 7.3.3.2)
  • Kathodenstrahlröhre (Crookes-Railway-Röhre)  mit Glimmerrad (E 7.3.3.3)
  • Kathodenstrahlröhre (Crookes-Röhre)  mit Zinksulfidschirm (E 7.3.3.4)
  • Braunsche Röhre (Va850 und Va866)    (E 7.3.3.5)
  • Kanalstrahlenröhre (E 7.3.3.6) >> siehe auch hier  ►
  • Röntgenröhre (E 7.3.3.7 bis E 7.3.3.9)

Hier Ausschnitte aus diesen Lehrmittel-Beiblättern:

Diese Röhren tragen keine besondere Typenkennzeichnung und waren teilweise schon Anfang des 20. Jahrhunderts, also um 1910 in dieser Form Bestandteil der physikalischen Sammlungen an verschiedenen Bildungseinrichtungen. Sie stellen also einen historischen Bestand  dar.

Nun bin ich mir aber nicht sicher, ob diese Röhren hier im RM angelegt werden sollten. Vor allem eine sinnvolle Typenbezeichnung macht Kopfzerbrechen, da ja nur komplette Begriffe eingetragen werden können, z.B. Kathodenstrahlröhre mit Schattenkreuz ....
 Allerdings sind die Weiterentwicklungen dieser Röhren mit Glühkathode und Sockel im RM angelegt, z.B. die „Schattenkreuzröhre“ als SKR2, die „Glimmerradröhre“ als ERR2 und die „Braunsche Röhre“ als BR2. Diese alte Braunsche Röhre trägt allerding als einzige eine Typenbezeichnung und ist als Va866 und Va850 im RM angelegt.
Ich neige also zu der Auffassung, dass diese Röhren als historischer Bestand von Gasentladungsröhren bzw. Kathodenstrahlröhren oder Crookes Röhren aufgenommen werden sollten.

Da ich selbst in den 1960er-Jahren  damit experimentiert habe, sei mir die Schilderung einer Begebenheit erlaubt:  Mittels der dargestellten Röntgenröhre, einem speziellen Leuchtschirm (Perlux) und einem Funkeninduktor habe ich mehrfach meinen Schülern im verdunkelten Raum die Fingerknochen meiner Hand und auch den Inhalt eines geschlossenen Zirkelkastens gezeigt, zur Ergänzung des Themas  "Elektromagnetische Wellen". Das war für die Schüler mindestens ebenso spannend wie das Erproben der Reichweite eines kleinen modulierten Mittelwellensenders mit EL83.  Einen Kommentar dazu möchte ich mir aus heutiger Sicht ersparen...... 

 Wolfgang Eckardt

 

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